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What we're fighting for

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Catherine de' Medici Diane de Poitiers King Henry II of France Mary Stewart Nostradamus Sebastian "Bash" de Poitiers
02.12.2017
29.11.2020
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14.02.2018 2.820
 
Glücklicherweise lagen seine Gemächer nicht allzu weit von denen seiner Frau entfernt. Denn müsste Henry Catherine noch viel länger tragen, lief er Gefahr, sie fallen zu lassen, da sein Weib sich nach Leibeskräften wehrte und unablässig mit ihren kleinen Fäusten gegen seinen Rücken trommelte und ihn wüst in einem Gemisch aus Französisch und Italienisch beschimpfte. Woher sie diese Energie nach ihrem vorangegangenen Martyrium nahm, war ihm ein Rätsel.
Als er um die letzte Ecke bog, herrschte er seine Wachen an, ihnen die Tür zu öffnen. Mit weit ausholenden Schritten eilte Henry in sein Schlafgemach und ließ seine zappelnde Last unzeremoniell auf sein Bett fallen.

„Hast du den Verstand verloren?“, schrie seine Frau ihn daraufhin an. Ihr Haar, das am Vortag noch kunstvoll frisiert gewesen war, hatte sich zwischenzeitlich fast gänzlich gelöst und rahmte ihr vor Aufregung gerötetes Gesicht ein. Er liebte ihr Haar. Honigblond mit einem Hauch von Rot, was wunderbar zu ihrem manchmal recht unbeherrschten Temperament und den zahlreichen Sommersprossen passte, die sie unnötigerweise unter Make-up versteckte. Und es duftete stets nach Lavendel, selbst jetzt noch konnte er einen flüchtigen Hauch davon wahrnehmen. Unweigerlich ergriff er eine Locke ihres Haares und zwirbelte die Strähne um seinen Finger.

„Im Gegenteil, ich kann endlich wieder klare Gedanken fassen.“ Mit Daumen und Zeigefinger hob er ihr Kinn an und zwang sie, ihn anzusehen. „Ob es dir nun passt oder nicht – du wohnst ab sofort in meinen Gemächern und  dieses Arrangement steht auch nicht weiter zur Diskussion.“ In einer etwas versöhnlicheren Geste strich er mit einem Finger über ihren Mundwinkel. „Das geschieht zu deinem eigenen Besten.“
Henry wusste, dass Catherine ohne Unterlass mit ihm so lange weiterdiskutieren würde, bis sie ihren Willen bekam, wenn er der Sache jetzt keinen Riegel vorschob. Seine Frau mochte vielleicht die mächtigste Frau Frankreichs sein, die gefürchtet für ihre Temperamentsausbrüche war, doch es gab eine Autorität, der auch Catherine de' Medici sich beugen musste. Der ihres Mannes, ihre Königs.

Sie schob seine Hand fort und Henry gab sie wieder frei und erhob sich. Die trotzige Art, mit der sie zu ihm aufblickte und ihr Kinn vor schob verriet, dass sie zwar für den Augenblick nachgeben würde, das letzte Wort in dieser Sache jedoch noch lange nicht gesprochen war.
„Ich würde dann jetzt gerne mein Bad nehmen. Selbstverständlich nur, wenn mein Gemahl und Gebieter es erlaubt.“ Der sarkastische Ton ihrer Stimme und ihr provozierender Blick reizten ihn, doch Henry beschwor sich, ruhig zu bleiben.
„Mache das – und Catherine: Übertreibe es nicht. Ich verfüge nur über ein begrenztes Kontingent an Geduld und du hast es in letzter Zeit über die Maße in Anspruch genommen.“
„In diesem Raum gibt es nur eine Person, die überreagiert, und die bin ganz sicher nicht ich.“ Selbst in ihrer Niederlage verweigerte sein Medici-Weib ihm noch eine bedingungslose Kapitulation.

Der König rief nach seinen Dienern sowie nach der jungen Lady, die seiner Frau während ihres Bades Gesellschaft leisten sollte. Bevor er sein Weib jedoch in die Obhut der anderen Frau übergab, bandagierte er Catherines Handgelenk. Die Blutung hatte zwar glücklicherweise aufgehört, aber er wollte dennoch auf Nummer sicher gehen.
Als die beiden Frauen kurz darauf im angrenzenden Zimmer verschwunden waren, stieß er einen lauten Seufzer aus und ließ sich auf einen der Sessel fallen. Hatte es jemals auf Erden ein komplizierteres Wesen gegeben, als das unbeugsame und sture Weibsbild, das er geehelicht hatte?

Er konnte sich jedenfalls nicht daran erinnern, jemals einer anderen Frau begegnet zu sein, die ihn mit ihren kalkulierenden Worten, ihrem unbeugsamen Willen und ihrer Sturheit derart in Rage versetzen konnte. Ein einziger aufmüpfiger Blick genügte schon, um sein Blut zum Kochen zu bringen.
Aber seine Catherine ließ sich nicht von schroffen Worten beeindrucken, die er ihr nicht selten in seiner Hilflosigkeit entgegenschleuderte und die dafür bestimmt waren, seine Frau zu verletzen. Auch nicht von grober Körperlichkeit, zu der er sich ihr gegenüber verleiten ließ wenn der Wunsch sie zu dominieren übermächtig wurde und für die er sich später in Grund und Boden schämte.
In Anbetracht ihrer veränderten Lebenssituation und ihres delikaten Zustandes  würde er sehr schnell lernen müssen, diese unbeherrschte Seite besser zu kontrollieren, um das Wohl seines Kindes nicht unbedacht zu gefährden.

Henry starrte auf seinen besudelten Ärmel und betrachtete dann den Fleck von Erbrochenen auf seiner Hose. Als er den Rest seiner Kleidung inspizierte, entdeckte er auf seinem Hemd auch noch mehrere Tropfen ihres Blutes. Catherine hatte ganze Arbeit geleistet.
Er nutzte ihre momentane Abwesenheit und kleidete sich neu an, bevor er nach seiner Korrespondenz schickte. Ob er diese in seinem Arbeitszimmer oder hier erledigte, während seine Frau sich ausruhte, war im Grunde völlig egal. So würde er sich wenigstens nicht langweilen, solange er über ihren Schlaf wachte.

Der König Frankreichs war in eines der Dokumente vertieft, als sich die Tür zum Nebenraum öffnete und ein Schwall heißer Luft herein strömte, die blumig süß und nach Mandeln duftete. Henry senkte seine Feder und beobachtete seine Frau, die in ihren Morgenrock gekleidet zu einem der bequemen Polsterstühle ging und sich hineinfallen ließ. Die Anwesenheit ihres Gemahls ignorierte sie geflissentlich.
Ihre Wangen glänzten rosig von der Hitze des Bades und zu Henrys heimlicher Freude fiel ihr langes, noch feuchtes Haar Catherines schmale Schultern hinab. Ihre Lady positionierte sich hinter ihrer Herrin und machte sich daran, ihr zuerst vorsichtig das Haar zu kämmen um es dann zu einem dicken Zopf zu flechten.

„In Ordnung, du kannst nun gehen“, sagte Henry, nachdem seine Frau ihrer Lady zugenickt hatte, woraufhin diese hastig knickste und das königliche Gemach verließ.
„Henry! Ich bin noch nicht fertig, sie muss mir noch beim Ankleiden behilflich sein.“
„Im Bett brauchst du kein Kleid“, konterte er und und erhob sich von seinem Stuhl.
„Ich werde jetzt ganz gewiss nicht schlafen. Es ist nicht einmal Mittag!“ Ihre Empörung war Catherine ganz klar ins Gesicht geschrieben und Henry seufzte gequält auf. Er war selbst schuld. Warum auch hatte er annehmen müssen, dass sie dieses eine Mal ohne Widerworte seiner Anweisung Folge leisten würde?
„Du hast einige emotional und körperlich sehr anspruchsvolle Tage hinter dir und ich  möchte, dass du dich jetzt ungeachtet der Tageszeit für einige Stunden zur Ruhe legst“, sagte er um einen milden Tonfall bemüht.
„Du kannst niemanden zwingen zu schlafen, wenn er nicht müde ist“, erwiderte sie trotzig und erhob sich ebenfalls. Bevor sie ihm jedoch ausweichen konnte, ergriff Henry sanft ihren rechten Oberarm.
„Ob müde oder nicht. Du bist vollkommen erschöpft und wirst dich jetzt für mindestens drei Stunden hinlegen. Du hast Nostradamus und den Arzt gehört. Du benötigst Bettruhe. Und entweder gehst du  alleine rüber zu meinem Bett oder ich trage dich. Das steht dir frei.“

Catherine stieß einen verächtlichen Laut aus und starrte ihn böse an.
„Ich selbst kann sehr gut einschätzen, wann mein Körper Schlaf braucht, und wann nicht. Mein Bad war sehr entspannend und gegenwärtig geht es mir sehr gut. Danke der Nachfrage.“ Henry straffte bei dieser Antwort seine Schultern ,zog dann seine Frau zu sich heran und hob sie zum dritten Mal an diesem Tag in seine Arme, um sie zu seinem Bett zu tragen.
„Das ist mir völlig egal, Catherine. Du legst dich hin. Schlaf, schlaf nicht – ganz wie du willst. Aber du wirst dich jetzt ausruhen.“
Wie die Male zuvor kämpfte sie gegen seinen Griff an, doch Henry hatte genug von der Widerborstigkeit seiner Frau und warf sie aufs Bett. Mit grimmiger Miene zerrte er die Decke frei und breitete sie über Catherine aus.
„Ich werde nicht in dem Bett schlafen, in dem du mit Diane...“ Henry ließ sie nicht ausreden sondern presste sie mit seinem Körpergewicht zurück in die Kissen und kam mit seinem Gesicht so nah an ihres heran, dass er ihren Atem auf seiner Haut spüren konnte.
„Wenn du heute Nachmittag deine Kinder für eine Stunde sehen möchtest, dann machst du jetzt endlich, was ich dir sage.“

Henry wusste, dass er damit sein letztes Ass gezogen und ausgespielt hatte. Er wollte sie nicht erpressen, aber gegen ihre Dickköpfigkeit war ganz offensichtlich kein Kraut gewachsen und letztendlich heiligte in diesem Fall der Zweck alle Mittel.
„Du bist ein...“
„besorgter Ehemann und Vater. Schlaf gut, Catherine“, unterbrach er sie abermals, zog die Bettdecke ein letztes Mal über ihr zurecht und kehrte dann an seinen Schreibtisch zurück. Nachdem er wieder Platz genommen hatte, warf er einen vorsichtigen Blick in ihre Richtung.
Sie hatte sich zu einer Kugel am äußersten Rande des Bettes zusammen gerollt und die Decke so über ihrem Körper platziert, dass er ihr Gesicht nicht sehen konnte. Allem Anschein nach schmollte seine Frau. Aber solange sie dabei für einige Stunden außer Gefecht gesetzt war und ihrem Körper eine dringend benötigte Pause gönnte, konnte sie schmollen so viel sie wollte.

„Du starrst mich an“, beschwerte sie sich nach einigen Minuten, in denen seine Augen in der Tat auf ihrer stillen Gestalt geruht hatten.
„Dann mach die Augen zu“, riet er ihr und schrieb einige Worte, bevor er erneut die Feder sinken ließ und sie wieder betrachtete.
„Ich spüre dennoch deinen Blick“, durchbrach ihre Stimme abermals die Stille.
„Welchen Blick? Ich widme mich voll und ganz meiner Korrespondenz.“ Um seine Worte keiner Lüge zu strafen, zwang er sich tatsächlich dazu, weiterzuschreiben. Nach wenigen Minuten jedoch ertappte er sich selbst dabei, wie sein Augenmerk wie selbstverständlich zurück zu seinem Bett und seiner Frau wanderte. Genau in diesem Moment zog sie die Bettdecke zurück und ihre Augen bohrten sich tief in die seinen.
„Korrespondenz, ja?!“

Ohne den Blickkontakt zu unterbrechen, erhob er sich abermals und ging auf sie zu. Bevor er sein Bett erreicht hatte, unterbrach sie ihren Kontakt, indem sie ihm demonstrativ ihren Rücken zukehrte. Nichtsdestotrotz ließ er sich neben ihr auf der Bettkante nieder und betrachtete nachdenklich den Hinterkopf seiner Frau. Einem merkwürdigen Drang folgend streckte er seinen Arm aus, hielt aber in seiner Bewegung wenige Millimeter bevor er sie wirklich berühren konnte inne.
Catherine wirkte so klein und verloren in seinem riesigen Bett und das Beben, das von ihren Schultern ausging, bestürzte ihn. Was genau war es, was sie in diesem Augenblick wirklich fühlte? Es war etwas anderes als diese allgegenwärtige Wut, die sie ihm stets so ungeniert entgegenbrachte, das spürte er.

Zögerlich gab er dem Drang sie zu berühren nach und strich vorsichtig über die zarte Haut ihres Nackens, die so einladend unter ihrem Zopf hervorblitzte. Er merkte, wie Catherine sich unter seiner Berührung versteifte und fast schon hätte er seine Hand wieder fortgezogen, doch irgendetwas hielt ihn davon ab. Also strich er mit seinen Fingerspitzen sanft ihren Hals entlang und glitt dann tiefer, ihre Wirbelsäule hinab und anschließend wieder hinauf.
„Henry?“ Sie flüsterte lediglich seinen Namen. Keinen Befehl, sofort damit aufzuhören oder seine Finger von ihr zu lassen. Es klang mehr wie eine Frage und in der Tat fragte er sich selbst, was genau er da gerade tat. Aber er hörte nicht auf.

Und während seine Finger zärtlich ihren Rücken kraulten, wurden plötzlich Erinnerungen in ihm wach, die er schon vergessen geglaubt hatte. Erinnerungen an eine längst vergangene, glücklichere Zeit. Eine, in der sie freiwillig ein Gemach mit ihm geteilt hatte und empfänglich für jede seiner Berührungen gewesen war. Als sie noch jede Nacht in seinen Armen gelegen hatte und sie beide trunken vor Glück und Liebe gewesen waren. Er hatte es geliebt, sie anzufassen und selbst nachdem er völlig erschöpft vom Liebesspiel über ihr zusammengebrochen war, hatte er seine Hände nicht von ihr lassen können. Die Zeit, in der ihre Kinderlosigkeit noch nicht der Verzweiflung die Tür geöffnet hatte.

Er hatte alles über ihren Körper gewusst. Gewusst, wie er sie berühren musste, um ihr diesen wunderbaren kleiner Laut purer Ekstase zu entlocken oder wo er sie küssen musste, um dieses kehlige Stöhnen in ihr wachzurufen, das ihn selbst jedes Mal in den Wahnsinn getrieben hatte.
Damals hatte er herausgefunden, wie sehr Catherine seine sanften Liebkosungen  auch unabhängig von ihrem Liebesspiel genoss. Dass seine Finger, die sanft ihren nackten Rücken kraulten, seine Frau innerhalb von Minuten entspannen und schlaftrunken machen konnten und dass seine liebevollen Berührungen purer Balsam für das Italienische Waisenmädchen waren, das bereits in ihrer frühesten Kindheit die Hölle auf Erden erlebt hatte.

Und auch jetzt taten seine Berührungen das Nötige, um seine Frau sanft einzulullen. Ihre angespannte Haltung hatte sich bereits gelöst und sie hatte jede Form der Gegenwehr eingestellt, während seine Hände unablässig über ihren warmen Rücken strichen. Sie hinderte ihn nicht einmal daran, die Bettdecke ein wenig nach unten zu schieben um besser agieren zu können.
„Versuch ein wenig zu schlafen“ raunte er, ohne mit seinen Berührungen aufzuhören.
Ein unartikuliertes Brummen, dass mehr zustimmend als ablehnend klang, war ihre Antwort.

Wie lange war es her, dass er seiner Frau auf diese Weise nahe gewesen war? Viel zu lange, wenn er sich nicht mehr genau erinnern konnte. Ja, natürlich hatte es Nächte voller Verlangen und auch voller Zärtlichkeiten zwischen ihnen gegeben, ihre zahlreichen Kinder waren der beste Beweis, aber diese intime, liebevolle Verbindung, die sie einst miteinander geteilt hatten, war schon seit einer Ewigkeit erkaltet. Henry fragte sich warum, denn er genoss diesen Moment und wünschte sich fast, seine Hände über ihre nackte Haut wandern lassen zu können. Und plötzlich erkannte er, dass das, was einst zwischen ihnen gewesen war, noch immer existierte.

Als sein kleiner Finger ihre Seiten streiften, entwich Catherines Kehle ein wohliges Seufzen. Die Vorstellung, dass sie seine Berührungen genoss, dass seine Hände sie so weit entspannen konnten, dass sie endlich ihre Augen schließen und die so dringend benötigte Ruhe finden konnte, machte ihn glücklich.
Doch ein Gedanke, der ihm plötzlich kam, dämpfte seine Euphorie. In all den Jahren, in denen er mit anderen Frauen Verlangen und Kurzweil in seinem Bett gefunden hatte, war Catherine einsam und allein gewesen. Er hatte ihr vorhin geglaubt als sie ihm gesagt hatte, dass Richard ein einmaliger Ausrutsche gewesen war. Und auch wenn ihn der Gedanke nach wie vor erzürnte, dass die Hände seines ehemaligen Freundes berührt hatten, was ihm war, so fühle er sich plötzlich schrecklich in dem Wissen, dass niemand seine Frau in all den Jahren gestreichelt und gehalten hatte.
Und ausgerechnet er warf ihr vor, kalt und unfähig zu lieben zu sein! Wo es doch seine Aufgabe gewesen wäre, Catherine zu halten und zu lieben, ihr die emotionale Wärme zu geben, die ein Mann seiner Frau schenken sollte.
„Oh Chérie“, murmelte er verzweifelt und platzierte einen Kuss in ihrem Nacken.

„Ich habe mich die ganze Zeit über gefragt, ob du Richard je geliebt hast“, platzte plötzlich die Frage aus ihm heraus, die ihn beschäftigte, seit er die Sache mit ihrer Affäre herausgefunden hatte. Kurz fragte er, ob er zu weit gegangen war und erwägte, sich zurück zu ziehen, doch zu seiner Überraschung antwortete Catherine.
„Damals glaubte ich es.“ Ihre Stimme war so leise, dass er den Atem anhielt, um jedes ihrer Worte zu verstehen.
„Und heute?“, wollte er wissen und ließ seine Finger über ihren Nacken tanzen.
„Heute glaube ich, dass ich in die Idee verliebt war jemanden zu haben, der mich bedingungslos liebt.“ Bei dieser Offenbarung hielten seine Hände kurz in ihrer Bewegung inne, da er einen Moment brauchte, um ihre Worte sacken zu lassen.  
„Vielleicht ist es an der Zeit, die Vergangenheit hinter uns zu lassen und uns stattdessen auf die Zukunft zu konzentrieren. Ich werde  versuchen, dir von nun an ein besserer Ehemann sein.“ Und noch während er diese Worte sprach schwor er sich, ihnen auch Taten folgen zu lassen. Denn vielleicht war es jetzt wirklich an der Zeit, dieses kräftezehrende, verstörende Gegeneinander gegen ein Miteinander einzutauschen.

Denn eines hatte er in den letzten Tagen auf schmerzhafte Weise erkennen müssen. Seine Frau war ihm bei Weitem nicht so einerlei, wie er sie und sich selbst immer hatte glauben lassen. Catherine mochte mitunter anstrengend, nervtötend und nicht zu bändigen sein, dennoch waren die Gefühle, die er zu Beginn ihrer Ehe für sie entwickelt hatte, noch immer da. Versteckt und verdrängt vielleicht, doch der Anblick seines Weibes vor dem Schafott kniend oder würgend auf dem Kerkerboden hatte all diese Gefühle wieder zurück an die Oberfläche gezerrt. Die Vorstellung, dass ein anderer Mann seine Frau auf intime Weise berührt hatte, behagte ihm nach wie vor nicht, doch der Gedanke, dass Catherine für diese Verfehlung ihr Leben verlieren könnte, war unerträglich.

„Henry, spar dir den Atem. Was auch immer einmal zwischen uns gewesen sein mag – du hast es in dem Moment, in dem du mich vor dem Henker hast niederknien lassen, zerstört. Du kannst mich einkerkern, mich zwingen in deinem Gemach zu schlafen, wie man sieht kannst du mich sogar zwingen, mich hinzulegen und auszuruhen, aber erwarte nicht von mir, dass ich unsere Ehe als etwas anderes betrachte, als sie tatsächlich ist. Eine Farce.“ Catherine entzog sich seiner Berührungen, indem sie in die Mitte des Bettes und somit außerhalb seiner Reichweite floh.

Henry starrte hilflos auf die schmale Form seiner Frau. Er wusste, dass er ihre Abweisung mehr als verdient hatte, und doch schmerzte ihre Ablehnung ihn mehr, als er jemals erwartet hatte.
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