(Halb)Göttliches Weihnachten

GeschichteFamilie, Freundschaft / P6
02.12.2017
24.12.2019
24
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05.12.2019 1.153
 
Guten Morgen und herzlich willkommen zurück mit dem einzigen Götterkapitel, was es in dieser FF geben wird - oder? Lest für euch selbst und viel Spaß mit dem heutigen Kapitel!

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Türchen 5: Weihnachtsmarkt

Persephone war unzufrieden und das merkte Hades. Irgendetwas war los und das schon seit sie gestern Nachmittag von einem Spaziergang durch ihren Garten zurückgekommen war. Leider schien sie nicht von selbst darüber reden zu wollen aber Hades war nicht gut darin seine Frau auf soetwas anzusprechen obwohl er sich Sorgen um sie machte. Also ließ er sie eine Weile in Ruhe und versuchte aus der Ferne zu beurteilen was los war. Sie war nicht wütend auf ihn, dass hatte er schnell gemerkt, dafür verhielt sie sich ihm gegenüber zu freundlich. Stattdessen schien sie traurig zu sein. Persephone war abgelenkt und demotiviert, konzentrierte sich nicht auf die Dinge die sich eigentlich am liebsten tat und Hades beobachtete sie mehrmals dabei, wie sie sehensüchtige Blicke in die Ferne warf, in die Richtung, die aus der Unterwelt herausführte.

Beim Abendessen wurde es so schlimm, das Hades sich ein Herz fasste und sie trotz seiner Ungeschicktheit was Gefühle betraf darauf ansprach. „Persephone… Was ist denn los meine Liebe?“. Seine Gattin seufzte nur und wandte leicht den Kopf ab. Erst dachte er, er hatte sie doch verärgert doch dann erkannte er einen Hauch von rot auf ihren Wangen. Sie schämte sich. „Du kannst mit mir reden“, versuchte er es noch einmal. „Es ist so dumm“, sagte sie und er hörte aus ihrer Stimme, dass sie ärgerlich war. Nicht wegen ihn sondern wegen sich selbst. Persephone hasste es sich dumm oder albern zu fühlen, das wusste er. „Bestimmt nicht“, versuchte er sie also zu beruhigen. „Es ist nur… Ich habe noch nie Winter gesehen“. Das überraschte Hades ein wenig. Jeder kannte doch den Winter, doch während Persephone weitersprach begriff er, was sie meinte. „Ich  erlebe en Frühling und den Sommer, jedes Jahr gemeinsam mit meiner Mutter und im Herbst und Winter bin ich bei dir. Und ich bin gerne bei dir aber ich habe noch nie den Winter auf der Erde erlebt. Ich kenne Weihnachten nur hier und nicht von den Menschen, ich habe noch nie tatsächlichen Schnee gesehen, war noch nie auf einem ganz gewöhnlichen Weihnachtsmarkt. Ich höre immer nur, wie die Verstorbenen im Elysium darüber reden, dass genau das fehlen würde weil Winter eigentlich die schönste aller Jahreszeiten sei“. Hades verstand. Persephone verließ die Unterwelt nie, es sei denn um die sechs Monate mit ihrer Mutter zu verbringen. Aber wenn es nur das war, wusste er genau, wie er Abhilfe schaffen konnte.

Er stand auf. „Zieh dich um Persephone. Am besten etwas warmes“. Persephone wurde schnell von seiner Aufbruchsstimmung erfasst. „Wohin gehen wir?“, fragte sie gespannt. „Ich zeige dir die Adventszeit der Sterblichen. Du weißt, ich halte nicht viel von Menschenmassen, besonders dann nicht, wenn sie am Leben sind aber es igbt etwas, das sollte jeder Mal erlebt haben“. Persephone brauchte sich nicht einmal zu konzentrieren um ihr Outfit zu wechseln. Binnen einer Millisekunde verwandelte sich ihr Kleid in einen dicken aber eleganten weißen Mantel, ihre Schuhe steckten in Wildlederstiefeln und sie trug Handschuhe, Schaal und Mütze, alles aus hellbeigem Kaschmir. Hades lächelte.. Er liebte es sie so begeistert zu sein mit diesem Funkeln in den Augen und bereit mit ihm loszuziehen wo immer es auch hinging. Er passte seine Kleidung ihrer an und bot ihr einen arm an. „Darf ich bitten meine Dame?“. Sie lachte und für einen Moment fragte Hades sich, ob dieses Lachen ich jemals kalt Lachen würde aber da es das schon seit tausenden von Jahren nicht tat, war  er fest davon überzeugt, dass sich das wohl auch in nächster Zeit nicht ändern würde. „Sehr wohl mein Herr“, antwortete sie und hakte sich bei ihm unter. Er küsste sie und während seine Lippen die ihren berührten verwandelte sich ihre Umgebung.

„Wo sind wir?“, fragte sie mit ihrer liebenswerten Begeisterung. Um sie herum waren Sterbliche. Alle mit Mützen und roten Nasen und die allermeisten mit einem Lachen im Gesicht. Sie waren in einer Gasse gelandet, die zu beiden Seiten mit kleinen, Schneebedeckten Holzhütten gesäumt war aus denen die besten Düfte quollen, in denen die buntesten Farben und die merkwürdigsten Produkte preisgegeben wurden. Ein Stand mit einer Schlange von mindestens drei Metern kündigte heiße Crepes an, ein anderer verkaufte Steine und Schmuck und in der Ferne hörten sie Kinder lachen und irgendetwas von einem Kasperle. Es war der Weihnachtsmarkt zur besten Tageszeit um ihn  zu besuchen. Der Himmel war bereits dunkel aber es war noch nicht so spät, dass man die lachenden, umher wuselnden Kinder hätte ins Bett schicken müssen und doch waren schon kleingruppen von mittezwanzigjährigen unterwegs, alle mit einer Tasse heißem Glühwein zwischen den klammen Fingern. „Das ist er Weihnachtsmarkt“, erklärte er und er sah, wie sich ihre Augen weiteten.

Sie liefen den kompletten Markt ab, hielten bei beinahe jedem Stand, einmal um Schmalzkuchen mit Puderzucker zu erwerben, etwas, etwas Persephone noch nie gegessen hatte und auf Anhieb in der Unterwelt einführen wollte, ein anderes Mal kaufte er ihr heißen Punch und später noch ein billiges kleines Schmuckstück. Er wusste, dass er ihr all das genauso gut, eher sogar viel besser in der Unterwelt hätte erschaffen können. Ohne die beißende Kälte und die Mengen an Menschen, ohne Schlange stehen und gestresste Verkäufer doch er wusste auch, dass das sie nicht annähernd so glücklich gemacht hätte wie dieser kleine, kalte, überfüllte Sterblichenweihnachtsmarkt. Persephone brauchte das echte Leben um so begeistert zu sein wie sie es jetzt war und für diese Liebe zum realen liebte er sie nun mal obwohl er diese Eigenschaft nicht teilte.

Sie wichen einer gigantischen Zuckerwattewolke an einem Holzstab aus, die ihnen größer vorkam als das Kind, was sie trug und drangen zu dem Stand mit gebrannten Mandeln und allerlei anderen weihnachtlichen Leckereien vor. Persephone war versucht den ganzen Stand leerzukaufen, dass sah er ihr an aber sie beschränkte sich auf zwei Papiertüten mit gebrannten Mandeln und ein paar Weintrauben die mit Vollmilchschokolade überzogen waren. Der Weihnachtsmarkt leerte sich langsam aber sicher. Die ersten Boden loschen ihre Lichter und schlossen die Holzjalousien vor den Fenstern, die Kinder waren verschwunden und die bunten Karussells hatten aufgehört sich zu drehen und ihre nervtötenden Weihnachtsremixes abgestellt. Es war Zeit zu gehen und er befürchtete seine Frau damit wieder in Trauer zu versetzen. Doch Persephone schmiegte sich an ihn, legte ihren Kopf auf seiner Schulter ab und fragte gähnend „Gehen wir nach Hause?“. Er legte einen Arm um ihre Schulter, sie aß ihre letzte Traube und ganz plötzlich, als sei es nie dort gewesen verschwand das außergewöhnlich schöne, junge Paar. Der Crepeverkäufer blinzelte verwirrt doch dann zuckte er mit den Schultern. Vielleicht, hatten seine Augen ihm einen Streich gespielt oder vielleicht waren die zwei  auch nur im immer dichter werdenden Schneegestöber verschwunden.

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Das war's für heute, kommt gut durch den Tag und bis hoffentlich morgen!
LG, Sarile
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