What we're fighting for

GeschichteDrama, Romanze / P16
Catherine de' Medici Diane de Poitiers King Henry II of France Mary Stewart Nostradamus Sebastian "Bash" de Poitiers
02.12.2017
13.01.2020
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Disclaimer: „Reign“ oder die darin verwendeten Personen gehören leider nicht mir. Die Verletzungen irgendwelcher Rechte sind nicht beabsichtigt.
Pairing: Catherine/Henry - Cathry
Rating: M / P16
Katergorie: Romance, Drama
Summery: Henry ist wild entschlossen, seine Frau Catherine wegen Ehebruchs hinzurichten. Ihr Schicksal scheint besiegelt zu sein, oder gibt es doch noch etwas, das sie retten könnte?
Bemerkung: In dieser Version der Geschehnisse kommt es weder zum Besuch von Mary's Mutter am Hof, noch hatte Nostradamus seine vermeintlich geänderte Vision. Francis ist noch auf Reisen und hat keine Ahnung vom bevorstehenden Tod seiner Mutter.



What we're fighting for


Kapitel 1



“Seine königliche Hoheit, Henry der Zweite von Frankreich!” Noch ehe der Hofmarschall seine Ankündigung beendet hatte, stieß Henry bereits die Türen auf und schritt durch den zum Bersten gefüllten Thronsaal. Seine Augen wanderten abwertend über die sich vor ihm verbeugenden Menschen, die sich heute in Erwartung eines blutigen Spektakels hier eingefunden hatten. Ohne seinen Schritt zu verlangsamen ging der König auf die Empore, auf der ihn bereits der Henker mit seinem Beil erwartete, vor ihm das Schafott. Er nahm auf seinem seitlich davon platziertem Thron Platz. Diane, Sebastian und Mary, die einige Meter hinter ihm ebenfalls den Saal betreten hatten, steuerten die ihnen zugewiesen Plätze an seiner Seite an. Mit einer gebieterischen Handbewegung forderte er die Anwesenden an, ebenfalls Platz zu nehmen.

„Sie können es kaum erwarten, endlich ihr Blut spritzen zu sehen“, flüsterte seine Mätresse ihm ins Ohr, während sie beide ihren Blick über die Menge gleiten ließen. Tatsächlich überraschten ihn die vielen mit Schadenfreude behafteten Mienen seiner Untertanen, darunter nicht wenige seiner Hofräte. Henry kratze sich an seinem Kinn und suchte in der Menge nach seinen Kindern, die der Enthauptung ihrer Mutter beiwohnen würden. Charles und Henry saßen eingerahmt zwischen Catherines Hofdamen und hielten sich an den Händen. Waren sie wirklich noch so jung? Wie hatte er nur vergessen können, wie klein die beiden Jungen waren? Er hätte sie mit der dreijährigen Margot bei der Kinderfrau lassen sollen. Selbst aus dieser Entfernung konnte er erkennen, wie sehr die Unterlippe seines jüngsten Sohnes zitterte und wie er sich immer wieder nach einem verstohlenen Blick zu seinem Bruder mit seinem Ärmel über die Augen wischte.

Henry rief eine seiner Wachen zu sich.
„Bring meine Söhne zurück zur Spielstube. Nimm aber einen der Seiteneingänge, sie sollen ihre Mutter nicht sehen. Das würde sie nur noch mehr aufregen. Geh“, befahl er und beobachtete, wie die beiden Jungen aus dem Saal geschleust wurden. Als er sein Augenmerk wieder wandern ließ, fing er Marys Blick auf, die ihm dankbar zunickte. Er ignorierte ihre stumme Befürwortung und signalisierte stattdessen seinem Hofmarschall fortzufahren.

„Ihre königliche Hoheit, Catherine de Medici.“ Beide Eingangstüren wurden aufgestoßen und seine Frau erschien im Türrahmen, eingerahmt von vier seiner Wachen, die mit ernsten Gesichtern den Gang entlang schritten. Catherines Erscheinen löste ein erstes Raunen im Zuschauerraum aus, doch Henry schenkte dem wachsenden Geräuschpegel keinerlei Beachtung. Er war voll und ganz auf sein Weib konzentriert, das trotz gefesselter Hände mit hocherhobenem Haupt den Gang entlang schritt, als besuche sie einen Ball. In diesem Fall wohl einen Blutball, auf dem sie zu ihrem letzten Walzer ansetzen würde.

Passenderweise hatte Catherine ein blutrotes, ausladendes Gewand gewählt, das er noch nie zuvor an ihr gesehen hatte. Die Röcke des Kleides waren weit und hatten eine Schleppe, die hinter ihr über den Boden schleifte. Ihr Korsett saß an diesem besonderen Tag ungewöhnlich eng und brachte ihre Brüste zur Geltung, die unglaublich verlockend und voller als sonst aussahen. Kunstvoll geflochtene Zöpfe zierten ihren Kopf und gaben ihrer mit Rubinen besetzten Krone Halt. Doch dieses Mal hatte sie darauf verzichtet, den Rest ihrer Locken hochzustecken.
Ihr offenes Haar weckte bittersüße Erinnerungen in ihm.

Das letzte Mal, als er sie so gesehen hatte, hatten sie die alte Leidenschaft, die trotz der Jahre noch immer tief verborgen in ihnen zu glühen schien, zu einem neuen Feuer der Lust entfacht.
Sie musste diese Frisur mit Absicht gewählt haben. Um ihn an jene Nacht zu erinnern. Und daran, dass er sie einmal geliebt hatte. Oder vielleicht interpretierte er auch zu viel in die Art, wie sie ihr Haar trug hinein und sie wollte lediglich das Bild einer wunderschönen und stolzen Königin in sein inneres Auge brennen, das ihn von diesem Moment an bis ans Ende seiner Tage verfolgen würde.
Plötzlich traf ihm Catherines Blick. Ihre braunen, seelenvollen Augen bohrten sich tief bis in sein Innerstes. Während sie ihn so intensiv ansah, verlangsamten sich ihre Schritte, doch als sich eine grobe Hand auf ihre Schulter legte, um sie zum Weitergehen zu animieren, brach der Bann.

„Eines muss man ihr lassen. Sie weiß, wie man einen großen Auftritt hinlegt“, stichelte Diane, die sich vorgebeugt hatte und jede Bewegung ihrer ewigen Rivalin in sich aufzusaugen schien.
Die Schmährufe um sie herum wurden lauter. Doch keiner der feindseligen Blicke oder unverschämten Rufe der Anwesenden schienen die Verurteilte zu erreichen. Sie prallten alle ab an ihrem stahlharten Panzer, den sie schon vor Jahren um ihr Herz errichtet hatte. Nicht eine Sekunde verlor ihre erstarrte Miene an Contenance. Henry kam nicht umhin, ihre stolze, beinahe trotzige Haltung in dieser Stunde des Abschieds zu bewundern. Catherine war in der Tat eine wahre Königin.
Und sie hatte ganze Arbeit beim Dekorieren des Saales geleistet. Eine Vielzahl an farbenfrohen Blumenbouquets schmückte den Raum, die einen süßlichen Duft verbreiten. Ein Duft, der bald vom Geruch frisch vergossenes Blutes überdeckt werden würde.

Als sie vor der Empore zum Stehen kam, ertönten immer lauter werdende Rufe aus der Zuschauermenge.
„Tötet die Medici-Hure.“
„Ab mit ihrem Kopf!“
„Beginnt doch endlich!“

Jeder weitere Ruf schürte den Zorn, der langsam in Henry zu brodeln begann, sodass er unbewusst seine Hände zu Fäusten ballte. Ein Zorn, der nicht Catherine galt, sondern sich selbst.
„RUHE“, rief er ungehalten und musste mühsam an sich halten, um seine Wut nicht an der nächstbesten Person auszulassen.
Es stand ihm alleine zu, den Kopf seiner Frau zu fordern. Dieses verlogene Pack dort unten hatte kein Recht, derart unverschämte Forderungen zu stellen. Denn noch war sie ihre Königin.
Unwillkürlich fragte er sich, was für eine Art von Ehemann er war, dass er Anfeindungen dieser Art, die Catherine immer und immer wieder hatte erdulden müssen, so lange toleriert hatte.
Doch für Einsicht und Reue war es nun zu spät.

