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Sometimes, home has a heartbeat

OneshotDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Ingo "Easy" Winter Richard "Ringo" Beckmann Tobias Lassner
16.12.2017
06.03.2021
12
25.419
16
Alle Kapitel
58 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
21.04.2019 2.906
 
Hallo zusammen,

ich wünsche euren Lieben und euch ein frohes und sonniges Osterfest! Vielleicht gefällt euch ja der folgende kleine Oneshot dazu. Lieben Dank an dieser Stelle an meine Betaleserin für ihre unermüdliche Unterstützung und gemeinsame Ideensuche, die immer das eigentliche Highlight noch vor dem Schreiben ist.

Macht euch ein paar schöne Tage!

MissRingsy


Von Tollpatsch-Bärchen und Trampel-Flamingos

„Versprich‘ mir, dass es nicht so lange dauert“, murmelt eine Stimme an sein Ohr, deren Tonfall so weich wie eine Feder ist.

Easy seufzt leise, als sich zwei große, starke Arme um seinen Körper schlingen und er sein Gesicht an Ringos warmer Halsbeuge vergraben kann. Selbst nach einem 12 Stunden-Tag bei Huber Bau, dem ständigen Gehetze zwischen Baustellen und Geschäftsmeetings, riecht er überdeutlich die einnehmende Aftershave-Note seines Freundes heraus.

Sie stehen inmitten ihrer WG, wo seit einigen Tagen aufgrund der Renovierungsarbeiten das blanke Chaos herrscht. Doch jetzt, wo die Osterfeiertage anstehen, ist endlich mal so etwas wie ein bisschen Ruhe eingekehrt. Natürlich stolpert er selbst noch trotzdem regelmäßig über irgendwelche Kartons und Malerutensilien. Nächtliches Fluchen, blaue Flecken und den neuen Spitznamen „Tollpatsch-Bärchen“ inklusive.

Ringo streicht mit seinen Händen langsam über seinen Rücken und für einen Moment ist Easy dazu geneigt, seinen ursprünglichen Plan fallen zu lassen und mit seinem Freund auf der Stelle in das gemeinsame Zimmer zu verschwinden. „Eine Stunde. Höchstens“, nuschelt Easy leise und als Antwort bekommt er ein unleidiges Brummen. „Möchte ich eigentlich wissen, was ihr zwei Verrückten schon wieder treibt?“ Ringo löst sich etwas widerwillig von ihm und hebt die rechte Augenbraue keck in die Höhe. „Nö“, antwortet Easy nur frech und fügt schmunzelnd hinzu: „Außerdem wäre es dann keine Überraschung mehr.“

Er sieht die Resignation in Ringos blaugrauen Augen, aber auch die schier unendliche Müdigkeit. Huber hat seinen besten Mitarbeiter vor den Feiertagen noch einmal wie eine Zitrone ausgepresst. Leichtfüßig stellt sich Easy auf seine Zehenspitzen und verschließt Ringos Lippen mit einem zärtlichen Kuss, der sofort erwidert wird. „Du schläfst mir hier gleich im Stehen ein. Geh bitte schon mal vor, ich beeile mich. Großes Ehrenwort.“ Er gibt Ringo einen schnellen Schmatzer auf die Wange, bevor dieser noch leise mit erhobenem Zeigefinger droht: „Wenn es länger dauert, hole ich dich persönlich zu mir.“ Easy lacht: „Du machst mir keine Angst, Ringo Flamingo!“

Dann schließt sich die Tür hinter seinem Freund auch schon und keine drei Sekunden später tapst Vivien mit ihren kunterbunten Socken die Wendeltreppe hinunter. Easy kann sich ein breites Grinsen nicht verkneifen: „Hast du auch alles dabei?“ Seine Mitbewohnerin nickt eifrig: „Worauf du einen lassen kannst! Das hätte Elli auch mega gefallen“. Wie Recht sie damit hat, geistert es in Easys Kopf herum. Etwas außer Puste bereitet Vivien sämtliche Schachteln auf der Küchenoberfläche aus und stellt einen mittelgroßen Eierkocher daneben: „Den hier habe mir extra von Irene gemopst! Damit können wir 10 Eier gleichzeitig kochen!“

