Geschichte: Fanfiction / TV-Serien / Heroes / Helden

Helden

KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 Slash
Hiro Nakamura Nathan Petrelli
04.12.2017
30.12.2017
2
4605
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Seit ein paar Wochen schaue ich zum ersten Mal „Heroes“ und bin so begeistert von der Serie, dass ich einfach was schreiben musste. :) Folge 18 und 19 aus Staffel 1 haben mich zu dieser Geschichte inspiriert, allerdings weicht sie ein Stück weit vom echten Ende der ersten Staffel ab, so dass sie wahrscheinlich als AU durchgeht.
Ich würde mich sehr freuen, wenn hier jemand reinliest und mir hinterher seine Meinung sagt.

Pairing: Nathan Petrelli / Hiro Nakamura

Disclaimer: Die Charaktere gehören mir nicht und verdiene leider auch kein Geld mit dieser Fanfiction. :D

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Las Vegas, Corinthian Hotel


Grübelnd saß Hiro Nakamura auf dem kalten Boden der großen Kammer und wühlte in seinem Rucksack. Er suchte nicht wirklich nach etwas, das ihn hier herausbrachte, denn er wusste, dass er in seinen Sachen nichts finden würde. Vielmehr hoffte er auf eine spontane Eingebung. Die besten Eingebungen hatte er immer, wenn er beschäftigt war und seinen Rucksack auszuräumen schien ihm gerade die einzig mögliche Beschäftigung, nachdem er den Raum bereits vergeblich nach Fluchtmöglichkeiten abgesucht hatte. Seit einer halben Stunde war er hier eingesperrt und zunächst hatte er um Hilfe gerufen und sich gegen die Tür geworfen, was vollkommen sinnlos war, ihn aber wenigstens warmhielt. Vor etwa zehn Minuten hörte er damit auf, weil seine Schulter weh tat und er beschloss, seine Energie lieber zu sparen. Wenn er doch bloß seine Fähigkeiten zurückhätte, dann könnte er sich einfach weg teleportieren.

Plötzlich hörte er Stimmen im Gang, lief zur Tür und trommelte lautstark dagegen. Die Stimmen näherten sich schnell und ehe er sich versah, wurde die Tür aufgestoßen. Ein Wandschrank von einem Kerl trat ein und Hiro war einen Moment lang zu perplex, um zu reagieren. Dieser kurze Moment reichte aus, damit der Kerl ihn schnappen und festhalten konnte, ehe der Japaner einen Fluchtversuch wagte. Aus dem Augenwinkel sah Hiro, wie eine zweite große Person auftauchte und einen anderen Mann in die Kammer warf, der unsanft auf dem Boden aufschlug. Er selbst zappelte in der Umklammerung des Wandschranks, der ihn nun freigab und wegschubste. „Du hast Glück! Jetzt könnt ihr zu zweit hier verrecken!“, sagte er amüsiert bevor er mit seinem Kollegen hinausging. Als Hiro sich gefangen hatte und an der Tür zog, war sie längst wieder fest verschlossen. Eilig lief er zu dem anderen, am Boden liegenden Mann und sein Gesicht erhellte sich schlagartig, als er erkannte, wer er war.

„Mister Petrelli?!?“

„Hiro?“ Nathan hielt sich den pochenden Kopf und versuchte sich aufzurappeln, dabei zog ein stechender Schmerz in seinen linken Arm. Er war noch nicht richtig bei sich, als Hiro ihm schon unter die Arme griff und ihm mühsam auf die Beine half.

„Fliegender Mann!“, begrüßte er ihn freudig.

„Ja...“, Nathan klang mitgenommen und musste sich an Hiros Schulter und dem Rand eines Tisches festhalten, um stehen zu bleiben. Sein linker Arm schmerzte nach wie vor und als er durchatmete, spürte er deutlich, dass auch seine linke Rippengegend etwas abbekommen hatte. Er verdrehte leicht die Augen und versuchte, sich in dem sterilen, weißen kalten Raum zu orientieren. Sie waren in einer Kühlkammer, eher noch einer Gefrierkammer. Lindermans Schläger hatten ihn scheinbar am Leben gelassen, damit er hier drin langsam erfror, anstatt schnell zu sterben. Zu Lindermans Hang, Gott zu spielen, würde es passen und dass er sich an Nathans tiefgekühlter Leiche erfreute, passte gleichermaßen zu seinem Humor. „Wie kommen Sie eigentlich hierher?“, fragte er schließlich an Hiro gewandt, nachdem er sich den Raum eingehend angeschaut hatte.

„Sie wissen, ich habe mein Schwert gesucht. Ando und ich wurden erwischt, bevor ich die Schublade aufmachen konnte.“

„Ando?“

„Ja. Er ist mir gefolgt. Wir sind geflohen, ohne Schwert und haben uns einen neuen Plan überlegt. Er hat nicht funktioniert“, erzählte Hiro enttäuscht. „Linderman ließ mich einsperren.“

„Und was ist mit Ando? Ist er entkommen? Könnte er Hilfe holen?“

„Nein, sie haben ihn woanders hingebracht. Ich mache mir große Sorgen um ihn.“

„Verdammt!“

„Warum hat man Sie eingesperrt?“

„Ich hatte eine Unterhaltung mit Linderman. Er hat mir ein Angebot gemacht. Meine Antwort hat ihm nicht gefallen“, sagte Nathan vieldeutig. Wer nicht nach Lindermans Regeln spielte, war erledigt, das wusste er, aber er konnte dessen wahnsinnigen Plan, dabei zuzusehen, wie New York ausgelöscht wird und danach eine Schöne neue Welt  aufzubauen, nicht unterstützen. Vielleicht hätte er zunächst vorgeben sollen, dass er sich darauf einließ, um sich in Ruhe zu überlegen, wie er das alles verhindern konnte, aber der Inhalt ihres Gesprächs hatte ihn derart aus der Fassung gebracht, dass er seinem Herzen gefolgt war, anstatt seinem Verstand. Nun war er gefangen und machtlos. Linderman würde ihn mühelos ersetzen und einem anderen seine Zukunftsvision aufzwingen, denn genau auf diese Art löste er üblicherweise Probleme. Für Nathans Tod hatte er sich sicherlich schon eine hübsche Geschichte zurechtgelegt, die man der Öffentlichkeit präsentieren konnte.

„Er ist ein Schurke!“

„Ja...“, grübelnd tastete der Ältere die Wände ab und Hiro lief ihm neugierig hinterher. „Das hilft alles nichts, wir sitzen fest.“

„Nein, Sie sind hier, wir sind gerettet“, verkündete Hiro feierlich und rückte seine Brille zurecht.

Nathan sah ihn entgeistert an und rieb sich die kalt gewordenen Hände und Oberarme. „Würden Sie mir mal erklären, wie meine bloße Anwesenheit in dieser Kammer zu unserer Rettung beitragen soll? Also wenn Sie nicht unerwarteter Weise seit gestern Ihre Kräfte zurückerlangen konnten oder mir verschwiegen haben, dass Sie auch durch Wände gehen, dann wüsste ich nicht, wie wir hier rauskommen sollten. Ich sehe kein Fenster, durch das ich fliegen kann und Ironman bin ich auch nicht.“

„Aber man wird Sie schnell suchen und finden“, versuchte ihn der Jüngere aufzumuntern. „Und dann befreien wir Ando und holen mein Schwert!“, fügte er enthusiastisch hinzu.

„Ich fürchte, Sie überschätzen wirklich meine Fähigkeiten und meinen Stellenwert. Kein Mensch wird mich suchen kommen, nur weil ich mal vier oder fünf Stunden verschwunden bin.“

„Machen Sie sich keine Sorgen, ich glaube fest daran, dass wir einen Ausweg finden.“

„Ihr Vertrauen möchte ich haben.“

„Wir sind Helden, unsere Geschichte darf so nicht enden.“

Nathan lachte freudlos auf und setzte sich mit dem Rücken an eine Wand gelehnt auf den Boden. „Ich bin vieles, aber sicherlich kein Held.“

„Ich denke schon“, widersprach Hiro und kramte in seinem Rucksack, bis er ein Pflaster gefunden hatte. Er kniete sich neben Nathan und klebte es ihm auf den blutigen Cut über seinem rechten Auge.

„Ich kann mich nicht daran erinnern, je etwas Heldenhaftes getan zu haben.“

„Aber Sie sind ein guter Mensch und werden viel Heldenhaftes tun.“

„Ich habe meine Frau betrogen, sie hat die Scheidung eingereicht, meine Kinder kriegen mich kaum zu Gesicht, mein Bruder flieht vor mir, meine Mutter verachtet mich und mein Vater hat mich erst zu einem Roboter erzogen und sich anschließend umgebracht. Rücksichtslos wie er bin ich durchs Leben gegangen, hört sich das für Sie nach einem guten Menschen an, Hiro?“

„Sie waren immer nett zu mir.“

„Ich wünschte ich könnte sagen, dass das Absicht war, aber das war es nicht. Es war nur Zufall, dass Sie mich bisher nie auf dem falschen Fuß erwischt haben“, Nathan fing an zu zittern und zog seine Beine nah an den Körper.

„Dem falschen Fuß?“

„Das sagt man so, wenn man beispielsweise jemanden unabsichtlich verärgert“, er machte eine unwirsche Handbewegung. „Ich bin weder ein guter Mensch, noch ein Held und so wie das aussieht, werden wir beide bald ganz unheldenhaft krepieren.“

„Nicht wenn wir es verhindern.“ Hiro rückte nahe an Nathan heran und legte einen Arm um ihn.

„Was tun Sie da?“, fragte der 37-Jährige irritiert.

