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Weihnachtsmannmütze

GeschichteFreundschaft / P12 / Gen
Semi Eita Ushijima Wakatoshi
09.12.2017
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08: Weihnachtsmannmütze




Sie saßen alle gemeinsam im Clubraum des Shiratorizawa Volleyball Clubs, in ihrer Mitte ein kleiner Tisch mit allerlei Knabberzeug und Naschereien. In der Ecke hatten sie einen kleinen CD-Player aufgestellt, der leise Weihnachtslieder spielte, die jedoch in der Vielzahl von Stimmen und Unterhaltungen unterging. Daneben stand ein bunt geschmückter, künstlicher Weihnachtsbaum, der so winzig war, dass er, hätte er auf dem Boden gestanden, keinem der Spieler auch nur bis zum Knie gereicht hätte.
Es war einige Wochen her, dass sie gegen Karasuno eine Niederlage eingefahren und somit ihre Fahrkarte zu den Nationals verloren hatten. Besonders an den Drittklässlern nagte dieser Verlust noch immer. Ohne die Teilnahme an den Nationals war ihre Zeit im Volleyball Club vorbei – obwohl einige von ihnen noch immer ab und zu zum Training erschienen. Doch blieb ihnen auch nicht viel Zeit, sich zu bedauern, denn nun forderten die Schule und die Vorbereitung aufs College ihre volle Aufmerksamkeit.
Umso mehr hatten sie sich jedoch auf ihre kleine Weihnachtsfeier gefreut. Zwar saßen sie nur mit ein paar Snacks gemütlich beisammen, doch sie waren dankbar für alles, was sie auch nur etwas vom Lernen ablenkte und ihnen beim Entspannen half.

Auch Eita Semi hatte die Weihnachtsfeier vorfreudig erwartet – er liebte sein Team – doch nun, da es soweit war, hatte er das Bedürfnis, sich in seinem Wohnheimzimmer aufs Bett zu werfen und bis zum nächsten morgen durchzuschlafen. Er hatte die letzten Nächte kaum geschlafen und meist bis in die Nacht hinein dagesessen und gelernt. Er hatte es durch ein Sportstipendium an die Shiratorizawa Akademie geschafft, nicht durch seinen brillanten Verstand. Den Eingangstest hätte er mit Bravour vermasselt, da war er sich sicher. Er war nicht doof, schließlich gehörte zu den zwei Bedingungen des Stipendiums neben der Aktivität im Club auch noch, dass man zumindest einen guten Notendurchschnitt aufrechterhielt, doch nun, da die letzte Etappe seiner High-School-Zeit angebrochen war, schien weder für seine Lehrer noch für seine Eltern „gut“ noch gut genug zu sein.
Schon wenige Minuten, nachdem der Abend begonnen hatte, hatte er das dumpfe Pochen hinter seiner Stirn spüren können und hatte beschlossen, es zu ignorieren, in der Hoffnung, es würde doch wieder verschwinden. Aber die Wärme und die stetig stickiger werdende Luft ließen es nur schlimmer werden. Und auch seine Müdigkeit war der ganzen Situation nicht gerade zuträglich.
Einmal war er im Laufe des Abends sogar schon eingenickt und hatte dabei Kawanishi, neben dem er saß, beinahe einen Herzinfarkt beschert, als sein Kopf auf dessen Schulter gerollt war.
„Hat dir schon mal jemand gesagt, was für spitze Knochen du hast?“, hatte er keine Sekunde später gescherzt und sich die schmerzende Schläfe gerieben.
Auf seiner anderen Seite hatte Reon ihm einen besorgten Blick zugeworfen.
„Alles okay bei dir?“
Seine Antwort war ein etwas verlegenes Lächeln und ein Daumen hoch gewesen, ehe er sich schnell in eine der Konversationen eingebracht hatte, um jegliche Zweifel zu zerstreuen. Der stoische, auf ihn gerichtete Blick seines ehemaligen Kapitäns war ihm dabei nicht entgangen.

