Thanksgiving SVU-Style

GeschichteHumor, Parodie / P16 Slash
A.D.A Alexandra Cabot A.D.A Casey Novak Detective Elliot Stabler Detective Olivia Benson OC (Own Character)
03.12.2017
05.01.2018
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Appartement von A. Cabot und O. Benson, ein Tag vor Thanksgiving

Alex Cabot warf sich zwei Tabletten ein und trank ein großes Glas Wasser leer. Sie saß auf ihrer Couch und lehnte sich vorsichtig nach hinten.

Sie konnte sich noch genau erinnern, wann und warum ihre Kopfschmerzen anfingen. Zwei Tage zuvor hatte sich bei einem Telefonat ihre beste Freundin Abbie Carmichel mit ihrer Freundin Serena Southerlyn zum Thanksgiving-Essen eingeladen. Kaum hatte sie aufgelegt kam ihre Partnerin Olivia Benson von der Arbeit nachhause und teilte ihr mit, dass ihr Kollege Elliot Stabler mit seiner ganzen Familie ebenfalls zu Thanksgiving kommen würde. Zu allem Übel hatte Alex zuvor noch ihre Kollegin Casey Novak und ihre Chefin Liz Donnelly eingeladen.

Als sich Alex die vielen Leute an ihrem Esstisch vorstellte fingen die Kopfschmerzen an. Was danach folgte kam ihr wie ein schlimmer Alptraum vor. Ein wahrer Einkaufsmarathon am Tag vor Thanksgiving war die Folge, bei dem Olivia einen Mann mit der Waffe bedrohte, der ihr den letzten großen Truthahn vor der Nase wegschnappen wollte. Alex hatte sich umgedreht und so getan, als würde sie nicht zu Olivia gehören. Doch ihr erging es nicht anders, als eine gestresste Hausfrau sie in der Gemüseabteilung über den Haufen rannte.

Sie sah etwas Rothaariges auf sich zukommen als sie nach den letzten Kartoffeln greifen wollte. Kurz danach fand sie sich auf dem Boden sitzend wieder und konnte nur noch zusehen, wie ihre Gegnerin mit ihrer Beute triumphierend neben ihr stand. Warum sie der Frau mit einem Tritt die Füße unter dem Körper wegschlug konnte sie sich wirklich nicht erklären. Sie sammelte jedoch schnell die fallengelassenen Kartoffeln ein und legte sie in ihren Einkaufswagen, ehe sich die Frau vom Schock erholen konnte.

Im nächsten Gang kam ihr Olivia stolz grinsend mit dem wohl größten gefrorenen Truthahn entgegen, den Alex je gesehen hatte. Diesen ließ sie ebenfalls in den Wagen fallen. Über das Veilchen, welches Olivias rechtes Auge zierte konnte und wollte sich Alex keine Sorgen und Gedanken machen. Solange die Polizistin so stolz grinste, wusste sie, dass genug Adrenalin in deren Blutbahn war, dass Olivia keine Schmerzen spürte.

Sie teilten sich erneut auf. Alex gab den Wagen ihrer Freundin mit, und wies sie an, vor allem auf die Kartoffeln aufzupassen und sich vor der Rothaarigen in Acht zu nehmen. Olivia sollte sich um die Preiselbeer-Soße kümmern und Alex ging in die Backwarenabteilung um nach Kürbiskuchen zu suchen. Die Anwältin hörte noch hinter sich „Polizei, Hände weg von der Soße, dies ist ein Notfall.“ ehe sie sich schnellen Schrittes einige Regale davon entfernte.

Ihre Suche nach einem Kürbiskuchen als Nachtisch, verlief wenig erfreulich. Die Regale waren so gut wie leer. Was es noch zu kaufen gab, war nicht der Rede wert und würde für 13 Personen sowieso nicht reichen. Alex blieb abrupt stehen. Würden sie an Thanksgiving wirklich mit 13 Personen am Tisch sitzen?? Die sonst so rational denkende Anwältin beschlich ein ungutes Gefühl, was die Kopfschmerzen in diesem Augenblick noch verstärkte. Das konnte ja nur schiefgehen.

