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Prisma x Liquefacere fines

von Tsubaki
GeschichteMystery, Freundschaft / P12 / Gen
01.12.2017
06.12.2018
95
91.211
6
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08.01.2018 1.437
 
Abschnitt 80 - i14


Blind für den Weg lief Jane kreuz und quer durch den Wald. Sie sah nicht, wohin sie lief, und sah doch die entscheidenden Dinge umso genauer. Große Bäume, Abhänge und vor allem das Wolwerock.
Jane wünschte sich irgendjemanden, der ihr zu Hilfe kommen konnte und begann unbewusst zu lauschen. Oder hatte sie vielleicht etwas gehört und deswegen angefangen intensiv nach fremden Stimmen zu horchen? Sie wollte es nicht glauben, denn ihr eigener Atem und das knackende Gebüsch überlagerte alle anderen Geräusche. Aber da war doch etwas! Eine Stimme. Jane war sich jetzt fast sicher und wäre beinahe angehalten, bis ihr bewusst wurde, dass das der entscheidende Fehler sein konnte. Selbst wenn da eine Stimme war – sie musste hier weg! Es hieß ja noch lange nicht, dass die Person, der die Stimme gehörte vor dem Wolwerock bei ihr ankam.
Noch dazu hörte Jane es jetzt auch einmal nur noch hecheln und rascheln, konnte das Pokemon selbst aber nicht mehr ausmachen. Sie hatte es während dem Lauschen aus den Augen verloren und konnte jetzt nicht genau ausmachen, ob es sich hinter ihr oder irgendwo neben ihr befand. Nur die Richtung, in die sie sich einen Weg bahnte, hielt sie für sicher. Und selbst das konnte ein Irrtum sein.
Plötzlich hörte sie es ganz deutlich. Eine weibliche Stimme in der Ferne und sie rief etwas!
„Tim!“
Im nächsten Moment griff etwas oder jemand nach Janes Schulter und sie kniff die Augen sofort fest zusammen. Sie wollte die gefletschten Zähne nicht sehen, die sie zerreißen würden. Die Stimme war viel zu weit weg gewesen, um sie jetzt noch zu erreichen. Es konnte also nur das Wolwerock sein, das kurzen Prozess mit ihr machen würde. Janes Körper spannte sich noch mehr an, als er es eh schon war und ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. Als sie aber keine Zähne zu spüren bekam, sackte der ganze Körper schlaff zusammen und Jane öffnete die Augen doch wieder.
Sie hatte aufgegeben.
„Mach die Augen wieder auf, ich kann dich nicht tragen!“, sagte in diesem Moment eine andere weibliche Stimme und Jane sah überrascht in ein bekanntes Gesicht. Auch wenn sie ein wenig mitgenommen wirkte, war das doch eindeutig Larissa, die Gründerin der Schreiberlings-WG!
„Wo ist das Wolwerock?!“, rief Jane und neue Energie schoss durch ihre Adern. Die Glieder spannten sich und die zusammengekrümmte Jane richtete sich blitzartig wieder auf, um den Kampf um´s Überleben erneut aufzunehmen. Es war keine Zeit für Verwunderung, dass Larissa vor ihr stand. Zeit war kostbar.
„Dahinten“, sagte Larissa und deutete in den Wald.
Erst jetzt fiel Jane auf, dass sie gar keine knackenden Äste mehr um sich herum vernahm. Und als sie in die Richtung blickte, die Larissa ihr gewiesen hatte, sah sie auch, warum. Das Wolwerock stand still da, wie ein Baum und lauschte. Es war mit dem Rücken zu Jane gedreht, aber man konnte gerade noch sehen, dass es die Nase in die Luft reckte und offenbar witterte.
Jane wurde schlecht bei dem Anblick.
„Schnell weg hier!“, zischte sie und wollte wieder blindlings drauf los stürmen, da packte Larissa sie wieder am Arm und zerrte sie in die andere Richtung.
„Hier lang!“, befahl sie und Jane gab nach. Welche Richtung sie nahmen, war ihr eigentlich egal, Hauptsache das Wolwerock bekam sie nicht in seine Klauen. Als sie jedoch in die Richtung mit ging, blieb sie doch noch einmal unvermittelt stehen.
Bei diesem wirren Sprint durch den Wald war ihr gar nicht aufgefallen, dass es hier noch mehr gab, als nur den einen Weg und sonst unberührtes Gestrüpp und Bäume. Doch jetzt sah sie einen hohen Eisenzaun mit einem verschnörkelt gearbeitetem Tor.
Larissa öffnete das Tor und zügig traten sie beide hinter die Umzäunung. Dann schloss Larissa das Tor wieder und fischte aus ihrer Tasche einen Schlüssel.
„Wo hast du den denn her?“, fragte Jane überrascht und wurde automatisch ruhiger. Zwar konnte man durch das Gitter noch sehen, doch wenn Larissa jetzt abschloss, waren sie bestimmt sicher, vor dem gefräßigen Wolwerock. Wobei Jane sich jetzt die Frage stellte, wofür die Umzäunung überhaupt gedacht war und wie groß das „Gehege“ war.
„Und wo sind wir hier?“, fügte sie daher hinzu, um das Bündel neuer Unklarheiten vorläufig auf eine Frage zu beschränken.
