Wiederkehrender Alptraum

von Fresa
OneshotAngst, Familie / P16
11.12.2017
11.12.2017
1
1669
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
 
Mein zweiter Ersatzbeitrag zum Wichteln Offen für Neues? von Sisi12

Der OneShot war schon mal auf meinem Hauptaccount: Rosalie18 online, ich habe mich aber entschlossen ihn hier neu hochzuladen.


Disclaimer: Ich habe keinerlei Rechte an den vorkommenden Charakteren oder an sonst irgendwas, in Bezug auf das Original. Ich  verdiene mit meinem Geschriebenen auch kein Geld.


Lieber OliversWonderland,
ich habe als dein Ersatzwichtel fungiert.
Es hat etwas gedauert bis mir die Idee für deinen OS gekommen ist, daher habe ich auch um Schlagworte oder ähnliches gebeten.
Der OS spielt in den Genre Angst, Freundschaft und Familie.
Ich hoffe er gefällt dir.
Viel Spaß beim Lesen.



Wiederkehrender Alptraum


Angst kroch durch seinen Körper. Ihre Stimme war schneidend und eiskalt. Das Blut gefror ihm in den Adern. Sein kleiner Körper wurde von unkontrollierbarem Zittern geschüttelt. Er wagte es nicht seinen Blick von seinen Schuhspitzen zu heben und in ihre frostigen Augen zu sehen.

„Mama, es war keine Absicht von Vince“, versuchte sein Bruder ihn zu beschützen und das Schlimmste abzuwenden, wofür er Gilbert unglaublich dankbar war, doch die Frau, die sich ihre Mutter schimpfte, zeigte kein Mitleid und Erbarmen. Er hatte etwas unabsichtlich kaputt gemacht und dafür würde er jetzt bestraft werden. Wie diese Strafe aussah, konnte er sich nur zu gut vorstellen, er erlebte sie ja nicht zum ersten Mal. Vincent kämpfte die aufkommenden Tränen nieder. Sie würden es nur schlimmer, statt besser machen. Seine Mutter verabscheute Tränen und Weichlichkeit. Nein, er würde vor dieser Hexe nicht weinen. Diese Genugtuung würde er ihr nicht gönnen.

„Halte dich da raus. Verschwinde auf dein Zimmer. Sofort. Ansonsten blüht dir dasselbe Schicksal wie deinem nichtsnutzigen Bruder“, herrschte sie ihren Erstgeborenen an. Ihre duldete Stimme keinen Widerspruch. Gilbert warf seinem kleinen Bruder einen entschuldigenden Blick zu. Er würde ihm so gerne helfen, doch er konnte es nicht und so trollte sich Gil schnell in sein Zimmer und konnte nur hoffen, dass es für Vincent nicht allzu hart werden würde.

„So und jetzt kommen wir zu dir, mein missratenes Brüchen“,  sagte sie mit teuflischer Stimme. Ein gehässiges Lächeln dröhnte durch die Küche und füllte den Raum komplett aus. Unwillkürlich zuckte Vincent zusammen und wünschte sich an einen anderen, einen besseren Ort. Er schloss seine Augen und wartete auf das, was kommen würde. In der nächsten Sekunde schnellte ihre Hand durch die Luft  und sie verpasste ihm eine schallende Ohrfeige. Schmerzend rieb er sich seine Wange. Grob packte seine Mutter ihn am Arm und zog ihn hinter sich her. Ihr war es, egal ob Vincent ihrem Schritt standhalten konnte. Er musste sich abmühen, um mitzuhalten. Nach einem kurzen Weg durch das Haus hatten sie ihr Ziel – den Keller – erreicht. Sie öffnete die Tür und schubste ihn in die Dunkelheit, egal ob er sich wehtun würde. Die Einsamkeit ergriff wieder einmal Besitz von ihm.

Vincent fiel einige Stufen hinunter und landete auf seinen Knien. Ächzend rappelte sich der kleine blonde Junge auf und rieb sich seine aufgeschürften Knie. Es dauerte einen Moment bis seine Augen sich an die Dunkelheit, die im Keller herrschte, gewöhnt hatten.

Er hatte das Vertrauen auf eine schöne Kindheit ohne Gewalt aufgegeben. Sie war ihm augenscheinlich nicht vergönnt. So blickte er wenig hoffnungsvoll auf die Zukunft. Gab es für ihn überhaupt eine Zukunft und wenn war sie dann von positiver Natur? Wenn er ehrlich zu sich selbst war, dann glaubte er nicht wirklich daran. Er wünschte sich einfach nur ein Leben ohne Gewalt und Schläge, doch solange seine Mutter für ihn verantwortlich war, würde das nur ein frommer Wunsch bleiben. In den Momenten wie diesem, wo in diesem Kellerloch saß, fühlte er sich Missverstanden. Mit seinen sechs Jahren hatte er schon so viel durchgemacht. Eigentlich sollten Kinder in diesem Alter draußen mit anderen Kindern spielen, toben und Spaß haben, einfach eine unbeschwerte Kindheit erleben, doch Gilbert und besonders Vincent hatten eben diese nicht. Egal was Vince auch machte, seine Mutter fand immer einen Grund ihn zu schlagen und zu bestrafen.

