Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Prisma x Liquefacere fines

von Tsubaki
GeschichteMystery, Freundschaft / P12 / Gen
01.12.2017
06.12.2018
95
91.211
6
Alle Kapitel
32 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
17.01.2018 866
 
Abschnitt 83 - sy


Probeweise klopfte Budy noch ein paar andere Stellen des eisigen Gefängnisses ab, falls es noch weitere geheime Gänge und Mechanismen gab. Als sich jedoch nirgendwo etwas bewegte, begutachtete er die Umrisse des Durchgangs, den Kaya geöffnet hatte.
Die Eistür war nach innen geglitten und bot daher keinen Halt für einen Aufstieg. Auch sonst hatten sich keine Nischen oder Trittmöglichkeiten ergeben, durch die Veränderung der Mauer. Demnach blieb also nur noch der Gang selbst, als potentieller Ausgang.
Jane hatte ihm aufmerksam zu gesehen, bei seinen Untersuchungen. Sie fand das alles sehr aufregend und fragte sich, wo der Gang wohl hin führte. Natürlich blieb die Option, dass es eine Falle sein konnte und die Tür sich wieder schloss, sobald jemand hindurch gegangen war. Andererseits konnte es aber auch tatsächlich ein Ausweg sein. Jane musste an die Pokemon Mysterie Dungeon Spiele denken und versuchte sich zusammen zu reißen. Es war wirklich wesentlich wahrscheinlicher, dass es sich dabei um eine Falle handelte – immerhin konstruierte doch niemand so eine Fallgrube, nur um dann einen Mechanismus einzubauen, der einen wieder aus der Patsche half. Solche geheimen Türen gab es doch viel eher in Ruinen und um Geheimnisse zu schützen.
Aber gerade das machte die Sache erst richtig interessant. Der Gang barg ein Geheimnis, das es zu lüften galt.
„Seht ihr was?“, rief Jane mit unverhohlener Neugier zu den beiden hinunter.
„Nicht viel“, gab Budy zur Antwort. „Nur einen Gang mit Mauern aus Eis.“
„Wo der wohl hin führt...“, murmelte Jane laut vor sich hin und setzte sich vorsichtig an den Rand des Lochs. Sobald sie die Beine über dem Abgrund baumeln hatte, blickte sie sich in der Umgebung um. Nach wie vor war niemand zu sehen. Kein Mensch, kein Pokemon, kein Lebewesen.
„Ich könnte versuchen Hilfe zu holen, aber ich glaube, wir sollten lieber zusammen bleiben. Ist der Gang denn sofort zu Ende oder hat es einen Sinn, dass ich hinunter komme?“, fragte Jane die beiden in der Grube.
„Ts, wen willst du hier schon als Hilfe holen? Wir haben doch bisher auch niemanden getroffen“, Budy schüttelte den Kopf. Dann meinte er: „Warte mal kurz“, und steckte mit diesen Worten seinen Kopf in die Höhle. Kurz verharrte er an Ort und Stelle, dann machte er einen Schritt hinein.
Das Quiekel tapste ihm interessiert hinterher, blieb aber noch in Sichtweite von Jane.
Jane selbst bedauerte, dass sie nicht mehr sehen konnte, von hier oben, begann aber sogleich fleißig Sekunden zu zählen, als Budy völlig im Gang verschwand. Die Tür rührte sich nicht. Nach 5 Sekunden nicht, nach 10 Sekunden nicht und nach 20 war Budy schon wieder zurück. Ihm war offensichtlich nichts passiert und er winkte Jane mit der rechten Hand zu.
„Sieht gut aus. Wenn du magst, kannst du runter kommen. Vielleicht ist das ja sogar ein Dungeon.“
Kaya bekam wieder große Augen unter den zottigen Fellbrauen.
„Stimmt, wir sind ja in der Pokemonwelt! Das könnte ein Dungeon sein!“
„Auch schon gemerkt?“, meinte Budy verschmitzt und sah dann fragend zu Jane.
Kaya reckte währenddessen die Schnauze in die Höhe und meinte ähnlich munter wie Budy eben geklungen hatte: „Dann los! Lasst uns den Dungeon erkunden!“
Jane musste lachen, bei dieser Bemerkung und überhörte dadurch beinahe, dass Kaya noch einen selbstironischen Satz nach schob, der in etwa vermittelte, dass sie alle sterben würden, aber immerhin als Helden.
Janes Entschluss stand jedoch fest. Sie sammelte sich bereits, nahm ihren Mut zusammen und konzentrierte sich auf eine günstig aussehende Stelle auf der hügeligen Schneelandschaft am Boden der Grube. Dann sprang sie.
Mit einem gedämpften Aufprall kam sie unten an und ihr rechtes Bein schmerzte ein wenig beim Abfedern. Jane sog jedoch nur leise die Luft ein und richtete sich dann aus der gekrümmten Haltung wieder auf. Blaue Flecken, Schrammen und Schmerzen an sich, sammelte sie momentan sowieso. Doch bisher hatte sie sich nichts gebrochen und erfreute sich bester Gesundheit. Es gab also keinen Grund sich zu beklagen. Der Schmerz würde vorbei gehen.
„Alles okay?“ Kaya beäugte sie misstrauisch und besorgt. Jane hatte ihr wohl nichts vormachen können.
Doch sie machte nur eine flüchtige Handbewegung und winkte ab.
„Geht schon“, meinte sie und sah dann zu Budy und dem Tunnel hinüber.
Von hier unten sah alles ganz anders aus. Der Eingang, der sie unter die Schneedecke führen würde, war viel größer, wenn man ihn nicht mehr aus schräger Perspektive in Augenschein nahm, die Wände wirkten viel glatter und erbarmungsloser und ihr vorheriger Aufenthaltsort wirkte erstaunlicherweise noch höher gelegen – dabei war es doch für gewöhnlich anders herum. Von oben sahen die Dinge meist gefährlicher und tiefer aus, gerade, wenn man hinunterspringen oder klettern musste.
Hoch ging es hier allerdings mit Sicherheit nicht mehr. Es erstaunte Jane daher, dass ihr die Situation so aussichtslos vorkam – wenn man von dem nicht zu übersehenden Angebot des Tunnels absah.
„Worauf warten wir noch?“, fragte Jane und ging ebenso gut gelaunt, wie Budy und Kaya es waren, auf den Eingang zu. Das Quiekel lief sogleich neben ihr her und gemeinsam traten sie hinter Budy unter die Schneedecke.
Das dezent mulmige Gefühl, welches sich in diesem Moment automatisch in ihrer Magengrube einnistete, ignorierte sie beflissen, während sie die mechanische Tür hinter sich zurück ließ.

Weiter zu Abschnitt u15
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast