Neuer Tag, neues Leben

von aajn-98
GeschichteDrama, Romanze / P18
10.12.2017
09.02.2018
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Ich brauchte einen Moment um meinem Atem zu normalisieren und um zu realisieren, was hier gerade geschieht. Ist das jetzt nur ein Traum? Bin ich jetzt im Himmel? Ich streckte meine Hand nach Marc aus, um zu sehen, ob er sich bei meiner Berührung nur als Fata Morgana entpuppte. Er griff nach meiner Hand und sie fühlte sich so echt an. „Keine Angst, du bist nicht tot. Du hattest nur einen bösen Traum.“ Als ob er meine Gedanken lesen könnte, antwortete er auf meine Fragen. Man merkte unsere Verbindung, die wir in einer langjährigen Beziehung aufgebaut hatten. „Rick und seine Leute haben mich heute Morgen draußen in der alten Hütte gefunden.“ Ich suchte den Raum wieder einmal nach einer Uhr ab. „Es müsste jetzt so gegen 15 Uhr sein.“ Er lächelte mich an und drückte meine Hand. „Sie haben mir gesagt, du wolltest unbedingt nach mir suchen, aber heute Morgen warst du noch nicht auf den Beinen und Lucy war der Meinung, du solltest lieber weiterschlafen, also sind sie ohne dich auf die Suche gegangen… und hier bin ich.“ Ich musste anfangen zu grinsen, schmiss mich aus meinem Bett und um seinen Hals. „Lauf bitte nie wieder einfach so davon“ flüsterte ich ihm in sein Ohr. „Mache ich nicht“, „Versprich es mir!“ Er drückte mich ein paar Zentimeter von sich um mir in meine Augen zu sehen. „Versprochen“.

Marc ging die Treppen runter zu Lucy, während ich in dem kleinen Kleiderschrank in der Ecke des Raumes nach etwas Neuem zum Anziehen suchte. Ich entschied mich für eine kurze Hose und ein Top, da es draußen wieder sehr heiß war. Bevor ich mich umzog, ging ich erst einmal ins Badezimmer. Zu meiner Freude standen in der Dusche ein Duschgel und ein Shampoo, was bedeuten kann, dass es hier noch fließendes Wasser gibt. Ich zog mich aus und stellte mich in die Dusche. Das Wasser war zwar arschkalt, aber das störte mich nicht großartig. Ich genoss es, den ganzen Schmutz und denn Stress der letzten Tage einfach in den Abfluss laufen zu lassen.

Nachdem ich mich fertig umgezogen hatte gesellte ich mich zu Lucy und Marc ins Wohnzimmer. „Hey Süße“ sagte Lucy und fiel mir in die Arme. „Hast du gut geschlafen? Wir haben dir Marc wiedergebracht.“ Den letzten Satz sagte sie mit einer leichten Angespanntheit. Ich weiß natürlich auch warum: Sie mochte ihn von Anfang an nicht und als er noch damit anfing etwas gewalttätig zu werden, war er bei ihr unten durch. Sie verstand einfach nicht, wie ich noch bei ihm bleiben konnte. „Ja, habe ich schon mitbekommen, danke. Wie sieht es aus, können wir etwas rausgehen?“, „Ja klar, ich habe heute Morgen schon mit Rick gesprochen und er hat mir die meisten Leute hier schon vorgestellt. Ich kann dich ein bisschen rumführen, Marc wollte sich noch etwas ausruhen“. Ohne meine Antwort abzuwarten winkte sie Marc zum Abschied zu und zerrte mich aus dem Haus.

Irgendwie war alles ganz ruhig, obwohl ich auf Grund der vielen Häuser es etwas belebter erwartet hatte. Aber Ruhe ist auch okay, Ruhe ist das, was ich jetzt brauche. Doch gegen meine Erwartungen und Hoffnungen sollte es mal wieder ganz anders kommen.

Lucy führte mich ein wenig herum und erzählte mir etwas von Alexandrias Einwohnern, jedenfalls soweit sie die Personen nach dem ersten Treffen beurteilen konnte. Sie sprach von Rick, Daryl, Michonne, Tara, … die restlichen Namen hatte ich schon wieder vergessen. Nur nicht die Namen, von den beiden, die gestern von Negan getötet wurden. Abraham… Glenn…

Wie konnte das nur passieren? War deswegen seine Kleidung voller Blut? War Negan deshalb so gut gelaunt? Bei diesen Gedanken bekam ich wieder eine Gänsehaut. Wie kann jemand… solche Perversionen haben? Sich daran aufzugeilen, andere Menschen zu töten?

Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als wir in der Nähe des Tors langgingen. „Rick mein alter Freund. Lange nicht mehr gesehen!“ hörte ich seine Stimme. Ich drehte mich langsam in Richtung Tor. „Was machst du schon hier? Du sagtest, dass du uns eine Woche gibst!“ antwortete Rick fassungslos, jedoch zurückhaltend. Merklich saß der Schock bei ihm noch tief. Ich beobachtete Negan. Aus der Ferne und die Gedanken zurückdrängend, dass er es anscheinend liebt, Menschen zu töten und den Baseballschläger außer Acht lassend, welchen er nun Rick in die Hand drückte, sah er aus wie ein ganz normaler… gutaussehender Kerl. „Was starrst du den so an?“ flüsterte Lucy, doch ich beachtete sie nicht. Auf einmal trafen sich Negan und mein Blick und die Welt stand einen Moment still. Aus Furcht? Aus Hass? Oder… aus einer gewissen Anziehung? Eine gewisse Bindung, die wir beide bei dem ersten Treffen nicht hatten, aber jetzt schon? Ich verwarf diese Gedanken schnell und brach den Blickkontakt ab, der wie eine Ewigkeit dauerte. Dann ertönte ein Pfeifen und meine Nackenhaare stellten sich auf. „Wenn das mal nicht Lucy und die kleine Julie sind…“. Ein Satz voller Ironie, wo Lucy doch ein Kopf kleiner war als ich. Jedoch… neben Negan war ich wiederum ein Kopf kleiner als er. Lucy griff nach meinem Arm und drehte mich um. „Komm, schnell weg hier“ flüsterte sie, doch der Plan sollte nicht aufgehen. „Wo wollt ihr denn hin? Sagt doch eurem alten Freund mal Hallo! Und zeigt mir ein wenig dieses tolle Gebiet. Wo ist überhaupt der kleine Pisser hin… ich glaube Marc hieß er?“ Ohne zu zögern drehte ich auf der Hacke um, ging schnellen Schrittes auf ihn zu und ohne einen Gedanken an die Konsequenzen zu verschwenden gab ich ihm eine Backpfeife. „Nenn ihn nicht Pisser, du Scheißkerl“ zischte ich, nahm Lucys Hand und Schritt davon. Wieder hörte ich ein Pfeifen, doch ich drehte mich nicht um. Als ich realisierte, was ich getan hatte, schoss mein Puls in die Höhe und mein Herz klopfte schneller denn je. „Püppchen, wenn du wüsstest, wie scharf mich das gemacht hat“ hörte ich noch leise aus einiger Entfernung bevor ich einen Laufschritt anschnitt. Lucy und ich redeten kein Wort, bis wir sicher in unserem Haus waren. Sie schlug die Tür zu, ging auf mich zu und sah mich mit einer Mischung Besorgnis und Bewunderung an. „Oh mein Gott! Wenn das mal keinen Ärger gibt!“