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What we're fighting for

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Catherine de' Medici Diane de Poitiers King Henry II of France Mary Stewart Nostradamus Sebastian "Bash" de Poitiers
02.12.2017
29.11.2020
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27.03.2018 1.525
 
Glücklich wie schon lange nicht mehr kehrte Catherine de Medici am frühen Abend in die Gemächer ihres Gatten zurück. Nicht einmal die zwei grimmigen Mienen ihrer persönlichen Wachgarde konnten ihre Stimmung dämpfen.
Schon lange hatte sie sich nicht mehr so gut gefühlt, denn sie hatte den Rest des Tages mit ihren Kindern verbracht. Sie hatte die Kleinen zu ihren Lektionen begleitet, anschließend einen ausgedehnten Spaziergang zum See mit ihnen unternommen, wo sie mit Margot auf einer Bank sitzend einen Blumenkranz geflochten hatten, während die Buben ausgelassen und fröhlich um sie herum getobt hatten. Oh, wie sehr hatte sie ihre kleinen Rabauken vermisst! Bei diesem Gedanken wanderte ihre Hand ganz unwillkürlich zu ihrem Bauch. Dorthin, wo ein weiteres Kind in ihr heranwuchs.

Die Sonne, die frische Luft und der endlos blaue Himmel über ihnen hatte ihr das Gefühl gegeben, endlich wieder frei atmen zu können.
Noch dazu hatte ihr die normalerweise allgegenwärtige Übelkeit eine Verschnaufpause gewährt, sodass sie sich voll und Ganz auf ihre Kinder hatte konzentrieren können. Sie hatte sich sogar an dem üppig aufgetischten Abendessen gütig getan und zu ihrer eigenen Verwunderung hatte sie das Essen auch tatsächlich bei sich behalten können.

Was ihr jedoch Kopfzerbrechen bereitete war die Information, die eine ihrer Schmetterlinge ihr kurz vor dem Abendessen überbracht hatte. Allem Anschein nach hatte Sebastian Henry am frühen Nachmittag gebeten, seine Legitimierung nicht weiter zu verfolgen, da er weder Mary heiraten würde, noch die Absicht hatte, Henrys Nachfolge auf dem Thron anzutreten. Wie nicht anders zu erwarten hatte ihr Gemahl alles andere als verständnisvoll auf diesen Sinneswandel reagiert. Nachdem sein Zornausbruch verraucht war, hatten Vater und Sohn Diane im Verlies aufgesucht.

Der Gedanke, dass dieses gottlose Weib vielleicht erneut eine Saat des Misstrauens zwischen Henry und ihr gestreut hatte während sie selbst unwissend und in aller Seelenruhe mit ihren Kindern gespielt hatte, löste ein mulmiges Gefühl in ihrer Magengrube aus.

Nein, sie würde niemals den Fehler machen, Henrys Mätresse zu unterschätzen. Oder die Tatsache, dass ihr Gemahl trotz unzähliger Versuche ihre Ehe in der Vergangenheit zu kitten, stets zu Diane zurück gekehrt war. Ein Umstand, der sie zuerst bitter, und mit der Zeit gleichgültig ihm gegenüber gestimmt hatte, zumindest nach Außen hin.
Catherine hatte sich schon vor Jahren damit abgefunden, dass es in ihrer Ehe drei Personen gab. Eine dieser Personen hasste sie voller Inbrunst, die andere...
Nun, mit Henry verband sie eine komplizierte Beziehung, die sowohl ihre Momente voller Hass, als auch voller Lust hatte. Doch am meisten irritierten sie die zur Weil aufkeimenden Gefühle von Zärtlichkeit, ja, vielleicht sogar von Liebe. Plötzliche Anwandlungen, die genauso schnell wieder erloschen, wie sie aufkeimten, zumindest von seiner Seite aus.

