† - I Found - †

von Yui Yuuji
OneshotDrama, Romanze / P12 Slash
Katan Rosiel
07.12.2017
07.12.2017
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I Found

Love



Wie hatte er es nur nie sehen können? Wie hatte er so blind sein können, bis zum bitteren Ende, welches immer näher rückte. Er konnte es genau spüren.
Wieso hatte er es nur nie verstanden?
„Mein geliebter Katan.“ kam es schluchzend über seine Lippen. Niemand konnte seine zitternde Stimme in diesem grauen und kalten Moment vernehmen.
Er war alleine.
Wie er es schon seit jeher gewesen war. Seine Schwester hatte ihn schon vor langer Zeit verlassen, selbst Gott schien sich von ihm abgewandt zu haben.
Das einzige Geschöpf, das je wirklich an seiner Seite war und immer zu ihm gestanden hatte, war seine eigene Schöpfung gewesen.
Sein Katan.
Rosiel hatte damals gewusst, dass er etwas derart perfektes wie Katan nicht verkommen lassen durfte. Er schenkte ihm einen Körper und hatte es seit dem niemals bereut.

Doch womit der hellste Engel im Himmelreich nicht gerechnet hatte war, dass seine langsam verrottende Seele sich dank dem kleinen Engel, seinem Engel, ein wenig erholte. Sicher, irgendwann würde sein Ende kommen, doch Rosiel-sama war überzeugt davon, dass Katan ihn, zumindest bis zu einem gewissen Grad, geheilt hatte.

Geheilt, bis zu diesem Zeitpunkt.
Der anorganische Engel spürte es. Er spürte das Dunkle in sich heraufkriechen. Unaufhörlich, immer stärker werdend. Es zerriss ihn. Wie es ihn schon immer zerrissen hatte.

Aber wann immer der mächtige Engel drohte, in den Abgrund zu stürzen, tauchte immer der Cherubim auf und ergriff seine Hand, rettete ihn und zog ihn in seine schützenden und straken Arme.
Niemals hatte Rosiel damit gerechnet, es nicht einmal zu träumen gewagt, dass man ihm einmal sein kaputtes und elendiges Herz stehlen könnte.

Doch dieser reine, wunderschöne Engel namens Katan hatte es geschafft. Das Unmögliche hatte er wahr gemacht.
Wie hatte Rosiel je etwas anderes erwarten und glauben können.

Seine zarte und zitternde Hand erhob sich und er legte sie auf seine Brust, die sich ungleichmäßig hob und senkte. Ganz deutlich konnte Rosiel seinen eigenen, starken Herzschlag spüren. Es existierte. „Es wird immer dir gehören.“ flüsterte er dann leise. Ein sanftes Lächeln umspielte seine perfekten Lippen und er blickte hinauf, in den Nachthimmel, welcher sich über ihm erstreckte.
Verwunderlich, wie es der gleiche Himmel war, den auch die Menschen auf der Erde erblicken konnten.

Rosiel erhob sich langsam von dem kalten Steinboden der Terrasse auf welchem er bis eben noch verweilt hatte und begab sich langsam in sein Schlafgemach. Er wollte aufhören seinen Geist so zu quälen. Es würde ihm keine Ruhe verschaffen, das würde es nie.
Mit leisen und eleganten Schritten verschwand der anorganische Engel hinter dem Paravent und begann, sich aus den engen Schichten von Stoff zu schälen, welche er am Körper trug. Seine Gedanken schweiften abermals ab. Natürlich zu keinem anderen als seinem geliebten Cherubim.

Es war in diesem Moment, in welchem er das Satinhemd von seinen Schultern streifte, als es an der Tür klopfte. Rosiel erkannte es sofort. Diese Art zu klopfen, es konnte kein anderer sein, es war Katan. „Komm nur herein.“

Der noch junge Engel, im Gegensatz zu Rosiel selbst, betrat das Schlafgemach seines Herrn und schloss hinter sich die große Flügeltür. „Rosiel-sama.“ erhob er seine samtige Stimme und dem Angesprochenen reichte dies um sich wahrhaftig im Himmel wiederzufinden. „Es tut mir leid, Euch zu dieser späten Stunde noch zu stören, aber ich habe die Unterlagen, um die Ihr so dringend gebeten habt.“

Auf Katan war immer Verlass. „Leg die Dokumente auf den Tisch. Ich werde sie mir morgen ansehen.“ sprach der hellte Engel in Atziluth als er in seiner Schlafgarderobe  hinter dem Paravent hervortrat. Er hatte sich für eine leichte Hose entschieden und ein Leinenhemd, das zur Hälfte ausgeschnitten war und somit einen wunderschönen Blick auf seine makellose Brust freigab.
Einen Moment nahm sich der Cherubim und musterte diese wunderschöne Gestalt vor sich. Selbstverständlich tat er dies auf eine dezente und bewundernde Art und Rosiel bemerkte es. Er fand es wundervoll.

