Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

What we're fighting for

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Catherine de' Medici Diane de Poitiers King Henry II of France Mary Stewart Nostradamus Sebastian "Bash" de Poitiers
02.12.2017
29.11.2020
28
58.464
9
Alle Kapitel
19 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
06.12.2017 781
 
Und während Henry mit sich rang, wurde plötzlich die Saaltür aufgerissen und Nostradamus stürmte mit weit ausholenden Schritten auf sie zu.
„Haltet ein!“, rief der riesige Mann noch bevor er die Empore erreicht hatte.
Zu Henrys Verwunderung drehte Catherine ihren Kopf in Richtung des Henkers und fuhr den Mann mit herrischer Stimme an:
„Bringt wir es endlich hinter uns. Ich habe noch eine Verabredung mit meinem Schöpfer und ich hasse es, zu spät zu kommen.“

Aus der Gruppe der Anwesenden waren vereinzelte Lacher zu hören, doch Henry war in diesem Moment nicht nach Lachen zumute. Einhalt gebietend hob er seine Hand um dem Henker zu signalisieren, der Forderung seiner Gemahlin ohne seine Zustimmung auf keinen Fall nachzukommen.
„Sagt Nostradamus, was bringt euch dazu, eine öffentlich Hinrichtung, noch dazu die einer Königin, zu unterbrechen? Eine Königin, die Euch, so wie ich hörte, mit Schimpf und Schande aus ihrem Verlies werfen ließ?“, fragte Henry, der dem Quacksalber seiner Gattin noch nie irgendwelche Sympathien entgegengebracht hatte.

Insgeheime interessierte es ihn tatsächlich, wie genau der selbsternannte Seher die Enthauptung seiner Gemahlin verhindern wollte. Und wenn er ehrlich zu sich selbst war, erleichterte ihn diese erzwungene Galgenfrist in unerwartet hohem Maße.
„Wenn ich euch nicht stoppe, werdet Ihr den Mord an einem unschuldigen Wesen begehen“, erklärte der bärtige Mann und Henry hörte, wie seine Frau laut aufstöhnte während sie versuchte, sich würdevoll aufzurichten und dabei ihren Freund und Propheten mit tödlich anmutenden Blicken aufzuhalten. Diese unvorhergesehene Entwicklung schien unterhaltsam zu werden.

„Catherine mag vieles sein, aber eine Unschuldige ist sie mit Sicherheit nicht“, stellte Henry klar.
„Ganz recht, wir sollten mit der Hinrichtung fortfahren“, forderte Diane, die nach seiner Hand griff und diese drückte.
„Ich denke, wir sollten uns anhören, was Nostradamus zu sagen hat“, sagte Mary, deren gutes Herz irgendwann ihr Ruin sein würde.

„Eure Frau trägt ein Kind unter ihrem Herzen.“ Die Worte des Sehers lösten ein sekundenlanges Schweigen im Thronsaal aus, dem ein aufgebrachtes Raunen nach sich führte. Henrys Blick schoss zwischen Nostradamus und Catherine hin und her, die sich zwischenzeitlich wieder in eine aufrecht kniende Position gebracht hatte und abermals unwillig aufstöhnte.
„Ist das wahr?“, fragte Henry und wies den Henker mit einem Fingerzeig an, Catherine wieder zurück auf ihre Beine zu ziehen.
„So wahr ich hier stehe, Euer Majestät“, beteuerte Nostradamus doch es war seine Frau, von der er in diesem Moment eine Antwort hören wollte.

„Was soll die Aufregung?  Eine Lüge dieser Art, dreist und infam, wird sie nicht retten. Und für den Fall, dass sie wirklich ein Kind erwartet, dann wäre das lediglich ein weiterer Beweis ihrer Untreue.“
Dianes Worte ließen seinen Kopf schwirren. Also stand er auf und ging langsam auf seine Frau zu, die versuchte ihm auszuweichen, aber von der Hand des Henkers, die unnachgiebig auf ihren Schultern ruhte, daran gehindert wurde.

Henrys Augen wanderten ihren Leib hinab, suchten nach einem Anzeichen - einem winzig kleinen nur - das die Worte des Sehers untermauern würde.
„Stimmt das?“, fragte er, doch auch jetzt machte Catherine keinerlei Anstalten, seine Frage entweder zu bejahen oder zu verneinen. Sie starrte lediglich auf das Schafott. Sein Augenmerk war fest auf seine Gattin fixiert, als er seine nächste Frage an Nostadamus richtete. „Wie weit ist sie?“
„Sieben, vielleicht acht Wochen, Eure Hoheit.“ Er registrierte, dass Catherine bei dieser Offenbarung für den Bruchteil einer Sekunde ihre Augen schloss. Er musste kein Rechengenie sein um zu wissen, dass ihre gemeinsame Nacht vor knapp 2 Monden durchaus Folgen dieser Art mit sich gezogen haben könnte.

„Henry?“ Auch Diane hatte sich erhoben und kam auf ihn zugeeilt. „Was kümmert dich der Bastard eines Fremden? Wahrscheinlich will Nostradamus sein eigen Fleisch und Blut retten.“
„Ein Kind, egal wer es gezeugt hat, ist und bleibt ein unschuldiges Lebewesen“, mischte sich nun auch Mary ein.
Und plötzlich redeten sie alle durcheinander. Diane, Mary, Bash, sein Kronrat.
Nur Catherine blieb stumm wie ein Fisch.

In Henry, dessen Schädel langsam zu explodieren drohte, wallte plötzlich eine solche Wut hoch, dass er nach vorne stürmte, Catherine bei den Schultern packte und sie heftig zu schüttelte begann.
„Du wärst lieber gestorben, als mein Kind auszutragen?“, fauchte er gereizt und stieß sie so hart zurück, dass sie gestürzt wäre, hätte Bash sie nicht aufgefangen.
„Vater“, ermahnte dieser ihn und Henry fuhr sich mit seinen Händen über seinen kahl rasierten Schädel.
„Ich glaube, sie simuliert nur“, sagte Diane und sah Catherine feindselig an, die ihr Kinn hob und nicht minder böse zurück starrte.
„Ich versichere Euch, die Königin ist schwanger“, beteuerte Nostradamus zum wiederholten Male.
„Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden. Schickt nach einem Arzt“, mit diesen Worten ergriff er Catherines Handgelenke und zerrte seine Frau hinter sich her. „Wir erwarten ihn in meinen Gemächern.“
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast