Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

What we're fighting for

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Catherine de' Medici Diane de Poitiers King Henry II of France Mary Stewart Nostradamus Sebastian "Bash" de Poitiers
02.12.2017
29.11.2020
28
58.464
9
Alle Kapitel
19 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
23.12.2017 1.317
 
Vor wenigen Tagen hatte Catherine noch einen Mordversuch auf Mary verübt und nun schien sie der anderen Frau bereits vergeben zu haben. Er wusste, dass sie sich für Catherine's Verurteilung mitverantwortlich fühlte, schließlich hatten sie beide den Stein ins Rollen gebracht und Henry von der Untreue seiner Frau unterrichtet. Doch das war nur geschehen, um Francis vor einer Prophezeiung zu retten. Einer, von der besonders die Königin überzeugt gewesen war.
Keiner von ihren hatte geahnt, dass das Opfer, um Francis vor dem Tode zu bewahren, Catherine's eigenes Leben sein würde. Doch die heutige Offenbarung hatte sie gerettet. Zumindest für den Augenblick.

Als Sebastian das Turmverlies wenig später mit Mary an seiner Seite betrat, sah Catherine nicht einmal auf. Sie kauerte mit hochgezogenen Knien, die sie fest umklammert hielt in der Nische, in die ein schmaler Fensterschacht eingebaut war und für einen kurzen Augenblick fragte er sich sogar, ob sie ihre Anwesenheit überhaupt bemerkt hatte.
„Was ist mit ihrem Kleid passiert?“, flüsterte Mary, deren entsetzter Blick über die unzureichend gekleidete Königin glitt.
„Mein Vater ist passiert“, antwortete Bash etwas lauter, woraufhin Catherine zu ihnen aufsah.
„Wollt Ihr Euch persönlich davon überzeugen, ob die Gerüchte der Wahrheit entsprechen, Mary? Ja, das tun sie. Es tut mir leid, Euch enttäuschen zu müssen, aber Eurer liebenswerter Schwiegervater in spe hat sich dazu entschlossen, Eure Rache und mein Leiden noch ein wenig hinauszuzögern. Aber vielleicht fallen Euch und Euren kleinen Ladys ja noch weitere Demütigungen für mich ein, um die Wartezeit zu überbrücken. Sagt Mary, was treibt Euch wirklich hierher?“ Im Gegensatz zu ihrem Kleid war Catherines Zunge ganz offensichtlich völlig intakt.

Zu Sebastians Überraschung verzichtete Mary auf eine bissig Bemerkung, sondern durchschritt langsam die karge Zelle und kam auf die Königin Frankreichs zu.
„Mich treibt die Sorge um Euer ungeborenes Kind hierher, Catherine.“ Diese Aussage veranlasste die Gefangene aufzustehen und sich trotz ihres leicht bekleideten Zustands mit hoheitsvoller Miene vor der Schottin aufzubauen.
„Spart Euch Euer Mitgefühl“, zischte sie und begann, rastlos in ihrer Zelle auf und ab zu wandern.
„Ihr solltet den Wenigen, die euch momentan wohlgesonnen sind, nicht auch noch vor den Kopf stoßen.“ Wie um ihren guten Willen zu untermauern, rief Mary daraufhin die königlichen Diener herein, die ihrer Herrin Kleidung, eine Decke und reichlich Essen brachten.

Catherine starrte perplex von einem zum anderen, während eines der Küchenmädchen vor ihr knickste und ihr einen Teller voller Delikatessen präsentierte. Der unverkennbarer Geruch eines würzigen Käses stieg Bash in die Nase. Der Frau seines Vaters offensichtlich auch, denn Catherine presste plötzlich ihre Hände über ihren Mund und machte ein würgendes Geräusch.
Schneller als Sebastian es für möglich hielt, fuhr die Königin herum und sank vor dem Nachttopf auf die Knie, um sich geräuschvoll darin zu übergeben.
„Schafft um Gottes Willen das Essen hier raus“, befahl sie wenig später mit brüchiger Stimme, ehe sie wieder zu würgen begann.
Mary war die erste, die reagierte und die Küchenmägde wieder hinaus scheuchte. Dann ging sie neben Catherine auf  die Knie und fuhr der Älteren in einer beruhigenden Geste über den Rücken. Doch diese entzog sich der Berührung und kam wieder ächzend auf die Beine. Dann wich sie langsam und heftig atmend zurück in ihre Nische. Mary ließ sich jedoch nicht entmutigen und griff nach dem Wasserkrug, füllte einen Becher und brachte diesen zu Catherine.

„Was haltet Ihr von einer Brühe und ein wenig Brot?“ Widerwillig schütteltet die Schwangere ihren Kopf, griff jedoch nach dem Becher, sobald Mary ihr diesen entgegen hielt.
„Nein, kein Essen“, erklärte sie, nachdem sie das Wasser in einem Zug geleert hatte. „Ich kann nichts bei mir behalten“, gab sie nach kurzem Zögern zu und ihre Worte sorgten dafür, dass Bash einen besorgten Blick mit Mary wechselte.
„Ich bin sicher, Nostradamus kann Euch diesbezüglich helfen. Ich werde ihn aufsuchen“, bot er daraufhin an und ließ Catherine unter Marys Fürsorge zurück.

„Kümmert euch darum“, sagte Mary und deutete auf den Nachttopf. „Und lasst in der Küche eine leichte Brühe zubereiten. Sobald es ihrer Majestät besser geht, möchte ich, dass sie etwas isst.“
Mit entschlossenem Blick ging Mary um das einfache und unbequem wirkende Bett herum. Mit gerümpfter Nase betastete sie die dünne Matratze auf ihre Beschaffenheit. Das sich darin befindliche Stroh war plattgedrückt und roch nach Schimmel.
„Tauscht die Matratze gegen eine frische aus“, forderte sie und winkte das Mädchen heran, das unschlüssig in der Ecke stand und eine neue Garderobe für Catherine in den Händen hielt.
„Leg die Sachen dort hin und besorge eine Schale mit Wasser.“
Um sie herum brach hektische Betriebsamkeit aus, die Catherine misstrauisch aus ihrer Nische heraus betrachtete, ohne sich weiter einzumischen.

Unauffällig musterte Mary die ältere Frau. Sie war unnatürlich blass und wirkte erschöpft. Zudem meinte sie, Catherine erschaudern zu sehen. Also trat sie, sobald sie beide alleine waren, auf sie zu.
„Ich helfe euch beim Ankleiden.“ Catherines irritierten Blick begegnete sie mit einem leichten Lächeln. „Keine Sorge, es sieht Euch niemand außer mir in Eurer ganzen Pracht“, versicherte Mary ihr und erinnerte sie beide an Catherines Worte kurz vor ihrem Mordversuch.
Damals war sie bereits schwanger gewesen und hatte ebenfalls den giftigen Dampf eingeatmet. Nun hoffte Mary, dass das Kind dabei keinen Schaden genommen hatte.

„Wahrscheinlich bleibt mir sowieso keine Wahl“, gab die Ältere achselzuckend nach und inspizierte das schlichte, aber bequeme Kleid, das ihre Lady für sie ausgewählt hatte.
„Kein Korsett“, erklärte Mary lapidar und trat hinter sie, um ihr Henrys Morgenrock abzustreifen. Unwillkürlich ließ sie ihren Blick über Catherines Körper gleiten, der noch keinerlei Spuren einer Schwangerschaft zeigte. Wenn überhaupt hatte die Gefangenschaft eher dafür gesorgt, dass sie an Gewicht verloren hatte.

Schweigend half die eine Frau der anderen beim Ankleiden. Und auch wenn die gefangene Königin sich bemühte, ihre Erschöpfung nicht allzu offensichtlich zu zeigen, sah Mary ihr den Tribut deutlich an, den die letzten Wochen und ganz besonders der heutige Tag ihr abverlangt hatten.

Wenig später kehrten nicht nur die Diener mit einer neuen, deutlich dickeren Matratze zurück, auch Nostradamus gefolgt von Bash betrat kurz darauf die Zelle. Mary beobachtete fasziniert, wie bestimmt der Hüne seine Herrin zu ihrem Bett dirigierte und dann vor ihr auf die Knie ging.
„Verzeiht mein Eingreifen gegen Euren ausdrücklichen Wunsch, meine Königin. Doch ich konnte weder Euch, noch Euer Kind einfach sterben lassen. Sebastian sagte mir, dass es Euch nicht gut geht?“ Die Sanftheit seiner Worte verblüffte alle im Raum befindlichen Personen.
„Daran lässt sich jetzt nichts mehr ändern, mein Freund. Die Übelkeit ist noch schlimmer als bei den Zwillingen.“

Die Tatsache, dass Catherine  nicht einmal die Energie aufbrachte, das Verhalten ihres Sehers zu tadeln, sagte viel mehr über ihren Zustand aus, als ihre Worte. Nostradamus nickte bedächtig.
„Dann trinkt das. Bei den Zwillingen hat es Euch geholfen.“ Die kleine rote Flasche, die der bärtige Mann daraufhin öffnete, verströmte einen bitteren Geruch. Ohne weitere Diskussion griff Catherine danach und leerte den Inhalt mit vor Ekel verzogener Miene. Den Gesichtsausdruck, den sie kurz darauf aufsetzte während sie sich schüttelte wäre komisch gewesen, wäre die Gesamtsituation nicht so verdammt dramatisch.
„Dies ist kein geeigneter Ort für eine Schwangere“, sagte Nostradamus, als hätte er Mary's Gedanken erraten. „Erst recht nicht für eine Königin in einem schlechten gesundheitlichen Zustand.“
„Dieses Arrangement ist hoffentlich nur vorübergehend.“ Zumindest hoffte sie das.

Es dauerte eine gute halbe Stunde, bis das Mittel seine Wirkung zeigte. Und auch wenn Catherine nur auf Marys sanften Druck hin eine Schale Suppe zu sich nahm, so ging es ihr nun gut genug, dass sie das Essen bei sich behalten konnte. Der schlechte Allgemeinzustand ihrer Widersacherin beunruhigte sie. Catherine musste dringend zur Ruhe kommen, sonst lief sie Gefahr, sowohl das Baby, als auch ihr eigenes Leben zu verlieren.

Als sie mit dem Seher und Bash die Zelle verließ, beauftragte sie den bärtigen Mann damit, weitere Mittel gegen die Übelkeit herzustellen. Zudem nahm sie sich vor, am nächsten Morgen mit Henry zu sprechen um ihn zum Einlenken zu bewegen.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast