(Halb)Göttliches Weihnachten

GeschichteFamilie, Freundschaft / P6
02.12.2017
08.12.2019
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Einen schönen Dienstag euch allen, hier kommt Kapitel 3, wieder mit Licias Input. Ich hoffe, euch mundet der leckere Adventskalender!

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Türchen 3: Geschenke einpacken

„Gute Nacht Perce“, flüsterte Sally müde in das Zimmer ihres elfjährigen Sohnes doch sie bekam keine Antwort. Percy schien eingeschlafen zu sein. Sally lehnte ihren Kopf noch eine Weile gegen die Holztür und erlaubte sich einen Moment Ruhe. Sie war erschöpft. Erschöpft von ihrem Alltag, erschöpft von ihrem grauenvollen Mann, erschöpft von ihrem Job und erschöpft von Percys Schullaufbahn. Ganz egal wohin sie ihn schickte, nie blieb er da länger als ein Jahr.

Auch die diesjährige Schule hatte bereits angerufen und unfreundlich verkündet, dass die Perseus Jackson nach dem Ende des Schuljahres nicht mehr an ihrem Unterricht teilnehmen lassen würden. Sally hatte nicht widersprochen, sie hatte der Direktorin geduldig und freundlich für ihre Mühe gedankt und ihr Verständnis ausgesprochen. Das hatte die alte Frau anscheinend überrascht und sie war plötzlich zumindest ein bisschen freundlicher. Sie sagte Sally, dass sie Mittleid für die Mutter eines so „schwierigen Jungen“ empfand und Sally hatte sich mit aller Mühe dazu durchgerungen zu lachen, höflich zu danken und aufzulegen ohne unhöflich zu werden. Danach hatte sie ein Glas Tomatensauce gegen die Wand geworfen.

An solchen Tagen hatte Sally hin und wieder Schwierigkeiten ihre Positivität aufrecht zu erhalten aber als Percy dann vor der Tür gestanden hatte, weil die Weihnachtsferien mal wieder anstanden und sie entschuldigend angegrinst hatte war ihr einmal mehr klar geworden warum sie ihr Leben so lebte wie sie es tat. Es war für Percy und seine Sicherheit war noch tausendmal mehr durch als das was sie durchmachte. Also richtete sie sich auf, strich ihr zerknittertes Top glatt und machte sich auf den Weg ins Wohnzimmer. Gabe war mit Freunden unterwegs, das hieß, sie hatte die Wohnung für sich. Er hatte ein Chaos hinterlassen was mindestens eine Stunde Aufmerksamkeit beanspruchen würde wenn sie das Wohnzimmer wieder einigermaßen in seinen Ausgangszustand versetzen wollte aber das musste warten. Erstmal mussten Geschenke eingepackt werden. Geschenke für Percy und für Gabe und ihre wenigen Freundinnen aus dem Laden und für Gabes Familie.

Sie begann mit Percys Geschenken, weil sie die Motivation brauchte. Sie wusste, es war egal, was sie ihm geschenkt hätte, er würde sich freuen. So war Percy, dankbar und liebevoll und kein „schwieriger Junge“. Sie hasste es, wenn die Leute so über ihren Sohn redeten. Percy gab sein bestes und sie wusste, er hatte es nicht einfach. In Gedanken versunken wickelte sie ein Paar Handschuhe in Geschenkpapier und band eine Schleife darum. Geschenke einpacken war eine von Sallys Lieblingstraditionen. Ihre Hände arbeiteten und ihre Gedanken nahmen einfach ihren Lauf. Es brauchte nicht lange bis die Geschenke für Perce fertig eingepackt waren. Sie nahm einen goldenen Gelstift und schrieb auf seine Geschenke in jede Ecke ein kleines „Percy“. Leider hatte sie nicht besonders viel besorgen können, zum einen aus Zeitgründen und zum anderen reichte das Geld einfach nicht, trotz der Extraschicht, in die sie sich hatte einteilen lassen. Sie hoffte allerdings trotzdem  Percy schöne, streitfreie und angenehme Weihnachten zu bescheren. Gabes Geschenke waren als nächstes dran. Sie wusste gar nicht, warum sie überhaupt für ihren Mann eingekauft hatte, er würde ihr sowieso nicht danken geschweige denn etwas zurückschenken aber sie hatte vor Jahren gelernt sich nicht von Gabes Art runterziehen zu lassen. Sie war stärker als seine Launen und seit ihr das bewusst war, konnte er sie nicht mehr provozieren. Sie hatte das Gefühl, dass das ihn ein wenig provozierte aber das war ihr ganz einfach egal.

Sally schauderte und zog die Decke vom Sofa um sich darin einzuwickeln. Es war kalt und sie war so müde aber sie hatte noch zu tun und mit dem Blick auf den Haufen Geschenke für Gabes Familie und ihre Freundinnen, die noch eingepackt werden wollten schlief sie ein.

Percys nackte Füße machten kleine Tippelschritte auf dem Flur. Er musste auf Toilette doch die weit offen stehende Wohnzimmertür lenkte ihn ab. Er linste hinein. Auf dem Boden vor dem Sofa lag Sally. Ihre Haare lösten sich aus dem improvisierten Dutt und fielen ihr in die geschlossenen Augen. Ihre Brust hob und senkte sich mit regelmäßigen Atemzügen, um ihre Schultern war notdürftig die dünne Stoffdecke vom Sofa gewickelt. Leise, um sie nicht aufzuwecken, betrat Percy das Zimmer und betrachtete die Szene genauer. In Sallys Hand lag ein offener, goldfarbener Filzstift und verteilte gemächlich seine Farbe auf dem Teppich. Er hob die Kappe auf und schloss den Stift. Dann bemerkte er die Dinge und das Geschenkpapier vor ihr und zu ihrer linken einen kleinen Haufen Päckchen, die mit seinem Namen beschriftet waren.

Er wusste nicht wie er es schaffte ohne dass sie aufwachte aber irgendwie gelang es Percy Sally aufs Sofa zu hieven. Dann lief er in sein Zimmer um seine Daunendecke zu holen. Er breitete sie über dem schlafenden Körper seiner Mutter aus und stopfte ihr eins der Sofakissen unter den Kopf. Dann setzte er sich auf den Platz auf dem sie bis eben gelegen hatte und begann mit der Arbeit. Percy war nicht gut im Geschenke einpacken und es fiel ihm schwer die Dinge zuzuordnen. Außerdem hatte er den Namen von Gabes Mutter vergessen und schrieb notdürftig und in seiner krickligen Handschrift „Mrs Ugliano“ auf die Dinge die vermutlich für sie bestimmt waren, in der Hoffnung, dass Gabes Eltern sich nie scheiden lassen hatten. Nach über zwei Stunden erbittertem Kampf mit dem Geschenkband und dem Tesafilm, was überall kleben blieb, nur nicht da wo es sollte, hatte Percy sein Werk vollbracht. Es war nicht so schön und ordentlich wie die Geschenke, die Sally eingepackt hatte aber es war auch nicht hässlich und  er glaubte, dass es Gabe und seiner Familie sowieso nicht auffallen würde, dafür müssten sie ja überhaupt genauer auf die Geschenke eingehen.

Sally war nicht aufgewacht und er bezweifelte, dass sie das vor dem nächsten Morgen noch tun würde. Kurz überlegte er sie in ihr eigenes Bett zu bringen aber dann fiel ihm auf, dass dort Gabe lag und schnarchte und eine Fahne hatte und er beschloss, dass sie hier besser aufgehoben war also nahm er sich die Wolldecke die eigentlich aufs Sofa gehörte und schlich zurück in sein eigenes Bett.

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So, da sind wir auch schon wieder am Ende und ich hoffe, ich gewinne noch die ein oder andere Leserperson dazu, so nach und nach :D
LG, Sarile
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