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What we're fighting for

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Catherine de' Medici Diane de Poitiers King Henry II of France Mary Stewart Nostradamus Sebastian "Bash" de Poitiers
02.12.2017
29.11.2020
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13.01.2018 2.947
 
Als die ersten Sonnenstrahlen des nächsten Morgens die königlichen Gemächer in ein sanftes Licht tauchten, stöhnte Henry Valois gequält auf und zog sich die Decke über den Kopf. Die Nacht war alles andere als erholsam gewesen und die rasenden Kopfschmerzen, die ihm am Tag zuvor beinahe in den Wahnsinn getrieben hatten, ließen ihn durch ein stetiges Pochen gegen seine Schläfen wissen, dass sie ihn auch am heutigen Tag weiter quälen würden.  Der Schlaf hatte die Vehemenz des Schmerzes zwar ein wenig abgemildert, aber das Wissen, welche Aufgaben und Pflichten ihn heute erwarteten, ließen ihn nicht wirklich auf Milderung hoffen.
Es verstrichen einige Minuten, in denen er sich selbst bemitleidete und auf eine wundersame Heilung hoffte, ehe er resignierte und sich mühsam erhob. Übellaunig rief er nach seinem Kammerdiener, der ihm beim Ankleiden behilflich war.

Wenig später trat der König Frankreichs aus seinen Gemächern und prallte beinahe mit Mary zusammen, die ganz offensichtlich auf der Suche nach ihm gewesen war.
„Verzeiht, aber ich muss Euch dringend sprechen“, überfiel sie ihn sogleich.
„Das muss warten bis nach dem Frühstück“, entschied Henry griesgrämig und machte bereits Anstalten, sich an Mary vorbei zu schieben. Zu seiner Überraschung aber legte sie ihre Hand auf seinen Arm und sie hinderte ihn daran, weiter zu gehen.
„Ich würde Euch nicht zu dieser frühen Stunde und ohne dass Ihr gefrühstückt habt belästigen, ginge es nicht um eine äußerst dringliche Angelegenheit.“
„Wenn es um Eure Heirat geht... Mary, wie gerne ich die Dinge auch für Euch und Sebastian beschleunigen würde, gegenwärtig sind mir die Hände gebunden. Und die gestrigen Ereignisse haben auch nicht gerade dazu beigetragen, dass...“
„Es geht nicht um die Heirat. Ich muss mit euch...“ Henry, dem es ganz und gar nicht gefiel, von der jüngeren Frau unterbrochen zu werden, löste ihre Hand von seinem Arm und schüttelte den Kopf.
„Egal um was es geht – es muss warten.“ Er war nicht bereit, dieses Gespräch auf nüchternem Magen fortzuführen. Kein Wunder, dass er in letzter Zeit von üblen Kopfschmerzattacken geplagt wurde. Mary, Diane, Catherine – sie alle raubten ihm den letzten Nerv.
„Henry, es ist wirklich wichtig. Ich...“
„Habt Ihr schon gefrühstückt, Mary?“ Der König Frankreichs wartete nicht auf ihre Antwort sondern schritt bereits zielstrebig auf den Speisesaal zu.
„Nein, aber...“
„Dann leistet mir Gesellschaft und danach könnt ihr mir in aller Ausführlichkeit von Euren Problemen berichten. Danach!“


Währenddessen im Kerker

Genau wie Henry hatte auch Catherine de' Medici in dieser Nacht kaum Schlaf gefunden. Ihre Gedanken waren unaufhörlich um die Geschehnisse des Tages gekreist und nicht nur einmal hatte sie sich gefragt, ob ihr Überleben Glück oder Unglück war. Doch diese Frage ließ sich nicht so einfach beantworten. Auch nicht mit dem Wissen, dass Mary und Sebastian aus einem ihr unerklärlichen Grund für sie Partei ergriffen hatten. Der Himmel alleine wusste, wie lange diese neu entwickelte Sympathie für ihre Person anhalten würde.

Nostradamus' Gebräu hielt zwar im Moment die Übelkeit in Schach, die seit den ersten Wochen ihrer unerwarteten Schwangerschaft ein konstanter Begleiter war, doch das Mittel konnte auch nicht gegen Catherines allgemeines Unwohlsein ankämpfen. Schwindelattacken, Rückenschmerzen und ein generell instabiler Kreislauf plagten sie nach wie vor.
Mit geschlossenen Augen ließ sie sich auf ihrer Pritsche nieder, als zum wiederholten Male Sterne vor ihren Augen zu tanzen begannen. Sie hasste es, sich schwach und nicht Herr über ihrer Sinne zu fühlen.

Als Catherine ihre Augen wieder öffnete, sah sie geradewegs in das Gesicht von Henrys ewiger Geliebten, Diane de Portiers.
„Diane, gerade als ich dachte, mein Tag könne nicht schlechter werden, taucht Ihr hier auf.“ Sie sah keinen Grund darin, ihre Abneigung, die sie für die andere Frau empfand, zu verbergen. Was hatte sie auch zu verlieren?
„Ihr könnt Eure Krallen wieder einfahren. Ich bin hier, um Euch ein Angebot zu machen“, erklärte Diane ohne Einleitung und obwohl sie wusste, dass es keine weise Entscheidung war, richtete sich Catherine dennoch auf, um ihrer Besucherin auf Augenhöhe zu begegnen.
„Was könntet Ihr mir schon anbieten wollen?“ Misstrauisch beäugte sie Diane.
„Einen Ausweg, Catherine“, der Ausdruck in den Augen der anderen Frau gefiel ihr ganz und gar nicht.

„Lasst uns ehrlich miteinander sein, ja?! Die Verkündung Eurer Schwangerschaft mag Euer Schicksal vielleicht für einen Augenblick aufgeschoben haben, doch Ihr könnt Euch lediglich bedingt Zeit dadurch kaufen. Und bedenkt nur, was alles passieren kann! Ich habe gehört, dass es Euch nicht gut geht. Dieses Kind könnte Euch ebenso gut ins Grab befördern, wie es das Beil des Henkers im Zweifelsfall tun wird. Allein die Niederkunft birgt unzählige Gefahren und Eure letzte Geburt muss bei wahr die Hölle gewesen sein. Wäret Ihr nicht beinahe verblutet und hatte Euch der Medikus nicht eindringlich vor einer erneuten Schwangerschaft gewarnt? Und selbst für den Fall, dass Ihr wider aller Erwartungen die Niederkunft überleben solltet, so hängt noch immer ein unvollstrecktes Todesurteil über Eurem Kopf. Henry ist Euer ein für alle Mal überdrüssig geworden– genau wie ich. Ihr erwartet besser kein Wunder.“

Wütend über die von Diane an den Tag gelegte Impertinenz, verringerte Catherine die Distanz zwischen ihnen, bis ihre Nasenspitze fast die ihrer Feindin berührte.
„Warum sagt Ihr nicht frei heraus, was Ihr zu sagen habt?“, grollte sie wütend.
„Fein. Ich gebe zu, ich kann nicht mal ansatzweise erahnen, was in Eurem schwarzen Herzen und Eurem teuflischen Verstand vorgeht, noch vermag ich zu sagen, ob das Drama rund um Nostradamus, Eurer Schwangerschaft und Eurem scheinbaren kampflosen Hinnehmen Eures Todesurteils echt war oder lediglich ein raffiniertes Spiel, um Henry auf Eure Seite zu ziehen. Was ich jedoch ganz sicher weiß ist, dass erst Euer Tod dem erstgeborenen Sohn des Königs das geben wird, was ihm zusteht.“
„Und ich dachte, Ihr wolltet ehrlich sein! Denn Sebastian spielt hier lediglich eine sekundäre Rolle. Was Ihr begehrt ist der offizielle Platz an der Seite des Königs von Frankreich. Ihr wollt Eure eigene Gier nach Macht stillen und Ihr wollt das, was ihr in all den Jahren nie wirklich Euer Eigen nennen konntet. Henry.“  

