Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Prisma x Liquefacere fines

von Tsubaki
GeschichteMystery, Freundschaft / P12 / Gen
01.12.2017
06.12.2018
95
91.211
6
Alle Kapitel
32 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
18.12.2017 1.273
 
Abschnitt 70 - f10


Jane blickte von einem Tunnel zum anderen. Dann blickte sie fasziniert hinab in den Tunnel vor ihren Füßen. Sie fragte sich, wie tief es wohl runter ging. Interessanter war jedoch die Frage, wohin der Tunnel führte.
„Wollen wir nicht mal hinunter schauen?“, fragte Jane Alexa und wusste selbst, wie merkwürdig das klingen musste. Immerhin sah sie bereits hinunter und hatte feststellen müssen, dass man von hier nicht groß etwas erkennen konnte. Doch die Sprache war nun mal ein schwammiges Werkzeug und jeder normale Mensch verstand, wenn man etwas anders meinte, als man es sagte. Außerdem zeigte Janes Blick deutlich, was sie wollte. Sie wollte da runter.
„Klar“, meinte Alexa. Sie war ebenfalls angetan von dem Tunnel, wie es schien.
„Das ist wie ein Kaninchenloch, findest du nicht? Und es muss gebaut worden sein, sonst wäre es nicht so vom Eis abgegrenzt.“
„Ja, das macht es vertrauenswürdiger, nicht wahr?“
Alexa nickte.
Dann schwiegen sie beide ein paar Augenblicke lang.
„Okay, sagte Jane schließlich. „Wer springt zuerst?“ Ihr war etwas mulmig zu Mute, aber gleichzeitig war sie auch aufgeregt. Die Neugier hatte ganz offensichtlich die Oberhand gewonnen, die Vorsicht meldete sich jetzt zwar auch, musste aber zurück stecken. Jane trat an den Rand des Loches heran.
Alexa deutete das und meinte mit einer Handbewegung: „Mach ruhig.“ Auch ihrer Stimme hörte man jedoch an, dass sie jetzt doch etwas unsicher war.
Doch die beiden hatten sich entschieden dort hinunter zu springen, also würden sie es auch tun. Hier war ja alles eher wie ein ungewöhnlicher Traum. Wahrscheinlich endete es wieder nur in einer Situation mit der keiner von ihnen gerechnet hatte. Momentan war schließlich alles unberechenbar.
Jane verlagerte ihr Gewicht auf das rechte Bein, dann bückte sie sich und schob das linke Bein über den Rand. Sie setzte sich lieber erst mal hin. Wenn der Eisrand plötzlich einbrechen würde, hätte sie ihr Ziel jedenfalls erreicht. Davor sorgte sie sich also nicht. Aber sie hatte doch etwas Respekt vor dem Loch. Wer wusste schon, worauf sie aufkommen würde? Sie hoffte inständig, dass es etwas Weiches, Federndes sein würde. Dann stieß sie sich mit den Händen ab und fiel.
„Aaahhh“, hallte es durch den dunklen Tunnel, während sie mit rasanter Geschwindigkeit den Schlund hinab sauste. Sie war hell wach und diese wenigen Sekunden verstrichen für sie so klar, wie nur möglich. Leider hatte sie nicht viel davon, denn um sie herum war alles dunkel. Kein Eis, keine Helligkeit, keine Farben, keine Muster. Jane hatte schon nach wenigen Momenten den Bereich hinter sich zurück gelassen, der noch ein wenig durch das Loch erhellt worden war. Jetzt war sie sich nicht mal mehr sicher, wo sie sich befand.
Doch auf einmal wurde es wieder heller und sie konnte unter sich etwas erkennen. Für einen Moment glaubte sie schon, wieder aus einem Kaninchenloch heraus zu fallen, wie es in den Kindergeschichten früher immer gewesen war. Auf einer Seite gräbt man sich in die Erde rein und auf der anderen fällt man wieder heraus.
Aber dem war nicht so. Sie sah mühsam nach unten, auch wenn der Fahrtwind ihr Haare und Haut nach oben sog und konnte bald ausmachen, was dort unten so hell war. Eine Fläche in einem wunderschönem türkisgrün.
Es war eine mystische Farbe und Jane gestand sich ein, dass sie soetwas nicht erwartet hatte. Selbst wenn es wieder heller geworden war und sie froh war, nicht einfach irgendwann im Dunkeln zu landen, ohne zu merken, wo sie war, hätte sie doch eher mit dunkler Farbgebung gerechnet. Oder zumindest nichts so Grellem.
Ihre Neugier wuchs, was sich dort unten wohl befand, doch sie konnte sich sicher sein, es bald heraus zu finden.
