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Der große Sturm

von Kalida
OneshotRomanze, Freundschaft / P12 Slash
Beatrix "Bea" LeBeau Casey
07.12.2017
07.12.2017
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Der große Sturm



Schweigend gingen die beiden jungen Frauen nebeneinander. Durch die großen und menschenleeren Straßen.
Es war Herbst geworden. Ein Kälteschleier hing über den Gehwegen und eine dichte Wolkendecke verdeckte den Himmel, sowie die Sonne.

„Es zieht sich immer mehr zu...“, bibberte die Pink-haarige. Ihre Freundin machte ein zustimmendes Geräusch und nickte leicht. Ihr war es zu kühl, um eine richtige Antwort zu geben. Als würde ihr ganzes inneres erfrieren, sobald sie den Mund öffnet.
„Ganz große Klasse...“, sagte Casey eher zu sich selbst. Sie streckte ihre Hand aus und fing ein paar kleine Tröpfchen auf.
Es hatte angefangen zu nieseln.
Beide ignorierten dies jedoch für den Augenblick. Die Hoffnung war groß, dass es jeden Moment wieder endete.

Doch aus dem nieseln wurde ganz schnell Regen und aus dem Regen wurde noch schneller ein großer Schauer.
„Scheiße! Was sollen wir jetzt tun?“, rief Casey gegen den pfeifenden Wind. Beatrix blickte sich kurz um und zeigte dann mit dem Finger in Richtung eines Cafés: „Dort vorne befindet sich ein Café. Das dürfte heute offen haben. Da können wir uns bestimmt für eine Weile unterstellen und ein bisschen aufwärmen.“

Mit schleunigen Schritten liefen sie zu dem kleinen Lädchen.
Eine Wärmeflut umringte ihre Körper, als sie einen Schritt ins Trockene setzten. Erleichterung machte sich in ihnen breit.
Beatrix, welche vorangegangen war, drehte sich nun zu ihrer immer noch fröstelnden Freundin um und ein breites Grinsen legte sich auf ihre Lippen, welches zugleich von einem Lachen abgelöst wurde. Casey sah sie nur fragend an.

„Du müsstest dich mal sehen“, kicherte die Türkis-haarige über den Anblick, der sich ihr bot.
Die Pinken und kurzen Haare lagen strähnig triefend auf dem Kopf der Kleineren und klebten quer verstreut in ihrem Gesicht.
Ihre Kleidung war ebenfalls von oben bis unten durchgeweicht und die aufgetragene Wimperntusche hinterließ Spuren bis zu ihrem Kinn hinab.
„Sagt die richtige“, musste nun auch Casey schmunzeln, welche sich ihrem Mantel entledigte. „Du siehst aus wie eine ersäufte Ratte“, scherzte sie und kramte einen kleinen Handspiegel aus der Jackentasche. Diesen hielt sie Beatrix unter die Nase.

Das Café war genauso leergefegt wie die Straßen. Nur ein Pärchen hatte sich ebenfalls dort verschanzt, jedoch schienen sie schon vor dem plötzlichen Regen hier gewesen zu sein.
Es war ein Sonntagabend und das schlechte Wetter wurde auch in den Nachrichten zuhauf angekündigt, jedoch hatte keine der beiden Frauen dies so richtig Mitbekommen.

„Hallo?“, rief eine männliche und strenge Stimme aus einem Hinterzimmer.
„Guten Abend“, antwortete Beatrix freundlich, als der ältere Herr in dem Raum trat. Dieser musterte die beiden abwertend von Kopf bis Fuß und blickte dann nach draußen.
„Hier ist nur zutritt für Gäste! Wenn ihr nichts bestellen wollt... ihr wisst, wo die Tür ist“, grummelte der Mann und drehte sich wieder um.
„Einen Kaffee kann ich jetzt wirklich gut gebrauchen. Mit Zucker bitte“, gab Casey ihre Bestellung auf. „Für mich bitte auch“, schloss sich die Größere an.

Sie setzten sich an einen Eckplatz am Fenster und blickten nach draußen.
Der Regen prasselte ohne Erbarmen gegen die großen Scheiben und überflutete die Straßen.
„Das da draußen ist die reinste Sintflut...“, nuschelte Beatrix. „Oh ja... aber das ist in ein paar Minuten eh wieder vorbei. Du wirst schon sehen. Danke“, der Inhaber brachte ihnen die Getränke und sogleich trank die Pink-haarige den ersten Schluck. Es war ihr in dem Moment egal, dass sie sich der bei die Zunge verbrannte. Beatrix hingegen ließ sich Zeit.

Die Zeit verstrich. Sie waren alleine.
Das junge Pärchen hatte mittlerweile ausgetrunken und den Mut erbracht, dass Geschäft wieder zu verlassen.
Beatrix verstand nicht ganz warum. Der Regen war in der Zwischenzeit sogar noch stärker geworden. Den Teufel würde sie tun dort auch nur einen Fuß hinaus zu setzten.

„Seid ihr beiden Fertig?“, fragte der Mann der Nettigkeit halber, hatte die Tassen aber bereits in den Händen.
„Ja, danke.“ - „Gut“, der ältere legte ihnen eine Rechnung auf den Tisch.
Casey kramte gerade ihr Portemonnaie aus der Tasche, als ihre beste Freundin abwinkte: „Lass, ich mach schon.“
Der Mann sackte das Geld samt Trinkgeld ohne ein einfaches „Danke“ eine und brachte die Tassen zur Spüle. „Na wird’s bald“, meckerte er die beiden plötzlich an: „Raus mit euch!“

Verdutzt sahen sich die beiden an. „Ich bitte Sie“, beschwerte sich nun Casey und stemmte dabei die Hände in die Hüfte: „Haben sie mal einen Blick zum Fenster hinausgewagt? Sie können uns bei so einem Wetter doch nicht ohne weiteres vor die Tür setzten. Wenn es hier drin’ jetzt rappel voll wäre könnte ich es ja noch verstehen, aber hier ist keine Menschenseele außer uns dreien!“ - „Ganz einfach, süße. Mein Laden, meine Regeln. Wenn es dir nicht passt, such dir einen anderen Unterschlupf.“ - „Wollen sie mich...“, Casey stand auf und man konnte eine kleine Zornesader an ihrer Stirn erblicken. Beatrix unterbrach sie jedoch: „Wir nehmen noch mal das gleiche. Es hat doch keinen Sinn. Der Typ ist ein hartnäckiger und egoistischer Sturkopf. Wir haben keine andere Wahl, es sei denn, du willst da wieder raus. Das ist den Ärger nicht wert.“ Die Kleinere setzte sich wieder hin, funkelte den alten Herren aber immer noch böse an.

Es verging immer mehr Zeit, der Sturm tobte weiterhin über die Stadt und zu allem Überfluss hatte sich Gewitter hinzugesellt.
Draußen wurde es zunehmend dunkler.
Die beiden Frauen waren in ein langes Gespräch verfallen und hatten die Uhr vollkommen aus den Augen verloren. Sie lachten, diskutierten und genossen die gemeinsame Zeit.

„Was sind eigentlich deine Zukunftspläne?“, fragt Beatrix, nachdem sie von ihrer letzten Reise nach Grönland berichtet hatte.
„Ich weiß, es ist vielleicht nicht der sicherste Plan, jedoch ist es einfach mein... Traum. Schon seit dem ich klein bin... Ich will Musik machen, Konzerte geben, groß rauskommen und aber tausende von Menschen begeistern!“, ein regelrechtes Funkel befiel ihre Augen.
Beatrix legte eine ihrer Hände auf die von Casey ab und lächelte sie Sanft an: „Dann tu es. Ich glaube an dich.“ - „Danke, Bea. Das bedeutet mir viel“, Caseys blick senkte sich und blieb an der Hand hängen, welche ihre Verdeckte. Sie war angenehm warm und... weich.
Nicht bemerkend erhellten sich ihre Gesichtszüge noch ein gutes Stück mehr.

Gegen neun, draußen herrsche bereits die Finsternis, verstummte allmählich das regelmäßige prasseln gegen den dicken Scheiben.
Die Frauen hatten in der Zwischenzeit intensiver über Caseys Traum geredet und weiteren, eher unwichtigen Themen.
„Hörst du das?“, fragte die Pink-haarige in die Stille hinein, nachdem die Worte zwischen ihnen verstummt waren. „Was denn?“, verwundert sah Beatrix ihre Freundin an. Casey deutete mit dem Kopf in Richtung Straße: „Genau.“
„Endlich...“, die Größere legte den Kopf auf dem Tisch ab. „So langsam kann ich keinen Kaffee mehr sehen“, scherzte sie.

Die beiden bezahlten die doch recht hohe Rechnung und verließen dann nach guten zweieinhalb Stunden das Café.
Es war noch weiter abgekühlt und die Luftfeuchtigkeit war deutlich angestiegen.
Sie begaben sich ohne große Umwege direkt auf den Heimweg. Auch wenn sie gerne noch länger miteinander geredet hätten und insbesondere Casey sich gerne mehr Zeit beim Gehen gelassen hätte, doch ihre Kleidungen waren immer noch klamm, wodurch die massive Kälte noch aggressiver wirkte.

