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Geschenkeeinkauf

GeschichteLiebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Iwaizumi Hajime Oikawa Tooru
10.12.2017
10.12.2017
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09: Geschenkeeinkauf




„Iwa-chan! Schau mal!“

Seufzend drehte sich der Angesprochene zu seinem Freund um. Seit mehr als zwei Stunden waren sie nun schon auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken auf der längsten Einkaufsstraße der Gegend unterwegs. Allein in der letzten Stunde hatte er diesen Satz sicherlich zehnmal gehört.

Oikawa stand vor einem der Schaufenster und betrachtete neugierig die Auslage hinter der Scheibe. Ebenso wie sein Begleiter hielt er eigentlich nicht viel von solchem Schnickschnack, doch er kam nicht umhin, es sich nicht zumindest einmal anzusehen.
„Möchtest du reingehen?“, fragte der Schwarzhaarige und erhielt als Antwort augenblicklich ein Nicken. Und so kam es, dass er sich keine zwei Minuten später inmitten von Regalen und Grabbeltischen voller Tand wiederfand und seinem Kindheitsfreund durch die Gänge folgte, während er hin und wieder grummelnd seine Meinung zu dem Krempel, den der andere ihm zeigte, kundtat.

Eine Weile bewegten sie sich stetig vorwärts, sodass er, als sein Freund plötzlich stehen blieb, leicht mit ihm zusammenstieß und seine beinahe reflexartige Reaktion ein gemurrtes „Oi, Shitttykawa.“ war. Doch der Blick des anderen ließ ihm jedes weitere Wort im Halse stecken bleiben.
Die hübschen braunen Augen blickten nachdenklich auf den kleinen Karton, den ihr Besitzer so vorsichtig in seinen Händen hielt, als wäre es eine wertvolle Vase.
„Erinnerst du dich noch?“, fragte Oikawa leise, ohne ihn anzusehen. „Die hatte ich auch mal an meiner Decke.“

Schweigend betrachtete Iwaizumi die Packung fluoreszierender Sternaufkleber.
Natürlich erinnerte er sich. Wie könnte er all die Stunden vergessen, in denen sie als Kinder im Zimmer des anderen das Licht ausgeschaltet und Ewigkeiten einfach nur im Dunkeln auf dem Bett gelegen und an die Decke gesehen hatten, die ihnen wie ein unendlicher Sternenhimmel vorgekommen war? Wie könnte er den begeisterten Gesichtsausdruck vergessen, den der andere jedes Mal getragen hatte, wenn dieser ihm Geschichten über Sternenbilder, UFOs und Aliens erzählt hatte? Wie könnte er vergessen, wie der andere sooft dabei nach dessen Erzählungen eingeschlafen war und dessen Kopf an seine Schulter gelehnt hatte? Wie könnte er all diese glücklichen Momente vergessen? Wie könnte er irgendetwas vergessen, dass mit der wichtigsten Person in seinem Leben zusammenhing?

„Kann schon sein. Was weiß ich.“, grummelte er schulterzucken, nicht bereit zuzugeben, wie viel ihm diese Erinnerung bedeutete. Doch als ein kurzer, trauriger Schatten über das Gesicht des anderen huschte, bereute er seine Worte beinahe.
„Ist ja auch nur albernes Kinderspielzeug.“
Das Murmeln des Brünetten erreichte den anderen nur knapp. Resigniert warf er die Schachtel zurück auf den Tisch, während jegliche Emotion aus seinen Zügen verschwand.

Iwaizumi hasste diesen Ausdruck auf seinem Gesicht, doch er kannte seinen Freund gut genug um zu wissen, wie er ihm fürs erste wieder auf andere Gedanken bringen konnte. Schnell versicherte er sich, dass niemand dort war, der sie hätte sehen können, bevor er den Kopf des anderen mit einer Hand zu sich herunter zog und ihm einen Kuss auf die Schläfe gab.
„Vergiss nicht, dass du noch etwas für deine Schwester und deinen Neffen brauchst. Ich möchte möglichst noch heute wieder nach Hause.“
„Jaja, Iwa-chan, ich mach ja schon…“
Schmollend drehte der größere von beiden sich um und führte seinen Gang durch die Reihen fort. Neugierig betrachtete er nun wieder, was der Laden so alles zu bieten hatte.
Kopfschüttelnd sah sein Freund ihm nach. Dann fiel sein Blick auf die Schachtel, die der andere vor noch keiner Minute in der Hand gehabt hatte.

Sie hatten vor Jahren ausgemacht, sich an Weihnachten nichts zu schenken. Doch nun war er drauf und dran diese stillschweigende Abmachung zu brechen, als sich in seinem Kopf bereits ein Plan entwickelte. Hauptsache, er konnte ihn glücklich machen.
Es würde nicht schwer werden, Oikawa an Weihnachten für eine halbe Stunde von seinem Zimmer fern zu halten. Dessen Familie würde ihm bei seinem Vorhaben definitiv unterstützen. Und dann würden sie sich wieder gemeinsam die Sterne ansehen können, wie sie es früher getan hatten. Er musste nur noch einmal allein den Laden aufsuchen, damit der andere auch gar nichts mitbekam.

Während sich ein zufriedenes Lächeln auf seine Lippen legte, war sein Freund bereits am Ende des Ganges angekommen und drehte sich um.

„Iwa-chan, jetzt ko- Was ist denn mit deinem Gesicht? Hat dir jemand einen elektrischen Schlag verpasst, dass deine Mundwinkel so hochstehen?“

„Schnauze, Trashykawa. Sieh lieber zu, dass du deine Geschenke findest.“
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