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What we're fighting for

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Catherine de' Medici Diane de Poitiers King Henry II of France Mary Stewart Nostradamus Sebastian "Bash" de Poitiers
02.12.2017
29.11.2020
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10.12.2017 2.188
 
Widerstrebend stolperte Catherine hinter ihrem erbosten Gemahl her, seine Faust hatte sich einem Schraubstock gleich um ihre noch immer gefesselten Handgelenke gelegt.
„Henry“, rief sie, als sie abermals über ihre langen Röcke stolperte und lediglich sein unsanfter Griff einen Sturz verhinderte. Sie versuchte sich mit aller Gewalt aus seinem Griff zu lösen, doch die vorangegangene Kraftanstrengung, auf ihrer eigenen Hinrichtung ihre stoische Fassade aufrecht zu erhalten, hatte ihr jede Unze Energie entzogen.
Henry reagierte nicht auf ihren Protest, er zog sie ohne sein Tempo zu verlangsamen hinter sich her. Ihre Schultern und ihre Handgelenke schmerzten bereits und sie fragte sich ernsthaft, ob sie sich über die Tatsache, dass sie überhaupt noch Schmerzen empfinden konnte, freuen oder ob sie darüber enttäuscht sein sollte.

Stumm verfluchte sie Nostradamus, der ihr Verbot, diese Sache zur Sprache zu springen, einfach übergangen hatte. Dies war ein Geheimnis, das sie in ihr Grab hatte mitnehmen wollen.
Sie wusste, dass ihr alter Freund ihr damit das Leben hatte retten wollte, doch seine gutgläubige Intervention würde lediglich ihr Leiden um einige wenige Monate in die Länge ziehen und noch dazu einem weiteren Kind das Dasein einer verstoßenen Halbwaise aufbürden. Ein Neugeborenes, das seine Mutter verlieren würde, kaum dass es das Licht der Welt erblicken würde. Eine Welt, die kalt, hart und grausam zu verstoßenen Kindern ohne elterlichen Schutz sein konnte. Sie selbst hatte diese schmerzhafte Lektion bereits in frühester Kindheit machen müssen.
Nein, diese Schwangerschaft war keine Rettung, sie war lediglich ein grausiger Aufschub auf ein Schicksal, dem sie heute beinahe schon entgegengetreten wäre.

Catherine wusste, dass dieses Kind nichts an ihrer misslichen Situation ändern würde. Sie hatte durch ihre Schmetterlinge von dem Brief des Papstes erfahren, der eine Legitimierung Sebastians ablehnte. Damit war Henry zu drastischen Maßnahmen gezwungen, wenn er Bash als zukünftigen König einsetzen wollte. Allem voran die jetzige Königin zu beseitigen, um die Mutter seines Bastards heiraten zu können und somit dessenChancen auf eine nachträgliche Legitimierung zu verbessern. Ein Ersuchen, dem die Kirche nach einer Eheschließung sicherlich nachkommen würde. Und das ihre Kinder unmittelbar nach ihrem Ableben zum Zankapfel und zu Zielscheiben machen würde. Ohne ihre Mutter, die sie beschützen konnte. Diese Überlegung war ihr bei Weitem nicht fremd, doch sie erschauderte nach wie vor bei dem bloßen Gedanken an die düstere Zukunft ihrer Kinder.

All das nur wegen Henrys krankhaften Wunsch, über England zu herrschen. Und aufgrund der Launen einer kindlichen Königin, die in dem Versuch Francis zu retten mit dem Schicksal zu spielen begonnen hatte. Im Grunde konnte sie Mary ihr Handeln nicht einmal verübeln. Schließlich hatte sie sich der jungen Schottin gegenüber verwundbar gemacht. Und wer mit dem Feuer spielte, sollte sich nicht wundern, wenn er sich dabei verbrannte.
Bei ihrem misslungen Versuch, sich der Königin Schottlands zu entledigen hatte Catherine gewusst, dass sie ihr Leben verwirkt hatte. Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, empfand sie sogar eine seltsame Form der Erleichterung, dass Mary den Anschlag überlebt hatte. Trotz allem mochte sie die dunkelhaarige Frau, auch wenn sie es ihr gegenüber niemals zugeben würde.

