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Winter in Kyralia (Adventkalender 2017)

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Administrator Lorlen Hoher Lord Akkarin Sonea
01.12.2017
20.12.2017
17
32.374
2
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Dieses Kapitel
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01.12.2017 1.315
 
Winter in Kyralia (Adventkalender 2017)



Hallo ihr Lieben :-) Wie versprochen starte ich heuer einen zweiten Versuch mit dem „Black Magician Trilogy“-Adventkalender, wobei bis zum 24. Dezember jeden Tag eine neue Kurzgeschichte mit wechselnden Genres, Pairings, Ausgangssituationen und Charakteren veröffentlicht wird. Der Fokus liegt hierbei auf Akkarin, Lorlen und Sonea, aber auch anderen alten Bekannten werdet ihr begegnen...

Wer letztes Jahr schon mitgelesen hat, dem wird die eine oder andere Kurzgeschichte bekannt vorkommen, doch es kommen 17 neue Oneshots hinzu, also wartet auch viel Unbekanntes auf euch :-) Die „alten“ Kurzgeschichten wurden außerdem noch einmal überarbeitet und angepasst. Manche der Geschichten gehören zusammen (entsprechende Kennzeichnung), manche sind eigenständig; einige sind Canon, andere wiederum nicht (völlig). In meinem Profil findet ihr genauere Infomationen zu den jeweils bereits geposteten Kurzgeschichten, ihren Pairings, Ratings und Settings.  

Über Reviews freue ich mich wie immer sehr!

Viel Spaß beim Lesen & vorweihnachtliche Grüße aus dem verschneiten Imardin (oder so :-))!



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Disclaimer: Mir gehört nur der Plot der One-Shots und die eine oder andere eigene Figur – alles andere gehört der wunderbaren Trudi Canavan, ohne die wir alle hier immer noch ein einsames, trostloses Leben führen müssten, dass ohne einen gewissen Hohen Lord so viel freudloser wäre ;)



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01. Der Magier

Sonea fror. Der Winter hielt Imardin bereits fest in seinem eisigen Griff, doch das Mädchen in dem abgetragenen Kittel, der eigentlich viel zu dünn war, um ihn um diese Jahreszeit noch zu tragen, folgte ihrem Freund unbeirrt durch die Menschenmenge. Es war Markttag im Nordviertel und Händler waren überall aus der Umgebung in die Hauptstadt gekommen, um ein letztes Mal ihre Waren feilzubieten, bevor der starke Schneefall die meisten Handelswege für einige Monate unpassierbar machen würde. Doch nicht nur Kyralier hatten sich auf dem Nordplatz eingefunden, sondern auch elynische Reisende, die ihren Käse und Wein anpriesen; dunkelhäutige Händler aus Lonmar, die Gewürze und Früchte verkauften; stämmige Vindo, die mit gepökeltem Fisch und Fladenbrot handelten; und hie und da sogar der eine oder andere Lan mit bemalter Haut, der Trockenfleisch und Gan-Gan-Rinde anbot.

Die Bewohner des äußeren Ringes drängten sich dicht an dicht, betrachteten neugierig Stände und Waren; dankbar für die kurzzeitige Ablenkung vom tristen Alltag und der Kälte. Niemand achtete auf die beiden Kinder, die sich geschickt ihren Weg durch die Menge bahnten. Das dunkelhaarige Mädchen, etwas kleiner als ihr Gefährte, zupfte den Jungen am Ärmel. „Was hast du vor?“ „Ich besorge uns etwas zum Mittagessen.“ „Aber du hast doch gar kein Geld.“ Der Junge blieb stehen und wandte sich zu ihr um. „Es ist nur ein Brot, das tut niemandem weh.“ „Jonna sagt–“ „Ach komm schon, Sonea. Sie muss es ja nicht erfahren. Außerdem seh ich dir an, dass du Hunger hast. Seit ihr in diesem Bleibehaus schlaft, habt ihr doch kaum genug Geld, um Essen zu kaufen.“ Während er sprach, hatte der Junge sich unauffällig umgesehen und dabei ein Auge auf einen kyralischen Stand geworfen, dessen Besitzer dunkle, flache Brote und saftige rote Pachifrüchte feilbot.

Sonea erkannte was ihr Freund vorhatte und lief ihm nach, um ihn aufzuhalten. Es stimmte zwar, was er über ihre Familie gesagt hatte, doch trotz ihres jungen Alters wusste sie bereits sehr gut, wie man mit Dieben in Imardin verfuhr, wenn man sie erwischte. Cery war ihr Freund, sie konnte unmöglich zulassen, dass er sich für sie in Gefahr brachte und es riskierte, von der Stadtwache erwischt zu werden. Ihm durch die Menschenmenge zu folgen war leicht gewesen, als Cery noch vor ihr gegangen war. Jetzt jedoch hatte sich die Lücke zwischen ihnen geschlossen und das zierliche Mädchen hatte Mühe zu ihm aufzuschließen. Cery war inzwischen bei dem Stand des kyralischen Händlers angelangt und betrachtete dessen Waren scheinbar gelanweilt.

Sonea stieß eine Verwünschung aus, für die Jonna sie empört zurechtgewiesen hätte, und bahnte sich unter Einsatz ihrer Ellbogen einen Weg durch die Umstehenden. Es hatte zwar noch nicht geschneit, doch am Vortag hatte es stark geregnet und die Luft war inzwischen so kalt, dass das Wasser nachts zu Eis gefroren war. Sonea gelang es eher schlecht als recht auf dem glatten Untergrund die Balance zu halten, sie rutschte mehr als sie lief. Plötzlich prallte sie gegen etwas Festes, verlor das Gleichgewicht und fiel hin. Zu ihrer Überraschung blieb die schmerzhafte Kollision mit dem frostigen Erdboden jedoch aus. Als sie die reflexartig zusammengekniffenen Augen wieder öffnete, sah sie zwei dunkle Augen, die sie besorgt musterten. „Alles in Ordnung?“

Ihr Gegenüber hatte sie festgehalten, bevor sie auf dem Boden aufschlagen konnte. Sonea richtete sich auf und wollte ihm gerade danken, als sie erkannte, wen sie da angerempelt hatte. Vor ihr stand nicht etwa einer der anderen Hüttenbewohner, sondern ein junger Mann, er musste etwa um die Zwanzig sein. Im Gegensatz zu den anderen Bewohnern des Nordviertels sah er sauber aus und trug einen dunklen Umhang aus edlem Stoff. Sonea schüttelte seine Hände ab und wich zurück. Als sie nicht antwortete, trat er einen Schritt auf sie zu. „Geht es dir gut?“ „Ich– ja. Danke.“ „Du solltest besser aufpassen, Mädchen. Die Straßen sind eisig.“ Er war zwar offensichtlich aus den Häusern, doch er klang nicht so herablassend, wie Sonea vermutet hatte. Nun ja, nicht allzu sehr zumindest. Erschrocken fiel ihr ein, dass sie Cery ganz vergessen hatte.

Sie warf einen Blick über die Schulter, doch konnte ihren Freund nirgendwo entdecken. „Tut mir leid. Ich muss gehen.“ „Warte.“ Er griff in die Tasche seines Umhanges, zog eine Pachifrucht heraus und reichte sie ihr. „Hier. Du siehst hungrig aus.“ Erstaunt nahm Sonea das Obst entgegen. „Warum tust du das?“, platzte es aus ihr heraus. Erheitert blickte der schwarzhaarige Mann sie an. „Ganz ohne Grund“, antworte er amüsiert. Bevor Sonea etwas entgegnen konnte, hörte sie ihren Freund in der Menschenmenge nach ihr rufen. „Hai, Sonea!“ „Entschuldige, ich muss jetzt wirklich gehen.“ „Pass auf dich auf, Mädchen.“ Sonea nickte und machte ein paar Schritte in die Menge hinein. Dann hielt sie inne und drehte sich noch einmal um, um sich bei ihm zu bedanken, doch der Mann war bereits verschwunden.



***




Sonea kämpfte sich durch das Gedränge, konnte Cery aber nirgends entdecken. Plötzlich wurde sie von einer Hand gepackt und in einen Hauseingang gezogen. „Cery! Wo hast du gesteckt?“ „Während du dich nett unterhalten hast, habe ich uns etwas zu essen besorgt.“ „Gestohlen meinst du wohl.“ „Ach, komm schon, Sonea. Es ist nur ein Stück Brot. Mach eine Ausnahme, nur einmal. Immerhin ist heute der Tag des Winterfestes.“ Sonea seufzte. „Nun, ich schätze zum Zurückgeben ist es jetzt wohl zu spät.“ Cery grinste, nahm ihre Hand und zog sie auf eine niedrige Mauer, die breit genug war, um darauf zu sitzen. Er brach das Gebäckstück in zwei Hälften und gab eine davon Sonea. „Was wollte der Magier eigentlich von dir?“ „Der… Magier?“ Sonea runzelte verwirrt die Stirn. „Ja. Der Mann, mit dem du geredet hast, schon vergessen?“, antwortete Cery. „Das war ein Magier?“ „Ja, hast du nicht gesehen, was er anhatte?“, fragte der Junge überrascht. „So außergewöhnlich war der Umhang jetzt auch nicht“, meinte Sonea.

„Am Kragen war das Incal der Gilde eingenäht“, verkündete Cery. „Woher weißt denn du, wie das aussieht?“, fragte Sonea erstaunt. Cery grinste nur. „Ich habe da so meine Kontakte.“ „Schon gut, du Meisterdieb“, lachte das Mädchen und biss hungrig in ihre Hälfte des Fladenbrotes. „Lass uns essen, bevor uns noch der Händler mit seinem Brot erwischt.“ Da fiel ihr etwas ein. Sie griff in ihre Tasche und nahm die Pachifrucht heraus. Anerkennend zog Cery die Augenbrauen hoch. „Nicht übel. Das hätte ich dir gar nicht zugetraut.“ „Die ist nicht gestohlen! Wofür hältst du mich? Der… Magier hat sie mir gegeben“, entgegnete Sonea empört. „Na, worauf warten wir dann noch? Offenbar haben wir heute doch noch ein Festmahl.“ Sonea lächelte und legte den Arm um die Schultern ihres Freundes. „Sieht ganz so aus.“



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Morgen wartet dann eine Anekdote aus Akkarins und Lorlens Novizentagen auf euch :-)
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