Humpelnd durchquerte er den Keller und holte aus seinem Versteck eine Kerze und Streichhölzer. Mit geübten Griffen zündete er die Kerze an, damit sie ihm wenigstens ein kleines bisschen Licht spendete. Die kleine Flamme war ein winziger Hoffnungsschimmer, die ihm half dieses Martyrium durchzustehen. Wenn er wenigstens nicht alleine wäre. Zusammen mit seinem Bruder wäre das alles viel leichter zu ertragen. Doch seine Rabenmutter hatte es nur auf ihn alleine abgesehen, Gilbert behandelte sie halbwegs normal, auch wenn er nicht den Himmel auf Erden hatte. Aber seine Situation war immer noch besser und erträglicher als seine eigene. Sie wollte ihn brechen, mürbe mache. Er würde sich aber nicht brechen lassen.

Wieder und wieder fragte sich Vincent wieso seine Mutter so war, wie sie war. Wann war sie nur dieses gefühlskalte Monster geworden? Er konnte sich nicht daran erinnern. Seit er denken konnte, war sie schon so.

Seine kleinen Hände umklammerten die Kerze. Er hatte sich in einen Ecke des Kellers, wo der Wind nicht durch die Mauerritzen pfiff, zurückgezogen und wartete ab, wie lange sein Aufenthalt dieses Mal dauern würde. Wenn er Glück hatte nur ein paar Stunden, wenn er Pech hatte vielleicht einige Tage.

Sein Magen begann zu knurren und das Geräusch halte durch dn klammen, feuchten Raum. Bis auf das Brötchen, was er zum Frühstück gegessen hatte, hatte der sechsjährige keine weitere Nahrung zu sich genommen. Sein Missgeschick, das ihm beim Tischdenken passiert war, hatte dazu geführt, dass er kein Mittagessen zu sich nehmen konnte. Das war nicht das erste Mal gewesen. Er hatte den Teller doch nicht mit Absicht fallen lassen, er war ihm aus den Händen geglitten und in tausend kleine Scherben zersprungen. Genau so war es seinem Herzen ergangen, als seine Mutter das erste Mal die Hand gegen ihn erhoben hatte. Die immer wiederkehrenden Schläge, die er durch seine eigene Mutter erfuhr, hatten Narben auf seiner Seele hinterlassen. Die Wunden waren oberflächlich verheilt, doch die daraus entstandenen Narben würde niemals wieder weggehen.  Vincent war für sein Leben gezeichnet. Die Angst war zu seinem ständigen Begleiter geworden. Er konnte sich nie sicher sein, wann er sich den Zorn seiner Mutter erneut auf sich zog.

Vince hatte keine Ahnung, wie lange er schon in dem Keller saß, als sich die Tür öffnete. Sofort hielt er den Atem an.

„Vince, keine Angst. Ich bin es“, drang die Stimme seines Bruders an sein Ohr. Erleichterung durchflutete seinen Körper. Er kam aus seiner Ecke und war dankbar seinen Bruder zusehen. Dieser hatte ein Tablett mit Essen dabei. Sein großer Bruder brachte ihm wie jedes Mal, die Hälfte seines eigenen Essens, in diesem Fall vom Mittagessen, in den Keller, sobald seine Mutter das Haus verlassen hatte. Der Ältere reichte ihm das Tablett, was Vincent dankbar annahm und gierig zu essen begann. Er war kurz davor gewesen ohnmächtig vor Hunger zu werden. Gilbert streichelte seinem verängstigten Bruder über die blonden Haare. Er wünschte, er könnte mehr für ihn tun, doch das konnte er nicht. Er war doch selber noch ein Kind und mit seinen acht Jahren war er machtlos.

„Es tut mir leid. Ich wünschte, ich könnte mehr für dich tun. Halte einfach durch und denke daran, dass ich immer bei dir bin. Irgendwann werden wir dieser Hölle entfliehen können. Glaube fest daran. Ich muss gehen, bevor sie zurückkommt und alles noch schlimmer wird“, machte Gil ihm Mut, nachdem er aufgegessen hatte. Er drückte seinem kleinen Bruder einen Kuss auf die Stirn, nahm das Tablett und verließ den Keller und für den Moment auch Vince. Er fühlte sich schuldig, auch wenn er dazu keinen Grund hatte. Schuld war nur seine Mutter, diese alte Hexe. Sie alleine war Schuld an dieser Misere.

Die Tür fiel ins Schloss und er war wieder alleine. Vielleicht war in diesem Keller alleine, aber er hatte seinen Bruder an seiner Seite, der ihn liebte und diese Tatsache ließ ihn nicht verzweifeln und aufgegeben. So war er doch nicht vollkommenes alleine und würde es auch niemals sein.



***

E N D E



Vorgaben von OliversWonderland:
Fandom: Pandora Hearts
Charaktere: Vincent Nigthray
Gewünschtes Format: Oneshot
Genre: Freundschaft
Schlagworte: Missverstanden, Einsamkeit, hoffnungsvoll und Vertrauen
Review schreiben
 
 
'