Katan tat, wie ihm befohlen und legte die Mappe mit Unterlagen ab. „Gibt es noch etwas, das ich für Euch tun kann, Rosiel-sama?“ man konnte es nicht hören, wenn man den Cherubim nicht bestens kannte, doch der anorganische Engel tat es. Dieser sanfte Unterton von Hoffnung in der Stimme seiner Schöpfung. Hoffnung, dass er noch etwas länger bei seinem Herrn verweilen durfte, nur noch ein wenig seiner kostbaren Zeit stehlen durfte. Oh, wie er selbst doch diese Hoffnung einmal gekannt hatte.

An jedem anderen Tag hätte Rosiel ihn vielleicht davongeschickt. Bestimmt sollte er dies auch heute tun.
Aber er brachte es nicht übers Herz, denn er sah dieses bekannte Leuchten in den hellen Augen seines Geliebten. Also erweichte er sich und trat näher an den Engel vor ihm heran. „Vielleicht möchte ich, dass du heute Nacht bei mir bleibst.“ flüsterte er dann und auf seinen Lippen lag ein Lächeln, was Katan nicht so recht zu deuten vermochte. Er hatte es zu selten bei seinem Herrn gesehen, um es einordnen zu können.

Rosiel musterte den Cherubim vor sich genau, prägte sich jedes Detail ein. Dann legte er sanft eine Hand auf Katans Brust und spürte kurz den Herzschlag dieses wunderschönen Geschöpfes während er die Antwort abwartete. „Es wäre mir eine Ehre.“ gestand er dann und nichts als pure Ehrlichkeit lag in seiner Stimme, die der anorganische Engel so sehr brauchte. Alle logen um ihn herum. Und er wusste es. Doch bei Katan konnte er sich immer sicher sein, dass er ehrlich war.
Federleicht strich er über die Wange seines liebsten Engels im ganzen Himmelreich, er schmiegte sich nun an seine Brust und sah ihn aus sanften Augen an. „Danke, Katan.“
Dann wanderte sein Blick langsam zu den Lippen dieses perfekten Cherubims und er war versucht. Oh, er war so versucht, diese sündhaften Lippen zu küssen, doch noch konnte er an sich halten.

Nicht so wie sein Gegenüber.
Katan konnte nicht länger wiederstehen. Er war zu schwach. Schwach, wie ein Sünder. Das hatte Rosiel nie gewollt. Doch waren sie nicht schon längst alle Sünder hier?

In einer fließenden Bewegung legte er eine Hand um den kleineren Engel und zog ihn noch etwas näher an sich heran und bevor dieser die Möglichkeit hatte, irgendetwas zu tun, legte der Cherubim seine vollen Lippen auf die von Rosiel-sama.
Und zu seinem Erstaunen… stieß dieser Katan nicht weg. Nein. Er schlang seine zarten Arme um den Nacken des Größeren und erwiderte. Beinahe schon verzweifelt. Als hänge sein Leben von dieser sanften Berührung ihrer Lippen ab.

Es war ein Kuss voller Liebe und Zärtlichkeit. Vollkommen gefangen im Rausch der Sanftheit lösten die beiden Gestalten sich erst, als ihre Lungen nach Luft verlangten.

Kein Wort sprachen sie mehr an diesem Abend miteinander. Denn Worte hätten nicht ausgereicht um zu beschreiben, was sie fühlten. Berührungen und Blicke waren für die restlichen Stunden zu ihrer Sprache geworden.

Rosiel hatte nie damit gerechnet.
Nie gerechnet, dass die Liebe seines Lebens einmal so empfinden würde, wie er selbst. Und wieder schaffte Katan es, ihn zu retten. So, wie er es schon immer geschafft hatte und es immer schaffen würde.
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