Das Böse in ihr

GeschichteDrama, Thriller / P18
08.12.2017
11.04.2019
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Sie streckte sich ein letztes Mal ausgiebig, bevor sie sich auf den knarzenden Bürostuhl sinken ließ. Ihre Pause war vorbei, jetzt war es an der Zeit, wieder voll konzentriert an die Arbeit zu gehen.
Die diensterfahrene Frau gab ihrer Kollegin ein Zeichen, dass sie übernahm, und schaltete die Rufumleitung für ihren Arbeitsplatz aus. Energisch strich sie sich die langen Haare hinter die Ohren, setzte sich dann das Headset auf und richtete das Mikrofon.
In dem hellen Büro standen sechs große Schreibtische. Zu jeder Zeit mussten in dieser Einsatzstelle mindestens vier davon besetzt sein. Jeden Arbeitsplatz zeichneten die vier großen Monitore aus, die absolut unverzichtbar waren, um in der Hektik den Überblick zu behalten. Überlebenswichtig.
Bisher schien es ein ruhiger Vormittag zu sein. Natürlich war sie über jede Sekunde froh, in der ihr die Geräte nicht signalisierten, dass jemand anrief. Das bedeutete, dass es einen Menschen weniger in der Nähe gab, der Einsatzkräfte vor Ort brauchte. Sie machte die Arbeit nicht erst seit gestern und hatte gelernt, in jeder Situation ruhig zu bleiben. Trotzdem klopfte ihr Herz immer ein wenig schneller, nur ein, zwei Takte, wenn die hohen Töne erklangen, die anzeigten, dass jemand die 112 gewählt hatte und schnelles Handeln gefragt war. So wie es genau in diesem Moment geschah.
„Notruf Feuerwehr Rettungsdienst Berlin. Welchen Notfall möchten Sie melden?“
Am anderen Ende der Leitung vernahm sie nur verzweifeltes Schluchzen.
„Hallo? Hier spricht die Rettungsleitstelle. Können Sie mich hören?“
„Hier… Hier spricht Valerie. Valerie König.“ Die junge Stimme am anderen Ende der Leitung zitterte.
„Was ist passiert?“, fragte die Disponentin. Sie benötigte die wichtigsten Informationen, um den Fall an die Einsatzkräfte weiterleiten zu können.
„Hilfe!“, klagte sie, „Ich brauche Hilfe! Sie ist…“
„Bitte beruhigen Sie sich. Was ist passiert?“
„Meine Mutter!“ Die Anruferin weinte und schluchzte nun so stark, dass man sie nur schwer verstehen konnte. Trotzdem erfasste die Disponentin die folgenden Worte auf Anhieb und würde sie auch nie wieder vergessen können.
„Ich habe sie getötet!“
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