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What we're fighting for

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Catherine de' Medici Diane de Poitiers King Henry II of France Mary Stewart Nostradamus Sebastian "Bash" de Poitiers
02.12.2017
29.11.2020
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27.05.2018 2.038
 
Am nächsten Morgen erwachte Catherine alleine in Henrys Bett. Die ausgekühlten Laken auf seiner Seite verrieten ihr, dass er bereits seit einiger Zeit auf den Beinen sein musste. Die Königin Frankreichs gähnte herzhaft und streckte sich, um den Schlaf und die Müdigkeit aus ihren Knochen zu vertreiben.

„Guten Morgen, Euer Hoheit. Ich hoffe, Ihr habt gut geschlafen.“ Die Worte ihrer Lady ließen Catherine erschrocken in die Höhe fahren. Verärgert über Henrys Kontrollzwang und die bloße Anwesenheit der jungen Frau, richtete sie sich auf und warf Emilia tödlich anmutende Blicke zu, unter denen die Jüngere deutlich sichtbar zusammen zuckte.
Schnell erhob sich das Mädchen von seiner sitzenden Position und strich verlegen seine Röcke zurecht, bevor es nach Catherines Morgenrock griff und diesen seiner Herrin mit einem versöhnlichen Lächeln anbot.
„Euer Gemahl hat nebenan ein Frühstück für Euch richten lassen. Wollt ihr gleich frühstücken, oder Euch zuerst ankleiden?“

Mit vor Ärger leicht zusammen gekniffenen Augen sah Catherine zwischen ihrer Lady und dem ihr dargebotenen Morgenrock hin und her. Dann stürmte sie wütend an Emilia vorbei und ignorierte deren irritierten Blick, der durchaus auch eine Spur von Angst enthielt. Jegliche Form von Müdigkeit war verflogen, während sie aufgebracht im Nebenraum ihre Kleider inspizierte, die auf Henrys Geheiß hin hierher gebracht worden waren. Das leichte Schwindelgefühl ignorierte sie dabei genauso geflissentlich, wie die vertraute Übelkeit, die langsam in ihr aufstieg.

Catherine riss ein elegantes, dunkelgraues Kleid aus Samt mit einem tiefen, aufwendig bestickten Dekolleté heraus und warf es ihrer erschrockenen Lady zu.
Sie würde Henry ganz sicher nicht auch noch über Ihre Essensgewohnheiten bestimmen lassen!
„Ich werde mit meinen Kindern frühstücken. Lass unser Frühstück im Speisesaal richten und schicke nach den Kleinen. Danach kannst du mir beim Ankleiden helfen“, informierte sie Emilia resolut, die es nicht wagte, ihrer Herrin in dieser Sache zu widersprechen, sondern lediglich ergeben nickte.

„Selbstverständlich, Euer Majestät.“
Emilia plazierte das von Catherine ausgewählte Kleid vorsichtig auf einem der Sessel und eilte in den angrenzenden Raum, um das restliche Personal über die Befehle ihrer Königin in Kenntnis zu setzen. Als ihre Lady zu ihr zurück kehrte, hatte Catherine gerade eine frische Phiole mit Nostradamus Mixtur gegen ihre Morgenübelkeit geöffnet und an ihre Lippen geführt.
„OH MEIN GOTT!“, schrie Emilia verängstigt, während sie auf ihre Königin mit vor Schreck geweiteten Augen zugestürmt kam. Auf ihrem Gesicht spielten sich all die Horrorszenarien ab, die Henry ihr angedroht hatte, sollte seiner Frau in ihrer Obhut zu Schaden kommen.
„Um Himmels Willen, Kind. Es ist nur eine Arznei“, schnaubte Catherine entnervt und leerte das Fläschchen in einem Zug. „Gegen die Übelkeit.“

Die pure Erleichterung, die sich daraufhin über die Züge ihrer unerfahrenen Lady legte, löste beinahe so etwas wie Mitgefühl bei Catherine aus. Das arme Ding hasste ihre Rolle als persönliche Aufpasserin genauso sehr, wie sie es tat.
„Verzeiht mir, Mylady. Ich...“, das Mädchen brach unsicher und auf der Suche nach geeigneten Worten ab, woraufhin Catherine auf sie zu trat und ihr die Hand auf den zitternden Arm legte.