Neugierig schaut sich Easy die verschiedenen Eiermalfarben an, die wahlweise mit Pinsel, Schwämmchen oder den Fingern aufgetragen werden können. Sein Blick bleibt an einer besonders auffälligen Verpackung hängen: „Hier! Mit der Neonfarbe fangen wir an, die leuchten später sogar im Dunkeln!“ Vivien hält ihm einen großen Stickerbogen vor die Nase – Aufkleber mit schiefen Mündern oder skurrilen Hüten: „Und die sind der absolute Oberknaller!“

Sein vergnügtes Glucksen hallt durch die Küche, bevor die Wohnungstür nur wenige Momente später polternd aufgeschlossen wird und ein griesgrämiger Tobias den Raum betritt. „Ach kommt, ich wusste gar nicht, dass sich die Kindergartengruppe sogar abends noch zur Malstunde trifft.“

Easy lässt sich von dem kotzigen Spruch seines besten Freundes nicht aus der Ruhe bringen, als er die Eierkartons einzeln aus dem Kühlschrank räumt: „Auch dir einen wunderschönen Guten Abend“, begrüßt er ihn fröhlich, während Vivien krampfhaft versucht, dem Anwalt keine Beachtung zu schenken und etwas ungeschickt die Verpackung der Eierfarbe aufreißt.

„Hast du zufällig noch eine Kopfschmerztablette, Easy?“ Tobias schaut ihn fragend an und kurz hält Easy in seiner Bewegung inne, als er zur Antwort ansetzt: „Nee du… hast du nicht heute Morgen erst eine genommen? Die sollten nicht dein neues Grundnahrungsmittel werden.“ Genervt hängt Tobias seine Jacke auf und ätzt ungehalten: „Danke für die Belehrung, Mama. Aber mein Schädel fühlt sich an, als würde er gleich von innen platzen.“

„Im Badschrank ganz oben links sind noch welche“, sagt Vivien bestimmt und dreht sich zu ihm um: „Und jetzt verzieh‘ dich mit deiner Scheiß-Laune, bevor ich mich vergesse.“ Das Knistern in der Luft ist zum Greifen nah, aber Tobias brummt nur „wie liebreizend“ und verzieht sich schnellen Schrittes ins Badezimmer. „Alles okay?“, möchte Easy besorgt wissen, aber Vivien winkt mit einer schnellen Handbewegung nur ab und strahlt ihn an: „An die Arbeit, es gibt noch viel zu tun.“

*****


Es ist ein leises Klirren aus der Küche, welches Ringo am nächsten Morgen etwas unsanft aus seinem wohlverdienten Schlaf reißt. Noch lässt er die Augen geschlossen, tastet aber mit der rechten Hand über das Bettlaken und rutscht immer ein paar Zentimeter nach vorne. Irgendwo hier muss er doch sein, der anschmiegsame und warme Körper seines Freundes. Seit gefühlten Ewigkeiten könnten sie beide theoretisch mal ausschlafen. Keiner von ihnen muss zur Arbeit, der Wohnungsumbau pausiert. Perfekte Voraussetzungen also, um den gemeinsamen Ostersonntag ausgiebig im Bett zu starten. Etwas grummelig ruckt er weiter nach vorn… Easy ist nicht da. Flatternd öffnen sich Ringos Lider, benommen reibt er mit sich mit den Handflächen über das verschlafene Gesicht. Lässt seinen aufmerksamen Blick anschließend durch das Zimmer schweifen, aber er ist tatsächlich allein hier.

