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Sometimes, home has a heartbeat

OneshotDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Ingo "Easy" Winter Richard "Ringo" Beckmann Tobias Lassner
16.12.2017
06.03.2021
12
25.419
16
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Dieses Kapitel
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16.12.2017 2.913
 
Guten Abend ihr Lieben,
heute kommt mal ein Oneshot aus Easys Sicht und er nimmt die Ereignisse rund um die Folge 5739 auf, in der Ringo Easy einige... sagen wir mal unschöne Dinge an den Kopf geworfen hat. Und mir danach die Idee gekommen ist, wie es nach dem "Pakt" mit Tobias für Easy am Abend weitergegangen sein könnte...

Viel Spaß beim Lesen und eine besinnliche Vorweihnachtszeit,
MissYango.



Rating: P16 Slash

Genre: Romanze/Drama, OneShot

Pairing: Easy Winter/Ringo Beckmann

Disclaimer: Nichts was hier geschrieben steht ist wahr. Es soll hiermit niemand verletzt oder bloßgestellt werden. Es sind keine Copyright- oder Trademarkverletzungen beabsichtigt. Die Figuren und Schauplätze der Serie »Unter uns« sind Eigentum von RTL und der Ufa Serial Drama.



Sleepless in Cologne


‘Cause I gave
My heart
To a goddamn fool

Nothing Left For You - Sam Smith


Er gibt es auf – so bringt das einfach nichts. Ein verzweifelter Blick von Easy auf sein Handy, dass auf dem kleinen Nachttisch neben ihm liegt, lässt ihn leise aufstöhnen. Kurz vor Mitternacht, ganz prima! Er muss ja morgen auch nur in aller früh aufstehen, damit die Renovierungsarbeiten am Büdchen endlich fertig werden, um seine Freunde nicht noch einen weiteren Tag von ihren Verpflichtungen abzuhalten. Selbst Frau Dr. Hirschberger hatte sogar ihre „überaus wichtigen“ Seminare und Vorlesungen an der Uni geschwänzt, um mitzuhelfen.
Bambi, Saskia, Tobias und selbst KayC waren mit am Start, voller Tatendrang und Energie. Auch wenn Letztere mehr Zeit mit ihren Followern und ihrem Smartphone verbrachte, als mit Pinsel und Farbe. Aber der Gedanke zählt und seine Freunde beweisen Easy mal wieder, dass auf sie einfach in jeder Situation Verlass ist.

Ein weiterer Blitz erhellt sein gesamtes Zimmer und nur wenige Sekunden später folgt ein unheilvolles Donnergrollen. Er hasst Gewitter, schon als kleiner Junge war es so gewesen… und seit Tobias und er unter dem Dach wohnen hat er den Eindruck, dem Naturereignis noch ein Stück näher zu sein. Die Regentropfen trommeln laut an seine Fensterscheibe – unmöglich, an erholsamen Schlaf ist bei Weitem nicht zu denken. Obwohl die bleiernde Müdigkeit seinen Körper fest umklammert.

Wieder tastet seine Hand nach dem Smartphone und er atmet tief aus, als er die neue Mail von Malte liest. Sie haben vereinbart, dass sein Cousin und natürlich Caro mindestens zweimal im Monat ein regelmäßiges Update über die Bauarbeiten an ihrem Hostel in Südafrika schicken. Die angehängten Bilder lassen ihn leise seufzen. Meer, Strand, Palmen, Sonne… die Beiden sind wahrlich richtige Glückspilze. Noch dazu sehen sie so verdammt glücklich aus. Caro überstrahlt mit ihrem Lachen selbst die atemberaubende Landschaft hinter ihnen. Und auch, wenn der Abschied von ihnen nun schon etliche Wochen her ist – es vergeht kein Tag, an denen Easy sie nicht vermisst oder an sie denkt.

Und auch er selbst soll sie natürlich mit allen Neuigkeiten aus seinem Leben versorgen. Obwohl er ihnen den Ärger, die Vorkommnisse rund um das Büdchen in letzter Zeit zum größten Teil verschwiegen hat. Easy möchte nicht, dass sich insbesondere Malte unnötige Sorgen macht. Wenn er von dem Brand erfahren hätte, wäre er wohl direkt in das nächste Flugzeug nach Köln gestiegen.          
Wobei er dringend jemanden zum Reden bräuchte, denn nicht nur Blitz und Donner sind es, die ihm keine Ruhe lassen. Viel mehr kreisen seine Gedanken um einen bestimmten Kerl, um seine Worte, die er Easy am heutigen Abend ohne Vorwarnung an den Kopf geknallt hat…

