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Je besser man plant, desto mehr geht schief

von Lukina
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12 / Het
04.12.2017
04.12.2017
1
2.222
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2 Reviews
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04.12.2017 2.222
 
A/N: Das hier ist ein Wichtelgeschenk für Juna Dragneel aus dem Wichtelprojekt "Offen für Neues". Sinn dabei war es, in einem unbekannten Fandom zu schreiben. Entsprechend wenig Ahnung habe ich also von Fairy Tail. Es beschränkt sich auf die ersten acht Folgen und die englischen Wikia-Einträgen. Ich hoffe, ich habe die Charaktere trotzdem halbwegs ordentlich getroffen und die Geschichte gefällt meinem Wichtelkind.
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Je besser man plant, desto mehr geht schief




Happy hatte sich entschieden: Er würde endlich seinem langjährigen Freund helfen, das Glück zu erfahren, das er verdient hatte. Schon vor etwa zwei Monaten hatte der kleine Exceed bemerkt, dass Natsu irgendetwas bedrückte. Allerdings hatte er leider drei Wochen gebraucht, um heraus zu finden, was seinem besten Freund eigentlich so sehr zu schaffen machte. Anfangs hatte er noch angenommen, Natsu sei einfach krank, als er ihn aber darauf ansprach, wurde er nur wortkarg abgewimmelt. Von da an hatte der kleine Exceed dann versucht es ohne Hilfe heraus zu finden. Unauffällig hatte er Natsu beobachtet.

Beim Schlafen: Gut, Natsu war davon aufgewacht. Vielleicht war es doch nicht ganz so unauffällig gewesen, dass er mitten in der Nacht unter die Bettdecke gekrochen war und Atmung und Herzschlag alle zwei Minuten kontrolliert hatte.
Beim Essen: Die Idee sich auf Natsus Teller zu verstecken, um zu kontrollieren, dass auch nichts Schlechtes dabei war, gehörte wohl auch nicht zu den Besten. Es hatte damit geendet, dass Happy beinahe im Mund seines Freundes gelandet war. Das mit dem unauffällig sein, hatte er bei dem Versuch also hinbekommen.
Beim Kämpfen: Auch da hatte sich Happy leider den falschen Beobachtungsplatz ausgesucht. Letztlich hatte er nicht viel von dem Kampf gesehen, da er schon bei Natsus erstem Angriff beinahe gegrillt wurde und die restliche Zeit damit verbrachte, sein Fell auszupusten. Woher hätte er denn auch wissen können, dass ausgerechnet der Busch, in dem er steckte, als erstes in Flammen aufging? Seine Tarnung war aber trotz allem bis zum Schluss nicht aufgeflogen, einen kleinen Erfolg konnte er also durchaus verzeichnen.
Beim Zugfahren: Auch wenn das keine wirklich neue Erkenntnis war, ging es Natsu dabei miserabel. Happy schaffte es unauffällig zu bleiben und nicht verletzt oder nahezu verletzt zu werden. Damit hatte er das erste Mal beide Ziele erreicht. Er war zwar mächtig stolz auf sich, allerdings trotzdem keinen Schritt weiter.
Beim Streiten mit Gray: Da Erza sich unglücklicherweise sehr oft in der Nähe der beiden aufhielt, wurde daraus leider nicht wirklich etwas. Happy hatte kurzzeitig den Verdacht, dass Natsu vielleicht an Entzugserscheinungen oder so etwas litt, entschied sich aber dagegen, da es auch schon davor Zeiten gegeben hatte, in denen Natsu und Gray sich mehrere Wochen nicht streiten konnten, ohne dass einer der beiden darunter litt. Meist zwar, weil sie nicht zusammen im selben Raum waren, aber das viel Happy nicht auf.
Zusammen mit Erza: Das unauffällige Beobachten scheiterte leider, da sowohl Natsu, als auch Erza Happys Blick bereits nach einer Minute entdeckten. Dabei hatte er doch so sehr versucht unauffällig zu sein. Er hatte sich sogar ein Buch geholt und Löcher hinein geschnitten. Irgendwie war das aber trotzdem aufgeflogen.
Zusammen mit Lucy: Zwar flog Happy wieder recht schnell auf – er musste auf jeden Fall noch an seiner Heimlichkeit arbeiten – allerdings waren ihm zwei Sachen aufgefallen. Erstens: Natsu war ein ganz kleines Bisschen nervös. Einmal setzte er sogar fast einen Busch in Brand, weil er sich erschrak, als Happy aus dem Baum über ihm fiel. Zweitens, und viel wichtiger: Wenn Lucy wieder weg war, zum Beispiel weil Happy sie ausversehen so sehr erschreckte, dass sie aus dem Raum rannte, wurde Natsu noch bedrückter, als er es ohnehin schon war.