Dieser kleine Zwischenfall war inzwischen anderthalb Stunden her und seine zwischenzeitlich doch recht gute Laune war nun wieder am Sinken, als seine Kopfschmerzen sich in voller Stärke zurückmeldeten.
„Frische Luft.“, dachte er resigniert. „Vielleicht hilft das ja.“
Schnell hatte er sich seine rote Strickjacke wieder übergezogen und war über Kawanishi gestiegen, um zur Tür zu kommen. Nachdem er in seine Schuhe geschlüpft, seinen Parker übergeworfen und ein kurzes „Frische Luft“ als Antwort auf Reons fragenden Blick in den Raum geworfen hatte, trat er hinaus in die eisige Nacht.
Der frisch gefallene Schnee knirschte unter seinen Schuhen, während die Geräusche von drinnen nur noch gedämpft an seine Ohren drangen. Der kalte Wind traf beißend auf sein Gesicht und ließ seine Augen tränen. Doch es half. Die kalte, aber frische Luft ließ seine Kopfschmerzen verschwinden und ihn wieder wacher werden. Ein erleichtertes Seufzen verließ seine Lippen zusammen mit einem weißen Atemwölkchen.
Er war nicht mehr müde, doch er schloss die Augen und legte den Kopf in den Nacken, genoss einfach nur die lindernde Kälte.

Er wusste nicht, wie lange er dort schon gestanden hatte, als ihm plötzlich jemand etwas über den Kopf zog.
Erschrocken machte er einen Satz zurück und hob abwehrend die Hände, wobei er zwei starke, in eine dicke Jacke gehüllte Arme erwischte. Mit vor Schreck geweiteten Augen starrte er direkt in das Gesicht des brünetten Hünen, der noch vor wenigen Wochen Kapitän des Volleyball Clubs gewesen war.
„‘Toshi?“, murmelte er verwirrt und mit einem Schlag wurde er sich seiner Umwelt wieder bewusst. Er spürte den leichten Schmerz in Fingern und Zehen und spürte, wie die Kälte langsam seine Glieder hinaufkroch. Nur sein Kopf fühlte sich auf einmal wärmer an und der kalte Luftzug an den Spitzen seiner Ohren fehlte.
Hastig fasste er sich an den Kopf, doch statt seinen Haaren ertasteten seine Finger nur weichen, flauschigen Stoff. Nur wenige Sekunden später war er sich sicher, was er da auf dem Kopf hatte.
„Hast du mir gerade eine Weihnachtsmannmütze aufgesetzt?“, fragte er ein wenig ungläubig, die Hände noch immer nicht von besagtem Kleidungsstück entfernt, welches mittlerweile eher schlecht als recht auf seinem Kopf saß.
„Ja.“, war die schlichte Antwort. Ushijima schob behutsam seine Hände beiseite um die Mütze zu richten, sodass sie Ohren des Trägers wieder ausreichend bedeckte und seinem Kopf Wärme bot.
„Ich lasse nicht zu, dass du dich erkältest.“
Obwohl sein Ton verriet, dass er es ernst meinte, klang es doch gleichzeitig nach kindlichem Trotz, und ließ den Zuspieler lachen. Es war ein herzliches, befreites Lachen, das sein ganzes Gesicht erstrahlen ließ. Ebenso wie er selbst sorgte sich der größere um ihr Team. Auf andere mochte der Top-Drei-Angreifer unnahbar und kalt wirken, doch wer ihn gut kannte, wusste, dass dies nicht der Fall war.
Semi sah ihn definitiv nicht als kalt. Für ihn war er eine ganz besondere Person, vielleicht sogar die eine besondere Person. Doch das alles zählte in diesem Moment nicht.
„War das falsch?“, fragte sein Kapitän – das würde er immer für ihn bleiben – stirnrunzelnd, der sein Lachen falsch interpretiert hatte.
Der kleinere schüttelte den Kopf.
Dann, ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden, machte er einen Schritt auf ihn zu und nahm ihn in die Arme.
„Danke, ‘Toshi.“
Mehr sagte er nicht. Mehr brauchte er nicht zu sagen, als seine Umarmung erwidert wurde und sich die großen Hände auf seinen Rücken legten.

Die Kälte spürte er nicht mehr, nun, da sich die Wakatoshis Wärme in seinem ganzen Körper ausbreitete.
All sein Stress und seine Müdigkeit und seine Kopfschmerzen waren vergessen. Er war einfach nur glücklich.

Die Mütze behielt er auch noch auf, nachdem sie wieder im Clubraum bei den anderen Platz genommen hatten. Nicht einmal Tendous Kommentar, dass ihm zu der Mütze und der roten Jacke nur noch einen weißen Bart benötigte, konnte seine gute Laune an diesem Abend noch schmälern.
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