Ringo will seine langen Beine gerade aus dem Bett schwingen, als sein Smartphone immer wieder aufbrummt. Genervt rollt er mit den Augen – im schlimmsten Fall ist das Benedikt Huber, der ihm selbst an den Feiertagen keine Ruhe lässt, seit er von der Liaison seines feinen Töchterchens mit dem Baudezernenten erfahren hat und Larissa damit raus aus dem Familienbetrieb ist. Zumindest vorerst. Denn an eine Endgültigkeit dieses Zustandes glaubt Ringo noch lange nicht. Dafür ist die Prinzessin auf der Erbse zu hartnäckig – und das Kokain macht sie zu einer unberechenbaren Gegnerin.

Ein weiteres Vibrieren erklingt und dann greift Ringo doch nach seinem Handy. Ein Gruppenchat bei WhatsApp leuchtet auf, den Elli damals noch gegründet hat. Schillerallee Crew heißt er – mit aktuell zehn neuen Nachrichten. Neugierig tippt Ringo auf den Chat und öffnet das kleine Video, welches von Till in die Runde geschickt wurde. „Oh mein Gott!“

Diesem Aufruf folgt ein schallendes Gelächter. Hastig schlägt er die Bettdecke bei Seite und erreicht in großen Stelzenschritten die Zimmertür: „Easy! Das musst du dir unbedingt angucken!“ Seine Stimme überschlägt sich fast vor kindlicher Freude, die Augen sind dabei immer noch auf den Bildschirm gerichtet: „Ich frage mich manchmal echt, wo Bambi war, als die Intelligenz verteilt wurde. Wie kam nur so oberpeinlich sein und wegen dem ganzen Osterkram so ein dämliches Tamtam machen?!“

Es ist das eindringliche Räuspern von Vivien, welches Ringo dazu bringt, den Blick endlich nach vorn zu richten. Er erstarrt augenblicklich in seiner Bewegung. Der hölzerne Esstisch vor ihm ist voll eingedeckt, farbenfroh in einem gelb und orange gehalten. Ein paar kleine Schoko-Osterhasen warten förmlich nur darauf, endlich vernascht zu werden. Überall stehen kleine Leckereien, frischer Kartoffelsalat, Kräuteraufstriche, Nougathörnchen.

„Tamtam also“, hört er aus der Ecke leise murmeln und hastig dreht Ringo sich um. Goldbraune Augen schauen ihn fast enttäuscht an – Ringos Mundwinkel zucken jedoch kurz nach oben, als er den Haarreif mit den kleinen grauen Hasenohren entdeckt, welcher den Kopf seines Freundes ziert. „Easy ich...“, setzt Ringo etwas unbeholfen an, aber der Angesprochene schaut bedröppelt nach unten auf den Parkettboden, der scheinbar auf einmal unheimlich interessant zu sein scheint. „Schon gut, ich hab’s kapiert“, wispert Easy schließlich und zieht sich mit einer geschmeidigen Bewegung die Hasenohren vom Kopf, schmeißt sie im hohen Bogen auf die zerfledderte Couch. Ringo muss krampfhaft dem Drang widerstehen, ihm eine vorwitzige schwarze Locke augenblicklich aus der Stirn zu streichen.

Allgemein hat er gerade das bittere Gefühl, dass hier gerade etwas fürchterlich schiefläuft. Und er selbst nur dumm danebensteht, ohne etwas dagegen zu tun. „Jetzt hör‘ mir doch erstmal zu, das war doch gar nicht so gemeint. Es ging dabei einfach um…“ Ehe Ringo seinen Satz zu Ende bringen oder gar reagieren kann, hat sich Easy geschwind an ihm vorbeigeschoben: „Ich muss noch in die Konditorei, meine Bestellung abholen.“ Parallel zu seinen gesprochenen Worten zieht Easy seine schwarze Lieblingslederjacke an und dann ist er auch schon verschwunden. Ringo holt tief Luft – die ganze Situation überfordert ihn bis in die Zehenspitzen.

Vivien, die sich die ganze Zeit über auf dem Küchentresen abgestützt hat, schaut ihn erst etwas mitleidig an, sagt dann aber: „Ich glaube, dass Lotta doch Recht hat. Du bist ein echter Trampel-Flamingo.“ Aufmunternd klopft sie ihm auf den schmalen Rücken, bevor sie sich pfeifend ins Badezimmer verzieht.

*****


„Ach verdammt nochmal… das ist jetzt nicht wahr, oder?!“ Immer wieder gleiten Easys schlanke Finger in die Innentaschen seiner Jacke, aber sie greifen ins Leere. Frustriert atmet er laut aus. Er hat den Wohnungsschlüssel also doch vorhin bei seiner urplötzlichen Flucht vergessen. Easy lässt ein wenig die Schultern hängen, bevor er die Bäckertüten schließlich abstellt, um die Klingel zu betätigen. Das hat ihm gerade noch gefehlt – weiß er doch zu genau, dass sein Freund der Einzige ist, der noch in der WG anwesend ist.

Vivien greift heute Ute beim jährlichen und ausgebuchten Osterbrunch im Schiller unter die Arme, Tobias ist zu Jakob ins Gefängnis gefahren und Conor dreht mal wieder seine einsamen Runden um den Block. Und Ringo hat es nur Saskias aufmunternden Worten gerade unten der Konditorei zu verdanken, dass er sich nicht auch noch ins Büdchen verzogen hat: „Na komm, Easy. Es ist Ostern und Ringo manchmal schwer von Begriff, was solche Dinge angeht.“

Wie Recht sie damit doch hat. Obwohl der Fotograf genau weiß, wie sehr sich Richard Beckmann im letzten Jahr zum Positiven verändert hat - wie viel Mühe er sich jeden Tag gibt, damit dass mit ihnen als Paar funktioniert. Und das tut es - zum Erstaunen von so ziemlich jedem Bewohner in der Schillerallee 10 - richtig gut.

Die leicht schrille Melodie ertönt sofort, als Easy mit dem Zeigefinger die Klingel betätigt und sich im selben Atemzug die Backwaren wieder schnappt. Schnelle Schritte bahnen sich ihren Weg zur Tür. „Ist da der Osterhase?“, hört er Ringo mit dumpfer Stimme fragen - Easy sieht sein typisches schelmisches Grinsen vor sich, obwohl sein Freund die Tür noch nicht geöffnet hat. Ein lauter Seufzer dringt aus seiner Kehle: „Mach‘ bitte auf, Ringo. Die Tüten sind schwer.“ Es dauert keine fünf Sekunden, bis ihm endlich Zugang gewährt wird und Ringo ihn mit großen Augen und noch größeren Hasenöhrchen auf dem Kopf entschuldigend anblickt.

Innerlich freut sich Easy bei diesem Anblick schon jetzt wie ein kleines Kind – aber da muss schon noch etwas mehr kommen. Und so schiebt er sich betont teilnahmslos an Ringos schmalen Körper vorbei und beginnt, die Brötchen, Brote und Hefezöpfe der Reihe nach auszupacken. Die Backwaren riechen frisch und absolut köstlich. Easy hört mit Genugtuung, wie Ringos Magen sich mit einem alarmierenden Grummeln zu Wort meldet. Und wenn er ehrlich ist, hängt auch ihm der eigene Hunger mittlerweile in den Kniekehlen.

Kurz zuckt Easy in sich zusammen, als da mit einem Mal Ringos warmer Atem auf seinem Nacken ist und dieser nur einen Hauch entfernt hinter ihm steht. „Easy, dass vorhin… es war ein absolutes Missverständnis, wirklich.“ Der Angesprochene hört den Ernst in jedem gesprochenen Wort. Easy holt das letzte Körnerbrötchen aus der Tüte, drapiert es ordentlich neben den anderen Leckereien und wagt es dann doch, sich langsam zu Ringo umzudrehen, der immer noch mit dem besagten Haarreif ausgestattet ist.

Das erste Mal an diesem Ostermorgen nimmt er sich die Zeit, seinen Freund ein wenig intensiver zu mustern. Ringo hat sich sein schwarzes Schlafshirt schnell übergeworfen, genauso wie die graue Jogginghose, welche eigentlich dringend in die Wäsche müsste. Die braunen Haare von Mr. Perfect, welche normal selbst zu ungöttlichen Zeiten wie aus dem Ei gepellt ausschauen, stehen noch wirr in alle Richtungen ab – eine Tatsache, die seiner unwiderstehlichen Ausstrahlung jedoch keinen Abbruch tut.

Easy muss schlucken, als Ringo einen kleinen Schritt näherkommt und den Blickkontakt zwischen ihnen nicht abbricht: „Missverständnis, mhmmm?“, bringt Easy gerade so über die Lippen, da nickt Ringo auch schon und hält ihm sein Handy vor die Nase. „Lag noch auf unserem Nachttisch, aber vielleicht magst du mal in unseren Chat schauen. Da ploppt direkt der Grund dafür auf, was ich heute Morgen als oberpeinlich bezeichnet habe. Und dazu stehe ich auch nach wie vor.“

Etwas zögerlich nimmt Easy ihm das Smartphone ab, entsperrt es aber mit seinem Fingerabdruck sofort und öffnet den besagten Crew-Chat. „Ähm… das ist doch ein Känguru-Kostüm, oder?“ Verdutzt guckt er ein zweites Mal, doch Bambi springt tatsächlich auf offener Straße vor der Schillerallee definitiv nicht als Hase vor Amelie und Noah herum.

Die Aufnahme ist zwar verwackelt, aber das würde jeder Blinde erkennen. Leise lacht Easy, als der prall gefüllte Osterkorb umkippt und ein großer Teil des Inhalts seinen neuen Stammplatz auf dem Gehweg findet, bevor das ursprünglich in Australien beheimatete Tierchen ungeschickt in der Nebengasse verschwindet. „Oh man, manchmal tut mir Frau Dr. Hirschberger echt leid. Da braucht man gute Nerven!“

Ringo verzieht keine Miene, als er ihm das Handy kurz wieder aus der Hand nimmt: „Genau das meinte ich mit Tamtam“, sagt Ringo und macht eine kurze Kopfbewegung zu dem liebevoll geschmückten Esstisch. Easy versteht die nächsten Worte nur, weil sie sich so nahe sind: „Und nicht deine Überraschung.“ Eine warme Hand legt sich an seine Wange – eine Berührung, die Easy mit all‘ seinen Sinnen genießt. Nichtsdestotrotz weiß er selbst genau, dass er vorhin völlig überreagiert hat: „Ringo ich… es tut mir leid, ich dachte wirklich…“ Der Angesprochene lässt seinen Daumen über die schwarzen Bartstoppeln streichen: „Ich weiß, Easy und ich muss nichtsdestotrotz zugeben, dass mir persönlich viel zu viel Aufriss um die Feiertage gemacht wird. Auch, weil unsere Hippie-Eltern Ostern nicht wirklich traditionell gefeiert haben, dafür aber mit vielen Räucherstäbchen und Qi Gong-Übungen“, erklärt Ringo mit einer puren Gelassenheit und fügt in dieser einer speziellen Tonlage hinzu: „Einen so schön gedeckten Ostertisch hatte ich bisher noch nie.“

Ihre Nasenspitzen berühren sich und Easy findet Ringos Lippen zu einem sanften Kuss, während dieser eine zweite Hand an sich Gesicht legt. „Danke“, flüstert Ringo schließlich zwischen zwei weiteren Küssen, „ich habe dich heute früh neben mir im Bett vermisst.“ Easy seufzt leise, weil es mal wieder eines ihrer typischen Missverständnisse war, das sich nun endlich in Luft auflöst und er die berechtigte Hoffnung hat, dass dieser Tag doch noch einen versöhnlichen Verlauf nimmt.