Für den Exceed stand also fest: Lucy war schuld an Natsus Elend. Da es allerdings besser war, wenn sie da war, konnte es nicht daran liegen, dass sie etwas gemacht hatte, sondern es musste einen anderen Grund geben. Der einzige, der Happy einfiel, auch wenn es beinahe eine Woche dauerte, ehe ihm der Geistesblitz kam, war, dass sich Natsu verliebt hatte. Eine halbe Woche beobachtete er nun Lucy und auch bei ihr bemerkte er einige, wenn auch nicht ganz so viele oder gravierende, Veränderungen. Mit Natsu war sie mutiger, war er nicht da hingegen noch ängstlicher und schreckafter als sonst. Vor Natsu versuchte sie sich ins beste Licht zu rücken, bei anderen Männern war es ihr hingegen völlig egal, was sie von ihr dachten. Nun gut, für ihre Verhältnisse egal.

Das alles war Happy in den zwei Monaten aufgefallen und da er nicht mehr länger zusehen wollte, wie die beiden umeinander schlichen, ohne irgendeinen Schritt weiter zu kommen, entschloss er sich, die Sache nun in die Hand zu nehmen. Er würde persönlich dafür sorgen, dass die beiden sich endlich ihre Gefühle gestanden und hatte auch schon einen Plan, mit dem er es schaffen konnte.

Der erste Schritt war es, Natsu und Lucy alleine in den Wald zu bringen. Bei Natsu war das nicht sonderlich schwer. Happy musste ihn einfach fragen. Bei Lucy bräuchte er aber wohl etwas, um sie zu überzeugen. Vermutlich hätte es gereicht zu sagen, dass Natsu dort auf sie wartete, aber das war dem Exceed zu einfach. Außerdem hätte das die ganze Spannung verdorben. Drei weitere Tage verbrachte Happy also damit fieberhaft nach einer möglichst unscheinbaren Begründung zu suchen, um Lucy in den Wald zu bekommen. Alleine natürlich. Erst später, wenn sein Plan es vorsah, würden sie dann auf Natsu treffen.Letztlich entschied er sich dafür ein Buch zu kaufen –nichts Besonderes, einfach das erstbeste, das ihm in die Hände fiel– und ihr eine Schatzkarte unterzujubeln, mit der sie zu diesem gelangte. Um es so real wie möglich zu machen, hatte Happy sogar noch einen Brief in Form eines Rätsels dazugeschrieben. Darin erklärte er theatralisch dass ein ganz besonderes Buch an der Stelle mit dem „X“ wäre, das der ursprüngliche Besitzer nur demjenigen überlassen wollte, der es schaffen würde es zu finden.

Die Karte mitsamt dem Brief warf der Exceed einfach in Lucys Briefkasten und achtete darauf, dass alle anderen des Teams nicht in der Nähe waren, wenn sie ihn fand. Gray und Natsu waren dabei kein wirkliches Problem. Er lockte sie einfach zusammen in einen Raum, in dem sonst niemand war, und schon waren sie eine Weile beschäftigt. Erza stellte da eine größere Herausforderung dar. Nach langem hin und her entschied sich Happy, sie einfach einzusperren. Vermutlich würde er es später bereuen, aber das war es ihm wert. Das dachte Happy zumindest zu dem Zeitpunkt.

Nachdem die Vorbereitungen also soweit abgeschlossen waren, schlich Happy sich in Lucys Zimmer und versteckte sich so, dass er sehen konnte, wann sie die Karte fand. Zu seinem Glück kam sie schneller als erwartet, sonst wäre Erza vielleicht zu schnell aus dem Zimmer ausgebrochen. Eine Tür mit einem einfachen Schloss war für die Magierin einfach kein ernst zu nehmendes Hindernis. Je eher Lucy also wieder aus der Wohnung verschwand, desto geringer die Gefahr, dass Happys Plan in die Hose ging. Außerdem war sein Versteck –zwischen Büchern und einer seltsamen Kiste– sehr unbequem. Schon nach wenigen Minuten tat ihm alles weh und er wünschte sich nichts sehnlicher, als endlich wieder ordentlich atmen zu können. Lucy zögerte anfangs, entschied sich dann aber nach einem kurzen –und für Happy völlig unerklärlichen– Blick durch den Raum dafür den Anweisungen zu folgen.

Die sich schließende Tür war Happys Stichwort und so schnell er konnte rannte er erst zu Natsu, dem er sagte, dass er ihm etwas zeigen wollte und dann in den Wald. Ohne auf seinen Freund zu warten flog er zu der Stelle, an der die Karte letztlich führte. Noch bevor ihm die Idee mit dem Buch kam, hatte er dort alles vorbereitet. Täglich hatte er in der kleinen Höhle, die er für das Date auserkoren hatte, Staub gewischt. Er hatte sogar eine Kerze auf einem Stein platziert und brachte nun auch noch frischen Fisch –etwas anderes hatte er vergessen mitzunehmen– und Wasser mit. Es sah zwar selbst mit dem kleinen Tuch, was er unter das Geschirr legte etwas dürftig aus, aber er hoffte, dass es im Licht der untergehenden Sonne besser aussehen würde. Damit Lucy nicht enttäuscht wäre holte er auch noch das Buch aus seinem Rucksack. Um es zumindest ein wenig besonders zu machen, kritzelte er noch eine kleine Entschuldigung mitsamt Erklärung hinein und legte es auf die Seite des Steins, an die sich Lucy setzen sollte. Damit war alles soweit vorbereitet und er musste nur noch darauf warten, dass die beiden hier her fanden.

Die Stunden vergingen und Happy begann sich zu fragen, wo sie eigentlich blieben. Als kurz vor Sonnenuntergang immer noch keiner an der Höhle auftauchte, entschied er sich sie zu suchen. Vielleicht hatte Lucy sich verlaufen. Dann könnte er ihr aus einem Baum Hilfestellungen zuflüstern. Das wäre bestimmt auch überhaupt nicht auffällig oder verdächtig. Ohne weiter darüber nachzudenken, flog Happy also los. Den ganzen Weg, den er Lucy aufgemalt hatte, nur halt rückwärts.

Happy war noch gar nicht lange unterwegs, als er plötzlich Stimmen hörte. An sich wäre das kein Problem, aber eine davon gehörte definitiv zu Natsu und das, wo er doch gerade ganz in der Nähe von Lucys Weg war. Die beiden hatten sich doch nicht etwa schon vorher getroffen, oder? Das würde Happys gesamte Planung durcheinander bringen! Sie sollten doch ein romantisches Abendessen haben und nicht mitten im Wald aufeinander treffen. Da würden sie sich doch nie ihre Gefühle gestehen, sonst hätten sie es ja schon längst getan.So schnell der kleine Exceed konnte, flog er in Richtung der Geräusche. An der Lärmquelle angekommen, entdeckte er das ganze Ausmaß der Katastrophe. Nicht nur, dass Lucy und Natsu aufeinandergetroffen waren, letzterer sah noch viel betrübter aus, als sonst. Hatte Happy sich vielleicht doch geirrt und Lucy hatte keine Gefühle für Natsu? Das wäre schrecklich.

„Happy, du kannst jetzt raus kommen“, rief Lucy plötzlich laut.

Sowohl für Natsu als auch den Angesprochenen kam das völlig unerwartet, sodass der kleine Exceed mehr aus dem Baum fiel, als, wie eigentlich geplant, herunter zu klettern. Woher wusste sie dass er hier war? Hatte er sich wieder nicht unauffällig genug verhalten? Aber das Versteck im Baum war doch eigentlich gut. Nicht zu nah, sodass sie ihn nicht sehen konnten und dieses Mal auch nicht in Gefahr, in Brand gesteckt zu werden.

„Lass mich raten: Es gibt kein Buch?“

Verwirrt, überrascht und vor allem am Boden zerstört sah Happy zu der jungen Frau, die ihn ihrerseits tadelnd musterte. Sie hatte seinen schönen Plan durchschaut und gründlich ruiniert. Seine Gedanken rasten, als er verzweifelt nach einer Möglichkeit suchte, doch noch etwas zu retten, scheiterte aber sogar daran verständliche Worte zu formulieren. Mehr als zusammenhangsloses Gestammel brachte er nicht zustande.

„Jetzt beruhige dich, ich bin dir nicht böse.“

Ihre Züge wurden wieder freundlich und Happy schaffte es nun zumindest ein „Entschuldigung“ hervor zu bringen. Glaubte er zumindest, wirklich verständlich war es nicht. Als sie sich aber dann vor ihn hockte und ihm direkt in die Augen sah, war es mit dem bisschen Ruhe, dass er gewonnen hatte, wieder vorbei. Wieso kam sie ihm so nah? Wollte sie jetzt doch mit ihm schimpfen? Sollte er lieber ganz schnell weglaufen, oder würde sie das nur wütender machen?

„Ich bin dir sogar dankbar. Ich hätte mich nie getraut, Natsu anzusprechen und er wollte es wohl nicht vor anderen machen. Also danke, dass du dir solche Mühe gemacht hast, um uns zu helfen.“

Das kam tatsächlich unerwartet für Happy. Durch den ganzen Schreck hatte er aufgehört nachzudenken, sodass er einfach keine Erklärung dafür fand. Sie war wirklich nicht sauer, dass er sie durch den halben Wald gescheucht hatte? Und wieso sollte sie sich nicht trauen Natsu anzusprechen? Die beiden redeten doch recht häufig miteinander? Und wobei hatte er ihr denn geholfen?
Es beruhigte ihn zwar, dass Natsu aussah, als wüsste er noch weniger, aber wirklich geholfen war ihm damit auch nicht. Der Dragon-Slayer hatte seine Unsicherheit bei den ganzen Fragen, die ihm durch die etwas einseitige Unterhaltung zwischen Lucy und Happy durch den Kopf schwirrten, beinahe völlig vergessen und fand deutlich vor dem Exceed seine Sprache wieder. Allerdings war er noch ein wenig überfordert mit der Situation und hatte es noch nicht geschafft weiter über seine Fragen nachzudenken. Es war auch viel einfacher, sie zu stellen. Und direkter.

„Du wolltest auch mit mir reden? Worüber denn?“

Deutlicher könnten die Fragezeichen gar nicht in Natsus Gesicht geschrieben stehen. Verwirrt sah er zu Lucy, die bei seiner Frage resignierend den Kopf hatte fallen lassen.

„Darüber, dass ich mich in dich verliebt habe, du Dussel“, seufzte sie und sah liebevoll zu ihm hoch.

Langsam fiel der Groschen –aber wirklich nur ganz langsam– sowohl bei Happy, als auch bei Natsu. Während ersterer vorerst nur erleichtert ausatmete und auf den Boden sank, wechselte der Gesichtsausdruck von letzterem  deutlich erkennbar von verwirrt, zu noch verwirrter und letztlich zu erleichtert. Als er die ganze Tragweite dieses einen, kleinen Satzes vollends begriff, begann er zu strahlen und bekam endlich die langersehnte Umarmung von Lucy. Glücklich standen die beiden mitten im Wald, während die Sonne langsam unterging und sich mit einem rötlichen Glühen verabschiedete.Auch Happy war zufrieden mit sich, seinem Plan, aber vor allem dem Ausgang. Wenn er das nächste Mal ein Pärchen zusammenbringen wollte, würde er aber wohl den direkten Weg nehmen und einfach einem von beiden Mut für den ersten Schritt machen. So eine Aufregung brauchte er wirklich nicht noch einmal.
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