Im nächsten Moment kam sie auch schon auf. Hart prallten ihre Beine gegen Boden und brachen ein. Es war eine Eisschicht und sie war nicht gewillt Jane zu tragen.
Jane sah einen hellen Raum aus Eis an sich vorbei ziehen und dann tauchte sie ein in ein Meer aus Luftblasen. Jane schloss schnell Augen und Mund, doch in den Ohren und der Nase hatte die abfedernde Wirkung trotzdem schmerzhafte Folgen. In den Ohren zischte und rauschte es und ein enormer Druck wanderte von ihnen hinein in Janes Kopf. In den Nacken und in die Schläfen. Und auch die Luft wurde knapp und Jane verschluckte sich mit einem Mal an ihrem eigenem Atem. Sie war umgeben von Wasser.
Hastig schob sie die Gedanken, dass sie es ja hätte wissen müssen, wenn sie in einen See sprang, zur Seite und kämpfte sich ganz ohne weitere Befehle an ihren Körper, nach oben. Sie schlug mit den Armen und versuchte die schmerzenden Beine zum Strampeln zu bringen und um sie herum war alles so wirr. Jane konnte gar keinen klaren Gedanken fassen und öffnete die Augen wieder ein Stück weit, um ja die Oberfläche nicht zu verfehlen. Es sollte schließlich vorkommen, dass Leute an Orientierungslosigkeit ertranken.
Jane teilte dieses Schicksal jedoch glücklicherweise nicht. Prustend durchstieß sie die Wasseroberfläche und versuchte sich durch das relativ kalte Wasser zum Rand des Eises zu kämpfen. Jetzt konnte sie nur hoffen, dass es nicht weiter brach.
Ihre Hände wanderten über das Eis, während ihre Füße paddelnd versuchten ihr Halt zu geben. Jane bekam immer noch nicht richtig Luft und atmete mehr mit dem Mund, während sie so versuchte eine griffige Stelle im Eis zu fassen zu bekommen.
Das war jedoch gar nicht so leicht, denn das Eis war überall nass und so glatt, dass Jane ständig abrutschte, wenn sie versuchte sich hoch zu ziehen. Aber immerhin war es relativ dick und bisher nicht weiter gebrochen. Mit ganz viel Glück trug es sie vielleicht, sollte sie es schaffen sich nach oben zu hieven.
Jane wünschte sich, dass ein Mensch sie hier fand und hoch zog. Doch gleichzeitig glaubte sie nicht daran, dass hier unten jemand war und sie hoffte inständig, dass Alexa ihren langen Schrei als Warnung verstand und nicht hinterher in die Tiefe springen würde. Es reichte doch, wenn einer von ihnen an den Folgen der Waghalsigkeit litt.
Jane hustete und spukte Wasser aus. Sie bekam schon einen Pelz im Rachen so eklig hatte das Wasser geschmeckt. Dabei hatte sie kaum davon geschluckt und doch kam es ihr so vor, als wäre sie mehr von Wasser erfüllt, als von Luft. Sie schnappte immer noch nach mehr und langsam bekam sie Panik.
Nicht nur, weil ihre Füße schlaffer wurden und sie noch immer nicht mit dem ganzen Körper auf das rettende Eis gefunden hatte, sondern auch weil ihr die Luftknappheit zu schaffen machte. Ihre Lungen waren schmerzhaft zusammen gedrückt worden bei dem Sturz. Oder eher bei dem Aufprall. Aber selbst jetzt bekamen sie nicht genug, obwohl sie wieder Raum geschaffen hatten. Jane spürte es mit jedem Atemzug genug, wie sich die Lungen weiteten. Es stach, aber versprach eigentlich Sauerstoff. Und der fehlte ihr.
Langsam wurde ihr Sichtfeld schwimmig. Ihre Hände begannen unkontrollierter über das Eis zu suchen. Die Hand, die bereits eine Kerbe gefunden hatte, rutschte auf einmal ab und Jane glitt zurück unter das eisige Wasser.
Prustend bäumte sie sich noch einmal auf und schnappte nach Luft. Sie padelte mit den Armen, spürte aber, wie die Kraft von ihr wich und ein immer beengenderes Gefühl sie erfüllte.Tapfer sog sie jedoch weiter die Luft ein. Es roch komisch. Irgendwie bitter. Und das beklemmende Gefühl wurde immer schlimmer.
Schließlich wurden aus den Tupfen in ihrer verschwommenen Sicht schwarze Felder und im nächsten Moment wurde alles schwarz. Und kalt. Sie sank tiefer in das eisige Wasser und konnte sich nicht bewegen, während ihre Lungen sich langsam zuschnürten und schließlich mit Wasser füllten.

- Game over –

(Gehe zurück zur letzten Wahlmöglichkeit oder beginne von Neuem)
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast