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Spiel mit dem Feuer

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance / P16 / Het
09.12.2017
11.12.2022
16
25.222
2
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09.12.2017 1.038
 
Alles begann damals damit, dass ich spät abends von der Arbeit nach Hause lief. Wir haben März beinahe April und die Kirschblüten beginnen zu blühen – ich freue mich immer darauf, wenn sie in voller Blüte stehen. Nur heute kann ich den Anblick nicht genießen, da es wie aus Eimern regnet. In der Eile heute früh habe ich meinen Regenschirm vergessen, weshalb ich mich in einen kleinen Bücherladen rette, bevor ich völlig durchnässt bin. Ich nehme meine Tasche herunter, die ich schützend über meinen Kopf gehalten habe und seufze. Wenn ich schon einmal hier bin, kann ich mich auch umsehen vielleicht entdecke ich so einige spannende Bücher.

Während ich so durch die Reihen schlendere, fällt mir, auf dass hier nicht sehr viele Menschen sind. Obwohl der Laden einige neue Romane führt, so gilt die Aufmerksamkeit des Besitzers den älteren Schriften, was mir auch recht ist – wenn ich dazu komme, lese ich viele Bücher verschiedener Genres und Sprachen. In einer Reihe halte ich jedoch an, da ich ein kleines schwarzes Büchlein zwischen zwei dickeren schon älteren Exemplaren vorfinde. Aus reiner Neugierde strecke ich meine Hand aus und bemerke zu spät, dass ich nicht die Einzige bin, die sich dafür interessiert.

„Entschuldigung.“ Ich ziehe meine Hand zurück, ebenfalls schaue ich auf. Vor mir steht ein hübscher Mann, der mich frech angrinst. Seine dunkelblauen Augen mustern mich für einen Moment, ehe sie zurück zu dem Buch gleiten, was er in der Hand hält. Das Komische an ihm ist allerdings die Tatsache, dass seine kurzen Haare weiß sind, sie sehen nicht danach aus, als sie gefärbt wären. Ebenfalls werde ich das Gefühl nicht los, dass ich ihn von irgendwoher kenne. „Ich –“ ich unterbreche mich, als er mir das Schriftstück entgegenhält.

„Scheinbar gehört das Buch Ihnen. Passen Sie nur gut darauf auf.“ Verwirrt sehe ich ihn an, als er das sagt und es mir einfach in die Hand drückt. Kaum das dies geschehen ist, dreht er sich einfach um und geht. Mein Blick fällt auf den Einband – ich kann weder einen Autor noch einen Titel entdecken. Ich verstehe nicht, warum es dann für mich so interessant ist. Es sieht einfach aus wie ein Notizbuch. Ein Seufzen entweicht meiner Kehle, als mir noch einmal die Worte des Fremden durch den Kopf gehen. Warum sollte ich darauf aufpassen?

Nichtsdestotrotz beschließe ich es mitzunehmen und es zu Hause gründlich zu inspizieren. Mein Weg führt mich also direkt zur Kasse – der Verkäufer, ein etwas älterer Herr, reibt sich kurz die Nasenwurzel, als ich das Buch auf den Tisch lege. „Stimmt etwas nicht?“

„Um ehrlich zu sein ja. Ich kann mich nicht daran erinnern es im Sortiment zu haben.“ Er betrachtet das Schriftstück eine Weile ebenfalls blättert er ein paar Seiten durch. Dann zuckt er allerdings mit den Schultern.

„Wie bitte? Ich habe es allerdings zwischen zwei Romanen gefunden.“ Sein Blick richtet sich wieder auf mich. Für einen Moment sieht er mich überlegend an, ehe er mit dem Kopf nickt. Ich weiß zwar nicht, was das für einen Sinn hat, allerdings verstehe ich gerade sowieso nicht wirklich, was das Problem ist.

