Infected

KurzgeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12
Chuya Nakahara Dazai Osamu
08.12.2017
08.12.2017
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Das hier ist eigentlich nur eine spontan entstandene Geschichte von nicht einmal tausend Wörtern, trotzdem dachte ich mir "Ach, was solls. Es gibt hier viel zu wenig Fanfictions über BSD und wer weiß, vielleicht findet sich ja jemand, der sich über diese kleine Soukoku-Fanfiction freut."
Also viel Spaß beim Lesen,
Aeranell-chan

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"Es gibt zwei Arten von Menschen auf dieser Welt,"

gab er sein Wissen preis, während sein langer Finger den kugelrunden Eiswürfel im Whisky ertränkte. Ein angenehm heller Ton erklang, als das Eis gegen den gläsernen Boden des kunstvollen Gefäßes stieß.

"Jene, die von der Gesellschaft unterworfen wurden und die immerzu selbe Tür immer wieder öffnen und schließen, öffnen und schließen und öffnen und schließen ohne doch wirklich voranzukommen,"

fuhr der Dunkelhaarige fort und legte eine weitere Kunstpause ein, die seinem Gesprächspartner die Gelegenheit dazu gab, den Blick zur Tür zu wenden.

"Und jene, die einfach plötzlich und unvorhergesehen wie das Schicksal selbst durchs Fenster schreiten."

Mit einem Mal wurde es dunkel im Schankraum. Neonrote Buchstaben fielen vom Himmel, und zerbarsten auf dem Bürgersteig.
D.
O.
U.
S.
E.
I.
A.
I.
S.
H.
A.
Doch das Klappern der Metallfassung wurde vom Heulen eines heißgelaufenen Motors übertönt. Getunt, was auch sonst. Reifen kreischten den Asphalt an, als die Maschine abrupt herumgerissen wurde und so leuchtend rot wie die Abendsonne vorm Fenster der Schenke zum Halten kam, dass sie beinahe schon pink erschien.
Im nächsten Moment zerbarst die Scheibe und ließ eine Gestalt von gerade einmal eineinhalb Metern in den nach Alkohol stinkenden Raum treten. Die Scherben flogen zu Dutzenden, noch während er seine fuchsrote Haarpracht aus dem Helm befreite.

"Oih Dazai, hier steckst du also!"

Die Stimme des Fuchsfarbenhaarigen klang in seinen Ohren genauso tief und aggressiv wie das Röhren seiner Maschine, die ungeduldig und scharrend wie ein wildes Tier vor der Kneipe auf ihn wartete.

"Besäufst dich und lässt mich die ganze Arbeit allein machen, ja? Ich muss ja mal sagen, du bist echt ein toller Arbeitskollege!"

Zornig trat er einen der Barhocker zur Seite, um nach dem Glas Whisky auf dem Tresen zu langen. Doch kaum berührte das kühle Glas seine rauen Lippen, wurde es ihm auch schon wieder brutal aus der Hand geschlagen, um hinter dem immernoch ruhig weiterspülendem Kellner an der Wand zu zerspringen. Goldene Flüssigkeit lief die Täfelung hinab und ein Rinnsal Blut die aufgesprungene Lippe des Motorradfahrers.

"Sag mal, spinnst du? Was sollte das denn?"

Hatte der faule Sack etwa irgendetwas hineingemischt, das nicht für ihn bestimmt gewesen war?

"K.O. Tropfen,"

erklang die überraschend nüchterne Antwort.

"K.O. Tropfen? Du hattest doch nicht etwa geplant, dich umzubringen?"

Es herrschte kurzzeitige Stille. Die Luft hing schwer inmitten des gut durchlüfteten Raumes. Ein tiefes Seufzen erklang.

"Weißt du, ich will einfach nicht mehr zwischen Tür und Angel stecken, will nicht mehr auf der Schwelle zwischen Herz und Akzeptanz festsitzen, wo es mich langsam innerlich ausnimmt."

"Was schwafelst du da für einen melancholischen Schwachsinn?"