Seufzend ließ sich die Königin Frankreichs auf einen der ausladenden Sessel in Henrys Gemächern fallen. Wie lange würde er an seinen albernen Bedingungen festhalten? Wahrscheinlich nur so lange, bis er sich langweilen würde. Bis sie ihn wieder langweilte. Oder bis er realisierte, dass die Anwesenheit seiner Ehefrau in seinen Gemächern nicht förderlich für potentielle Eroberungen von jungen Betthäschen war. Und sie war sich sicher, dass ihn eher früher als später wieder der Hafer stechen würde. Denn Henry war alles andere als ein enthaltsamer Mann.

„Eure Hoheit, geht es Euch gut?“, Lady Emilia, die sich bisher vornehmlich im Hintergrund gehalten hatte, sah besorgt zu ihrer Herrin herüber. Doch Catherine winkte lediglich genervt ab. Henry hatte dem armen Ding eine solche Angst eingejagt, dass sie sich bei jedem Seufzen, jedem Räuspern oder sogar dann, wenn Catherine bei ihrem Spaziergang ihr Tempo verlangsamt hatte, voller Sorge nach ihrem Wohlergehen erkundigte.
Und obwohl ihr erster Impuls eine herrische Zurechtweisung war, zähmte sie ihr aufbrausendes Temperament und deutete auf die Stickerei, die auf Emilias Schoß ruhte.
„Alles in bester Ordnung. Mach weiter mit deiner Arbeit, Kind“, forderte sie die Jüngere sanft aber bestimmt auf. Emilia nickte zögerlich, sah aber noch einen Moment abwägend zwischen ihrer Arbeit und ihrer Königin hin und her und widmete sich dann wieder ihrer Stickerei, als sie Catherines hartem und abweisendem Blick nicht mehr länger stand halten konnte.

Henry wählte genau diesen Moment, um zurück zu seinen Gemächern und seiner Frau zu kehren. Sie war sich augenblicklich  seines prüfenden Blickes bewusst, der heiß und bohrend auf ihr ruhte. Mit einer einzigen Handbewegung entließ er Emilia, woraufhin Catherine genervt ihre Lippen zusammen presste, laut und anklagend seufzte um dann demonstrativ das Buch sinken zu lassen, das sie gerade erst zur Hand genommen hatte.

„Was?“, fauchte sie ungehalten.
„Catherine, augenscheinlich geht es dir besser, du siehst schon nicht mehr so schlecht aus wie heute Morgen noch.“ Seine Worte quittierte sie mit einem theatralischen Augenrollen.
„Niemand versteht sich mehr auf fragwürdige Komplimente, als du, Gemahl.“ Doch anstatt sich zu schämen kam er auf sie zu geschlendert, beugte sich zu ihr hinab um eine lose Haarsträhne einzufangen und damit zu spielen.

„Ist es das, was du dir von mir wünschst, Weib? Mehr Komplimente? Nun, wie wäre es damit: Würde ich nicht wissen, wo du dich den ganzen Nachmittag über aufgehalten hast, mit wem du gesprochen hast – und ja, ich weiß auch, dass Charlotte dich auf den neuesten Stand der Dinge gebracht hat – würde ich annehmen, dass Sebastians Verzicht auf eine Legitimierung und Ehe mit Mary dein Werk ist.“
„Du hast eine sehr merkwürdige Art, Frauen Komplimente zu machen“, schoss Catherine zurück, nicht im mindesten überrascht, dass er sie für fähig hielt, ihre Intrigen selbst aus einer überwachten Gefangenschaft heraus zu spinnen.
„Oh sei unbesorgt, ich beherrsche alle gängigen Plattitüden, die gewöhnliche Frauen zu Wachs in meinen Händen machen. Aber die Frau, die ich geehelicht und zu meiner Königin ernannt habe, ist ein völlig anderes Kaliber.“

Zu Catherines Überraschung legte sich Henrys Hand plötzlich auf ihren Bauch.
„Und wie geht es meinem kleinen Prinzen?“, wechselte er abrupt das Thema. Irritiert von seinem Verhalten konnte seine Frau im ersten Moment nichts anderes tun als fassungslos auf seine Hand zu starren, die ihren Unterleib durch den dicken Stoff ihres Kleides hinweg streichelte.
„Was macht dich so sicher, dass es ein Prinz und keine Prinzessin wird?“, fragte sie skeptisch und schob verärgert seine Hand fort, die sie mehr ablenkte, als sie es sich eingestehen wollte.
„Du, oder vielmehr dein Verhalten.“