Was sie nicht einkalkuliert hatte, war ihre eigene Schwangerschaft gewesen. Erst eine Untersuchung nach dem Giftanschlag auf Mary, bei dem auch sie die todbringenden Dämpfe eingeatmet hatte, hatte Nostradamus erkennen lassen, dass sie ein Kind erwartete. Ein Kind, dessen Leben sie unwissentlich aufs Spiel gesetzt hatte. Ein Kind, dessen Existenz sie zutiefst verzweifeln ließ und innerlich zeriss.

Endlich erreichten sie die Königlichen Privatgemächer und Catherine stöhnte erleichtert auf, als Henry  sein Tempo drosselte. Seinen schmerzhaften Griff jedoch löste er auch nicht, als er die Tür aufstieß und sie in den Raum schob. Lauter als nötig knallte er die Tür hinter sich zu und stieß sie auf sein Bett. Erst jetzt löste sich seine Faust von ihren Handgelenken.

„War das dein Plan, Catherine?“, knurrte er noch immer voller Zorn und sah sie so durchdringend an, dass sich die feinen Härchen in ihrem Nacken alarmiert aufstellten.
„Was für ein Plan?“, so schnell es ihr in ihrem viel zu engen Korsett möglich war, richtete sie sich wieder auf um ihrem Mann nicht minder wütend entgegen zu starren.
„Der, deine Haut zu retten. Der, mich zu verführen und darauf zu hoffen, ein Kind zu empfangen“, Henry spie ihr die Worte förmlich entgegen und baute sich drohend über ihr auf. Doch sie duckte sich unter ihm weg und flüchtete in den entgegen gelegten Bereich seines Gemachs.
„Oh ich bitte dich!“, sagte sie, als sie etwas Distanz zwischen sie gebracht hatte und rollte mit ihren Augen bei dieser abstrusen Anschuldigung. „Verdreh nicht die Tatsachen. Nicht ich war es, die dich verführt hat.“

Binnen Sekunden hatte er das Bett umrundet und sich einer angriffsbereiten Raubkatze gleich an sie heran gepirscht.
„Vielleicht, vielleicht auch nicht. Fakt ist, dass du mir dieses Mal mehr als bereitwillig beigelegen hast. Was nüchtern betratet in deinem Fall eher eine Ausnahme, als die Regel ist. Also wirst du sicherlich auch meine Zweifel verstehen, die ich hinsichtlich der Tatsache habe, dass es just diese Nacht war, die dich nun dein cleveres Köpfchen auf deinen Schultern behalten lässt. Verfluchtes Weib, selbst beim Sterben musst du noch stur und kompliziert sein.“

Catherine stöhnte innerlich auf.  Warum nur glaubte Henry, dass sie ihm entweder schaden, ihn hintergehen oder bevormunden wollte? Hatte er bereits vergessen, dass nicht sie, sondern Nostradamus ihr Geheimnis ans Licht gebracht hatte?
Nur war es ratsam, ihn jetzt darauf hinzuweisen?
Als sie merkte, dass sie an den unausgesprochenen Worten zu ersticken drohte, schrie sie ihren Gemahl entgegen ihres besseren Wissens erbost an.
„Falls du es immer noch nicht bemerkt hast, Henry: Ich will dieses Kind nicht!“ Augenblicklich glitten ihre Hände zu ihrem noch flachen Bauch und sie sandte ein stummes Flehen um Vergebung gen Himmel. Sie wollte sich nicht gegen dieses Baby stellen, doch die Umstände zwangen sie dazu.

Henry, der sich von ihrem Ausbruch sichtlich erschüttert zeigte, packte sie abermals an ihren Armen und zwang sie, ihn anzusehen.
„Du lehnst mein Baby so sehr ab, dass du sogar den Tod vorziehst? Ist dir denn gar nichts heilig?“
„Diese unverschämte Unterstellung verdient nicht einmal eine Antwort. Für meine Kinder würde ich alles machen. Alles, Henry! Aber dieses Baby ändert nichts an deinem Vorhaben, dich meiner zu entledigen. Ich bin keine Närrin. Und ich werde nicht meine Hoffnung auf mein Überleben darauf aufbauen. Was für ein ungewisses Leben erwartet dieses arme Kind? Die selbe unsichere Zukunft, wie seine Geschwister! Ich wünschte, Nostradamus hätte seinen Mund gehalten.“

Sie sah ihrem Mann an, dass er in diesem Moment den gleichen Gedanken verfolgte, den sie auch hatte. <Dann wäre sie jetzt bereits tot.> Eine Vorstellung, die ihn plötzlich zu erzürnen schien, da er nach einem der Leuchter griff und diesen gegen die Wand schleuderte. Begleitet von einem lauten Poltern rann heißer Wachs die Wand hinab und Catherine konnte nichts anderes tun, als fassungslos an diese Stelle zu starren.

Bevor einer von ihnen das Wort ergreifen und weiteren verbalen Schaden anrichten konnte, klopfte es zaghaft an der Tür.
„Das wird hoffentlich der Doktor sein. Herein“, rief Henry und kurz darauf betrat der kleine, drahtige Hofarzt das Gemach. Auch wenn er verwundert über die Anwesenheit seiner noch immer sehr lebendigen Königin war, so zeigte er keinerlei Regung sondern verbeugte sich höflich und fragte Henry nach dem Grund seines doch so dringlich erbetenen Besuchs.
„Untersucht sie“, forderte ihr Gemahl und deutete auf Catherine. Als sie nicht sofort reagierte, verringerte er die Distanz zwischen ihnen und zog sie mit einem wild entschlossenen Gesichtsausdruck und einem gefährlichen Lodern in den Augen aus ihrer Ecke hervor. „Ihr müsst herausfinden, ob sie ein Kind erwartet“, befahl er und befreite sie von ihren Fesseln.

„Nun, gewiss, Eure Hoheit. Warum wartet Ihr nicht solange draußen? Ein wenig Privatsphäre...“
„Das ist nicht nötig“, unterbrach Henry den Mediziner brüsk. „Dein Kleid, Catherine.“
Sie starrte ihn verständnislos an und schüttelte dann widerwillig ihren Kopf.
„Nicht in diesem Ton, Henry.“
„Ich rede mit dir in jedem Ton, der mir angemessen erscheint. Und jetzt – zieh dein Kleid aus!“

Als sie auch jetzt noch keine Anstalten machte, seinem Befehl Folge zu leisten, drehte Henry seine Frau grob um, um sich selbst an ihrem Korsett zu schaffen zu machen.
Doch die Verschnürung gab der rohen Gewalt, die Henry an den Tag legte, nicht so einfach nach und sein Zerren sorgte lediglich dafür, dass Catherine nach und nach die Luft abgeschnürt wurde. Als sie keuchend versuchte, seine rüden Hände von sich abzuschütteln, packte er ihre Handgelenke mit einer seiner viel kräftigeren Hände und presste sie Sekunden später gegen die Wand. Erschrocken über die rohe Gewalt, die Henry an den Tag legte, ließ sie ihren Widerstand erlahmen. Sie wusste, dass er in dieser Sache seinen Willen durchsetzen würde und ihre Fügung würde hoffentlich dafür sorgen, dass die entwürdigende Prozedur, die ihr nun bevorstand, so schneller vorüber war. Und dass sie wieder genügend Luft bekam. Also hielt sie still.

Doktor Berjain räusperte sich vernehmlich, was Henry jedoch nicht davon abhielt, weiter an Catherines Kleidung zu zerren, bis ein reißendes Geräusch zu hören war.
„Halt still“, knurrte er und aus dem Augenwinkel heraus sah sie, wie er seinen Dolch zog.
Catherines Herz überschlug sich als sie mühsam versuchte, Sauerstoff in ihre Lungen zu bekommen. Jeder Atemzug war ein Kampf und sie sah silberne Sterne vor ihren Augen tanzen.
„Halt still, Catherine.“, sagte er erneut, dieses Mal weniger schroff. „Ich schneide dich heraus. Gleich kannst du wieder atmen.“ Dann spürte sie, wie die Klinge durch die Bänder glitt, diesie im Korsett gefangen hielten.
Und plötzlich bekam sie wieder Luft.

Reglos und schwer atmend ließ sie es zu, dassHenry sie aus dem zerschnittenen Korsett schälte und sich anschließend an den weiten Röcken zu schaffen machen. Die Kraft, sich seinem Befehl zu widersetzen, konnte sie schlicht und ergreifend nicht mehr aufbringen.
Als der rote Stoff von ihrem Körper glitt, hob der Arzt Einhalt gebietend seine Hand um Henry daran zu hindern sie weiter zu demütigen, indem er ihr auch noch das Unterkleid abstreifte.
„Das reicht vollkommen, mein König. Eurer Majestät, wenn Ihr euch bitte hinlegen würden, damit ich mit meiner Untersuchung beginnen kann“, dagte der Arzt an sie gerichtet.

Wie betäubt nickte Catherine und ließ sich von Henry, der ihren Oberarm umklammert hielt, zu seinem Bett führen. Die nächsten Minuten ließ die Königin Frankreichs stumm über sich ergehen. Sie spürte nicht nur den prüfenden Blick und die Hände des Arztes auf sich, auch Henry beobachtete kritisch jede Berührung, mit der der Mediziner ihren Körper abtastete.
„Kein Zweifel, Ihre königliche Hoheit ist in anderen Umständen“, bestätigte der Doktor nach einer Zeit, die Catherine wie eine Ewigkeit vorgekommen war. Henry schloss daraufhin kurz seine Augen. Als er sie wieder öffnete traf sein Blick den ihren.
„Aber erlaubt mir offen zu sprechen.“ Der Arzt wartete kurz Henrys zustimmendes Nicken ab, bevor er fortfuhr. „Mylady benötigt dringend Ruhe. Mit Verlaub – in Anbetracht ihres Alters und den Komplikationen der letzten Niederkunft kann ich Euch nur zu Schonung und ausreichend Bettruhe raten.“ Als er endete, sah er Henry an, der nachdenklich nickte.

„Es gibt da einen Ort, an dem sie alle Ruhe dieser Welt haben wird. Wachen!“ Sein Rufen ließ den armen Doktor erschrocken zusammenzucken und auch Catherine betrachtete ihren Gemahl voller Misstrauen, als dieser die Türen aufriss und den Kopf hinaus steckte. Prompt stürmten nicht nur zwei Vertreter seiner Leibgarde, sondern auch Sebastian und Diane de Portiers in den Raum, so dass in Catherine langsam ein Gefühl der Klaustrophobie anstieg.
Beschämt griff sie nach Henrys Morgenmantel, den dieser achtlos neben das Bett geworfen hatte und dem Dianes ekelerregend süßes Parfum anhaftete. Und obwohl der Geruch Übelkeit in ihr verursachte, schlang sie das Kleidungsstück dennoch um ihren zitternden Leib, der sonst bis auf ein nahezu durchsichtiges Unterkleid den Blicken aller Anwesenden schutzlos ausgesetzt wäre.
„Bringt die Königin zurück in ihre Zelle. Ich muss überlegen, was ich nun mit ihr machen werde.“ Er gab seinen Wachen mit einem Kopfnicken zu verstehen, dass diese Catherine hinfort schaffen sollten.
Mit einem wütenden Blick bedachte sie die zwei Männer, die jeweils einen ihrer Arme griffen und sie aus dem Raum zu dirigieren begannen.

„Halt, wartet.“ Henrys Worte ließen die Gardisten augenblicklich inne halten. Die Griffe um Catherines Oberarme lockerten sich jedoch keinen Millimeter. Henry umrundete die Männer und kam nachdenklich vor ihr zum Stehen. Sein Blick, der wie so oft an diesem Tag prüfend ihren Körper hinab glitt, blieb dort hängen, wo sich der Morgenrock dank der unsanften Behandlung geöffnet hatte und ihr dünnes Unterkleid sichtbar war. Zur Überraschung aller Anwesenden legte sich seine rechte Hand auf die Mitte ihres Bauches, um in einer federleichten Berührung über die Stelle zu streichen, wo sein Baby in ihr heranwuchs.

Doch genauso plötzlich, wie er sie berührt hatte, erstarb seine Liebkosung wieder. Stattdessen griff er nach den Enden des üppigen, roten Stoff seines Mantels, in dem sie nahezu versank und hüllte damit schützend ihre Form ein. Zufrieden mit dem Ergebnis band er den Mantel fest um ihre Körpermitte und betrachtete sein Werk mit einem Nicken.
„Jetzt ist es schicklich. Geht nun“, murmelte er und kehrte Catherine den Rücken zu.
Die Wachen setzten sich wieder in Bewegung und brachten sie zurück an den Ort, der schon eine gefühlte Ewigkeit ihr zweites Zuhause zu sein schien.
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