Band „Leben wie ein Komet im All“~Kurzgeschichten

KurzgeschichteSchmerz/Trost / P12
13.12.2017
10.10.2019
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Weg. Sie war weg. Traurig und geschockt ließ ich mich zu Boden fallen. Ein kleiner Tropfen auf einem heißen Stein. So kam mir unsere gemeinsame Zeit vor. Hätte ich doch nur besser auf sie geachtet....und nun war sie fort.
Meine beste Freundin wurde aus meinem Leben gerissen....nur,weil sie sich so entschieden hatte. Hatte sie überhaupt daran gedacht,wie es ihren Freunden und ihrer Familie dabei geht? Wenn sie nur wie eine Silhouette in unserem Herzen verbleibt? Das Band der Freundschaft zerissen....in der manifesten Form zumindest.....doch...es war immer noch da,unzerreißbar,unverwundbar. Ich wischte mir die Tränen weg,die unaufhaltsam meine Wangen hinunterliefen. Ich hatte ihr noch so viel sagen wollen....doch....hätten Worte ausgereicht,um ihr zu zeigen,wie sehr ich sie ins Herz geschlossen hatte? Diese Frage quälte mich. Plötzlich spürte ich eine warme Hand auf meinem kalten Arm. Ich blickte auf,direkt in die Augen ihres Bruders. David. Für ihn musste der Tod seiner Schwester ein genau so schmerzvoller wie unbegreiflicher Verlust sein. Ich zitterte und er zog mich an sich. Er konnte mir ganz klar die Frage aus den Augen ablesen,wie es denn nun weitergehen solle. "Ich weiß es nicht.",flüsterte er. Ich konnte seinen etwas hektischen Atem vernehmen,er versuchte,sein Schluchzen zu unterdrücken. "Lass es raus",sagte ich ihm,während ich ihn an mich drückte,aus Angst,ich könnte erneut den Halt verlieren und ins Leere stürzen. Zuerst bebte er,bevor es letztendlich aus ihm heraus brach. Es war schwer. Nur der Gedanke, dass sich das Ganze irgendwie verarbeiten ließe,konnte uns ein wenig Trost spenden. "Sie hatte noch einen Abschiedsbrief hinterlassen.",wisperte er bemüht ruhig. Ich nickte. In diesem  Moment war er der Ruhepol für mich,der es mir erlaubte,ganz tief einzuatmen und mich gedanklich zu sammeln,was schier unmöglich war. Ich fiel wieder zusammen und suchte nach Gründen,die es zuließen,dass sie sich vor den Zug schmiss. "Ich vermisse sie.",gestand ich. "Ich genau so. Du bist nicht allein. Zusammen können wir das irgendwie schaffen,egal wie schwer es wird." Mit dieser Aussage gab er mir Kraft. So viel Kraft dass ich meinen Kopf heben konnte und ihn geradewegs anschauen konnte. Er verstand meine Angst. "Darf.....darf ich ihn lesen?", schaffte ich es hervorzuquetschen. "Selbstverständlich." Er hob mich hoch und stellte mich sicher auf die Beine ab,die immer noch vor Angst und Unverständnis zitterten. "Komm mit." Er nahm meine Hand und führte mich zu einem kleinen Fliederbusch. "Das hier war ihr Lieblingsplatz." Die Erinnerung daran,wie wir hier stundenlang gesessen,gelacht oder einfach nur den Himmel beobachtet haben, trieb mir erneut die Tränen in die Augen. "Hier." Er bückte sich,holte den edlen Briefumschlag hervor und reichte ihn mir. Entkräftet nahm ich ihn entgegen und öffnete ihn vorsichtig. Zum Vorschein kam ein hellgrünes Blatt Papier, das mit goldenen Vögelchen verziert war und eine wunderschöne Handschrift beinhaltete.

Lieber David,liebe Mara.
Ich weiß,wenn ihr das hier lesen werdet,weile ich nicht mehr unter euch. Doch fühlt euch persönlich angesprochen von mir. Es war eine wunderbare Zeit. Die beste Zeit,die ich je hatte und die ich nie vergessen werde,auch nicht nach dem Tod.  Es gab immer etwas,worüber ich mir Sorgen machte- immer war einer von euch da und konnte mir helfen. Dafür wollte ich "Danke" sagen. Danke,dass ihr mich immer aufgefangen habt,wenn ich am Fallen war- das bedeutet mir so viel. Ich bedauere es sehr zu gehen,aber mein Herz sagt mir,das ist die richtige Entscheidung. Ich kann und will euch nicht immer zur Last fallen mit meiner beschissenen Krankheit. Jedes Mal,wenn ich versuchte,irgendetwas Positives an der ganzen Sache zu sehen,sah ich nichts,außer dass ich jedem das Leben schwer mache und unnötig Aufmerksamkeit auf mich ziehe,so wie es mir auch schon oft gesagt wurde. Ich gab immer nichts darauf,aber irgendwann,es tut mir leid- kann ich einfach nicht mehr. Ich hoffe,ihr versteht und respektiert das. Ja,ich weiß- nach dem Tod lebt man nicht noch einmal und man soll es sich echt gut überlegen, bevor man voreilige Schlüsse zieht. Ich habe es mir gut überlegt und bin zu dem Schluss gekommen,dass es das Beste ist. Nicht nur für mich,sondern für alle. Ich werde dennoch keine speziellen Gründe nennen,warum ich gegangen bin- irgendwann versteht euer Herz.

Freunde sind wie Sterne. Auch,wenn du sie nicht immer sehen kannst,weißt du,sie sind da.♡

In Liebe,eure Layla.


Eine Träne tropfte auf das Blatt,das ich zitternd in den Händen hielt,es wie ferngesteuert wieder zusammenfaltete und in den Umschlag zurück steckte. David hatte die ganze Zeit mitgelesen.
"Das ist echt ein harter Schlag. Layla wusste das." Mehr brachte er nicht raus. Ich fasste mir an den Kopf und sagte verzweifelt: "Aber warum hat sie nicht mit uns gesprochen? Wir waren doch immer für sie da!" Von einem Heulkrampf durchgeschüttelt wankte ich hin und her. "Mara,wir konnten ihr anscheinend nicht mehr helfen. Sie hat mir vor einiger Zeit einmal gesagt,dass sie sowieso bald sterben werde- und sie wollte es früher. Und nicht friedvoll." Die Wahrheit schmerzte. Seine Worte prasselten wie hunderte kleiner Bleiwürfel auf mich ein. "Dann besser qualvoll und mit der Gewissheit,ihre Freunde so zurückzulassen?",schrie ich aufgebracht und klang dabei wie ein verwundetes Tier. Er hatte die Augen aufgerissen. "Komm mal her." Wieder zog er mich in seine schützenden Arme,die mich erneut davor bewahrten in ein tiefes Loch voller Trauer,Leid und Zerstörung zu fallen. "Glaub mir,wenn ich wüsste,dass das so geschehen sollte,dann würde ich die Zeit zurückdrehen und alles anders machen." Stumm hörte ich mir seine Worte an und kniff die Augen zu,um noch mehr Tränen zu vermeiden,damit ich nicht sein Sweatshirt vollwässerte. "Aber sie hat recht,mit dem was sie sagte- Freunde sind immer da,auch wenn man sie nicht sehen kann. Wir hatten sie mit Herzblut unterstützt - und sie wählte diesen Weg. Sie wird uns trotzdem immer auf unserem Weg begleiten und in Momenten der Einsamkeit uns ihre unsichtbare Hand reichen und uns die Kraft geben,weiterzumachen." Das waren wundervolle Worte, die ich aus seinem Mund hörte. Sie rührten mich sehr,so dass ich trotz der Tränen,die auch unter Mühen nicht aufzuhalten waren,ein Lächeln bekam. "Ich glaube dir." Ich lächelte ihn hoffnungsschwach an. Er lächelte zurück und küsste mir die Stirn. "Wir halten ab jetzt immer zusammen,das sind wir ihr schuldig.",meinte er betrübt. "Ja",sagte ich mit fester Stimme,die mittlerweile nicht mehr schwammig war. "Egal wie sehr wir uns früher hassten- jetzt gilt nur noch: Zusammenhalt."
"Genau",bestätigte er und tätschelte mir den Kopf.


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Das war keine allgemeine Herzschmerz-Geschichte mit unbekannten,allgemeinen Charakteren,sondern eine David-Mara Geschichte, die ich in Zukunft vielleicht noch weiter ausbauen werde,zwischen all den alltäglichen Sachen :D


Bis dann ♡
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