„Wir müssen uns warm halten bis Hilfe kommt. Haben Sie ein Mobiltelefon?“

„Na Sie machen mir Spaß. Gesetzt den Fall, Lindermans Leute hätten es nicht in tausend Stücke geschlagen, hätten wir hier drin sowieso keinen Empfang“, sagte Nathan und gab Hiros Bemühungen, ihn in die Arme zu nehmen nach. Er hatte ja nicht Unrecht, wenn sie überhaupt eine Chance auf Rettung haben wollten, mussten sie so lange wie möglich durchhalten. Für den Moment war ihm wieder wärmer und die Schmerzen in seiner linken Seite setzten ihm so zu, dass er sich an Hiros Schulter lehnte.

„Wir dürfen nicht schlafen, Nathan“, flüsterte der Japaner sichtlich besorgt. „Wir müssen uns mit reden beschäftigen. Ich erzähle Ihnen von meiner Familie“, beschloss er und die nächsten zwei Stunden tat er nichts anderes, ungeachtet der Tatsache, dass er manches davon schon erzählt hatte, als sie vor ein paar Wochen gemeinsam von Nevada nach Las Vegas gefahren waren. Aber damals war sein Englisch so schlecht, dass Nathan mit Sicherheit höchstens die Hälfte verstanden hatte, also konnte er es genauso gut erneut erzählen. Zwischendurch stellte er zahlreiche kurze Fragen, um sicherzugehen, dass Nathan nicht an seiner Seite einschlief. Er fror erbärmlich und obwohl Hiro ihn kontinuierlich wärmte, zitterte er am ganzen Leib. Plötzlich ließ der 28-Jährige von ihm ab, um seinen Pullover auszuziehen. „Hier, nehmen Sie!“, sagte er und hielt ihm das weinrote Kleidungsstück hin.

„Hiro, das können Sie nicht machen. Sie werden noch vor mir erfrieren.“

„Nein, mir ist nicht so kalt und ich bin auch nicht verletzt. Bitte nehmen Sie ihn“, verlangte er mit einfühlsamer Stimme. Er saß jetzt bloß noch im T-Shirt da, aber das machte ihm nichts, solange er Nathan helfen konnte.

Dieser seufzte unentschlossen, dann nahm er den Pullover und versuchte, sich hineinzuzwängen, was ihm aufgrund des angeschlagenen Arms gar nicht so leichtfiel. „Wieso frieren Sie nicht?“

„Ich weiß es nicht“, antwortete Hiro unsicher. Er hatte selbst keine Erklärung dafür, warum ihm die Kälte kaum etwas ausmachte. Er fröstelte zwar, aber nicht annähernd so sehr, wie er sollte angesichts dieser Temperaturen. Hiro verstand nicht woran das lag, ja, er hatte Kälte stets ganz gut vertragen, doch so gut? Das war eindeutig nicht normal. Um Nathans Aufmerksamkeit nicht zu verlieren, setzte er seine Erzählung von eben fort und es wurde schwerer, ihn am Wegdämmern zu hindern. Hiro musste sich etwas einfallen lassen, ihn öfter ins Gespräch einbeziehen. Also stellte er ihm eine Frage, die ihm seit zwei Stunden durch den Kopf ging.

„Wie meintest du das vorhin, als du gesagt hast, dein Vater hat dich zu einem Roboter erzogen?“

Nathan überlegte einen Augenblick lang, wann Hiro und er zum Du übergegangen waren und kam sich sogleich unendlich dumm vor, denn welche Rolle spielte das schon? Sie hatten nicht mehr viele Stunden zu leben, Förmlichkeiten waren das Letzte worüber er sich jetzt noch Gedanken machen brauchte. Außerdem tat dieser Mann gerade alles, um ihn am Leben zu halten, das rechtfertigte wohl seine freundschaftliche Anrede. „Ich hatte keine Kindheit. Er hat mich zu seinem Ebenbild erzogen, all seine Hoffnungen in mich gesteckt und meinen Weg vorherbestimmt. Ich sollte in seine Fußstapfen treten und das hieß Opfer bringen. Freizeit existierte für mich nicht, sondern nur harte Arbeit, Fleiß, Lernen, Perfektion. Und so bin ich geworden“, die beinahe sinnliche Sanftheit seiner ruhigen Stimme jagte Hiro einen Schauer über den Rücken.

„Mein Vater ist auch sehr streng und hatte andere Pläne für mich. Aber ich muss meinen Weg gehen, um mein Schicksal zu erfüllen.“

„Schicksal... etwas, an das ich nie geglaubt habe. Du hattest Mut, deinen eigenen Weg zu gehen“, mit geschlossenen Augen lehnte Nathan seinen Kopf gegen die Wand, was Hiro beunruhigte. Er atmete flach und war vollkommen erschöpft. Der 28-Jährige musste ihn wachhalten und dafür am besten schnell das Thema wechseln…

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Das war’s fürs Erste mit diesem Kapitel. Teil 2 folgt bald. :)
Gibt’s eigentlich noch jemanden, der die Gespräche zwischen Hiro und Nathan in der Serie so geliebt hat? Für mich sind sie das Highlight und ich freu mich jedes Mal, wenn sich die beiden begegnen. :D
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