„Mit so einem hässlichen Versager wie dir gehe ich bestimmt nichts trinken! Ich habe absolut keine Lust mehr, meine Zeit mit dir zu verschwenden!“


Immer und immer wieder hallen die Sätze in seinen Ohren nach, dringen schmerzhaft in jede Faser seines Herzens. Wie eiskalt der Blick von Ringo dabei war, die Abscheu spiegelte sich bis in seine blaugrauen Augen wieder. Easy erschaudert, krallt seine Hände dabei schon fast krampfhaft in die dunkelgrüne Bettdecke. Schluckt hart, um den aufkommenden Tränen in seinen Augen keinen Platz zu geben.                

Ihm ist klar, dass er in den letzten Tagen – oder viel mehr Wochen – mit seinem ewigen Hin- und Her wegen dem Büdchen die Nerven von Ringo strapaziert hat. Ringo, der ihn immer wieder ermutigt hat, sein Hobby zum Beruf zu machen und professioneller Fotograf zu werden. An seinen Traum zu glauben, weil er Talent hat und es schade wäre, wenn dieses hinter dem Tresen des Kiosks versauert. Ringo, der sogar seine Zeit für ihn geopfert hat, um ihm diese neue Website zu basteln. Und schließlich sogar seine Kontakte hatte spielen lassen, um einen potenziellen Käufer für das Büdchen aufzutreiben.

Eigentlich war Easy tatsächlich schon ein diesem einen Punkt angekommen, dieses Kapitel endgültig zu schließen und einen Neuanfang zu wagen. Homophobe Schmierereien, Rattenbefall, Hetze in den sozialen Netzwerken, der Besuch vom Gesundheitsamt und als krönenden Abschluss konnte er auch noch live dabei zu sehen, wie sein Büdchen in Flammen aufgeht. Wenn Ringo ihn da nicht so schnell herausgezogen hätte… Wieder erhellt ein Blitz den nächtlichen Himmel von Köln und Easy schließt langsam die Augen.

„Bist du hier jetzt der neue Hausmeister?“


Warum musste er sich auch ausgerechnet in Ringo verknallen? Der Halbbruder seines besten Freundes, mit dem er in den letzten Jahren mehr als einmal aneinandergeraten war. Allein wenn er an die Geschichte mit Suji zurückdenkt. Jeder normale Mensch würde ihn wohl für komplett verrückt erklären, sich ausgerechnet in diesen einen Typen zu vergucken.
Aber seit seinem Outing, da hat sich was verändert zwischen ihnen. Hat Easy zumindest geglaubt, inständig gehofft.    

Ringo war der Erste aus der Schillerallee gewesen, der von seiner neu entdeckten Homosexualität erfahren hatte. Und auch, wenn ab und zu ein spitzer Randkommentar von Ringo kam, so hat er gegenüber ihren gemeinsamen Freunden doch dichtgehalten. Solange, bis er selbst soweit war, den Schritt des Outings vor ihnen zu wagen. Er konnte mit ihm über alles reden, was ihn beschäftigte und Ringo war einfach da für ihn. Völlig selbstverständlich und ohne Gegenleistung. Hat sich sogar selbst die Hände schmutzig gemacht, als diese abwertenden Schmierereien an sein Büdchen gesprüht wurden und er Easy beim Reinigen half. Das mehr oder weniger geplante Fotoshooting am Beach, wo Ringo ins Wasser fiel und der Moment so losgelöst war, von allen belastenden Spuren der Vergangenheit.
Easy hat wirklich geglaubt, dass sich da zumindest eine Freundschaft entwickelt hat. Aber da hat er sich wohl bitter getäuscht. Er setzt sich langsam auf und fährt mit beiden Händen über sein Gesicht, fährt mit der Zunge über die spröden Lippen. Durst, er hat so schrecklichen Durst.

Wieder stöhnt er entnervt auf, als seine Augen neben sein Bett und die leere Wasserflasche gleiten. Jetzt darf er auch noch zum Kühlschrank wandern… Seufzend schlägt Easy die Bettdecke zurück, setzt seine nackten Füße auf den Teppichboden und verharrt in seiner Bewegung, als er ein leises Klirren wahrnimmt, dass aus der Küche zu kommen scheint. Was zur Hölle macht sein Mitbewohner nun schon wieder? Eigentlich war Tobias vor ein paar Stunden so fertig wegen KayC gewesen, dass er fast im Stehen eingeschlafen wäre.        
Wie er sich heute Morgen noch auf das bevorstehende Date mit dem It-Girl gefreut hatte. Easy war der hoffnungsvolle Tonfall durchaus nicht entgangen, dass sich da mehr entwickeln würde zwischen KayC und Tobias.