Sein Freund zieht ihn in eine feste Umarmung, sodass Easy mit etwas Anstrengung über seine Schulter auf den Tisch schielen kann: „Ey! Du hast ja schon alle Eier ohne mich gesucht.“ Er verzieht den Mund zu einer Schnute, hört Ringos unbefangenes Lachen: „Ja, allerdings, aber eine Sache hat der Osterhase auch noch für dich dagelassen und du musst es nicht mal suchen.“ Ringo löst sich zögernd von ihm: „Augen zu!“ Die Antwort auf diesen Befehl ist ein gespielt empörter Gesichtsausdruck, doch Easy fügt sich seinem Schicksal, ein neckendes „Ich hasse dich“ dringt aus seiner Kehle und er bemerkt Ringos Finger, die sich an seinem linken Handgelenk zu schaffen machen.

Etwas angenehm Kühles berührt seine Haut - er ist kurz davor, mit einem Auge zu schummeln. Ein kleiner Verschluss klackt kaum hörbar ineinander und plötzlich sind da Ringos Lippen an seinem rechten Ohr. Eine Gänsehaut marschiert im Eiltempo über seinen ganzen Körper, als Ringo raunt: „Tust du nicht. Und nun schau es dir gern an.“ Das lässt sich der Büdchenbesitzer wahrlich nicht zweimal sagen. Ein Lederarmband. Farblich passend zu seiner schwarzen Jacke – völlig unaufdringlich, schlicht, geschmackvoll, geflochten – besonders.

„Wenn es dir nicht gefallen sollte, ich kann es gleich am Dienstag umtauschen, der Verkäufer…“ Weiter kommt Ringo nicht, denn Easy hat beide Arme um seinen Hals geschlungen und küsst ihn so, als ob es keinen Morgen gebe. Die Haarreif mit den Hasenöhrchen kippt etwas nach vorn über – dennoch holt sich Easy einen letzten stürmischen Kuss: „Es ist perfekt, Ringo“, nuschelt er gegen dessen Lippen, „danke, danke, danke.“

Ringos Gesichtszüge werden noch weicher als eh schon, als er penibel seine Ohren wieder geraderückt und bemüht ist, seiner Stimme eine annährend ernste Tonlage zu verleihen: „Einen Wunsch habe ich aber noch.“ Etwas ratlos blickt ihm Easy entgegen, während sein Freund hastig hinter seinem Rücken einen weiteren Haarreif hervorholt und ihm ohne mit der Wimper zu zucken aufsetzt: „Du bist zwar eigentlich mein Bärchen, aber dir stehen sie einfach so gut. Da musst du jetzt durch.“ Ringo grinst ihm breit entgegen und Easy kann nicht anders, als es zu erwidern: „Damit kann ich gut leben. Aber dazu gehört auch noch ein Selfie in unsere Chatgruppe, damit der Bambinator mal zwei richtige Hasen sieht.“

Ringo zückt sein Handy, während er Easy auf seinen Schoß zieht und ein Selfie von ihnen macht, das zugleich an die halbe Schillerallee geschickt wird. Vivien ist die Erste, die mit einem großen roten Herz antwortet, während ein paar Sekunden später Milchbubi hat die Gruppe verlassen im Verlauf erscheint.

Stirnrunzelnd zeigt Easy auf den Bildschirm: „Wen oder was hast du denn unter diesem Namen abgespeichert?“ Ringo wirft ihm einen vielsagenden Blick zu: „Na unseren Animateur-Fußballer, der ständig wegen seinem Liebeskummer schlechte Laune schiebt und seinen Liegestütz-Schweißgeruch quer durch alle Räumlichkeiten tragen muss. Dem war unser Anblick dann doch zu viel!“, lacht Ringo und Easy stimmt mit ein: „Du bist echt unmöglich, Richard!“
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