Als Henry keine Anstalten machte sich weiter zu erklären, erhob sie sich und ging zum Fenster hinüber. Nach einem Moment, in dem sie ihm demonstrativ den Rücken kehrte und stumm auf die Gärten unter ihnen sah, warf sie Henry über ihre Schulter einen auffordernden Blick zu.
„Was bitte soll das schon wieder heißen?“
Henry, der ihren Blick wohl als Aufforderung interpretierte, kam langsam in ihre Richtung geschlendert. Schnell wandte sie wieder ihren Blick ab und starrte erneut aus dem Fenster.

„Es soll heißen, dass man aufgrund deiner Launen auf das Geschlecht des Babys schließen kann. Bei den Jungen warst du launischer und wesentlich empfindsamer. Bei den Mädchen hingegen euphorisch und noch dazu hast zu bei ihnen sehr viel schneller zugelegt, als bei den Buben.“ Bei dieser Behauptung schnappte sie empört nach Luft. Doch als sie sich wütend zu ihrem Mann umdrehen wollte, legten sich seine Hände um ihre Mitte und hielten sie so in seinen Armen gefangen. „Und soweit ich mich erinnere, bliebst du bei den Mädchen von  Übelkeit verschont.“ Sie spürte seinen heißen Atem in ihrem Nacken und erschauderte unwillkürlich.
„Nicht bei den Zwillingen“, sagte sie leise um seine Theorie zu widerlegen.
„Meinetwegen, dann Übelkeit bei Jungen und Zwillingen.“ Abermals wanderte eine seiner Hände tiefer und liebkoste ihren Bauch. „Es wird ein Junge! Ich spüre es einfach“, beschloss er selbstgefällig.

„Henry, du bist nicht gerade bekannt für deine Feinfühligkeit.“ Resolut schlug Catherine seine Arme ein weiteres Mal fort und machte sich von ihrem Mann los. Sie musste Distanz zwischen sie beide bringen. Denn seine Beobachtungsgabe schockierte sie. Sie war sich nie bewusst gewesen, dass Henry sie so genau während ihrer vorangegangenen Schwangerschaften studiert hatte. Denn obwohl er sich nach jeder Verlautbarung zumindest nach außen hin gefreut hatte, war Henry mit Fortschreiten ihrer Schwangerschaften immer mehr auf Distanz gegangen. Zwar hatte er sich in diesen Zeit zusammen gerissen und seiner schwangeren Frau seine Liebschaften nicht wie sonst schamlos unter die Nase gerieben, sie eines weiteren Blickes gewürdigt hatte er sie außer bei Francis und Elisabeths Schwangerschaft jedoch auch nicht. Aber zu diesem Zeitpunkt hatten sie die Talsohle ihrer Ehe auch noch nicht erreicht.

„Mich wundert, dass du dich überhaupt an irgendwelche Details meiner Schwangerschaften erinnern kannst.“
„Nur weil ich mich dir gegenüber distanziert verhalten habe, heißt das nicht, dass du mir gleichgültig gewesen bist, Caterina. Ich habe dich immer geliebt, auch wenn ich es nicht gezeigt und manchmal auch verdrängt habe.“
„Belügst du gerade mich, oder dich selbst, Henry?“
„Ganz im Gegenteil. Ich habe endlich angefangen, dir und vor allem mir gegenüber ehrlich zu sein.“ Die Vehemenz seiner Worte überraschte Catherine, sodass sie sich wider zu ihrem Gatten umdrehte.
„Zwischen Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit gibt es einen himmelschreienden Unterschied. Ich bin nicht mehr das dumme und naive Mädchen, das auf deine süßen, aber bedeutungslosen Worte hereinfällt. Zeig mir ernsthafte Bemühungen, dann werde ich vielleicht über deine Worte nachdenken. Wenn du mich jetzt bitte entschuldigen würdest, Gemahl.“ Mit diesen Worten griff sie nach ihrem Buch und zog sich damit in die Sitznische zurück.
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