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What we're fighting for

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Catherine de' Medici Diane de Poitiers King Henry II of France Mary Stewart Nostradamus Sebastian "Bash" de Poitiers
02.12.2017
29.11.2020
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03.02.2018 2.254
 
Catherine spürte die brennenden Blicke zahlloser Wachen und Bediensteten auf sich ruhen, die neugierig ihr Monarchenpaar anstarrten. Und warum auch nicht, sie beide mussten ein mehr als denkwürdiges Bild abgeben. Nicht nur, dass der König Frankreichs seine Frau wie eine frisch angetraute Braut durch die Hallen des Schlosses trug, nein, sie befand sich noch dazu in einem erbarmungswürdigen Zustand, der an Peinlichkeit grenzte. Jedes Augenpaar, das über sie glitt, jeder erschrockene Laut, den die Menschen um sie herum ausstießen, weckte den Wunsch in ihr, vor Scham im Erdboden zu versinken.
Als sie vor ihnen ausgerechnet Lady Kenna erblickte, die mit weit aufgerissenen Augen zu ihnen hinüber starrte, ertrug sie die Demütigung nicht länger.
„Henry, lass mich runter“, forderte sie weniger resolut, als sie es sich erhofft hatte. Ihr Mann reagierte nicht auf ihre Worte, verlangsamte nicht einmal sein Tempo. Seine Ignoranz veranlasste sie, sich in seinen Armen zu winden.
„Catherine, wenn du nicht willst, dass ich dich fallen lasse, dann halt still“, brummte er missmutig.

„Lass. Mich. Runter!“, fauchte sie wütend und mobilisierte ihre letzten Kräfte, um sich endlich aus seinem Griff zu lösen. Fluchend ließ Henry sie neben sich ab und starrte verständnislos zu ihr hinunter. „Ich kann alleine gehen“, stellte sie klar und setzte den ersten Fuß vor den anderen. Nach wenigen Schritten tanzten bereits erste Sterne vor ihren Augen. Catherine verlangsamte ihr Tempo und biss die Zähne zusammen. Mit purer Willenskraft schaffte sie einige weitere Meter, dann jedoch begann sich der Korridor vor ihr zu drehen. Unwillkürlich streckte sie eine Hand nach der Wand aus um sich abzustützen. Henry war augenblicklich bei ihrer Seite, griff nach ihrer Hand und legte einen Arm um ihre Taille um sie zu stützen.
„Das sehe ich.“ Bei diesem Kommentar sah sie wütend zu ihm hinüber. „Warten wir jetzt, bis du den Fußboden küsst, oder darf ich dir helfen?“
„Ich brauche nur eine Minute.“

Henry schnaubte genervt, unternahm aber keinen weiteren Versuch, sie hochheben zu wollen. Seine Nähe und der Arm, der sich einem Schraubstock gleich um ihre Körpermitte geschlungen hatte, war überwältigend und irritierend zugleich.
Catherine konzentrierte sich auf ihre Atmung und versuchte ihre missliche Lage und ihre Umgebung auszublenden. Henrys Präsenz hingegen ließ sich nicht so einfach ignorieren.
„Okay, ich bin soweit“, sagte sie schließlich und sie setzten ihren Weg in einem langsameren Tempo als zuvor fort. Ihr Mann wich dabei nicht von ihrer Seite. Hin und wieder runzelte er seine Stirn oder räusperte sich, als wolle er etwas sagen, schlussendlich jedoch schluckte er seine Worte unausgesprochen herunter.

Nach einer halben Ewigkeit erreichten sie endlich ihre Gemächer. Henry stieß die Tür auf und führte sie zur erstbesten Sitzgelegenheit. Als sie sich erschöpft darauf niederließ, entwich ihren Lippen ungewollt ein leises Stöhnen.
„Stures Frauenzimmer“, brummte er daraufhin und betrachtete sie mit einer Intensität, die ihr einen heißen Schauer über den Rücken rinnen ließ. „Du siehst schrecklich aus.“
„Vielen Dank auch, Henry. Du weißt, wie man eine Frau dazu bringt, sich besonders zu fühlen“, konterte sie angesäuert. Sie wusste, dass sie ein Bild des Jammers abgab, dennoch hätte sie an dieser Stelle gerne auf die schonungslose Ehrlichkeit ihres Mannes verzichtet.
„Ziemlich besonders sogar, da dich niemand geringerer als der König Frankreichs zu deinen Gemächern getragen hat.“ Diese Konter hatte sie nicht kommen sehen. Irritiert sah sie zu ihrem Gemahl auf, der sich an seinem stoppeligen Kinn kratzte und seinen Blick ratlos durch den Raum wandern ließ. „Möchtest du zuerst ein Bad nehmen, bevor du dich zur Ruhe legst?“ Bei dieser Frage wanderte ihr Blick automatisch auf ihre besudelten Röcke. Plötzlich wurde der Gedanke, noch eine Sekunde länger als nötig in ihrem verdreckten Kleid ausharren zu müssen unerträglich. Henrys Blick war dem ihren gefolgt und er nickte verstehend. Bevor sie auch nur ein Wort sagen konnte, ging ihr Gemahl bereits zur Tür und riss diese auf um lauthals nach ihren Bediensteten zu schreien.

