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What we're fighting for

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Catherine de' Medici Diane de Poitiers King Henry II of France Mary Stewart Nostradamus Sebastian "Bash" de Poitiers
02.12.2017
29.11.2020
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16.12.2017 1.525
 
Henry starrte auf die Tür, durch die Sekunden zuvor noch seine Gattin abgeführt worden war.
Catherine war tatsächlich schwanger. Mit seinem Kind. Ein weiterer kleiner Valois-Prinz oder eine Prinzessin war auch dem Weg. Dieses Baby hatte das denkbar schlechteste Timing und es kam derart unerwartet, dass ihm der alleinige Gedanke daran seinen Kopf zum Schwirren brachte.
Was ihm jedoch heftige Kopfschmerzen bescherte, war Catherines Verhalten. Denn egal wie unerwartet diese Schwangerschaft auch sein mochte, in ihrer Lage war sie Segen und Rettung zugleich.
Warum also hatte sie geschwiegen und keinen einzigen Versuch unternommen, ihr Leben und das ihres ungeborenen Babys zu retten?
„Ich schließe daraus, dass die Hinrichtung nun abgesagt ist?“ Bash's Worte rissen Henry aus seinen Überlegungen und riefen ihm in Erinnerung, dass die Menge in seinem Thronsaal noch immer auf ein blutiges Spektakel hoffte.

„Also ist es wahr? Sie hat es offensichtlich schon wieder geschafft, ihren Kopf in letzter Sekunde aus der Schlinge zu ziehen. Und du lässt dennoch Gnade walten? Selbst, nachdem sie dir schon wieder die Hörner aufsetzt hat? Henry, Catherine ist...“ Den Schrei, den der König Frankreichs ausstieß, um seiner Mätresse das Wort zu verbieten, ließ alle Anwesenden erschrocken zusammenfahren.
„SCHWEIG! Schweig Diane. Ich muss nachdenken. Und das kann ich nicht, wenn mein Schädel  explodiert und deine schrille Stimme ihn mir zu spalten droht.“

Doktor Berjain, der bisher stumm und unangenehm berührt im Raum gestanden hatte, trat einen vorsichtigen Schritt nach vorne.
„Eure Majestät, vielleicht wollt Ihr...“ Doch Henry fuhr auch dem Mediziner hart ins Wort.
„Nein, verschwindet“, fauchte er und deutete herrisch zur Tür. Nach einem kurzen Zögern verbeugte sich der Arzt und suchte dann erleichtert das Weite.
Diane und Bash jedoch sahen ihn noch immer abwartend an.  

Der König klopfte mit seinen Fingern gegen die Schläfen und schloss seine Augen. Die Hand, die sich kurz darauf auf seinen Arm legte, konnte nur Diane gehören.
„Henry, ich sorge mich um dich“, sagte sie mit gesenkter Stimme, wofür er in diesem Moment dankbar war. „Catherine ist eine verurteilte Ehebrecherin und sie ist die Einzige, die jetzt noch zwischen dir, mir und Sebastian als legitimierten Erben deines Thrones steht. Es ehrt dich, ihr diese Güte zukommen zu lassen, aber vergiss bitte nicht, dass die Frucht eines anderen Mannes in ihrem Leib heranwächst.“

Verärgert riss er bei dieser Behauptung seine Augen wieder auf, hinter denen der Schmerz von Tausend Messerstichen pochte. Auf dem Weg vom Thronsaal zu seinen Gemächern war ihm dieser Gedanke ebenfalls gekommen. Doch wie hätte Catherine in den letzten Wochen eine Affäre vor ihm verbergen können? Sie war entweder eingesperrt oder rund um die Uhr von seinen Wachen begleitet worden. Die wenigen Male, in denen sie sich ihrer wachsamen Augen entzogen hatte, hatte Catherine entweder versucht, Schottlands Königin zu ermorden oder aber sie hatte krank vor Sorge nach ihren Söhnen gesucht. Für die beiden Jungen hatte sie sogar die Chance nach Italien zu fliehen verstreichen lassen. Nein, die Königin Frankreichs hatte in den letzten Wochen andere Sorgen gehabt und war ganz sicher nicht außerehelichen Frivolitäten nachgegangen. Außerdem war das Timing einfach zu perfekt.
Das Kind, dass sie nun unter ihrem Herzen trug, war seines, dessen war er sich absolut sicher.

„Ich verbiete dir, weiterhin Anschuldigungen dieser Art in den Raum zu stellen.“ Diane trat bei der Schroffheit seiner Worte unweigerlich einen Schritt zurück und schüttelte ungläubig ihren Kopf.
„Warum, Henry?“
„Weil es sein Kind ist“, beantwortete Sebastian die Frage seiner Mutter.
„Dein Kind? Du hast ihr wieder beigelegen, obwohl du mir versprochen hast, dass es nur noch mich geben wird? Warum, Henry? Warum betrügst du mich ausgerechnet mit ihr?“
Entgeistert starrte Henry seine Mätresse an. Unzählige, mögliche Erwiderungen schwirrten durch seinen schmerzenden Schädel, doch Bash kam ihm abermals zuvor.
„Betrügen? Wie kann ein Mann seine Mätresse mit der eigenen Frau betrügen?“
Henry entging die Komik dieser Situation nicht und er gluckste amüsiert auf.

„Wohl wahr. Sebastian, verkünde der Meute, dass heute kein Kopf rollen wird und lass sie ihren Verdruss mit den unzähligen Fässern Wein ertränken, die Catherine in weiser Voraussicht geordert hat. Denn so wie es aussieht, gibt es die Zeugung eines weiteren Königskindes zu feiern.“
Sein Sohn nickte, machte aber noch keine Anstalten, den Raum zu verlassen, um seiner Pflicht nachzukommen.
„Sprich, Sohn“, forderte Henry deshalb ungeduldig und begann, rastlos in seinen Räumlichkeiten auf und ab zu wandern. Sein Blick bleib dabei unweigerlich auf dem zerrissenen Kleid hängen, das nach wie vor anklagend in der Mitte des Raumes lag.
„Die werdende Mutter besagten Königskindes befindet sich gegenwärtig ohne angemessene Kleidung und ohne Nahrung im Turm.“ Henry beäugte seinen Sohn, der die Frage, die er eigentlich stellen wollte, so geschickt verpackt hatte, dass sie obwohl sie unausgesprochen geblieben war, dennoch im Raum stand.
„Okay, okay. Bring ihr etwas zu essen und ein Kleid“, willigte er ein, ohne mit seiner Wanderung durch die Gemächer auszusetzen.
„Das werde ich“, erwiderte sein Sohn und verließ den Raum.

Zurück blieb lediglich Diane, die ihn noch immer mit einem gekränkten Blick bedachte.
„Sieh mich nicht so vorwurfsvoll an. Ich bin dein König und ich muss und werde mich nicht vor dir rechtfertigen. Erst recht nicht für eine süße Nacht, die ich in den Armen meiner Königin verbracht habe.“
„Eine süße Nacht?“, Dianes Stimme klang schrill und erhöhte das Hämmern in seinem Kopf um ein Vielfaches.
„Ich will jetzt nichts mehr hören. Geh, ich brauche meine Ruhe.“ Mit diesen Worten entließ er seine Mätresse, mit deren Eifersuchtsattacke er sich jetzt beim besten Willen nicht auch noch herumschlagen wollte.

Sebastian eilte von den Geschehnissen des Tages noch immer irritiert die Gänge entlang. Einen Ausgang wie diesen hatte er bei bestem Willen nicht kommen sehen.
Catherine de' Medici war heute um Haaresbreite dem Schafott entkommen. Und auch wenn die Frau seines Vaters allerhöchstens gemischte Gefühle in ihm hervor rief, so wünschte er ihr dennoch nicht den Tod. Sie beide hatten aufgrund seiner Herkunft stets ein angespanntes Verhältnis miteinander gehabt, doch es hatte in seiner Kindheit durchaus unbeobachtete  Momente gegeben, in denen Catherine den Bastard ihres Mannes mit der gleichen Fürsorge bedacht hatte, die sie sonst nur ihren eigenen Kinder zukommen ließ.

