Advent, Advent ein Lichtlein brennt...

von FayeLefay
GeschichteFamilie, Freundschaft / P12
03.12.2017
28.04.2019
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1. Advent



„Advent, Advent ein Lichtlein brennt. Erst eins,...“
Man kennt es ja. Der erste Advent gibt schon den ersten Ton an, der uns zur richtigen  Weihnachtsstimmung führen soll. Weihnachten nähert sich mit jedem Tag. Und ich sitze hier zu Hause auf dem Sofa und bin völlig ratlos. Wie jedes Jahr übrigens. Schon seit Wochen versuche ich etwas passenden zu Weihnachten zu planen, denn in diesem Jahr kommen meine Eltern und Geschwister zu mir nach Berlin. Dabei weiß ich das mit meiner Familie erst seit gestern Abend. Und jetzt schon gibt es quasi überall bereits Straßenverkehrschaos. Alles nur durch den plötzlichen raschen Wintereinbruch. Obwohl, wenn man es so bedenkt, selbst wenn es den plötzlichen Wintereinbruch nicht gäbe, Verkehrschaos gibt es auch so oft genug. Man siehe sich auch die vielen Bauarbeiten auf den Straßen an. Wenn meine Familie zu mir fährt, dann immer mit dem Auto. Der Bahn vertraut man nicht genug und mit den Linienbussen dauert es noch viel länger, als mit dem Auto. Sagt mein Vater zumindest immer.
Auf meinem kleinen Wohnzimmertisch steht der Weihnachtskranz und eine der Kerzen habe ich vor einer halben Stunde angezündet. Mit Weihnachtsmusik im Hintergund versuche ich mich in Weihnachtsstimmung zu bringen. Trotzdem habe ich immer noch keinen Plan, wie ich die Weihnachtstage mit meiner Familie organisieren soll. Schließlich bin ich sonst immer jedes Jahr zu ihnen nach München gefahren über Weihnachten. Dafür habe ich mir auch die gesamten Weihnachtstage frei genommen. Dieses Jahr will meine Familie aber nicht in München bleiben. Meine Eltern haben das schon vor Monaten geplant. Gut, das ich noch nichts gebucht habe. Das wäre dann echt blöd gewesen.
Ein klopfen ertönt und ich werde so aus meinen Gedanken gerissen. Es ist mein bester Freund Jeffrey Wright. Er ist erst seit 4 Jahren in Berlin und kommt ursprünglich aus Yorkshire. Dort habe ich ihn auch vor 7 Jahren kennen gelernt und mich mit ihm angefreundet. Wir leben hier in einer 2er WG seit er hier her gezogen ist und sind beide Single. Trotzdem lernt er mehr Bekanntschaften kennen, als ich. Das liegt wohl daran, das dieser junge Brite nicht gerade hässlich ist. Er weiß noch nicht von meinem Glück mit meiner Familie.
„Natalie, ich habe dir eine Tasse Tee gemacht. Du schaust aus, als würdest du über etwas ganz wichtigem nachdenken.“ Seine raue Stimme lässt mich lächeln. Er stellt die Tasse Tee auf dem kleinen Wohnzimmertisch ab und setzt sich selbst auf die Couch neben mir.
„Danke Jeff. Ja, ich überlege gerade, wie ich Weihnachten verplanen soll. Meine Familie kommt zu mir dieses Jahr. Also meine drei älteren Brüder, meine jüngere Schwester und meine Eltern. Ich weiß gar nicht, wie ich alles planen soll. Die Wohnung ist nicht so groß, wie die bei meinen Eltern. Und ich wette, das meine Mutter nicht zulassen wird, das ihr Dackel Hecktor zu Hause bleibt und von der Nachbarin gepflegt wird.“ Ich wollte gerade einen Schluck von meinem Tee trinken...
„Oh ha. Deine Familie und meine Eltern...“
„Soll das heißen, auch deine Eltern kommen?“
„So ist es.“
„Na wunderbar.“ sage ich im monotonen Ton. Und schon hat mich das Weihnachtschaos schon richtig in den Griff. Darauf muss ich mir erst recht einen Schluck Tee zur Beruhigung nehmen. Wir sind dann, wenn ich mich nicht verzählt habe, 10 Personen und ein dicklicher Rauhaardackel mit großem Appetit.
„Warum lässt meine Familie es nicht so wie sonst immer? Das ich nach München fahre und die Weihnachtstage bei ihnen verbringe.“ Jeff hat sich selbst auch einen Tee gemacht und nimmt einen Schluck davon.
„Ich glaube, deine Eltern wollen dieses Jahr nicht den ganzen Weihnachtsstess haben. Und deine Geschwister sind sicherlich auch froh, mal nicht nur in München zu feiern, sondern dieses Mal hier in Berlin.“
„Dreden wäre auch nicht schlecht. Der Weihnachtsmarkt direkt in der Altstadt soll ganz gut und sehr beliebt sein. Ich weiß zwar nicht, ob das noch stimmt, aber wenn man es bedenkt eigentlich keine schlechte Idee. Obwohl...“ mir kommt der Gedanke an meinen ältesten Bruder Manfred. Er wohnt nämlich dort. Warum sollte man nicht Weihnachten mal bei ihm zu Hause verbingen? Er wohnt direkt in der Altstadt und bis zum Weihnachtsmarkt braucht man mit der Straßenbahn auch nicht lange. Okay, Berlin hat auch seine schönen Weihnachtsmärkte. Am Gendamenmarkt zum Beispiel. Oder am Alexanderplatz. Es gibt noch mehr Weihnachtsmärkte, die alle ihre Reize haben.
„Ähm, Natalie?“ kommt es von Jeff und holt mich wieder aus den Gedanken.
„Oh. Entschuldigung. Mir ist nur der Gedanke gekommen, das man auch bei meinem ältesten Bruder Manfred in Dresden feiern könnte. Aber der Gedanke kommt dafür schon zu spät. Sie kommen zu uns. Wir sollten uns lieber Gedanken machen, wie wir alles hier so umbauen, das auch wirklich alle hier Platz zum Essen, Trinken und sitzen haben. Unsere Wohnstube wird nicht reichen und die Küche, da wird das ganze Essen hingestellt, das wir machen.“
„Sonst müssen wir unsere Schlafzimmer behelfsmäßig ein wenig anders gestalten, damit auch alle Platz haben. Oder wir fragen hier unsere Nachbarn, ob nicht einer von ihnen für uns einen Tisch und ein paar Stühle entbehren könnten.“
„Jeff, das ist keine schlechte Idee. Ich frage die Nachbarn. Aber erst morgen. Heute möchte ich noch ein wenig den ersten Advent genießen.“ und nehme mir wieder einen Schluck vom Tee. Langsam verliert er die Wärme. Aber das Adventslicht leuchtet noch immer.
„Ich muss noch Keckse backen.“ stelle ich so einfach fest. Von Jeff vernehme ich ein leises lachen und ich blicke auf.
„Ich habe mich schon gefragt, wann du das dieses Mal sagst. Letztes Jahr sogar noch kurz vor Novemberende. Und heute direkt am ersten Advent.“
„Lache du nur. Vom Keckse backen wirst du nicht verschont. Und ich werde dich mitschleppen zum Geschenke einkaufen und den Weihnachtsbaum holen.“
„Aber beim Weihnachtsbaum schmücken brauche ich nicht dabei sein?“
„Oh doch. Nur du kommst an der Spitze des Baumes dran. Bist ja auch größer als ich.“
„Du verschonst mich so gar nicht.“
„Das hast du nun davon, dass du dich lustig machst.“
„Mist.“
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