Henry erhob sich von seinem Thron und sah zu seiner Frau hinab. Catherine erwiderte seinen Blick mit der ihr eigenen stoischen Provokation in ihren Augen. Täuschte er sich, oder zuckte sogar ihr rechte Augenbraue kurz in die Höhe?
Irritiert von ihrem Verhalten wies er die Wachen an, seine Frau nach oben zu bringen.
„Catherine de Medici – meine Gemahlin und Königin von Frankreich. Hiermit verurteile ich dich aufgrund deines begangenen Ehebruchs und Hochverrats an deinem Mann, der Krone und Frankreich zum Tode.“

Auch jetzt rührte Catherine keinen Muskel. Sie starrte ihn lediglich mit bohrendem Blick an und nickte dann kaum merklich. Langsam drehte sie sich um und blickte in das Meer aus Gesichtern unter ihr. Henry, der inzwischen neben sie getreten war, sah, wie sie jede einzelne ihrer Hofdamen kurz ansah, bevor ihr Blick weiter wanderte. Sicherlich hatte sie auch schon bemerkt, dass ihre Söhne nicht anwesend waren.

Doch wen genau suchte sie im Publikum? Etwa ihren Scharlatan, Nostradamus? Der Hüne schien der Enthauptung seiner Herrin nicht beiwohnen zu wollen. Ob er dieses Ende wohl für sie vorhergesehen hatte?  

Von seinen Wachen wusste er, dass neben dem Geistlichen, der Catherine das Sterbesakrament erteilt hatte, auch Nostradamus sie heute für einige Minuten aufgesucht hatte. Und dass der Besuch im Streit geendet war. Catherine hatte ihren Quacksalber aus ihrer Zelle werfen lassen, natürlich nicht, bevor sie noch Zeter und Mordio geschrien hatte. Diese Auseinandersetzung hatte ihren alten Freund ganz augenscheinlich dazu bewogen, seiner Herrin nicht mehr die letzte Aufwartung vor ihrem Ausscheiden aus dem Leben zu machen.

„Catherine, es ist soweit“, raunte er ihr so leise zu, dass nur sie und der wartende Henker seine Worte verstehen konnten. Der Drang, ihr in einer entschuldigenden Geste über die Wange zu streichen, war plötzlich übermächtig in ihm, doch er widerstand der Versuchung und ging zurück zu seinem Thron, bevor er es sich noch einmal anders überlegen konnte.

Henry sah, wie sie einmal tief Luft holte und diese danach um Fassung ringend wieder ausstieß. Dann drehte sie sich hoheitsvoll um und schritt langsam auf das Schafott zu, das nun schon so lange auf sie wartete. Würdevoll ging sie davor auf die Knie. Der Henker trat hinter die Königin Frankreichs und schob ihren Oberkörper mit sanftem Druck nach vorne, sodass ihr Hals mit der mit Rubinen besetzten Kette daran gut sichtbar auf dem hölzernen Keil zum Liegen kam.
Henrys Herz setzte bei diesem Anblick für einige wenige Sekunden aus, nur um sich wild  zu überschlagen, sobald es wieder seinen Dienst aufnahm.

„Du wirst doch über deine alten Tag nicht sentimental werden?“, Dianes Worte ließen ihn erschrocken zusammenfahren.
„Wo denkst du hin?“, sagte er gereizt und fragte sich dennoch, warum ihn der Anblick, den Catherine ihm gerade bot, so sehr durch Mark und Bein ging. Wie oft hatte er sie sich in der Vergangenheit bereits tot gewünscht? Und warum setzte sich nun, wenige Sekunden, bevor es endlich vollbracht sein würde, kein Gefühl des Triumphes ein?

Nur zu gerne würde er ihren anklagenden Augen entkommen, doch er schuldete seiner Frau zumindest so viel Respekt, ihren bohrenden Blick bis zu ihrem Ende standzuhalten.
Die Position, in die der Henker sie zwang, stellte die sanften Hügel ihrer Brüste auf beinahe vulgäre Weise zur Schau und es fehlte nicht viel und Henry wäre wieder losgestürmt, um sie zum Schutz vor den gierigen Augen der anderen zu bedecken. Er zwang sich Ruhe zu bewahren und den Mut aufzubringen, dem Henker sein Zeichen zu geben.
Der bullige Mann hatte sich bereits in Position gebracht und warte auf ein Signal seines Königs.