Zu Catherines Überraschung eilten wenig später eine Vielzahl ihrer Diener und Hofdamen herbei. Scheinbar hatte sich die Neuigkeit, dass die Königin zurück in ihre Gemächer gekehrt war, schnell herumgesprochen. Sie hasste es, sich vor ihren Untergebenen derart verletzlich zu präsentieren, doch die Energie, sich abermals zu erheben um die Haltung zu bewahren, konnte sie beim besten Willen nicht mehr aufbringen.
„Bereitet ein heißes Bad für Ihre Hoheit vor und lasst ein Feuer entzünden.“ Henry schritt mit gebieterischem Gesichtsausdruck die Dienerschaft ab, die angespannt vor ihm stand und zwischen ihrer Herrin und deren Gemahl hin und her blickte.

Vor Emilia, einer ihrer unerfahrensten Ladys, die erst seit Kurzem in ihrem Dienst stand, bleib er schließlich stehen. Seine Miene war grimmig aber wild entschlossen.
„Du bist neu. Dich wird sie noch nicht völlig um ihren Finger gewickelt haben. Ab heute bin ich es, dem du zu Diensten bist. Du wirst deiner Königin in den nächsten Stunden nicht von der Seite weichen. Wenn sie ihr Bad nimmst, wirst du ihr nicht den Rücken kehren, wenn sie sich schlafen legt, wirst du an ihrer Seite wachen und wenn sie auch nur die geringsten Anstalten macht, etwas anders zu tun, wirst du sofort nach mir schicken lassen. Du bist ihr Schatten und ich werde dich in dieser Zeit persönlich für das Wohlergehen meiner Frau verantwortlich machen. Sollte Catherine unter deiner Aufsicht einen Versuch unternehmen, sich das Leben zu nehmen, werde ich dich strecken lassen und dir anschließend jeden Knochen einzeln brechen. Hast du mich verstanden?“
Das Mädchen nickte erschrocken und Catherine erhob sich erbost, woraufhin Henry sofort zu ihr ging und sie sanft zurück auf den Diwan drückte. Seine Hände ließ er auf ihren Schultern ruhen, während er weiter ausholte, um ihr Personal einzuschüchtern.
„Das gilt für euch alle. Jeder Einzelne von euch ist für die Unversehrtheit meiner Frau mitverantwortlich. Und egal was sie euch androhen mag um euch auf ihre Seite zu ziehen, meine Strafe, die bei einem Verstoß auf euch wartet, wird um ein Vielfaches schlimmer sein.“

„Henry, das ist jetzt genug“, ermahnte sie ihn und schlug aufgebracht seine Hände von ihren Schultern fort.
„Nein, das ist erst der Anfang.“
Henry trat mit todernstem Gesichtsausdruck hinter ihr hervor. Catherine starrte ihn zornig an.
„Raus, kümmert euch um ihr Bad“, schrie er die Dienerschaft an, ohne seinen Blick von seiner Frau zu nehmen. In Windeseile verließen alle bis auf eine sichtbar verunsicherte Emilia den Raum. „Du auch, ich rufe dich, wenn ich hier fertig bin.“ Eilig rannte auch ihre letzte Lady hinaus.

„Und jetzt, willst du mich als Nächste anbrüllen?“ Die Provokation ihrer Worte ließ Henry kalt.
„Nein, jetzt ist es an der Zeit, einige Regeln festzulegen. Ich halte dich nicht in diesen Räumen gefangen. Wenn es dein Gesundheitszustand zulässt steht es dir frei, dich auch außerhalb deiner Gemächer aufzuhalten. Aber es werden dich stets zwei meiner Wachen begleiten, ohne die ich dir nicht gestatte, auch nur einen einzigen Schritt zu tun. Außer zu einem kurzen Spaziergang zum See oder in die Gärten darfst du das Schloss nicht verlassen.“
„Was noch?“, fragte sie direkt weil sie wusste, dass noch mehr Auflagen auf sie zukommen würden.
„Du stehst unter kontinuierlicher Bewachung.“ Catherine nickte grimmig. Diesen Teil seiner Forderung hatte er bereits mehr als deutlich gemacht, indem er Emilia zu ihrer persönlichen Gefängniswärterin ernannt hatte.

„Ist das deine neue Art, mich zu demütigen?“, fragte sie gepresst.
„Nein, das ist meine Art dich daran zu hindern, dir doch noch das Leben zu nehmen. Denn mein Eheweib scheint neuerdings eine ernstzunehmende Todessehnsucht entwickelt zu haben!“ Auch wenn er anfänglich in einer normalen Lautstärke gesprochen hatte, die letzten Worte brüllte er ihr förmlich entgegen, woraufhin die Königin Frankreichs ihn fragend ansah.
„Verstehe ich dich richtig? Es ist völlig in Ordnung, wenn du mich zum Tode verurteilst und mich eigenhändig vor den Henker zerrst, aber der Gedanke, dass ich durch meine eigene Hand aus dem Leben scheiden könnte, missfällt Seiner Majestät? Ernsthaft, Henry?!“ Wütend knallte er daraufhin seine Faust auf den Tisch vor ihr, so dass Catherine erschrocken zusammenzuckte.
„Ja zum Teufel! Du bist schwanger, Catherine!“

„Niemand weiß das besser als ich! Oder musstest du dich jeden verfluchten Tag übergeben? Dieses Kind ist überhaupt erst der Grund, warum ich noch am Leben bin. Sei also bitte nicht so selbstgerecht.“
„Ich hätte dich nicht...“, bevor Henry seinen Satz beenden konnte, sprang sie auf und ignorierte den Schwindel, der sie augenblicklich überkam.
„Wage es nicht! Wage es nicht mir jetzt zu sagen, dass du meine Hinrichtung auch ohne Nostradamus Offenbarung verhindert hättest. Wie kannst du dich hier hinstellen und dich wie mein großer Retter aufzuspielen? Was gibt dir das Recht, mich wie eine...“ Jetzt war es Henry, der sie erzürnt unterbrach.
„Ich habe jedes gottgegebene Recht, denn ich bin dein Ehemann, Catherine!“ Bei dieser Aussage schnaubte sie verächtlich und verdrehte ihre Augen.
„Erwarte bitte keine Auszeichnung dafür. Du bist ein miserabler Ehemann“, attestierte sie ihm herablassen, woraufhin Henry sie an den Oberarmen packte und versuchte, sie niederzustarren.

„Reiz mich nicht, Weib. Oder muss ich dich daran erinnern, dass du eine verurteilte Ehebrecherin bist, die ihrem Liebhaber, der zufällig mein bester Freund gewesen ist, sogar ein uneheliches Kind geboren hat!“ Die Wut über ihren Betrug in seinem Blick schlug Catherine ungefiltert entgegen.
„Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen um sich werfen“, entgegnete sie nicht minder aufgebracht. „Du hast mit deiner Geliebten in den letzten Jahren öfter das Lager geteilt als mit deiner Frau. Und ich spreche nur von Diane, nicht von den zahlreichen jungen Dingern, die du reihenweise in dein Bett zu zerren pflegst. Du verurteilst mich für eine einzige Affäre vor etlichen Jahren zum Tode und hurst selbst frei von jedem Schuldgefühl und vor Gott und der Welt herum! Wie selbstgefällig kann man sein?“
„Meine... Verfehlungen stehen nicht zur Debatte, da es mir rechtlich nicht verboten ist, mir eine Geliebte zu nehmen – dir als meiner Frau ist es aber grundsätzlich nicht gestattet, dich einem anderen Mann hinzugeben.“
„Gesetze von Männern gemacht – für Männer“, knurrte sie, angetrieben von ihrer Wut, die ihr neue Energie verlieh.
„Gesetze, die – egal ob sie dir gefallen oder nicht – dennoch auch für dich als meine Königin gelten.“

Henry war also in seiner Ehre verletzt. Er liebte sie nicht, mochte sie wahrscheinlich nicht einmal mehr, aber dennoch war sie in seinen Augen und vom Gesetz her sein Eigentum. Und der König Frankreichs teilte nicht gerne.
Er war wie ein verwöhntes kleines Kind, der nun wütend darüber war, dass ein anderer Junge eines seiner Spielzeuge benutzt hatte, auch wenn es ein abgelegtes, für ihn vollkommen uninteressantes Spielzeug war. Es war seines und niemand sonst sollte damit spielen.

„Was, keine Widerworte mehr? Kann ich dein Schweigen als Zeichen dafür werten, dass mein Eheweib endlich zur Vernunft gekommen ist?“ Henry hatte den kurzen Moment, in dem sie ihren Gedanken nachgehangen war, ganz offensichtlich falsch interpretiert.
„Ich werde niemals schweigen, nur damit du dich besser fühlst. Vielleicht fehlen mir schlichtweg die Worte bei so viel männlicher Arroganz und Selbstgefälligkeit.“ Genervt rollte sie dabei mit den Augen. „Das wäre jetzt auch zu schön gewesen.“ Klang ihr Gatte tatsächlich amüsiert? „Zurück zu meinen Regeln. Wo waren wir? Ach ja – du wirst rund um die Uhr überwacht und du wirst dich regelmäßig untersuchen lassen und dich an die Anweisungen des Doktors halten.“

Die kurze Pause, die Henry daraufhin machte, nutzte Catherine, um ihren Unmut abermals kundzutun.
„Rund um die Uhr? Bist du verrückt geworden? Ich werde ganz sicherlich nicht schlafen oder meine Notdurft verrichten, während jemand in meinem Gemach sitzt und mich anstarrt!“, protestierte sie erbost.
„Doch, das wirst du. Du hast mir sehr eindrucksvoll bewiesen, dass ich dich und unser Baby vor dir selbst und deinem selbstzerstörerischen Verhalten schützen muss.“
Plötzlich kochte brennend heiße Rage in ihr hoch, die kurz davor war, sich über Henry zu entladen. Ihre Wut trieb sie dazu, an Henry vorbei zu stürmen, den Spiegel auf dem Frisiertisch aus seiner Verankerung zu reißen und auf der Tischkante zu zerschlagen.
Dann hielt sie eine der Scherben für ihren Mann gut sichtbar in die Höhe und führte sie ohne mit einer Wimper zu zucken an ihr Handgelenk.
„Sollte ich noch immer die ernsthafte Absicht haben, aus dem Leben scheiden zu wollen, dann würde mich niemand davon abhalten, nicht einmal ein König“, drohte sie und ritzte mit der messerscharfen Kante ihre Haut an um ihrer Drohung mehr Ausdruck zu verleihen. Einige Tropfen dunkelroten Blutes quollen sofort aus der Wunde hervor.

Ehe sie sich versah, wurde ihr die Scherbe aus der Hand gerissen und sie fand sich in Henrys Klammergriff wieder.
„Bist du von allen guten Geistern verlassen?“, brüllte er außer sich und inspizierte die Wunde, die sie sich selbst beigebracht hatte. Es war nicht mehr als ein Kratzer.
„Nein, ich bin lediglich deine Drohungen und dein Machtgehabe leid. Und ich habe ein Zeichen gesetzt. Lass meinetwegen jeden meiner Schritte verfolgen und alle Mediziner dieses Landes antanzen, aber ich werde keinen Fremden dulden, der mich nachts oder in intimen Momenten überwacht.“ Sie war nicht bereit, auch nur einen Millimeter in dieser Sache nachzugeben.
„Schön Catherine. Wie du willst.“

Ganz überraschend gab er sie plötzlich frei.  Dieses unerwartete Einlenken ließ sie erstaunt zu ihm aufsehen. Das Glänzen in seinen dunklen Augen gefiel ihr jedoch ganz und gar nicht.
„Dann wirst du ab jetzt ein Familienmitglied dulden, das dich nachts und ganz intim überwachen wird.“

Perplex starrte sie Henry an, der wieder nach ihr griff und sie ungeachtet ihrer Gegenwehr anhob und über seine Schulter legte. Dann stürmte er mit ihr aus dem Raum und brüllte lauthals ihr Personal an.
„Planänderung. Sie badet in meinen Gemächern. Bringt ein Nachthemd für meine Frau und einige Kleider für später. Außerdem Verbandszeug. Was steht ihr noch hier rum. Bewegt euch!“
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