Der Schwindel war zurück gekehrt, doch mit vorgeschobenen Kinn trotzte Catherine stoisch ihrer Konkurrentin und durchbohrte sie mit tödlich anmutenden Blicken.
„Oh Ihr haltet Euch für so schrecklich clever! Es ist nicht der Platz an Henrys Seite, den ich begehre, es ist Euer gottverdammter Platz! Ja, ich liebe Henry und ich liebe Sebastian, aber Ihr seid es, die ich aus voller Inbrunst hasse und der Tag, an dem Ihr endlich Euren letzten Atemzug tun werdet, wird mir nicht nur Genugtuung bereiten, es wird ein wahrer Freudentag werden!“ Der wahnsinnige, Hass durchtränkte Ausdruck in Dianes Augen veranlasste die Königin Frankreichs, trotz ihres Unbehagens, langsam um die andere Frau herum zu schreiten.
„Wie so viele andere müsst Ihr Euren Hass und euren Rachedurst noch ein wenig zügeln“, sagte sie lapidar, als sie wieder vor Diane angekommen war und zwang sich, ein Lächeln aufzusetzen, nach dem ihr beim besten Willen nicht zumute war. Dann strich sie sich demonstrativ über ihren Bauch um Diane zu zeigen, dass Henrys unwillkommenes Geschenk sie momentan vor Menschen wie Diane beschützte.  

Diane konnte nicht verstecken, wie sehr ihr diese Schwangerschaft und die damit verbundene Wahrheit zusetzte. Denn sie bedeutete nicht nur, dass Henry seiner Frau beigelegen hatte sondern auch, dass er bei dem ehelichen Geschlechtsakt im Gegensatz zu dem mit seinen Geliebten und Huren nach wie vor auf jedweden Schutz vor einer Schwangerschaft verzichtete. Diese Tatsache war ein Dorn im Auge der Mätresse, die länger als Catherine selbst Henrys Bett wärmte und ihm lediglich ein einziges Kind geboren hatte. Und das zu einer Zeit in der es fraglich gewesen war, ob sie, seine rechtmäßige Ehefrau ihm jemals Erben schenken würde. Hatte Henry damals durch Diane versucht, sein Vermächtnis zu sichern?
Natürlich versagten seine Methoden hin und wieder, die drei Bastarde, von denen sie wusste, waren Beweis genug, doch es blieb ein erwiesener Fakt, dass Diane, die er angeblich so sehr liebte, ihm lediglich einen erwachsenen Sohn geschenkt hatte. Denn nachdem Catherine ihm wenig später seinen Thronprinzen und darauf folgend zahlreiche Prinzen und Prinzessinnen geschenkt hatte, war Dianes Schoß fruchtlos geblieben.

Unwillkürlich fragte sich die Königin Frankreichs, wie ihre Rivalin wohl auf die Tatsache reagieren würde, dass dieses Kind in einem Akt echter Leidenschaft und feuriger Passion gezeugt worden war? In einer Nacht, in der Henrys Hände zärtlich, seine Worte schwer vor angestauter Emotionen und seine Lippen heiß und einnehmend gewesen waren. Und egal, wie schnell sich seine Haltung ihr gegenüber danach geändert hatte, dieses Baby war das Ergebnis jener leidenschaftlichen Liebesnacht.

„Vielleicht aber auch nicht. Sagt Catherine, Ihr kennt doch den Inhalt dieser hübschen kleinen Schachtel, nicht wahr?“ Die Schatulle, die Diane ihr daraufhin unter die Nase hielt, erkannte Catherine in der Tat sofort und schluckte schwer.


Währenddessen im Speisesaal der königlichen Familie

Henry sah über den Rand seines Kaffeebechers zur anderen Seite der Tafel hinüber, an der Mary, Königin von Schottland saß und ihn im Laufe des Frühstücks immer wieder eindringliche Blicke zuwarf. Seufzend griff er nach einem der gerösteten Brote und säbelte sich einige Scheiben Salami ab.
„Nun sagt schon, bevor Ihr mir noch Löcher in den Körper starrt. Was ist so dringend, dass es nicht warten kann, bis ich in Ruhe zu Ende gefrühstückt habe?“, gab er sich geschlagen und platzierte drei dicke Scheiben auf dem goldbraunen Brotstück.
„Ich möchte mit Euch über Eure Frau, über Catherine sprechen.“ Bei dieser Offenbarung verdrehte Henry seine Augen und biss ein großes Stück Brot ab.
„Ich weiß, ich weiß, Ihr sinnt auf Rache. Aber Ihr müsst doch verstehen, dass ich sie jetzt, wo sie mein Kind austrägt, nicht einfach hinrichten lassen kann.“
„Um Gotteswillen, Ihr versteht mich völlig falsch!“
„Was soll dann das ganze Theater?“, fragte er gereizt und schnitt ein weiteres Salamistück ab, spießte es mit seiner Messerspitze auf und führte es an seinem Mund, um ein Stück davon abzubeißen.

„Denkt Ihr, dass ein kaltes, karges Verlies ohne jeden Komfort der geeignete Ort für eine schwangere Königin ist?“ Mary, die bereits ihren Teller zur Seite geschoben hatte, beugte sich vor um ihn eindringlich anzusehen.
„Es ist der geeignete Ort für eine verurteilte Ehebrecherin, egal ob schwanger oder nicht.“ Er hätte wissen müssen, dass Catherine versuchen würde, aus ihrem Gewahrsam heraus gegen ihn zu intrigieren. Obwohl es ihn überraschte, wie schnell sie die schottische Königin für sich eingenommen und zu ihrem Werkzeug gemacht hatte.
„Auch dann, wenn ihr gesundheitlicher Zustand besorgniserregend ist?“

„Lasst Euch von ihrem durchaus beeindruckenden schauspielerischen Talent nicht in die Irre führen. Catherine ist eine Meisterin der Täuschung. Meine Gemahlin hat die Gesundheit eines zähen Ochsen.“ Mit einer wegwerfenden Handbewegung gab er Mary zu verstehen, dass das Thema für ihn beendet war. Er würde nicht springen, nur weil Catherine ihr Spiel mit der Schottischen Königin trieb. Über die Konsequenzen ihres Ehebruchs hätte sie nachdenken können, bevor sie ihn mit seinem damals besten Freund betrogen hatte. Ein paar Tage mehr im Kerker würden ihr sicherlich nicht schaden, vielleicht würde die Haft seiner Frau ein wenig Demut lehren.

„In diesem Fall irrt Ihr Euch, Henry. Eurer Frau geht es nicht gut und der Stress der letzten Tage ist ebenfalls nicht förderlich für ihr Wohlergehen.“ Zu seiner Überraschung hatte sich Mary erhoben und starrte mit bohrendem Blick über den Tisch hinweg zu ihm hinüber.
„Das hat mein Weib selbst zu verantworten. Wie jeder von uns hat sie die Konsequenzen für ihr eigenes Handeln zu tragen. Auch, und gerade als Königin. Haltet Euch aus Dingen heraus, die Euch nichts angehen. Ich weiß schon, wie ich mit meiner Frau umzugehen habe. Oder stellt Ihr etwa die Entscheidungen des Königs von Frankreich in Frage?“, schrie Henry aufgebracht, doch die junge Königin ließ sich nicht von seiner Tirade einschüchtern.

„Nein, aber ich rate Euch dringend an, Euch selbst von dem Gesundheitszustand Eurer Frau zu überzeugen, wenn Ihr meinen Worten keinen Glauben schenken wollt. Eines habt Ihr mit Catherine definitiv gemeinsam. Ihr seid beide stur wie Esel und lasst Euch gleichermaßen von Eurem Stolz leiten – selbst dann, wenn er Euch in eine Sackgasse leitet. Wenn Ihr nicht Eure Frau mitsamt Eurem ungeborenen Baby verlieren wollt, dann solltet Ihr sie noch heute in ihrer Zelle aufsuchen, um Euch selbst einen Eindruck zu machen.“
Jetzt sprang auch Henry auf und bohrte sein Messer so heftig in die Oberfläche des Tisches, dass Mary zusammenzuckte.
„Schön, ich werde mich heute Nachmittag persönlich von ihrem Zustand überzeugen. Wenn auch nur, um Euch hinterher unter die Nase reiben zu können, wie töricht Ihr ward, auf Catherine und ihre Spielchen hereingefallen zu sein.“


Währenddessen im Kerker

„Und was genau erwartet Ihr nun von mir? Soll ich Euch zuliebe dieses Gift schlucken und den Henker so um seinen Job bringen?“, fragte Catherine spitzzüngig und taxierte ihre Rivalin mit wachsamen Augen.
„Ihr habt es erraten.“ Dianes Mundwinkel zogen sich zu einem gefährlichen Lächeln nach oben während sie zuerst die Königin und dann die Schachtel in ihrer Hand betrachtete.
„Warum sollte ich Euch und Henry diesen Gefallen tun?“

Gedanken an einen Suizid waren Catherine nicht fremd. Schließlich hatte sie das tödliche Gift, das Diane ihr nun unter die Nase hielt, genau aus diesem Grund von ihren Verwandten bekommen. Jedoch nicht aus Mitleid, sonder um den Medicis Schande zu ersparen.
Und sie würde lügen, wenn sie ein mögliches Szenario, in dem sie auf diese Weise freiwillig aus dem Leben schied, nicht bereits gedanklich durchgespielt hätte. Letztendlich hatte sie sich sogar für einen erweiterten Suizid entschieden. Sie war davon überzeugt gewesen, mit dem Mord an Mary wenigstens ihren ältesten Sohn zu retten, auch wenn sie mit dieser Tag ihr eigenes Todesurteil besiegelt hatte. Doch der giftige Dampf hatte weder Mary, noch sie selbst getötet.

„Ihr mögt skrupellos, teuflisch und zweifelsfrei gefährlich sein, doch selbst eine Catherine de' Medici hat eine Schwachstelle. Ihre Kinder.“ Bei diesen Worten schoss die Hand der Monarchin in die Höhe und sie verpasste Diane de Portiers eine schallende Ohrfeige.
„Wie Ihr es wagen könnt, eine derartige Drohung in den Raum zu stellen?!“, schrie sie aufgebracht und wurde Sekunden später von ihrer Rivalin auf den kalten Boden der Zelle gerungen.
„Wie wollt Ihr mich daran hindern?“ zischte die Dunkelhaarige und riss Catherines Kopf an ihren Haaren heftig zurück. „Ihr werdet sterben. Auf die eine oder andere Art. Vielleicht bei der Geburt, vielleicht auch schon davor. Und solltet Ihr doch die Niederkunft überleben, steht sicherlich schon der Henker für Euch bereit. Im Zweifelsfall werde ich Euch mit meinen eigenen Händen erwürgen.“ Um ihren Worten Ausdruck zu verleihen, legten sich Dianes Hände um Catherines Hals und drückten zu. Als diese keuchend nach Luft schnappte, nahm der Druck so plötzlich wieder ab, wie er zugenommen hatte.
„Und in der gleichen Sekunde, in der Ihr Euren letzten Atemzug tut, werde ich dafür sorgen, dass Eure heißgeliebten Königskinder eines nach dem anderen ihrer Mutter folgen werden. Der Weg in die Ferne ist schrecklich strapaziös und gefährlich, gerade für kleine Kinder.“
„Ihr werdet keines meiner Kinder auch nur...“ Catherines knurrende Warnung wurde brüsk unterbrochen, indem Diane sie noch fester auf den Boden presste und ihr abermals die Luft abdrückte.
„Nein? Ich denke schon. Denn wie es der Zufall so will, ist die süße kleine Prinzessin Margot gerade nicht allein und...“