„Den“, begann Larissa und steckte den Schlüssel in das Schloss am Tor, „habe ich in einer verlassenen Hütte gefunden. Ist nicht weit von hier, kann ich dir gerne zeigen.“ Dann drehte sie sich wieder zu Jane um und sagte: „Ist nur blöd, dass ich jetzt von innen abschließen musste, ich hab eigentlich auf der anderen Seite des Gitters nach jemandem gesucht.“
„Dann ist das hier also innen“, murmelte Jane während sie sich umsah, hatte es aber bereits so herum erwartet. Da aber in beide Richtungen keine gegenüberliegende Seite des Gitters zu erkennen war, hätte es theoretisch auch anders herum sein können. Doch nach der langen Strecke, die Jane bereits zurück gelegt hatte, ohne auf eine Absperrung zu treffen, hatte sie die Möglichkeit, jetzt aus der Umzäunung heraus gegangen zu sein, für unwahrscheinlich gehalten.
„Wo geht es denn hier hin? Was ist hinter dem Gitter?“, fragte Jane neugierig und schob das Wolwerock aus ihren Gedanken. Erstaunlicherweise war es ihnen ja auch nicht nach gekommen, es gab also keinen Grund, sich weiter Sorgen zu machen.
Interessiert an der neuen Umgebung stapfte Jane los. Sie hatte überlebt! Da konnte es doch nur noch besser werden!
„Alles hab ich auch noch nicht erkundet, die Umzäunung muss ziemlich weitläufig sein. Aber das dürfte ein Zoo sein. Weiter hinten kommt das Häuschen, aus dem ich den Schlüssel für´s Tor habe und verstreut liegen weitere Gehege, hinter denen man...“
Sie stockte, als würde sie überlegen, ob sie das sagen konnte.
Dann zuckte sie allerdings mit den Schultern und sagte: „Ach, du hast das Wolwerock ja grad gesehen. In den kleineren Gehegen sind Pokemon. Ich hab mir schon ein bisschen was angesehen, aber dann bin ich Yana begegnet und wieder raus.“
„Danke, dass du mit mir wieder rein bist“, meinte Jane und lief unbeirrt weiter in das jetzt sehr viel freiläufigere Gelände hinein.
Der Wald hatte zwar nicht direkt aufgehört, aber es gab viel mehr weiße Flächen, zu denen der gefallene Schnee durchgedrungen war und der jetzt von der Sonne beschienen wurde. Er glitzerte Jane freundlich entgegen und sie war unglaublich froh, dass Larissa sie gefunden hatte.
„Ohne dich hätte mich das Wolwerock bestimmt gefressen“, murmelte sie halb in sich hinein, halb zu Larissa.
„Da bin ich mir nicht so sicher“, entgegnete Larissa und deutete mit einer Kopfbewegung zurück. „Das Wolwerock war doch von irgendwas abgelenkt. Schau, es ist uns wirklich nicht nachgekommen.“
„Ja stimmt! Da war eine Stimme. Jemand hat 'Tim' gerufen.“
Janes Augen wurden groß, während sie das sagte. Sie ging natürlich ganz selbstverständlich davon aus, dass es sich dabei um den Tim handelte, der ebenfalls in der Schreiberlings-WG wohnte, schließlich kannte sie keinen Anderen.
„Wie viele Leute aus der WG sich hier wohl noch herumtreiben?“, fragte Jane und überdachte das genauer. Wenn sie hier wieder raus könnten, würden sie vielleicht Tim und die Person, die nach ihm gerufen hatte, finden. Natürlich nur, falls es sich wirklich um diesen Tim gehandelt hatte. Und auch Yana kam Jane wieder in den Sinn.
Da setzte Larissa allerdings schon an: „Ich bin vorhin Yana begegnet und die war auf der Suche nach ihrer Schwester und Kaya. Und sie hat vermutet, dass auch Ellen, Kiki und Fina sich hier irgendwo herum treiben.“
Jane fragte sich, wie viele es wohl wirklich waren. Mit Larissa hatte sie jedenfalls nicht gerechnet.
„Aber was anderes. Ich hab dir doch gesagt, dass ich mit Yana wieder raus bin. Bist du ihr vielleicht begegnet? Ich hab sie wieder aus den Augen verloren. Sie war nicht besonders zugänglich. Anscheinend ist ihre Schwester Ruby in Schwierigkeiten.“
„Ruby? Was ist mit ihr? Mir ist keiner von beiden begegnet, seit ich durch das Portal bin.“
Larissa zuckte mit den Schultern und meinte: „Weiß ich nicht genau.“
„Hm, vielleicht sollten wir dann den Zaun entlang gehen und nach einem anderen Tor oder Loch suchen? Wenn du Yana suchst, wäre das doch sinnvoll.“
„Joa, oder wir gehen uns hier nach weiteren Hinweisen umsehen“, murmelte Larissa nachdenklich. „Ich hab nämlich nur den einen Schlüssel gehabt. Wenn es also noch ein Tor gibt, könnten wir einen Schlüssel dafür gut gebrauchen.“
„Könnte der Andere nicht dort auch sperren?“
„Ne, der hat ´ne Zacke verloren vorhin. Aber ein Loch im Zaun wäre vielleicht eine Option. Oder wir haben Glück und das Tor ist offen.“
Jane überlegte. Was wäre wohl am Sinnvollsten?

Wähle:

Den Zaun entlang gehen = Abschnitt t15

Hier umsehen = Abschnitt h15
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