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What we're fighting for

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Catherine de' Medici Diane de Poitiers King Henry II of France Mary Stewart Nostradamus Sebastian "Bash" de Poitiers
02.12.2017
29.11.2020
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30.07.2018 1.084
 
Nach Beendigung ihres Frühstücks stieg Catherine die Treppe des Turms hinunter, um ihren Seher und Heiler aufzusuchen. Sie fand den großgewachsenen Mann in einer Ecke, wo er konzentriert Kräuter in einem Mörser stampfte. Es dauerte einen Moment, ehe er die Anwesenheit seiner Königin registrierte.
„Catherine! Wie geht es Euch?“, fragte er, während sein prüfender Blick über ihre Gestalt glitt.

„Bekäme ich für jedes Mal, wenn sich jemand nach meinem Befinden erkundigt eine Golddukate, dann wäre ich eine reiche Frau.“
„Ihr seid bereits eine reiche Frau“, erinnerte Nostradamus sie. „Aber es freut mich, dass Ihr wieder wohlauf seid. Also zeigt das Mittel die erhoffte Wirkung?“
„Das tut es. Konntet Ihr anhand des Urins herausfinden, was Henry fehlt?“, fragte Catherine ohne weitere Umschweife. Sie war an den Tisch mit den Tiegeln, Reagenzgläsern und Fläschchen herangetreten und war in Begriff, eines davon aufzuschrauben, doch ihr Seher nahm es ihr sogleich wieder ab.

„Das ist nichts, was in die Hände einer Schwangeren gelangen sollte“, sagte er und umrundete den Tisch, um die kleine Flasche fort zu stellen. „Die Menge des Blutes lässt entweder auf eine innere Verletzung schließen oder...“
„.. auf eine Vergiftung“, beendete Catherine seinen Satz, woraufhin Nostradamus mit ernstem Gesichtsausdruck nickte.

Sie berichtete ihm von Henrys Problem und teilte die wenigen Informationen, die sie hatte. Als sie geendet hatte, kratzte sich Nostradamus an seinem bärtigen Kinn.
„Ich müsste Euren Gemahl untersuchen, um entweder das eine oder das andere ausschließen zu können“, murmelte er und seine Königin seufzte laut auf.
Sie beide wussten, wie wenig Henry von den Fähigkeiten des Sehers hielt und welch schwieriger Patient er grundsätzlich war.
„Ich werde versuchen ihn dazu zu überreden“, versprach Catherine.

Bevor sie den Raum wieder verlassen konnte, hielt Nostradamus sie zurück.
„Wenn Ihr erlaubt, würde ich auch gerne Euch kurz untersuchen. Zudem habe ich noch etwas für Euch. Es riecht und schmeckt etwas unangenehm, ist aber förderlich für einen gesunden Wachstum Eures Babys.“

Auch wenn Catherine alles andere als gewillt war, eine weitere Untersuchung über sich ergehen zu lassen, so wusste sie doch, dass Nostradamus nur das Beste für sie und ihr ungeborenes Kind im Sinne hatte.
Also nahm sie das Fläschchen entgegen und roch daran.
„Unangenehm?! Das stinkt wie ein frisch gedüngtes Feld!“, schimpfte sie und rümpfte ihre Nase.

Als Nostradamus keine weitere Erklärung von sich gab und sie lediglich auffordernd ansah, hob sie Augen rollend die Flasche an ihre Lippen und schluckte den Inhalt mit angehaltenem Atem und in einem Zug hinunter.  Danach schüttelte sie sich mit angeekeltem Gesichtsausdruck.

Die Untersuchung des Heilers war schnell vorüber und weitaus weniger unangenehm als der Trank.


Am frühen Nachmittag, Catherine war gerade auf dem Weg zum Hof um dort der Reitstunde ihrer Söhne beizuwohnen, lief sie überraschend ihrem Mann in die Arme, der gefolgt von Francis und Bash den Gang entlang eilte.
„Catherine!“ Mit einer einfachen Handbewegung entließ er ihre beiden Wachen und auch seinen Söhnen gab er mit einem Nicken zu verstehen, dass ihre Unterhaltung vorerst beendet war. „Ich habe erfahren, dass du Nostradamus aufgesucht hast. Gibt es Grund zur Sorge?“, wollte er von ihr wissen und griff nach dem Arm seiner Frau, um sie am Weitergehen zu hindern.

„Es gibt Grund zur Sorge, jedoch nicht meinetwegen.“ Dieser Zeitpunkt war genauso gut wie jeder andere, um seine Gesundheit anzusprechen.
„Weswegen sorgst du dich dann? Ist es wegen Diane? Ich versichere dir, sie ist nach wie vor im Turm eingesperrt. Wegen ihr musst du dir bei Gott keine Sorgen mehr machen.“
„Diane ist mir egal.“ Noch während sie die Worte aussprach wusste sie, dass sie nicht ganz der Wahrheit entsprachen. Dianes Existenz war ihr noch nie egal gewesen. Doch die Mätresse ihres Mannes war gegenwärtig tatsächlich bedeutungslos.

„Du bist es, um den ich mir Sorgen machen. Henry, ich glaube, du solltest nicht länger die Augen davor verschließen, dass mit dir etwas nicht stimmt. Warum lässt du nicht deinen Arzt kommen? Oder wenn dir das nicht recht ist, kannst du auch Nostradamus konsultieren.“
Catherine wählte den direkten Weg und stieß gleich zum Kern des Problems vor, ohne vorher um den heißen Brei herum zu reden. Henry hatte seine schlechte körperliche Verfassung  bereits lange genug ignoriert und hatte gewiss keine weitere Zeit mehr zu verlieren.

Augenblicklich verfinsterte sich sein Blick und ein kalter Ausdruck legte sich auf seine braunen Augen.
„Sehe ich etwas aus wie ein kranker Mann?!“, donnerte er aufgebracht und der Druck seiner Hand um ihren Oberarm wurde fester.

Catherine befreite sich resolut und starrte entschlossen zu ihm empor.
„Henry, du hast beinahe täglich Kopfschmerzattacken und kein gesunder Mensch scheidet Blut aus beim Wasserlassen“, erklärte sie und bemühte sich, ihre Stimme gesenkt zu lassen und ihn nicht anzuschreien.
„Habe ich dich um eine Einmischung gebeten?“, brüllte Henry weniger beherrscht, woraufhin Catherine ihm ihre Hand in einer beruhigenden Geste auf die Brust legte.
„Ich weiß, wie wenig dich deine eigene Gesundheit schert aber langsam ist es an der Zeit, dass es jemand an deiner Stelle tut, Henry.“

Sie sah ihn beschwörend an, doch sein verbissener Gesichtsausdruck verriet, dass er völlig unzugänglich für jedes ihrer Worte war.
„Mir geht es gut!“, schrie er mit der Macht falscher Überzeugung und wollte sich von ihr lösen. Doch jetzt packte ihn Catherine am Arm.

Ihr war bewusst, dass dieser öffentlich zugängige Flur nicht der geeignete Ort für eine Unterhaltung wie diese war, doch sie wollte endlich zu ihrem Mann durchdringen.
„Henry, du hast Schmerzen.“
„Es reicht! Ich verbiete dir, weiterhin über dieses Thema zu sprechen. Weder mit mir, noch mit einem Arzt und erst recht nicht mit deinem Quacksalber“, donnerte Ihr König und Gemahl und stieß sie heftig von sich fort.

Catherine taumelte zurück. Strauchelnd versuchte sie sich abzufangen, doch ihr linker Fuß trat ins Leere.
Die Wucht seines Stoßes ließ sie hinterrücks die breite Treppe des königlichen Flügels hinunter stürzen. Sie meinte noch, Henry erschrocken aufschreien zu hören, dann prallte sie bereits schmerzhaft mit ihrem Rücken auf eine der Stufen. Ihr Kopf knallte gegen etwas Hartes, während sie weiter nach unten fiel und vor Benommenheit kurzzeitig die Orientierung verlor.

Ein heißer Schmerz breitete sich unterhalb ihres Nackens aus, der sich wie Hunderte Messerstiche anfühlte und wanderte rasch ihre gesamte Wirbelsäule hinab.
Was sie jedoch am meisten beunruhigte, war der ziehende, fast schon stechende Schmerz in ihrem Unterleib.
„Catherine!“ Henrys Brüllen drang aus einen dichten Nebel aus Schmerz zu ihr durch. „Steht nicht rum und glotzt! Holt Nostradamus, sofort!“

Dann lichtete sich der Nebel ganz plötzlich wieder und wich einer Dunkelheit, die sich wie Balsam in ihrem Bewusstsein ausbreitete und den Schmerz ausblendete.
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