„Schon gut Kind. Ich weiß, dass die Situation auch für dich nicht einfach ist. Keine Sorge. Ich gedenke nicht, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Diese Freude gönne ich meinen Feinden nicht. Und jetzt hilf mir mit dem Kleid und meinem Haar.“

Als Catherine ein wenig später zurück in Henrys Schlafgemach trat, war seine private Dienerschaft noch damit beschäftigt, den Raum in Ordnung zu bringen und bemerkte ihr Erscheinen nicht einmal.
Der oberste Kammerdiener strich mit gewichtiger Miene das frisch bezogene Bett zurecht, während zwei der Zofen mit zusammengesteckten Köpfen auf dem Boden kauerten und aufgeregt miteinander flüsterten.
„Ihr Schnatterliesen sollt nicht miteinander tuscheln, sondern arbeiten!“, kritisierte sie der ältere Mann scharf, woraufhin sie erschrocken auseinander fuhren.
„Verzeiht. Es ist nur... seht selbst“, stammelte eines der Mädchen und Catherine reckte ihren Hals um zu erkennen, was genau sie meinte.

„Was habt ihr da?“, verlangte sie zu wissen und durchquerte den Raum. Die Mägde knicksten mit gesenkten Köpfen und Frederik, Henrys langjähriger Kammerdiener verbeugte sich respektvoll vor der Gemahlin seines Herren.
„Nichts, was für die Augen einer Königin, einer schwangeren noch dazu, angemessen wäre, Euer Majestät“, beteuerte Frederik und erst jetzt erkannte Catherine, dass das kleinere der Mädchen Henrys Nachttopf in den Händen hielt. Als der Kammerdiener ihren Blick bemerkte, wies er die junge Frau mit einer Geste auf, den Inhalt, der sie alle so in Aufregung versetzt hatte, zu entsorgen.

Resolut trat Catherine vor und und hielt die Magd mit einem einzigen, strengen Blick davon ab, den Raum zu verlassen.
„Das würde ich gerne selbst entscheiden, Frederik. Also, was hast du da?“
Das Mädchen hob schüchtern den Nachttopf in die Höhe und die drei Diener hielten simultan den Atem an, während die Königin Frankreichs auf den Inhalt des Topfes starrte und anschließend scharf die Luft einzog.

„Das ist euch heute zum ersten Mal aufgefallen?“, wollte sie mit Strenge in ihrer Stimme wissen, woraufhin die Mädchen unsicher zuerst einander, dann den alten Frederik ansahen.
„Ich warte!“, knurrte Catherine ungeduldig, woraufhin die Größere nervös vortrat.
„Es ist das erste Mal, dass es derart dunkel ist, Euer Majestät.“
„Also war es davor schon nicht normal?“, bohrte Catherine nach, woraufhin das Mädchen eingeschüchtert nickte.
„Nein, es war schon etwas länger dunkler als gewöhnlich.“
„Und dennoch haltet ihr es nicht für nötig, mich oder den König darüber zu informieren, dass sein Urin blutig ist?“, schrie Catherine außer sich Wut und bemühte sich redlich, die aufkeimende Sorge zu verdrängen.

Frederik, der inzwischen vorgetreten war, legte der Magd seine Hand auf die Schulter und ergriff das Wort.
„Seine Majestät selbst hat uns verboten, über den Inhalt seines Nachttopfes auch nur ein Wort zu verlieren.“ Am ängstlichen Blick der jungen Zofen erkannte sie, auf welche Art ihr Gemahl seine Drohung ausgestoßen haben musste. Sie nickte grimmig nach dieser Offenbarung. Ein solches Verhalten sah Henry ähnlich und erklärte seine Probleme beim Wasserlassen in der Nacht zuvor.
„Bring den Topf zu Nostradamus“, befahl sie nach kurzer Überlegung, woraufhin nicht nur die Mädchen, sondern auch der alte Kammerdiener erleichtert nickten.

Wenig später eilte die Königin Frankreichs mit wehenden Röcken die langen Flure des Schlosses entlang. Die beiden Schatten, die jedem ihrer Schritte folgten, ignorierte sie.
Ihre Kinder erwarteten sie bereits und führten sie aufgeregt zu der reichlich gedeckten Tafel. Doch der Anblick der Köstlichkeiten löste dieses Mal lediglich ein flaues Gefühl in ihrer Magengegend aus, was verriet, dass Nostradamus Heiltrank noch nicht seine volle Wirkung entfaltet hatte. Also begnügte sich Catherine vorerst mit einem Kräutertee und der Rolle der  Zuhörerin.

Es dauerte nicht lange, bis ihre Gedanken zu Henry und seinem Gesundheitszustand abdrifteten. Schmerzen beim Wasserlassen, blutiger Urin, gesteigerte Gereiztheit und wenn sie sich nicht irrte, plagten ihren Gemahl überdurchschnittlich starke Kopfschmerzen.
Der Hurenbock hatte sich doch hoffentlich nicht mit der Syphilis angesteckt?
Dieser Gedanke löste einen eiskalten Schauer aus, der langsam den Rücken der Königin hinunter lief. Unwillkürlich strich sie mit ihrer Hand über ihren Bauch und schickte ein stummes Stoßgebet gen Himmel in dem sie darum flehte, von dem Ergebnis der Verfehlungen Ihres Gatten verschont geblieben zu sein. Eine solche Erkrankung wäre sowohl das Todesurteil für ihr ungeborenes Baby und würde einen Skandal sondergleichen auslösen.

Oder deuteten seine Symptome auf eine Vergiftung hin? Auch dieser Verdacht lag auf der Hand. Warum hatte sie es nicht schon viel früher daran gedacht?
Doch um welches Gift könnte es sich handeln und wie um Gotteswillen kam er damit in Berührung? Die Mühe sich zu fragen, wer für diesen Giftanschlag verantwortlich sein könnte, machte sie sich zu diesem Zeitpunkt nicht. Die Liste derer mit feindseliger Gesinnung der Krone gegenüber war lang.

Dass er es über die Nahrung aufnahm, schloss sie aus. Seine Vorkoster waren beinahe genauso gründlich und erfahren wie die ihren. Dennoch würde sie Mathilde damit beauftragen, von nun an auch Henrys Speisen und Getränke einer eingehenden Prüfung zu unterziehen.

„Maman, du siehst ja gar nicht hin!“, Klein Henris empörter Aufruf riss Catherine aus ihren Überlegungen. Sie warf ihrem jüngsten Sohn ein entschuldigendes Lächeln zu und vergrub ihre Sorge um die Gesundheit des Vaters ihrer Kinder im hintersten Winkel ihres Bewusstseins.
„Verzeih mir, mein Schatz“, ermutigte sie den blonden Jungen, der nun seine Gabel hob und damit imaginäre Feinde abzuwehren begann.
„Das machst du großartig, aber dein Besteck ist weder ein Schwert, noch ein Spielzeug. Also iss jetzt bitte vernünftig“, tadelte sie ihren Sohn milde, der auf sehr vertraute Weise seine Augen verdrehte, dann aber schmollend seine Gabel sinken ließ.

„Ah, wie ich sehe hat sich meine Familie zum gemeinsamen Frühstück versammelt!“
Henrys tiefer Bariton ließ sowohl seine Frau, als auch seine anwesenden Kinder aufblicken. Anders als die Begrüßung ihrer Mutter fiel seine wesentlich kühler und von Argwohn geprägt aus. Doch entweder hatte Henry keinen Blick für die Abwehrhaltung seiner Kinder, oder er ignorierte ihr Unbehagen schlicht und ergreifend, denn er umrundete die Tafel mit der größten Selbstgefälligkeit und bezog direkt hinter Catherines Stuhl Stellung.
„Guten Morgen Henry“, sie rang sich zugunsten ihre Kinder ein Lächeln ab.  

„Du hast ja noch gar nichts gegessen, Catherine.“ In seinen Worten schwang klar und deutlich ein Tadel mit, während sich seine Hände auf ihre Schultern legten.
„Morgenübelkeit. Henry, ich...“ Bevor sie ihren Satz beenden konnte, ergriff Henry abermals das Wort.
„Wofür unterhalten wir denn eigentlich diesen Quacksalber?! Wachen! Schickt nach Nostradamus. Meiner Frau geht es nicht gut!“, donnerte er, worauf Catherine genervt seine Hände wegstieß und sich erhob.
„Stopp!“ Dieses eine Worte ließ die Wachen, die im Begriff waren, fortzueilen innehalten. „Ich habe bereits etwas genommen. Es dauert lediglich einen Moment, bis es wirkt.“
„Oh, okay“, gab Henry sich geschlagen und strich in einer überraschend zärtlichen Geste über ihre Wange. „Vielleicht möchtest du mit einem Stück geröstetes Brot beginnen, Liebes?“

Seine übertriebene Fürsorge und die Verwendung von Kosenamen waren noch immer so ungewohnt, dass ihr keine schlagfertige Erwiderung einfiel. Also nickte Catherine ergeben und ließ sich wieder auf ihrem Stuhl nieder. Henry würde sowieso nicht eher Ruhe geben, bis sie zumindest eine Kleinigkeit gegessen hatte. Er machte sich bereits daran, einen Teller für sie zu füllen. Dabei sah er zu seinen Kinder auf und zwinkerte ihnen verschwörerisch zu.
„Es ist wichtig, dass eure Mutter genug isst. Schließlich isst sie nun für Zwei.“

Seine Ermahnung veranlasste Charles, seine bereits zur Hälfte gegessene und heiß geliebte Erdbeerpastete in die Höhe zu halten.
„Möchtest du oder das Baby meine Pastete aufessen?“, bot er seiner Mutter  großzügig an und auch Margot hielt ihr einen Löffel ihres Frühstückbreis entgegen.
„Danke, meine Lieblinge. Mir reicht etwas Brot und Salzgebäck.“

Den weiteren Verlauf des Tischgespräches bestritten ihre Kinder, was Catherine mehr als recht war. So blieb es ihr erspart, eine krampfhafte Unterhaltung mit ihrem Gatten zu führen. Denn das einzige Thema, zu dem sie Redebedarf hatte, war nicht für Kinderohren bestimmt.

Zu ihrer Überraschung zeigte sich Henry aufmerksam und neugierig den Erzählungen seiner Kinder gegenüber und an ihren kleinen, strahlenden Gesichtern erkannte sie, dass er im Begriff war, ihre unschuldigen Herzen im Sturm zu erobern. Sie konnte nur hoffen, dass er sie nicht ebenso schnell wieder brach, indem er zu alten Gewohnheiten zurück ging und sie wieder mit Missachtung strafte, sobald er in ihnen nicht länger ein Mittel zum Zweck sah.

Gerade als Charles eine wilde Geschichte über Drachen und Trolle zum Besten gab, ertönte lauter Tumult von Draußen. Catherine machte Anstalten sich zu erheben, um die Störenfrieden zur Rede zu stellen, doch Henry signalisierte ihr, sitzen zu bleiben.
„Ich kümmere mich darum. Merk dir, wo du stehengeblieben bist, Sohn.“
Ihr Mann tätschelte Charlie unbeholfen den Kopf und verließ mit grimmig entschlossener Miene den Raum.

Catherine beeilte sich ihre Kleinen abzulenken, indem sie sie nach ihren für heute anstehenden Lektionen befragte. Doch zu ihrem Unmut nahm die Lautstärke des Geschreies auf der anderen Seite der Tür derart zu, dass sie ihren Kindern befahl sitzen und bleiben, während sie sie sich erhob, um selbst nach dem Rechten zu sehen.

„Ich glaube, du hast vergessen, mit wem du sprichst! ICH BIN DEIN KÖNIG!“ Henrys Gebrüll hallte in den hohen Decken wider, als Catherine die Tür aufstieß.
„Das ist mir egal! Selbst wenn du der heilige Vater persönlich wärst, würde ich nicht zulassen, dass du meine Mutter hinrichten lässt!“
„Dem Himmel sei Dank, Francis!“, schrie Catherine auf und eilte freudestrahlend ihrem Erstgeborenen entgegen. Ungeachtet des Temperamentsausbruchs der beiden Männer riss sie den jungen Mann überschwänglich in ihre Arme.
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