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Der Aufstieg des Commanders

von eiswolf23
GeschichteAllgemein / P16 / MaleSlash
Anya Lexa
15.12.2017
24.01.2021
49
130.869
7
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15.12.2017 825
 
Im Feuer geboren




Rykar hatte schon vor Tagen damit gerechnet dass sein erster Neffe oder seine erste Nichte bald zur Welt kommen würde, aber ein erneuter Vorstoß der Ice Nation nach Süden hatte ihn gezwungen erneut nach Norden zu reiten.

Er war erfolgreich gewesen, in einer engen Schlucht konnte er eine große Truppe der Azgedai aufreiben fast vollständig zermürben. In der Schlacht in der Geisterschlucht waren fast Tausend Krieger der Ice Nation gefallen und hunderte waren gefangen genommen. Das war nicht, seine erster großer Erfolg, mit List und Mut hatte er sich schon einen Ruf als fähiger und erbarmungsloser Feldherr erkämpft, seine Leute nannten ihn Hedagone, der Kriegerfirst. Er selbst war kein großer Krieger, er litt an einer Krankheit die sein Volk Glasknochen nannte, er ritt auf einem extra abgerichteten Pferd oder auf einem Schild den seine Soldaten trugen in die Schlacht, aber er war der beste Stratege. Und schon bald hätte er einen Neffen oder eine Nichte der/dem er alles was er wusste beibringen konnte. Wenn das Kind wirklich von meinem Blut ist wird es seine Geschichte mit Blut schreiben. Er selbst hatte nie Kinder gewollt, allgemein stieß er menschliche Berührung und Wärme eher ab, er hatte nur wenig enge Familienmitglieder oder Freunde und selbst die umarmte er kaum. Er wurde aus Menschen nicht schlau, ein Schlachtplan ergab für ihn viel mehr Sinn.

Als er endlich die Baumgrenze hinter sich gelassen hatte, hielten er und seine Leibgarde ihre Pferde abrupt an. In Xandra hatten bis vor kurzem noch über zweihundert Menschen gelebt Krieger, Bauern, Heiler, Jäger, Kinder, Männer, Frauen und Alte. Jetzt war dort alles tot und verbrannt. Die ganze Ebene war mit einer schwarzen Schicht aus Rusch überzogen. Dicke Aschflocken regneten auf das was vom Dorf noch übrig geblieben war herab und verfingen sich in ihren langen, Haaren. Alles war totenstill, ein leises Säuseln im Wind war alles was man vernahm. Er ließ sein Pferd einfach dastehen und wandelte durch das zerstörte Dorf. “Sucht meine Schwester!“ Seine Männer strömten aus und durchsuchten das Trümmerfeld. Die Häuser waren ausgebrannt, dutzende Fassaden standen wie leere Käfige umher, die Wände tapeziert mit Blut. Die Schreie der Abgeschlachteten halten in einem zerfetzten Windspiel über einem großen Türrahmen wieder. “Kara!“

Von den Bewohnern fehlte jede Spur, es gab nicht eine einzige Leiche nur blutverschmierte Wände und Spuren von Kämpfen. Viel zu viele und so wild verstreut dass es unmöglich war zu sagen wer sie da von wo aus angegriffen hatte oder was er hier wollte. “KARA!“ Er rannte zu ihrem Haus. Einst war es das größte und prächtigste Haus hier in Xandra gewesen, der Mann von Kara war der Sohn des Ältesten gewesen. Sie lebten in einer großen Langhalle, fast fünfzehn Meter lang mit einer oberen und einer unteren Etage. Die Grundpfeiler so wie der Türrahmen waren mit aufwendigen und farbenfrohen Schnitzereien verziert gewesen. Jetzt fehlte fast der komplette, vordere Teil des Hauses, die Wände aus massiver Eiche waren eingerissen, das Strohdach vollständig abgefackelt. Flamen leckten gierig an den Säulen und Pfeilern die schon halb vom Feuer zerfressen waren und wie die abgenagten Rippen eines toten Riesens aus der Erde stachen. Nein. “KARA!“

Wieder blieb alles stumm, er fuhr sich verzweifelt mit den Händen übers Gesicht. Seine Schwester war alles was seiner ihrer Familie noch übrig geblieben war und jetzt war auch sie weg. Ihre Eltern und Geschwister waren schon längst vom Berg verschleppt worden und jetzt das. Er sackte kraftlos auf die Knie und starrte in die Flammen. “ÄÄÄÄÄÄHHHH!!!“ Ein hohes Kreischen ließ ihn herumfahren. Das Geräusch kam nicht aus der Hale, sondern aus einer kleineren Hütte weiter dahinter ohne Dach. Sofort kam er wieder auf die Beine “Kara!“ Er rannte zur zerstörten Hütte, drängte sich an seinen Männern vorbei und blieb für einen Moment wie angewurzelt im Türrahmen stehen.

Da lag sie seine Schwester, in einer Lache aus ihrem eigenen Blut in ihren Händen ein weinendes Kind schaukelnd. Doch das Blut war nicht rot, nein, es war so schwarz wie die Nacht. Rykar wusste das ihre Großmutter ein Nightblood war aber sie waren selbst keine, nur dieses Kind war eins. Die Augen von Kara waren von Schmerzen gequält und weit aufgerissen, jedoch verloren sie mehr und mehr an Farbe “Kara?“ Er kniete neben ihr hin und befühlte ihre Stirn, sie glühte und war fast totenbleich wie eine erfrorene Leiche. Es schien, als habe sie alles Leben das sie je besäßen hätte ihrem Kind gegeben das jetzt kämpfend in ihren müden Armen zappelte. Sie flüsterte etwas unverständliches, er musste sich ganz dicht an ihre Lippen beugen um sie zu verstehen “Ihr Name soll Lexa sein, die im Krieg geborene.“ Dann war der Kampf von Kara vorbei.

Völlig perplex starrte er den Leichnam seiner Schwester an, er konnte nicht denken, er konnte nicht atmen. Er fand nicht einmal die Kraft zu weinen, stattdessen nahm er ihr das Kind aus dem Arm und wiegte es in den seinen hin und her “Lexa, die im Krieg geborene.“
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