All I want for Christmas...

GeschichteRomanze / P18
03.12.2017
30.12.2017
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03.12.2017 686
 
Regina Küppers warf einen Blick in den Kalender und seufzte. Der 1. Dezember. Alle Jahre wieder.
Wie sie die Weihnachtszeit hasste.! Vier Wochen lang war die Welt im Ausnahmezustand. Alle hatten sich plötzlich furchtbar lieb, die Geschäfte waren überfüllt und jeder sollte gute Laune haben und sich auf das Fest der Liebe freuen. Sie hielt diese Zeit für Verlogen. Weihnachten war doch nur ein Mittel zum Zweck, die Wirtschaft anzukurbeln und das Geschäftsjahr mit einem fetten Bonus zu beenden. Der eigentliche Gedanke ging inzwischen völlig unter.
Zudem bedeutete die Vorweihnachtszeit für sie deutlich mehr Arbeit und viel Stress, denn die Kriminalitätsrate stieg in dieser Zeit grundsätzlich an und das bedeutete Überstunden und einen höheren Workload. Jedes Jahr das gleiche, alle Jahre wieder.

Den Weihnachtsabend verbrachte sie dann meist bei ihrer Mutter, traditionelles Weihnachtsessen, die Weihnachts-Schallplatte, die sie seit so vielen Jahren hatten und spätestens um halb elf war sie wieder in ihrem Hotelzimmer und verbrachte den Rest des
Abends mit einer Schachtel Pralinen im Bett, vor dem Fernseher. Alle Jahre wieder.

Dirk Matthies riss das Kalenderblatt ab und seufzte. Wieder der 1. Dezember. Er rollte mit den Augen. Jetzt ging sie wieder los, diese ach so beschauliche Zeit, mit der er so gut wie gar nichts anfangen konnte. Ihm ging die aufgesetzte Fröhlichkeit auf die Nerven, ebenso die vollen Geschäfte und der irgendwie sowieso nicht mehr vorhandene Geist der Weihnacht. Alle hatten sich lieb, tranken Glühwein und wurden sentimental. Er konnte es nicht nachvollziehen.
Letztlich freute er sich darauf, wenn in vier Wochen alles vorbei war und wieder seinen normalen Gang ging. Zudem bedeutete die Weihnachtszeit meistens Überstunden, weil es mehr zu tun gab, mehr Einbrüche, mehr Taschendiebstähle und auch andere Delikte schienen proportional zuzunehmen. Jedes Jahr, alle Jahre wieder...

Den Heiligabend ignorierte er für gewöhnlich und verbrachte den Abend gemütlich alleine zu Hause bei einem Bier und dem Fernsehprogramm. Völlig ausreichend. Dieser Tag wurde einfach überbewertet. Vielleicht wäre es anders, wenn Ellen noch am Leben wäre und wenn sie vielleicht Kinder gehabt hätten, aber es war nun mal anders gekommen und deswegen machte er sich darüber auch keine Gedanken. Außerdem wären die Gedanken zu schmerzhaft geworden und da war er nun mal Meister im Verdrängen.

Als sie mit der Dienstbesprechung fertig waren, schaute sie ihre Mitarbeiter nacheinander an.

„Meine Damen und Herren, die Weihnachtszeit fängt an. Wie müssen jetzt vermehrt Präsenz zeigen auf Weihnachtsmärkten und in Einkaufszentren. Sie kennen das“, forderte sie ihr Team auf.

„Außerdem gehe ich davon aus, dass anch Einbruchsdelikte und Familienstreitigkeiten bis zum Fest der Liebe mehr werden“, sagte sie dann.

Dirk Matthies stöhnte auf. „Fröhliche Weihnachten“, murmelte er.

„Sie sagen es, Herr Matthies“, sagte sie und zuckte mit den Achseln.

Harry Möller schaute ihren Patner Hauke Jessen an.

„Wir laufen heute mal über den Weihnachtsmarkt“ schlug sie fröhlich vor.

Er nickte und lächelte sie an. „Können wir gerne machen“.

„Das ist eine gute Idee“, sagte Frau Küppers.

Hannes Krabbe nahm das Stichwort gleich auf.

„Was ist denn mit unserer Weihnachtsfeier dieses Jahr?“ fragte er neugierig.

Sie stöhnte, rollte mit den Augen und lehnte sich im Stuhl zurück. Aus dem Augenwinkel konnte sie sehen, dass Dirk Matthies ebenfalls die Augen rollte.

„Herr Krabbe, da habe ich mir ehrlich gesagt noch gar keine Gedanken drüber gemacht“, antwortete sie wahrheitsgemäß.

„Aber da sind wir ja dann echt schon spät dieses Jahr... nicht dass wir da nichts mehr kriegen...“, gab er zurück.

„Herr Krabbe, wir haben heute den ersten Dezember, ich bin sicher, da ist noch etwas Zeit...“, begann sie.

„Ich kann mir ja was überlegen“, fiel er ihr enthusiastisch ins Wort.

„Tun sie das, Herr Krabbe“, antwortete sie“

„Genau Dicker, Du bist jetzt unser Knecht Ruprecht“, sagte Dirk und konnte sich das Grinsen nicht verkneifen.

Sie schmunzelte und erklärte die Besprechung für beendet.

Weihnachtsfeier, daran hatte sie noch gar nicht gedacht. Am liebsten hätte sie ihren Kopf auf die Tischkante geknallt, aber das ging natürlich nicht. Dennoch wünschte sie sich tief in ihrem Inneren, dass die Weihnachtszeit schon herum sein möge. Alles Jahre wieder eben. Sie hoffte, dass sich der Weihnachtsenthusiasmus von Hannes Krabbe in diesem Jahr in Grenzen halten würde...
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