Die Löwen-Lyriker

OneshotFreundschaft / P6
OC (Own Character)
07.12.2017
07.12.2017
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„Du mieser, kleiner Flubberwurm!“
Ständig wurde Larkin beschimpft. Wie immer zog er nur den Kopf ein und blickte zu Boden. Einige Schaulustige lachten. Peony hatte als Einzige Mitleid mit dem Erstklässler. Als hätte sie ihn gerade entdeckt, ging sie auf ihn zu.
„Hey, Larkin, da bist du ja! Ich wollte dich fragen, ob wir eine Runde Zauberschach spielen wollen? Du schuldest mir noch eine Revanche!“
Bei diesen Worten ließen die anderen langsam von Larkin ab. Jeder wusste, dass man wirklich gut in Zauberschach sein musste, um für die Sechstklässlerin eine Herausforderung darzustellen. Larkin folgte ihr ein Stück den Gang entlang, bis er schließlich verwundert anmerkte: „Wir haben noch nie gegeneinander gespielt.“
„Nein, aber wir könnten“, erwiderte Peony ruhig.

Am nächsten Tag stand Peony mit ihren Freunden auf dem Schulhof. Da waren Tanya, deren fester Freund Auberon und Cherry aus der Fünften. Doch Peony beobachtete nur Larkin aus dem Augenwinkel. Wieder grinsten ihn einige Schüler hämisch an und machten sich über ihn lustig. Larkin zog seinen Winterumhang enger um sich und tat so, als sei er vollkommen auf sein Buch konzentriert. Eine Sammlung der Werke Schillers.
Er hatte Peony gestern tatsächlich geschlagen. Der Erstklässler, den niemand mochte, hatte mehr in sich, als irgendjemand ahnte.
„Peony, was meinst du dazu?“, wurde sie aus ihren Gedanken gerissen.
Peony drehte sich zu Tanya um. „Zu was?“
„Zu meinem Vorschlag, dass wir zusammen Gedichte schreiben.“
„Finde ich super.“ Peony lächelte. „Entschuldigt mich.“ Die anderen um Larkin waren weitergegangen, sodass dieser ganz alleine mit seinem Buch an der Mauer lehnte. Peony gesellte sich zu ihm. „Was liest du?“
„Das ist ‚Die Bürgschaft’ von Schiller“, erklärte Larkin. „Hat mir die Muggelkundelehrerin gegeben.“
„Schiller?“, wiederholte Peony ungläubig. „Du liest freiwillig Gedichte, die mehrere hundert Jahre alt sind und auf Deutsch?“
„Ich bin halb Deutscher“, sagte Larkin vorsichtig.
„Wirklich? Das habe ich gar nicht gewusst.“ Peony überlegte einen Moment. „Weißt du was? Warum kommst du nicht zu uns, wir suchen gerade Leute, die Gedichte mögen.“
Damit kehrten sie zu den anderen zurück. Diese reagierten unterschiedlich auf den Neuling, ließen ihn aber mitmachen, nachdem Peony vom gestrigen Schachspiel erzählt hatte.
Larkin war dagegen sofort begeistert von der Idee, gemeinsam zu schreiben. „Wir könnten den anderen Weihnachten versüßen“, sagte er eifrig. „Wir halten uns im Hintergrund und verteilen anonyme Gedichte.“
„Wir schreiben an die, denen sonst niemand schreibt“, nahm Peony die Idee auf. „Den Schülern, die geärgert werden und den Lehrern, die niemand leiden kann.“
„Und Mr Filch“, ergänzte Larkin.
Alle sahen ihn schräg an. Niemand konnte sich so recht vorstellen, an Mr Filch zu schreiben, der die Schüler so sehr hasste wie sie ihn. Doch ansonsten wurde der Plan gut aufgenommen. Sofort überlegten sie, wie man die Gedichte verteilen konnte, ohne dass jemand etwas mitbekam.
„Wir sind alle Gryffindors, wir schaffen das“, sagte Cherry zuversichtlich.

Bald traf man sich täglich zum Austausch. Man diktierte einer selbstschreibenden Feder, um sich nicht durch die eigene Handschrift zu verraten und unterschrieb jeden Brief mit „Die Löwen-Lyriker“. Dann wurde er zusammengefaltet und mit dem Namen des Empfängers versehen.
Anschließend musste man die Briefe nur noch unter die Leute bringen. Das war gar nicht so einfach und die fünf mussten sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen. Einmal gab Peony der Eule einer Zweitklässlerin aus Hufflepuff einen Brief mit Limericks. Ein anderes Mal ließ Tanya unauffällig einen Zettel mit Haikus liegen, den dann wie beabsichtigt ein Slytherin fand, der schon lange von einer Reise nach Japan träumte. Und als gerade viele im Gemeinschaftsraum beim Kaminfeuer beisammen saßen, ließ Cherry unauffällig mit Wingardium Leviosa ein Gedicht zu einem Mitschüler hinüberfliegen, der gerade dabei war, ein Puzzle mit bewegtem Bild zu lösen.
„Wer hat da einen Zettel in meine Sachen gelegt?“, fragte er überrascht und sah ihn sich näher an. „Und warum steht da mein Name drauf?“
„Er ist plötzlich auf mich gefallen“, beschwerte sich der Quidditchspieler auf dem Puzzle.

Nicht nur die Unbeliebten inklusive Mr Filch erhielten Briefe. Das Angebot wurde bald ausgeweitet und sogar der Vertrauensschüler Gryffindors stand eines Tages im Gemeinschaftsraum mit einem Zettel in der Hand. „Wir haben das letzte Mal den Hauspokal erhalten, warum nicht nächstes Mal auch?“, sagte er und las vor:

Hauspokal
heiß begehrt
Ziel aller Häuser
Gryffindor war sehr erfolgreich
Pokalsiegerbesieger

Pokal
leuchtende Augen
Lohn der Gemeinschaft
mit großem Stolz empfangen
Lieblingspokal



Es dauerte nicht lange, bis ganz Hogwarts über die geheimnisvollen Briefe rätselte. Auch wenn einige meinten, nichts mit schnulzigen Gedichten am Hut zu haben, fragte sich jeder, wer sich hinter den Löwen-Lyrikern verbarg. Als sogar Professor McGonagall äußerte, gerne einmal ein solches Gedicht zu erhalten, spornte das die Gruppe noch mehr an.
„Was haltet ihr von diesem Elfchen?“, fragte Peony, als sie wieder einmal zusammen saßen. „rot/glänzende Kugeln/schmücken den Baum... Weiter bin ich noch nicht.“
„Ganz hübsch“, fand Auberon. „Hey, wie wäre es, wenn wir etwas mit mehr Action schreiben? So etwas wie Verworrene Schatten/Verdunkeltes Licht...“
„Wer freut sich denn über so etwas?“ Tanya schüttelte den Kopf.
„Der Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste!“, schlug Larkin vor. Auberon pflichtete ihm bei.
„Ich habe auch ein Gedicht geschrieben“, sagte Larkin nun. Theatralisch begann er in Anlehnung an Schillers Bürgschaft zu rezitieren:

Zu Hagrid, dem Halbriesen, schlich
Gryffin, den Stab im Gewande.
Ihn schlugen die Lehrer in Bande.
„Was willst du nachts hier draußen? Sprich!“,
Entgegnet ihm Filch, der Wüterich.
„Weihnachtsgeschenke bereiten.“
„Es muss dich ein Lehrer begleiten.“


Da begannen alle zu lachen.

Nachdem Larkin das Gedicht noch etwas ausgebaut hatte, machte er sich gemeinsam mit Auberon auf den Weg zu Hagrids Hütte, um es vorbeizubringen. Die Dämmerung setzte gerade ein, inzwischen wurde es früh dunkel. Kaum jemand war noch draußen. Als sie der Hütte näher kamen, sahen sie drinnen den Halbriesen mit dem Rücken zu ihnen stehen. Geduckt gingen sie weiter. In diesem Moment öffnete Hagrid die Tür. Schnell huschten die beiden um die Hütte herum und drückten sich an die Rückwand. Auf der anderen Seite hörten sie Hagrid mit einem seiner Tiere sprechen.
„Was machen wir jetzt?“, flüsterte Larkin. Überrascht stellte Auberon fest, dass im Tonfall des Erstklässlers keine Spur von Angst war, eher Abenteuerlust. „Soll ich ihn mit Wingardium Leviosa neben Hagrid fliegen lassen?“
„Lass uns warten, bis es ganz dunkel ist“, wandte Auberon ein.
So hockten sie in ihrem Versteck und sahen zu, wie die kahlen, schwarzen Bäume vor ihnen immer bedrohlicher wirkten. Vor ihnen lag der Verbotene Wald. Der eisige Wind ließ sie frösteln. Irgendein Tier huschte vorbei, war es eine Maus oder eine große Spinne?
Leise murmelte Auberon vor sich hin. „Verworrene Schatten/Verdunkeltes Licht/Verwilderte Ratten...“
„Verwandelt Gesicht“, murmelte Larkin mit.
„Verzauberte Spinne/Verbotener Wald“, fuhr Auberon fort.
„Versagende Sinne/Dementorgestalt“, beendete Larkin.
Auberon grinste ihn zufrieden an.
„Ich denke, jetzt ist es dunkel genug“, beschloss Larkin und wickelte seinen Umhang eng um sich. „Mir ist kalt.“
„Du hast recht“, stimmte Auberon zu und schlich um die Hütte herum, gefolgt von seinem Freund. In ihren schwarzen Sachen waren sie kaum zu sehen, als sie sich dem Halbriesen näherten, der noch immer vor der Tür saß und in einem Kessel rührte. Dann stand er auf und öffnete die Tür. Diesen Augenblick nutzte Larkin, um den Zettel in die Hütte fliegen zu lassen, als hätte der Wind ihn getragen.
Hagrid schloss die Tür hinter sich, doch als die beiden Gryffindors vorsichtig einen Blick durchs Fenster warfen, konnten sie sehen, dass er das Gedicht mit einem Lächeln auf dem Gesicht las.

In der nächsten Stunde von Verteidigung gegen die Dunklen Künste stand das Gedicht von Auberon und Larkin an der Wandtafel. Der Lehrer sah es mit Freude und band es sogleich in den Unterricht mit ein, auch wenn er davor warnte, es als Inspiration für irgendwelche eigenen Handlungen zu nutzen.
Die Löwen-Lyriker hatte das alles noch mehr zusammengeschweißt. Larkin hatte ein ganz neues Selbstbewusstsein, wenn er geärgert wurde. „Wenn ihr nur wüsstet“, dachte er dann nur. Während das Schloss festlich geschmückt wurde und Weihnachten immer näher rückte, verbreiteten sich immer mehr Gedichte und wurden zum großen Weihnachtsgeheimnis. Die fallenden Schneeflocken, die die Bäume wie Zuckerguss schmückten, der zufrierende See, alles wurde in die Briefe eingebunden.
In dieser Situation passierte Cherry ein Missgeschick. Sie war einem Mitschüler nach draußen gefolgt, um ihm einen Zettel unterzuschummeln. Sie schaffte es, sich rechtzeitig zu verstecken, doch sie hatte nicht an die Spuren im Schnee gedacht.
„Ihr seid es also, du und Peony und die anderen, habe ich recht?“ Mit einem breiten Grinsen hielt er den Zettel in die Höhe.
Die Nachricht verbreitete sich schnell. Die zuvor unsichtbaren Dichter zogen nun überall die Blicke auf sich und jeder sprach über sie. Von vielen wurden sie bewundert und besonders Larkins Ansehen stieg deutlich.

Am letzten Tag vor den Weihnachtsferien beendete Professor McGonagall ihre feierliche Ansprache mit den Worten: „Ich möchte nun einen der Löwen-Lyriker bitten, uns einige besonders gelungene Elfchen vorzulesen, die wir aus den Briefen an die Lehrerschaft ausgewählt haben. Sie werden uns hervorragend auf die kommende Zeit einstimmen. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank für euer außerordentliches Engagement, das uns die Adventszeit mit eurem dichterischen Talent versüßt hat!“
Peony erhob sich.

Weihnachtsmärkte
sehr beliebt
in romantischer Umgebung
unverzichtbar in der Vorweihnachtszeit
Geselligkeit

Adventskalender
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Überraschung

Weihnachten
sentimentale Gedanken
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