„Wenn es so ist, dann schenke ich Ihnen das Buch.“ Ich werde stutzig. „Es wäre falsch einen Preis für etwas zu verlangen, von dem man noch nicht einmal wusste, dass es in seinem Besitz ist.“

„Ich kann das aber nicht so stehen lassen.“ Ein mildes Lächeln stiehlt sich auf die Lippen meines Gegenübers. Er scheint wohl wirklich der festen Überzeugung zu sein es zu verschenken.

„Junge Dame, ich bestehe darauf, dass sie es annehmen.“ Er schiebt es über den Tresen zu mir. Ein Seufzen entflieht meinen Lippen, dann verbeuge ich mich etwas.

„Vielen Dank.“ Als ich wieder aufsehe, winkt er nur ab, dennoch werfe ich ihm noch ein Lächeln zu, als ich das Buch einstecke und den Laden verlasse. Der Regen hat zwar etwas nachgelassen, doch jetzt renne ich nach Hause. Mir ist eingefallen, dass ich meinen Kater noch füttern muss.

Eine Viertelstunde später erreiche ich den Wohnblock, in dem ich lebe. Kaum betrete ich den Hausflur, läuft mir einer meiner ehemaligen Klassenkameraden aus der Mittelstufe über den Weg. „Mikoto, soll ich auf dich warten?“

„Nein, danke. Ich wohne gleich hier unten.“ Lächele ich ihn an und wende mich meinem Briefkasten zu. Sein enttäuschtes Seufzen bekomme ich mit, bevor sich die Fahrstuhltüren schließen. Minamoto wohnt hier zwar nicht dafür aber seine Freundin – scheinbar ist mir das vorher nicht wirklich aufgefallen, da wir zu unterschiedlichen Zeiten hier sind. Oder aber war er es, der hier lebt? Aber das wäre mir aufgefallen, immerhin kenne ich seinen Nachnamen. Ich beschließe ihn bei nächster Gelegenheit darauf anzusprechen.

Leicht grübelnd und die Briefe durchsehend schreite ich auf meine Wohnungstür zu. Alles nur Rechnungen und Werbung. Irgendwie nervig, dass so vieles noch per Post weggeschickt wird und nicht per Mail kommt. Einen Moment später schließe ich jedoch meine Wohnungstür auf und werde von einem Miauen begrüßt. „Auch schön dich zu sehen, Jiji. Du bekommst gleich dein Essen.“ Lächele ich leicht, während ich die Tür mit dem Fuß schließe. Meine Tasche stelle ich auf den Boden ab, da meine Kommode immer noch mit Paketen zugestellt ist. In letzter Zeit komme ich nicht mehr dazu alles gleich zu sortieren.

Meine Wohnung ist nicht sehr groß dafür geräumig. In dem kleinen Flur befinden sich wie gesagt eine Kommode sowie Garderobe, gegenüber dieser hängt eine Pinnwand mit sämtlichen Terminen und anderen wichtigen Dingen. Mein Schlafzimmer liegt am Ende des Flurs, das Bad befindet sich zu meiner linken Seite und zu meiner rechten Seite das Wohnzimmer.

Ein Seufzen entfährt meiner Kehle, als ich mich aus der nassen Jacke geschält habe, meine Schuhe sind zum Glück noch trocken. Anschließend folge ich meinem schwarzen Kater in die Küche, um ihm sein Abendessen zu servieren. Danach esse ich selbst etwas und lege mich schlafen, damit ich morgen früh fit bin.

Dennoch frage ich mich, woher der Fremde aus dem Bücherladen mir bekannt vorkommt. Ich bin mir einfach ziemlich sicher, dass ich schon mehr als einmal gesehen habe, da er allerdings er ruhig zu sein scheint, habe ich ihn vielleicht übersehen oder nicht wirklich wahrgenommen. Seufzend drehe ich mich auf die andere Seite. Es lässt mir einfach keine Ruhe. Allerdings wäre es besser, wenn ich mir morgen weiter den Kopf darüber zerbreche.
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