"Na, du hast doch gefragt."

Beschwipste, bernsteinfarbene Augen trafen auf himmelblaue Iriden. Sie starrten sich gegenseitig an. Beide mit völlig gegensätzlichen Gesichtsausdrücken; der eine gereizt und ungeduldig, der andere mit einem müden, verträumten Lächeln auf den Lippen.

"Chuuya, ich fürchte ich bin nicht mehr ganz bei Sinnen," gestand der Dunkelhaarige.

"Du warst nie bei Sinnen, Hohlkopf. Und besoffen bist du nur noch viel schlimmer zu ertragen."

"Nein, ich meine, ich bin nicht normal."

Nicht normal? Als ob ihm das nicht klar wäre. Schließlich hatte er diesen Typen jeden Tag am Hinterrad kleben. Die Bernsteine wanderten sein Gesicht hinab, bis sie an seinen Lippen kleben blieben.
Als er den Blick nicht mehr abwendete, dämmerte es dem Kurzen bereits. Er mochte von Zeit zu Zeit schwer von Begriff sein, doch dieser Blick war nicht misszuverstehen. Aber das konnte doch nicht Dazais Ernst sein?
Als er ihn jedoch beim Kragen seines Motorradanzuges packte und zu sich herunterzog, schluckte Chuuya schwer. Sein Adamsapfel hüpfte, doch die Augen seines Gegenübers blieben an seinen Lippen haften.
Nur noch wenige Millimeter trennten sie von den seinen. Chuuya spürte den warmen Whiskyatem auf seiner Haut und hätte sich selbst dafür in den Hintern treten können, dass er nicht zurückwich. Ihm blieb nichts anderes übrig, als die fehlende Ablehnung seines Körpers auf seinen Alkoholfabel zu schieben.
Doch wie Dazai es schon immer getan hatte, durchkreuzte er ihm auch dieses mal wieder den nicht gerade idiotensicheren Plan. Denn der Blick des Dunkelhaarigen wich zur Seite und seine vom Alkohol glänzenden Lippen waren im Begriff sich wieder von ihm zu entfernen, als der Schmerz Chuuya zu erschlagen drohte. Es pochte in seiner Brust, als hätte jemand sein Herz in einen glühenden, dornenbewährten Eisenkäfig gesperrt. Er wusste nicht einmal woher der peinigende Druck plötzlich gekommen war. Nur eines war gewiss: der Schmerz befand sich nicht im physisch Erfahrbarem und doch spiegelte er sich auf seinen Gesichtszügen wider. Er konnte es an der Art erkennen, wie Dazai auf seinem Rückzug stockte. Der nächste, flüchtig geteilte Blick ließ Chuuya plötzlich alles verstehen. Jedes alberne Wort, dass Dazai vor wenigen Minuten scheinbar in Selbstmitleid suhlend von sich gegeben hatte. Mit einem Mal teilte er sein Gefühl und auch die Angst.
Und bevor er zu sehr von ihr eingenommen werden konnte, flüsterte er:

"Es gibt zwei Arten von Menschen. Die einen sind in der Lage jedes Vorurteil und hinter vorgehaltener Hand gewisperte Wort einfach hinzunehmen und eiskalt an ihnen vorbeiziehen zu lassen. Sie sind nicht aufzuhalten, nicht vom Weg abzubringen und öffnen eine Tür nach der anderen, um sie anschließend wieder zu schließen. Allerdings hinter sich.
.
.
.
Und dann gibt es diejenigen, die sich der unausgesprochenen Ordnung unterwerfen und versuchen mit allem allein fertig zu werden. Die, die eiskalt weiter voranschreiten und ihre Gefühle verschließen, um die Scherben unter ihren Füßen auszublenden, bis der Schmerz ihren ganzen Körper lähmt, sodass sie nicht einmal mehr dazu fähig sind nach der Türklinke zu greifen.
Also…,"
Chuuya schloss ohne jeden Erwartungshorizont die Augen,
"zu welcher Gruppe von Menschen willst du gehören, Dazai?"
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