Oder vielleicht doch nicht? Ihr Blick blieb an einer letzten Packung Kürbiskuchen ganz hinten im Regal hängen. Sie jubelte innerlich. Am anderen Ende des Ganges legte sich ihr Blick jedoch auf eine kräftig gebaute Frau mit roten Haaren. ‚Nicht schon wieder!‘ stöhnte Alex in sich gekehrt. Die Frau musterte sie mit zusammengekniffenen Augen. Sie hatte ebenfalls den Kuchen entdeckt. Alex wägte ihre Chancen ab. Sie hatte zwar einen oder zwei Schritte mehr zu gehen, doch sie war mit Sicherheit sportlicher als diese Hausfrau.

Alex‘ Augen visierten die Frau ebenfalls an. Zeitgleich fingen sie an zu rennen. Das Ziel lag noch unbekümmert im Regal. Alex war erstaunt wie schnell die Frau ihr Übergewicht in Bewegung setzen konnte. Das würde knapp werden. Ihr Kopf führte in der Zwischenzeit ein Selbstgespräch: „Wenn sie es wirklich schafft vor der Rothaarigen den Kuchen zu bekommen, würde diese sie wahrscheinlich ungebremst umrennen. Ähnlich wie ein Nashorn, würde sie kaum rechtzeitig abbremsen können. Doch wenn sie es nicht schafft, wird es an Thanksgiving keinen Nachtisch geben. Spring Alex!“ rief ihr Gehirn. Und Alex sprang.

Die Rothaarige rutschte auf sie zu wie im Baseball, mit einem Fuß voraus, doch Alex sprang über die Frau hinweg. Beide verfehlten dabei den Kuchen und mussten sich erst wieder aufrappeln und einen Schritt zurückgehen. Ihre Hände griffen zeitgleich nach der Packung. Sie zogen hin und her. Niemand von ihnen hatte vor loszulassen. Alex sah im Augenwinkel eine Handtasche auf sich zukommen. Sie duckte sich noch rechtzeitig. Doch die Frau war schneller als sie aussah. Die Tasche wechselte prompt die Richtung und prallte auf Alex Kopf.

Doch die Anwältin war nicht umsonst als Dickkopf bekannt. Sie ließ keinen Millimeter nach, sondern griff nun noch mit der zweiten Hand nach dem Kuchen. Die Frau funkelte sie zornig an. War das ein Knurren? Woher kam das? Ihr Unterbewusstsein erkannte, dass das Knurren aus der Kehle der Anwältin kam. Als sie erneut die Tasche in Bewegung sah, zögerte sie keine Sekunde und knockte die Rothaarige mit einem Kopfstoß aus.

„Holy f…“ fluchte die Blonde. Ihr Schädel dröhnte. Als sie nach ein paar Sekunden des Schmerzes ihre Augen wieder öffnete, sah sie, dass die Frau am Boden saß und ebenfalls mit dem Schmerz kämpfte. In Alex‘ Händen war der Kürbiskuchen! „HA!“ jubelte sie und rannte aus der Regalreihe so schnell sie konnte. Während sie um die Ecke lief prallte sie gegen einen Einkaufswagen und flog in die entgegengesetzte Richtung. „Alex? Oh shit. Sorry, ich habe dich nicht gesehen!“

Liv sprintete zu ihrer Freundin und half ihr vorsichtig wieder auf die Beine. Als sie die Beule an der Stirn der Anwältin sah stutzte sie. „Alex? Was ist passiert?“
„Halt einfach die Klappe, ich frage dich auch nicht nach deinem Veilchen.“
Olivia grinste. „Du hast einen Kürbiskuchen?“
„Aber zu welchem Preis.“ murmelte Alex.

Sie gingen gemeinsam zu ihrem Einkaufswagen. Sie sahen gerade noch rechtzeitig, wie sich ein Mann und eine Frau daran zu schaffen machten. „HEY!“ riefen Olivia und Alex wütend. Das Paar blickte zu ihnen und nahm dann den ganzen Einkaufswagen um in Richtung Kasse zu rennen. Olivia sprintet hinterher. Dabei fuchtelte sie mit ihrer Dienstwaffe und rief immer wieder „Stop! Polizei!“ Alex versuchte den Anschluss zu halten, doch ihr Schädel dröhnte immer heftiger, bis Alex atemlos stehen blieb.

Es dauerte ein paar Minuten, ehe sie Olivia erneut stolz grinsend mit ihrem Einkaufwagen um die Ecke biegen sah. Inzwischen waren beide Augen mit einem Veilchen gesegnet, doch Alex war es immer noch egal. Es war nur wichtig, dass sie alle Zutaten für das Essen zusammenbekommen. Wie Alex erkannte, war der Wagen sogar voller als zuvor. Gemüse, Knabbereien, Getränke und manches andere mehr. Alex stutzte. „Wieso… woher…? – Vergiss es, ich will es gar nicht wissen.“ Sie prüften gemeinsam den Inhalt.

Der Truthahn wog knapp zehn kg. Das sollte ausreichend sein für Dreizehn Leute obwohl sich Alex nicht sicher war, wie dieses Monstrum in ihren Ofen passen sollte. Zwei Dosen Preiselbeer-Soße… könnte knapp werden, aber das kann man noch strecken. Ein Kürbiskuchen. Da werden die Stücke einfach kleiner geschnitten. Zwei kg Kartoffeln. Nicht viel für Kartoffelbrei, doch Olivia hatte noch Bohnen, Mais und Möhren gefunden. Süßkartoffeln waren leider nicht mehr zu bekommen. Doch das war Alex egal. Sie mochte diese sowieso nicht.

Für die Kinder hatten sie noch Chips, Schokolade und Marshmallows im Wagen liegen. Doch irgendetwas fehlte noch. Alex schlug sich leicht gegen die Stirn als es ihr einfiel. „Shit! Verdammt.“ fluchte sie, als sie genau auf ihre Beule dabei traf. Olivia sog scharf die Luft ein. Sie wartete ein paar Sekunden, bis Alex sich von den Schmerzen erholt hatte. „Du solltest nicht auf diese Beule hauen. Sie schaut schon sehr rot aus.“

Alex‘ Augen blitzten die Polizistin wütend an. „Und du solltest dir solche Kommentare sparen! Wir brauchen noch eine Füllung für den Vogel hier!“ raunzte sie genervt.
Olivia seufzte leise auf. „Können wir den nicht ohne Füllung machen?“ fragte sie vorsichtig.
„Wenn du noch länger mit mir diskutierst werden wir das wohl so machen müssen!“ giftete Alex in ihre Richtung.

Olivia schluckte kurz und ließ dann Alex mit dem Wagen alleine um eine vielleicht schon fertige Füllung zu finden. Alex bewachte derweil den Einkaufswagen und knurrte jeden an, der ihrer Meinung nach zu nahe an ihr vorbeiging oder zu lange in ihren Wagen schaute. Sie verfluchte jetzt schon den morgigen Thanksgiving-Tag. Im Kopf ging sie bereits alle Arbeitsschritte durch, die sie noch zu bewältigen hatte. Diesen blöden Vogel auftauen, füllen, für  acht oder neun Stunden in den Ofen. Die ganzen Beilagen vorbereiten. Der Tisch musste hergerichtet werden.

Sie hörte ihren Namen rufen. Sie lauschte kurz und versuchte Olivias Stimme im Laden zu lokalisieren. Sie nahm den Wagen und fuhr die Regalreihen ab. In der vorletzten fand sie endlich ihre Freundin. Diese hatte gerade die Rothaarige Frau von vorhin im Schwitzkasten. „Endlich. Los schnappt dir das Paket dort. Das ist eine Kastanienfüllung!“ Alex zögerte nicht lange und tat was ihr Olivia geheißen hatte. Danach nickte sie stumm in Richtung Kasse und Olivia nickte. Sie würde die Frau solange notwendig in Schach halten.

An der Kasse angekommen standen an jeder davon mindestens zehn wartende Leute. Für die Schnellkasse hatte sie zu viele Sachen im Wagen. Sie sah die Reihe auf und ab und stellte sich dann seufzend an die, ihrer Meinung nach, kürzeste Schlange an. Sie beobachtete in ihrer Reihe ganz vorne eine ältere Dame, die ihren Einkauf mit lauter Kleingeld zu bezahlen schien. Alex rollte die Augen und sah sich etwas um. Von Olivia war noch keine Spur zu sehen. Hoffentlich kam ihr diese Rothaarige nicht nochmals in die Quere.

In der Schlange an der Schnellkasse nebenan stand ein kleiner untersetzter Mann, in seinen Händen hielt er zwei Six-Pack Bier. Er zwinkerte Alex zu, als ihr Blick auf ihn fiel. „Na Blondie? Hast du morgen schon was vor, oder wollen wir Thanksgiving gemeinsam verbringen?“ lallte er schon leicht angetrunken. Alex zog eine Augenbraue hoch und sah dann in die entgegengesetzte Richtung. „Oh, Madam ist sich wohl zu fein für einen hart arbeitenden Klempner.“ hörte sie ihn weiter in ihre Richtung sprechen.

Alex drehte langsam den Kopf zu ihm. Ihre Augen blitzten auf. „Sehe ich da Interesse in Ihren Augen, Lady?“ fragte er grinsend. Die Blonde trat langsam einen Schritt auf ihn zu. „Ich weiß nicht, was Sie sehen, Sir, aber ich sehe gleich meine Hand in Ihrem Gesicht landen.“ Und mit dem letzten Wort gab sie ihm eine Ohrfeige. Einige Frauen klatschten Beifall, während der Mann versuchte zu begreifen was eben passiert war.

Die Anwältin ging stolz zurück zu ihrem Wagen. „Scheiße!“ fluchte sie. Wo war ihr Einkaufswagen? Sie besah sich die Personen vor und hinter ihr in der Schlange. Beide zuckten die Achseln und schlossen dann weiter in der Schlange auf. Das konnte doch nicht wirklich wahr sein. Jemand hatte ihren Wagen geklaut! Schon wieder!! Eine wütende Träne lief ihre Wange hinunter. „So ein verdammter Mist!!“ fluchte sie laut. „Wer von euch degenerierten Neandertalern hat meinen Einkaufswagen geklaut!“ murmelte sie vor sich hin, als sie die Kassenreihe mit schnellen Schritten ablief.

„LIV!!“ rief sie über den Lärm des Supermarktes hinweg. „OLIVIA BENSON! Komm sofort zu mir an die Kasse!“ Alle Leute sahen zu der blonden Frau, die langsam ihren Verstand zu verlieren schien. Erschrocken kam Olivia aus einer Regalreihe herausgerannt. „Was ist passiert?“ fragte sie, als sie die Tränen in den Augen ihrer Freundin sah.

„Der Wagen….“ bekam Alex gepresst heraus. Olivia sah sich um. „Wo ist er?“ fragte sie. „Sie haben ihn mir geklaut!!“ schrie Alex hysterisch. „Du bist bei der Polizei also such ihn gefälligst!“ Tränen der Wut liefen langsam über ihre Wangen. Sie hielt sich an einem Regal fest, da ihre Knie weich wurden. Olivia stützte sie vorsichtig, doch wurde sogleich angeschrien: „Worauf wartest du noch??“ Alex scheuchte ihre Freundin mit einer Handgeste von sich weg. Olivia setzte sich ohne ein weiteres Wort in Bewegung.

Es dauerte keine Minute, als Alex den inzwischen schon gängigen Satz von Olivia in etwas Entfernung hört: „Stehenbleiben! NYPD, dieser Einkaufswagen wurde geklaut. Heben Sie die Hände und entfernen Sie sich vom Einkaufwagen!“ Alex rieb sich die Nasenwurzel und versuchte ihren Kopfschmerz zu vertreiben. Sie kam langsam an dem Punkt, an dem sie am liebsten alles absagen würde. Doch just in diesem Moment kam Olivia mit einem Wagen um die Ecke. Kam es Alex nur so vor oder war dieser schon wieder voller geworden?

Aber solange ein Vogel drin war und einiges, was man als Beilagen servieren konnte, war ihr das alles egal. „Wir sollten jetzt zusammenbleiben und unseren Wagen nach allen Seiten abschirmen.“ schlug Olivia vor. Alex nickte kurz und folgte Olivia zu einer der vielen Schlangen an den Kassen. Ihre Hände umklammerten den Griff des Wagens, als würde ihr Leben daran hängen. Olivia nestelte an ihrer Jacke, damit diese offen blieb und ihre Polizeimarke für jeden sichtbar blieb. Hoffentlich hielt das nun jedes kriminelle Gesindel ab.

Alex besah sich den Wagen nochmals und zog dann eine kleine Schachtel unter ein paar Chipstüten heraus. Ihre Wangen liefen rot an und sie räusperte sich etwa lauter, damit Olivia sich zu ihr umdrehte. Als sich ihre Blicke trafen fragte Alex stumm was es damit auf sich hätte. Olivia stutzte leicht und fing an zu grinsen. Auch ihr Gesicht wurde leicht rot dabei. „Ein Geschenk für Elliott?“ fragte Olivia leicht amüsiert, als sie Alex die Schachtel Kondome aus der Hand nahm.

„Olivia Benson,“ zischte die Anwältin. „wie kommt das  in unseren Wagen?“ Olivia kam neben Alex‘ Seite und flüsterte leise „Das ist nicht unser Wagen.“ Alex zog die Luft scharf ein „Sag mal hast du sie noch alle?“ grummelte die Blonde leise, um nicht noch mehr Aufmerksamkeit zu erregen. „Alex, hier drin ist alles, was wir brauchen. Bis auf die Kondome…“ Alex schnitt Olivia das Wort ab. „Ich will nichts weiter davon hören. Ich will nur noch hier raus. Leg die Kondome einfach zu den Süßigkeiten an der Kasse und schau bitte beim Bezahlen, dass nicht noch mehr so peinliche Sachen in diesem  Wagen sind.“

Olivia nickte und stellte sich dann wieder vor den Wagen in die Schlange. Alex schüttelte langsam den Kopf. Dieser Tag war ein Alptraum. Sie wünschte sich nichts mehr, als dass sich der Boden unter ihr auftun würde, damit sie das diesjährige Thanksgiving nicht erleben musste. Doch es rührte sich nichts unter ihr. ‚Das war sowas von klar.‘ dachte sie und seufzte leise. Die Schlange vor ihnen schien unendlich zu sein. Sie konnte die Kasse noch nicht mal erkennen am anderen Ende der Reihe. Ein leises „Bing“ ließ sie aufschauen. Olivia griff an ihr Handy. Sie las offensichtlich eine Nachricht und grinste. Die Polizistin drehte sich zu Alex um und las vor: „Hi Liv, wollte mal fragen, ob es auch Süßkartoffelauflauf gibt, wie letztes Jahr? Du weißt Kathy und die Kinder lieben Süßkartoffeln. Viele Grüße El.“

Alex schloss die Augen und zählte stumm von 1 bis 10. Als sie die Augen wieder öffnete sah ihre Freundin sie fragend an. „Was soll ich antworten?“ Alex Augen blitzten die Brünette an. „Ich weiß nicht, Liv, haben wir denn Süßkartoffeln in diesem Wagen hier?“ zischte sie genervt. Olivia fing an in dem Wagen herumzuwühlen. Alex schüttelte erneut den Kopf. „Hör auf damit, Liv, oder ich schwöre dir, niemand von unseren Gästen bekommt morgen irgendetwas zu essen. Das kannst du ihm gerne so schreiben!“ brummte die Blonde.

Olivia zog ihre Finger aus dem Einkaufswagen und tippte etwas in ihr Handy. Alex‘ Blick durchbohrte die Frau, die sie sonst mit jeder Faser ihres Körpers liebte. Doch heute war einer der Tage, an denen diese Liebe etwas kleiner war als sonst. Ein erneutes „Bing“ ließ sie wieder aufschrecken und Olivias Mundwinkel verzogen sich noch einmal nach oben. „Abbie, sie fragt, ob wir genügend Tequila im Haus haben. Sie und Serena planen ein paar Partyspiele und…“ Olivias Worte blieben ihr im Hals stecken, als sie dabei zusah, wie Alex, ihr das Handy aus der Hand riss und es mit aller Kraft über mindestens zehn Regale warf, ehe man ein entferntes Krachen und Splittern hörte.

„Alex, bist du verrückt geworden? Das war mein Diensthandy!“ Olivia sah ihre Freundin fassungslos an. „Ich kauf dir ein neues… nach Thanksgiving.“ grummelte Alex, als sie mit düsterer Miene den Wagen einen halben Meter weiter nach vorne schob. Olivia schüttelte den Kopf und ging in die Richtung, in der ihr Handy geflogen war. „Ja… geh nur und such dein blödes Handy. Das ist ja viel wichtiger als dieser Einkauf hier.“ Alex murmelte vor sich hin. Ein paar Leute sahen fragend zu ihr. „Was ist? Noch nie eine Blondine einkaufen gesehen?!“ raunzte sie diese an, ehe man die Blicke wieder von ihr abwand.

Olivia kam nach einigen Minuten geknickt mit ihrem zerstörten Handy um die Ecke. Sie drückte, trotzdem es offensichtlich sinnlos war, auf dem Handy herum. Alex seufzte. Olivia sah dabei aus wie ein geprügelter Hund. Sie wusste selbst nicht, was in dieser Sekunde über sie gekommen war, doch ihre Nerven lagen blank, nach diesem ganzen Einkaufswahnsinn. Olivia stellte sich neben den Wagen und besah sich immer noch ihr Handy.

„Liv?“ Alex berührte die Brünette sanft an der Schulter. „Es tut mir wirklich sehr leid. Ich besorge dir übermorgen ein neues. Versprochen.“

Olivia schüttelte Alex‘ Hand von ihrer Schulter ab und stellte sich mit dem Rücken zu ihrer Freundin vor den Einkaufswagen. Alex verdrehte leicht die Augen und sah sich um. Zwei Regale weiter sah sie, was sie suchte. Sie ließ Olivia mit dem Wagen alleine und ging in das Regal mit den Elektronikartikeln. Dort griff sie nach dem erstbesten Handy und gesellte sich wieder zu Olivia. Sie tippte der Älteren auf die Schulter und wartete bis diese sich umdrehte. Dann hielt Alex entschuldigend das neue Handy hoch. Olivias Augen fingen an zu glänzen und ein Lächeln breitete sich aus.

„Wenn ihr  Turteltauben fertig seid, könnt ihr vielleicht mal aufschließen?“ raunzte eine ältere Frau hinter ihnen. „Ich habe schließlich noch einen Vogel für morgen vorzubereiten.“

Alex‘ Augen schossen imaginäre Pfeile auf die Frau ab und Olivia ergriff die Blonde noch rechtzeitig am Arm. Sanft zog sie ihre Freundin das kurze Stück Richtung Kasse.

„Ich schwöre dir, Liv, wenn das so weitergeht, dann kannst du Thanksgiving absagen. Die sind doch alle verrückt hier.“ Alex knurrte den letzten Satz und Olivia schob sich nun zur Absicherung zwischen die Anwältin und die Kundin hinter sich.