Aber vielleicht waren sie Beide einfach wirklich das – hoffnungslose Deppen, die ihr Herz mal wieder an die falsche Person verloren haben. Und nun gibt es da auch noch diesen fast blödsinnigen Pakt, den er zusammen mit seinem Kumpel aus lauter Frust heraus abgeschlossen hat. Er hält den Kotzmeister von dem blonden Lockenköpfchen fern, während Tobias ein Auge darauf hat, dass er Ringo zukünftig nicht zu nahekommt.
Aus reinem Selbstschutz, nicht wieder verletzt werden. Wenn er jetzt so richtig darüber nachdenkt, hat ihm Tobias gar nicht erzählt, was da genau bei seinem Treffen mit KayC alles schiefgelaufen ist. Aber im Umkehrschluss hat Easy ihm auch nicht gebeichtet, was dessen Halbbruder ihm da entgegengeschleudert hat. Vielleicht auch besser so, schießt es ihm durch den Kopf. Tobias hat schon relativ früh gemerkt, dass er für Ringo mehr empfindet, als nur bloße Freundschaft. Und hat ihn anschließend im selben Atemzug vor ihm gewarnt. Nicht ganz unberechtigt, wie sich nun herausgestellt hat.

Entnervt rollt Easy mit den Augen, als ein dumpfes Scheppern in der Küche erklingt. Vielleicht ist es ja auch einfach Stinker, der von seinem Herrchen und dessen Gefühlschaos vergessen wurde, zu füttern. Wundern würde das Easy derzeit überhaupt nicht. Als er jedoch die rechte Hand auf die Türklinke legt, nimmt er aus dem Nachbarzimmer die deutlich hörbaren Schnarchlaute von Tobias war. Also doch Stinker. Schwungvoll öffnet er die Tür und bleibt sofort wie angewurzelt stehen, als er die Person erblickt, welche leise fluchend vor ihrem schwarzen WG-Kühlschrank kniet.

Das graue, ärmellose Shirt ist bis auf den letzten Zentimeter durchgeschwitzt. Die schwarze, halblange Trainingshose sitzt perfekt an und betont schon fast verbotenerweise den Hintern und die schmalen Hüften. Auf den Ohren hat Ringo seine unvergleichlichen rot-silbernen Kopfhörer, jedoch hört Easy aus ihnen nicht mal in leiser Tonlage Musik erklingen. „Fuck, das kann doch wirklich nicht wahr sein!“, zischt Ringo leise. Easy sieht, wie er eine Smoothieflasche nach der anderen auf den Küchenboden absetzt, den Kopf immer näher in den Kühlschrank rückt – er scheint irgendwas zu suchen und Easy‘s Anwesenheit noch nicht bemerkt zu haben.          

Der schnappt gierig nach Luft, hat gar nicht gemerkt, dass er sie vor Schreck die ganze Zeit angehalten hat. Vielleicht ist es an dieser Stelle einfach besser, in sein Zimmer zurückzugehen und schon gar nicht hier stehenzubleiben, wie angewurzelt und auf dem Präsentierteller. Bereit, sich wieder neue Unverschämtheiten anzuhören, abwertende Sprüche, die ihm nur wehtun. Sich ganz einfach an den gemeinsamen Pakt mit Tobias zu halten. Aber er kann einfach nicht. Kann die Augen nicht von Ringos Körper abwenden.

Dessen Shirt klebt ihm förmlich am Körper, rutscht ein winziges Stück nach oben und gibt den Blick auf einen schmalen Streifen nackter Haut preis. Easy schluckt gegen den aufkommenden Kloß in seinem Hals an. Wie es sich wohl anfühlt, wenn seine Finger einfach über diese Stelle streichen würden, hauchfein, so sanft. Nur einmal diese warme, weiche Haut zu spüren – es wird ihm wohl nie vergönnt sein.          

Ein heller Blitz erleuchtet abermals die ganze Küche und Easy knetet nervös seine Hände. Dreh‘ dich doch einfach wieder um!, schreit es immer und immer wieder in seinen tosenden Gedanken. Ringo macht eine unüberlegte Handbewegung zur Seite und einige Saftflaschen fallen neben ihm wie Dominosteine einfach um.

Ein lautes „Fuck!“ kommt nun aus seinem Mund und er reißt sich die Kopfhörer von den Ohren, dreht den Kopf etwas zur Seite. Ringo sieht müde aus, gleichzeitig bis in die Haarspitzen angespannt, als er sich den Schweiß von der Stirn wischt, dabei stoßweise atmet. Sein Kopf ruckt mit einem Male in Easy’s Richtung und für einen kurzen Moment treffen sich ihre Blicke. Easy meint etwas anderes in den stahlblauen Augen zu sehen, als Abscheu…

„Was glotzt du mich so blöd an?“, schnaubt Ringo verärgert und wendet sich sofort wieder ab. Laut atmet Easy aus, hat das Gefühl, dass sein Herz ihm gleich aus der Brust springt. „Hast du dich immer noch nicht abreagiert?“, fragt er sein Gegenüber nun und wundert sich selbst über die pure Gelassenheit, die in seiner Stimme mitschwingt. Tief in seinem Inneren sieht es ganz anders aus.        

Easy beobachtet Ringo dabei, wie er die Smoothieflaschen wieder lustlos und unordentlich zurück an ihren Ausgangsplatz stapelt. Er sammelt etwas Mut, bevor er eine weitere Frage an ihn folgen lässt: „Suchst du etwas Bestimmtes?“ Mit einem kräftigen Schwung schlägt Ringo die Kühlschranktür wieder zu und erhebt sich schließlich ganz, dreht sich komplett zu Easy: „Stelle ich euch immer so saudämliche Fragen, wenn ihr unsere Vorräte auffresst? Nein! Also, geh‘ mir gefälligst aus dem Weg, bevor ich mich heute noch komplett vergesse!“ Mit jedem Wort wird sein Tonfall schärfer, lauter – abweisender.

Die altbekannte Arroganz wird in jedem Gesichtszug von Ringo sichtbar. Easy fackelt nicht lange, noch ehe sich Ringo an ihm unwirsch vorbeischieben kann, zieht er den WG-Schlüssel aus der Tür und lässt ihn in die Tasche seiner Pyjamahose gleiten. Ringo presst die Lippen aufeinander und wirft ihm gleichzeitig einen fast tödlichen Blick zu: „Was soll diese Scheiße?!“            

Er kommt langsam einen Schritt auf Easy zu, dessen Puls wieder in die Höhe schießt. Erfolglos schluckt er wieder gegen den Kloß in seinem Hals an: „Das frage ich dich. Was… was habe ich dir eigentlich getan?“ Der letzte Satz ist nur geflüstert und wahrscheinlich hört Ringo sehr wohl seine Verletztheit heraus. Sei’s drum, er will endlich wissen, wo sein Problem liegt. Was hat er noch großartig zu verlieren? Ringos Atmung beschleunigt sich, wieder wischt er sich mit dem Handrücken über die schweißfeuchte Stirn. Er sieht völlig fertig aus.

„Warst du wieder boxen?“ Die stahlblauen Augen mustern ihn fast schon neugierig, kurz huscht ein Schatten über sein Gesicht: „Woher weißt du, dass ich…“ Easy wendet den Blick etwas betreten zu Boden, während er seine Antwort ausspricht: „Ich hab‘ dich gesehen, vor zwei Tagen in der Turnhalle. War auch schon verdammt spät an diesem Abend, aber durch das große Seitenfenster warst nicht zu übersehen. Du hast immer und wieder auf diesen riesigen Boxsack eingeschlagen, ich...“      

Ringo bringt ihn mit einer unwirschen Handbewegung zum Schweigen: „Lass‘ mich endlich hier raus. Ich habe die Schnauze sowas von gestrichen voll!“ Wieder kommt er einen Schritt näher, während Easy zurückweicht und an seinem Rücken die Tür spürt: „Ich will erst wissen, was mit dir los ist oder… oder ist es wirklich so, wie Tobias sagt? Dass, wenn dir etwas gegen den Strich geht, du Freund und Feind nicht mehr voneinander unterscheiden kannst und sich bei dir ein Schalter umlegt?“

Es sprudelt förmlich aus Easy heraus, aber vielleicht ist das auch seiner aufkommenden Nervosität geschuldet, welche immer stärker zu werden scheint. Falls das überhaupt im Bereich des Möglichen liegt. Ringos Gesichtszüge verhärten sich wieder: „Seid ihr beiden Trottel jetzt unter die Hobbypsychologen gegangen, oder was? Bei mir legt sich gleich ein Schalter um, wenn du mich jetzt nicht sofort aus dieser Bude lässt!“            

Vielleicht ist es wirklich sinnlos, bei Ringo Beckmann überhaupt nach den Gründen für sein sprunghaftes Verhalten zu fragen. Easy’s Hand gleitet vorsichtig in seine Tasche, umgreift den Schlüssel: „Und ich habe echt gedacht, dass du dich…“ Ringo steht nun direkt vor ihm, es gibt nahezu keine Distanz mehr zwischen ihren Körpern. Er hört und fühlt den stoßweisen Atem von ihm auf seiner Wange. Riecht seinen männlich herben Schweißgeruch, unter dem sich die unverwechselbare Aftershave-Note mischt. Sie sind sich viel zu nah. Easy müsste seinen Kopf nur ein Stück weit nach vorn bewegen, um seinen Mund auf diese sinnlichen Lippen zu legen.      

„Dass ich was? Mich verändert habe? Ist es das, was du unbedingt von mir hören willst?“ Ringos Stimme ist nur noch ein Flüstern und sie jagt Easy eine Gänsehaut über den Rücken. Zaghaft hebt er den Blick und tatsächlich berühren sich jetzt ihre Nasenspitzen. Sein Denkvermögen setzt endgültig aus. Er will Ringo küssen, diese weichen Lippen fühlen, nur ein verdammtes Mal.
In dem Bewusstsein, dass ihm Ringo wohl gleich eine reinhauen wird, nähert er sich vorsichtig seinem Mund. Stück für Stück, Millimeter für Millimeter, stellt dabei überraschend fest, dass Ringo nicht zurückweicht. Ganz im Gegenteil, seine Atmung hat sich beruhigt, er wirkt fast entspannt. Easy spitzt schon die Lippen, als…

„Alter, könnt ihr mir bitte mal sagen, was ihr hier mitten in der Nacht veranstaltet? Ich habe morgen früh um acht Uhr einen wichtigen Mandantentermin!“ Tobias steht nur in seinen Boxershorts, die auch noch völlig schief auf seinen Hüften sitzt, im Türrahmen seines Zimmers. Wirft Easy dabei ein süffisantes Lächeln zu. Ertappt. Als sein Mitbewohner den Lichtschalter betätigt, stöhnen sowohl Easy als auch Ringo gequält auf. Letzterer hat sofort die nötige Distanz zwischen ihren Körpern wiederhergestellt. Der nahe Moment zwischen ihnen ist zwar vorbei, aber für Easy dennoch zum Greifen nah, mehr als präsent in seiner Gefühls- und Gedankenwelt.

„Du hast nicht zu fällig meine Proteindrinks gesehen, oder? Deine Freundin hat heute Nachmittag kurzerhand unseren kompletten Kühlschrank umgeräumt. Und dass nur wegen diesem bekloppten Werbedeal!“ Ringos Stimme klingt abfällig und er fährt sich fahrig durch die braunen Haare, vermeidet den Blickkontakt mit Easy mit aller Gewalt.
Tobias schüttelt etwas betreten den Kopf: „Keine Ahnung, es ist mir eh schleierhaft, wie du dieses Gesöff runterbekommst und sie… sie ist nicht meine Freundin.“ Das Bedauern, der Schmerz über diese Tatsache klingt mit jedem Wort mit – ist zum Greifen nah.

Easy angelt sich in der Zwischenzeit vorsichtig den Schlüssel aus der Tasche, steckt ihn in das Schloss und dreht ihn geräuschvoll um. Tritt etwas betreten zur Seite, macht so Platz für Ringo, der sich eilig an ihn vorbeischiebt. Ihn dabei flüchtig am Arm berührt. Es kribbelt angenehm auf seiner Haut. „Wie auch immer… ich hau‘ jetzt ab!“ Ringos Augen huschen für einen kurzen Augenblick über Easy’s Gesicht. Ein letztes Mal treffen sich ihre Blicke, bevor Ringo die Tür eilig hinter sich zu zieht.

„Kaum lässt man dich zwei Stunden allein, brichst du unseren Pakt“, stellt Tobias tonlos fest und hebt fragend beide Augenbrauen. Easy schlurft zum Kühlschrank, nimmt sich eine Wasserflasche und genehmigt sich einen kräftigen Schluck. „Ich habe überhaupt nichts gebrochen und wenn du mich jetzt entschuldigst, ich versuche noch etwas zu pennen.“

Tobias‘ Antwort ist ein herzhaftes Gähnen, bevor er wieder in sein Zimmer verschwindet und Easy nur noch das leise Knurren von Stinker hört. Er schaltet das Licht wieder aus und atmet tief durch, kann den Moment eben mit Ringo einfach nicht vergessen. Er weiß, dass er diese Nacht keine einzige Minute Schlaf finden wird - aber wenigstens hat es aufgehört, zu gewittern.
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