Besonders ein Erlebnis war ihm im Gedächtnis hängen geblieben. Als Siebenjähriger war er von einem der Apfelbäume in den königlichen Gärten gefallen. Ein Baum, auf den er geklettert war, obwohl Catherine ihn wiederholt ermahnt hatte, es nicht zu tun, während sie einige Meter entfernt mit Francis, Leeza und Claude auf der Wiese gespielt hatte.
Natürlich hatte er ihre Warnungen ignoriert und war wenig später tatsächlich hinab gestürzt. Selbst heute konnte er sich noch an den stechenden Schmerz in seinem Arm erinnern. Und an Catherines Hände, die Sekunden später sanft seinen Kopf und seinen Körper abgetastet hatten. Sie hatte seine gesunde Hand gehalten, als er schreiend vor Schmerz und Schreck auf ihr Geheißen hin zu Nostradamus gebracht wurde. Während der Heiler ihm einen Trunk gegen die Schmerzen eingeflößt und seinen Arm geschient hatte, war Catherine nicht von seiner Seite gewichen. Sie hatte beruhigend auf ihn eingeredet, beinahe liebevoll das widerspenstiges Haar aus seiner Stirn gestrichen und seine Tränen getrocknet, während seine Mutter mit Henry fern ab in Paris wahrscheinlich nicht einmal einen Gedanken an ihren zurückgelassenen Sohn vergeudet hatte.

Als die lauter werdenden Stimmen aus dem Thronsaal zu ihm durchdrangen, schüttelte Bash kurz seinen Kopf in dem Versuch, die Gedanken der Vergangenheit abzuschütteln. Für einen kurzen Moment blieb er vor der verschlossenen Tür stehen um sich zu sammeln, dann deutete er dem Hofmarschall an, ihm die Tür zu öffnen. Als Sebastian eintrat, richtete sich die komplette Aufmerksamkeit der Anwesenden auf ihn. Mit entschlossenen Schritten ging er auf Mary zu, die nach Henrys und Catherines überhasteten Abgang im Saal geblieben war, um die Menge im Zaun zu halten. Er nickte ihr kurz zu, bevor er sich zu den wartenden Menschen umdrehte und das Wort ergriff.
„Euer König lässt verkünden, dass an diesem Tag kein Blut fließen wird. Vielmehr möchte er euch dazu einladen, auf die bevorstehende Ankunft eines weiteren Königskindes anzustoßen.“
Bash signalisierte den Dienern, den bereitstehenden Wein auszuschenken.  

Es dauerte einige Minuten, bis sich die Menge wieder beruhigt und dazu übergegangen war, ihren Frust über die ausgesetzte Hinrichtung im Wein zu ertränken. Mary hatte sich zwischenzeitlich neben ihm aufgebaut.
„Catherine ist also wirklich schwanger?“, wollte sie wissen, als sich die allgemeine Aufmerksamkeit wieder von ihnen gelöst hatte.
„Ja, ist sie. Meine Mutter kocht, Henry hat Catherine zurück in den Turm sperren lassen und ich darf den ganzen Mist hier aufräumen.“ Seufzend bot er Mary seinen Arm an und begleitete die Königin Schottlands hinaus. Gemeinsam steuerten sie die Gemächer der eingekerkerten Königin Frankreichs an.
„Was wird er nun tun?“, wollte Mary von ihm wissen. Eine Frage, auf die Bash keine wirkliche Antwort hatte.
„Wahrscheinlich weiß er das selbst noch nicht. Momentan können wir nichts tun. Ich werde ihre Ladys ein paar Kleidungsstücke heraussuchen lassen und in der Küche bereitet man bereits etwas zu essen für Catherine vor. Vielleicht ist mein Vater morgen etwas umgänglicher.“
„Wir sollten ihr auch eine Decke bringen. Ohne Kaminfeuer kann es nachts empfindlich kalt im Turm werden“, gab ihm Mary zu bedenken und nicht zum ersten Mal bewunderte er ihr gutes und mitfühlendes Herz.
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