Wie von der Tarantel gestochen schoss Catherine plötzlich hoch und kämpfte sich mit blinder Wut unter der anderen Frau frei.
„NEIN! Wagt es ja nicht!“, zischte sie und boxte Diane gegen das Kinn. Diese schrie schmerzerfüllt auf und stürzte sich abermals auf Henrys Frau. Erst, als sich das Knie der Mätresse schmerzhaft in Catherines Unterleib bohrte, ließ diese ihren Widerstand erlahmen.
„Seid Ihr nun bereit Euch anzuhören, was ich Euch anzubieten habe, oder soll ich den Druck erhöhen?“ Der teuflische Ausdruck in Dianes Gesicht glich eher eine hämischen Grimasse als einem Lächeln.
„Nun sagt schon, was Ihr zu sagen habt“, spie Catherine der dunkelhaarigen Frau hasserfüllt entgegen, verzichte aber in Angst um ihr ungeborenes Baby darauf, sich gegen ihre Gegnerin weiter zur Wehr zu setzen.

Statt einer direkten Antwort griff Diane jedoch hinter sie, wobei sich der Druck auf ihren Unterbauch keine Sekunde reduzierte und hielt ihr wenig später die Schachtel mit dem Gift unter die Nase.
„Warum, wenn ich, wie Ihr es sagt, sowieso dem Tode geweiht bin?“
„Weil Ihr so das Leben Eurer innig geliebten Brut retten könnt, Catherine. Sterbt jetzt – freiwillig durch Eure eigene Hand und ich verspreche Euch, dass Eure Kinder lediglich das Exil und nicht der Tod erwartet, sofern keines von Ihnen jemals wieder Französischen Boden betritt.“
„Eine leere Drohung, der Ihr lediglich ein leeres Versprechen folgen lasst! Oder wie wollt Ihr mir die unversehrte Abreise meiner Kinder zu ihrer Schwester nach Spanien garantieren?“ Bei dieser Frage nahm der Druck auf ihren Bauch zu.
„Bedauerlicherweise kann ich das nicht. Ihr habt keine Garantie und ich werde Euch auch nicht zwingen, dieses Gift zu schlucken.“

Ganz unerwartet richtete sich Diane in diesem Moment auf und gab die König Frankreichs wieder frei. Vollkommen unbeteiligt strich sie sich ihre Röcke glatt und schenkte ihrer noch immer auf dem Boden liegenden Rivalin keinerlei Beachtung mehr.
„Arme kleine Margot“, murmelte sie plötzlich leise und betrachtete fasziniert die hübsche Schatulle in ihrer Hand. „Ganz offensichtlich liebt ihre Mutter sie nicht halb so sehr, wie sie es immer vorgibt. Wie bedauerlich.“ Achselzuckend raffte die Mätresse ihre Röcke und schritt langsam auf die Tür des Verlieses zu.

In Catherines Leben hatte es schon viele Momente gegeben, in denen der Tod eine Gnade gewesen wäre, doch bisher war sie ihm immer entkommen. Selbst das unsägliche Grauen, das ihr in Florenz widerfahren war, hatte sie nicht ihren Lebenswillen nehmen können. Auch jetzt wollte sie nicht sterben, doch nun stand mehr auf dem Spiel als ihr eigenes, bedeutungsloses Leben.

„Wartet“, durchbrach ihre Stimme die Stille, während sie sich trotz ihrer derangierten Aufmachung in aller Würde erhob und Diane in einer herrischen Geste zu verstehen gab, ihr das Gift zu reichen.
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