Zwei Stunden später öffnete Alex genervt die Tür zu ihrem Appartement. Sie stemmte zwei große Einkaufstüten und lief damit sofort Richtung Küche. Olivia folgte ihr auf den Fuß mit einer kleinen Tüte in der einen und ihr neues Handy in der anderen Hand. Grinsend tippte sie darauf herum. Es piepste ein paar Sekunden später und Olivia lachte.

„Hey Al‘, Serena bringt den Alkohol jetzt selbst mit, weil ich nicht geantwortet habe. Es war also doch zu etwas gut, dass du mein  Handy zerstört hast.“

In der Küche war die Anwältin damit beschäftigt alle Einkäufe systematisch auszuräumen. Als sie Olivia Worte vernahm,  murmelte sie etwas von "das neue Handy fliegt gleich hinterher“ und „Hauptsache es gibt Alkohol.“ Als sie nach gut fünfzehn Minuten endlich alles aufgeräumt hatte, besah sie sich den Truthahn. Sie hatte das Gefühl, dass er während der Fahrt noch gewachsen war. Sie besah sich ihren Ofen, dann erneut den Vogel. Es gab nur eine Möglichkeit das auszuprobieren.

Alex öffnete den Ofen und versuchte den Truthahn ganz hineinzubekommen, doch die Ofentür schien zu klein zu sein. Sie drückte leicht gegen den noch gefrorenen Vogel. Durch die Vereisung rutschte sie jedoch ab und knallte der Länge nach auf den Boden vor dem Ofen. Ein Schrei begleitete sie dabei. Es dauerte ein paar Sekunden, ehe Olivia in der Tür erschien und erschrocken nach ihr sah.

„Alex, was ist passiert?“ Sie fand ihre Freundin bäuchlings auf dem Boden liegend vor, auf den Rücken der Blonden war der überdimensionierte Truthahn aus der Ofentür heruntergefallen und sie hörte ein leises Weinen. Sie kniete sich neben die Anwältin und versucht ihr aufzuhelfen.

„Hey Süße, was machst du denn für Sachen?“ fragte sie ungläubig.

„Nimm doch erst mal diesen verdammten Vogel von mir herunter!!“ schrie Alex und blickte ihre Freundin mit roten verheulten Augen an.

Olivia beeilte sich genau das zu tun und stemmte diesen wieder auf die Arbeitsplatte der Küche. Dann half sie Alex erst auf alle Viere und dann wieder in die Senkrechte. Als Olivia sie tröstend  in den Arm nehmen wollte stieß Alex ihre Freundin von sich und lief weinend  ins Schlafzimmer. Die Tür fiel hinter ihr ins Schloss und Olivia konnte gerade noch vernehmen, dass das Schloss von innen verriegelt wurde. Sie war Alex gefolgt und stand nun vor der verschlossenen Tür zu ihrem gemeinsamen Schlafzimmer.

„Alex, mach bitte auf, ich möchte nach dir sehen.“ rief die Polizistin durch das Holz.

„Hau ab und lass mich einfach mal in Ruhe!“ hörte sie eine weinende Alex.

„Aber Schatz, dir geht es nicht gut und ich will für dich da sein.“ versuchte es Olivia erneut.

„Liv, ich schwöre dir, wenn du  mich jetzt nicht in Ruhe lässt, wirst du dieses gottverdammte Thanksgiving nicht erleben!“ schrie Alex nun ihren ganzen Frust hinaus.

Beide warteten auf eine erneute Reaktion der jeweils anderen. Doch es blieb  mucksmäuschenstill. In diese Stille hinein piepste erneut Olivias neues Handy. Alex knurrte genervt, als sie dies hörte. Sie ging in das Badezimmer und ließ sich Wasser in die Wanne ein. Sie wollte mal eine Stunde nur für sich haben, ehe sie sich um das Essen und den morgigen Tag kümmern musste. Das Einkaufen war so schlimm und sie wollte dieses Erlebnis erst einmal ‚abwaschen‘.

Sie zog sich aus und ließ ihren schmerzenden Körper langsam  ins warme Wasser gleiten. Seufzend nahm sie die umfangende Wärme an und schloss die Augen. Der Duft von Rosen verwöhnte ihre Geruchsnerven. Ihr Kopf ging jedoch bereits die Arbeiten durch, die noch gemacht werden mussten.  Manchmal war es wirklich ein Fluch so strukturiert zu sein. Alex dachte an die letzten Jahre, in denen sie diesen besonderen Feiertag meist alleine oder mit vielen Fallakten um sich herum verbracht, nur um nicht an die früheren Familienfeste denken zu müssen.

Eine einsame Träne bahnte sich ihren Weg, als sie an ihre verstorbenen Eltern dachte. Sie vermisste  die beiden heute mehr denn je. Sie holte tief Luft und ließ sich langsam unter Wasser gleiten. Sie spürte die Schwerelosigkeit des Wassers und ihre Gedanken kamen für ein paar Sekunden zur Ruhe. Doch plötzlich wurde sie unsanft durch zwei starke Arme aus dem Wasser gehoben. Ein Schrei entrang ihrer Kehle und sie öffnete die Augen.

Olivia sah ihre Freundin besorgt an, die sich nun nackt und nass in ihren beiden Armen wand, um heruntergelassen zu werden.

„Liv! Was zum Teufel… tust du????!!“ schrie Alex die Polizistin an und versuchte sich aus deren Griff zu befreien.

Dies führte jedoch dazu, dass Olivia auf den nun nassen Fliesen den Halt verlor und nach hinten fiel. Alex immer noch in ihren Armen haltend. Der Boden empfing sie beide und als der erste Schmerz des Aufpralls vorbei war sahen sie sich ungläubig an.

„Alex, ich…“ Olivia sah ihre Partnerin sorgenvoll an „… ich dachte du wolltest dir etwas antun, und als du nicht mehr auf mein Klopfen reagiert hast, habe ich einfach die Tür aufgebrochen.“

„Du hast was????“ rief Alex ungläubig und rappelte sich endlich vom Boden auf und damit auch aus Olivias Armen.

Wütend ging sie ins Schlafzimmer und besah sich die Bescherung. Olivia hatte wirklich ganze Arbeit geleistet. Die Tür hing nur noch an einer Angel und lehnte mehr oder weniger kunstvoll an der Wand. Immer noch nackt wie Gott sie geschaffen  hatte ging sie zurück ins Bad. Olivia hatte sich mittlerweile ebenfalls wieder vom Boden  erhoben und  sie sah in zwei eisblaue harte Augen, ehe ihr Blick langsam über Alex nackten Körper wanderte. Ein leichtes Grinsen formte sich auf ihrem Mund.

„Ja, schau es dir nochmals genau an, denn das ist alles für eine lange Zeit, was du zu sehen bekommst! Wie kommst du denn auf die Schnapsidee die Tür einzutreten?? Hast du wirklich gedacht ich würde mir etwas antun?“


Olivia wurde bleich und sie sah unsicher auf den Boden. Alex versucht sich nicht in Rage zu reden. Sie nahm ein Handtuch und legte es sich um. Lange tiefe Atemzüge beruhigten sie langsam. In der Zwischenzeit verließ Olivia das Bad und das Schlafzimmer, dabei versuchte sie provisorisch die Tür hinter sich zuzuziehen. Doch das Ergebnis war ein lauter Knall, als die Tür nun vollends aus den Angeln brach und zu Boden fiel.

Alex ließ sich seufzend auf den Badewannenrand nieder und sie beendete ihr Bad indem sie den Abfluss öffnete.

Fortsetzung folgt...

Ich würde mich über eure Reviews und Meinungen sehr freuen. Diese Story sollte nur ein One-Shot werden, aber ich sehe hier Potential für ein paar kleine Kapitel. Schreibt mir einfach was ihr denkt, oder welche Ideen  euch hierzu noch einfallen, die ich hier mit einbringen könnte. Liebe Grüße eure guesswho3107  
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