„Nein, nein, nein, nein, nein...“, jammerte Beatrix, als ihr plötzlich erneut ein Tropfen mitten auf die Stirn fiel. Casey wollte nachfragen, was los war, jedoch landete auf ihrer Haut keine Sekunde später ebenfalls einer. „Verdammt!“, fluchte sie.
„Beeilen wir uns, wir sind gleich bei mir“, die Größere griff nach dem Arm ihrer Freundin, drückte sich etwas an sie heran und schliff sie in Windeseile hinter sich her. Casey war über das schleunige Handeln der anderen überrascht und stolperte ihr die ersten Schritte regelrecht hinterher. Hätte Beatrix sie losgelassen, wäre sie augenblicklich mit dem Gesicht vorhanden auf den Asphalt geflogen.
Beatrix hatte die deutlich bessere Ausdauer, wie Casey zum abertausenden Male feststellte.

Das Herz der Pink-haarigen schlug ungewöhnlich schnell, jedoch hatte dies weder was mit der Körperlichenanstrengung zu tun, noch mit den immensen Tassen Kaffee, welche sie heute schon konsumiert hatte. Nein, es lag eindeutig an ihrer Begleitung. Schon den ganzen Abend hatte sie es gemerkt und eigentlich auch schon viel länger.
Ihr Herz machte jedes Mal einen Freudensprung, wenn sie Beatrix sah und sobald sie sich näher traten, hatte sie das Gefühl, der Sauerstoff um sie herum wich.
Auch Beatrix konnte von sich nicht behaupten, dass ihr all dies Fremd war.

Sie kamen vor dem Blumenladen an, in welchem Beatrix arbeitete und oben drüber eine Wohnung besaß.
„Am besten schläfst du heute Nacht hier“, bot sie ihrer Freundin an, während sie den Schlüssel aus einer der vielen Jackentaschen kramte: „Bei dem Wetter würde ich dich ungern alleine nach Hause schicken.“
Dankend nahm Casey das Angebot an und folgte ihr hinauf. Während die Größere Handtücher und frische Kleidung für beide heraussuchte, entledigte sich die Pink-haarige von ihrer Kleidung, legte diese über die Heizung und suchte nach einem Kopfkissen und einer Decke, welche sie in Beatrix Bett deponierte.
Natürlich hätte sie es sich auch auf dem Sofa bequem machen können, doch sie bezweifelte, dass ihre Freundin etwas dagegen hat, wenn sie sich zu ihr legen würde.

Beatrix betrat den Raum. Augenblicklich sank ihr Blick und ein leichter, kaum zu identifizierender Rotschimmer bedeckte ihre Wangen.
Sie hatte Casey schon häufiger in Unterwäsche gesehen, doch war dies unter anderen Voraussetzungen. Meist in Sportumkleiden, doch nicht mitten in ihrem Schlafzimmer.
Warum es ihr hier plötzlich so seltsam, so anders vorkam, konnte sie nicht so genau sagen und auch Casey, welche sich zuvor keinen großen Kopf gemacht hatte, wurde es urplötzlich unangenehm. Auch sie zierte nun ein Rotschimmer, welchen man auf ihrer hellen Haut jedoch deutlich besser erkennen konnte.
Sie nahm sich schnell die Klamotten, welche Beatrix ihr reichte und streifte sich diese über.

Recht schnell lagen beide dann auch schon friedlich nebeneinander im Bett.
Der Raum war in Dunkelheit geflutet und mit Stille überwuchert. Das einzige, was sie noch wahrnahmen, war das eigene und das regelmäßige Atmen der anderen.




~~~
Einen großen Dank an all die, die diese Kurzgeschichte bis zum Ende gelesen haben und ihnen vielleicht sogar gefallen hat. Naja... wenn das hier jemals Jemand lesen wird...
Aber ich hatte schon Ewigkeiten Lust etwas zu Slime Rancher zu schreiben und als ich nochmal die Starmails durchgegangen bin, dachte ich mir, dass ich diese kleine und süße Szene doch etwas ausschmücken könnte. Besonders da ich Casey und Bea seit der ersten Sekunde an des Todes geshippt habe.

Dummerweise hat sich das Schreiben dieser Kurzgeschichte doch als ein bisschen kniffeliger herausgestellt, als eigentlich gedacht, da man nun mal so gut wie keine richtigen Charakterzüge von den beiden kennt.
Trotzdem bin ich mit der Umsetzung doch recht zufrieden...

Es würde mich äußerst glücklich machen, wenn ihr mir vielleicht eine kleine Rückmeldung dalassen würdet.

Kalida~
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