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Prisma x Liquefacere fines

von Tsubaki
GeschichteMystery, Freundschaft / P12 / Gen
01.12.2017
06.12.2018
95
91.211
6
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Dieses Kapitel
1 Review
 
04.12.2017 1.015
 
Abschnitt 07


Aber offene Tür hin oder her – sie wollte doch eigentlich zum Imbissstand und Lena hatte gesagt, sie sollte hier warten. Wenn sie jetzt wegging, könnte sie ihre neue Mitbewohnerin vielleicht verpassen. Also blieb sie lieber in der Straße und machte sich keine weiteren Gedanken um den Schatten, den sie im Augenwinkel gesehen hatte. Heute war eh alles etwas merkwürdig. Und vielleicht hatte sie es sich ja auch nur eingebildet oder es war eine Krähe an ihr vorbei geflogen. Dinge, die man nicht kannte wirkten doch immer am Aufregendsten, mussten aber gar nicht so spannend sein, wie man vorher glaubte.
Das rief sie sich ins Gedächtnis, um sich von dem Vorfall abzulenken. Anschließend ging sie die letzten Meter vor zum Imbiss und stellte erfreut fest, dass er wirklich noch geöffnet hatte. Es gab also immerhin eine warme Mahlzeit, bis Lena kam.
Und auch diese lies sie erfreulicherweise nicht lange warten. Kaum hatte sie aufgegessen, entdeckte Jane sie im Gedränge. Da sie sich wieder den Leuten auf der Straße zugewandt hatte, fiel ihr Lenas Gesicht zwischen den Menschen sofort auf. Sie begann zu winken, griff nach ihrem Gepäck und ging Lena entgegen.
„Hallo. Vielen Dank, dass du mich abholst“, begrüßte sie das Mädchen dankbar.
„Kein Problem“, meinte Lena und reichte Jane die Hand. Ihre Finger waren im Vergleich zu Janes Eiszapfen angenehm lau, obwohl auch sie nicht wirklich warm waren.
„Soll ich dir helfen?“, fragte Lena dann mit einem Blick auf Janes Sachen. Doch diese schüttelte höflich den Kopf.
„Nein danke, geht schon.“
„Okay“, meinte Lena. „Dann folg mir einfach. Es ist nicht weit von hier zu unserer WG. Und die anderen warten schon.“
Fast hätte Jane ‚Tatsächlich?‘ gefragt, unterdrückte den Impuls aber noch rechtzeitig.
Stattdessen sagte sie: „Ich hätte eigentlich gedacht, dass ich es finde. Tut mir leid, dass ich euch Umstände mache.“
„Oh, dass sind keine Umstände“, entgegnete Lena freundlich. „Die anderen haben einfach schon ohne dich angefangen mit deiner Willkommensfeier.“
Jetzt war Jane erst recht verblüfft.
„Es gibt eine Willkommensfeier?“
„Na ja, nur so etwas in der Art“, begann Lena zu erklären. „Eigentlich gibt es nur Kekse und Muffins und wir spielen Werwolf und Black Storys. Mit dem Spielen haben sie schon angefangen, aber die Kekse werden erst angerührt, wenn du da bist. Anika hat da ein wachsames Auge drauf.“
„Verstehe“, murmelte Jane und kam sich jetzt etwas blöd vor, sich verlaufen zu haben. Aber immerhin ging es jetzt auf dem schnellsten Weg zu ihrem neues zu Hause. Und hier kamen ihr die Häuser auch schon bekannt vor. War sie hier nicht schon einmal gewesen? Vielleicht bei ihrem letzten Besuch? Oder bildete sie sich das nur ein, weil sie heute schon daran vorbei gelaufen war? Aber nein, das große Haus an der Ecke musste es sein!
Doch gerade hatte sie das gedacht, blieb Lena auf einmal stehen. Unsicher blieb Jane ebenfalls stehen und sah sich um, ob nicht doch eines der Häuser auf ihrer jetzigen Straßenhöhe das Richtige war. Lena musste es schließlich wissen.
Aber Lena war anscheinend aus einem anderen Grund stehen geblieben, denn jetzt strahlte sie und lief auf einen Mann zu, der nicht weit vor ihnen ebenfalls in die Straße einbog.
„Tim!“
Sie umarmte ihn und gab ihm einen Kuss.
Jane war automatisch hinterher gegangen und verstand jetzt, warum Lena sich so freute. Das war offensichtlich ihr Freund. Bei ihrem letzten Besuch war sie ihm nicht begegnet, daher hatte sie ihn nicht erkannt.
„Du bist also Tim?“, fragte sie, als sie die beiden erreicht hatte.
„Ja.“, kam seine schlichte Antwort. „Und wer bist du?“
„Das ist Jane, Tim. Unsere neue Mitbewohnerin. Ich hab sie eben abgeholt.“
„Was? Du holst lieber sie ab, als mich?“
„Nein. Du warst nicht erreichbar, also wusste ich nicht, wann du kommst.“
„Mhm“, machte Tim und blickte immer noch etwas tadelnd. Dann begrüßte er Jane aber doch noch und sie gingen gemeinsam ins Haus.

Kaum hatte Tim den Schlüssel ins Schloss gesteckt hörte man von innen ein „Das müssen sie sein“ und ein „Warte“ und schon wurde die Tür von der anderen Seite aufgerissen.
Zwei Mädchen steckten ihre Köpfe heraus.
„Ach du bist‘s nur“, sagte die eine, die Jane als Kiki identifizierte. Tim hatte ihr die Sicht auf die anderen beiden versperrt.
„Was soll denn das heißen?!“, beschwerte sich allerdings Lena sofort und trat hinter ihm hervor. Dann machten die beiden auch Jane platz, damit sie ihr Gepäck rein tragen konnte und sofort von Kiki mit selbstgemachtem Konfetti bestreut wurde.
Aber nicht nur Jane hatte plötzlich eine Menge bunter Papierfetzen im Haar. Auch Tim und Lena waren nicht ganz verschont geblieben.
„Erst beschwerst du dich, dass ich komme und dann schmeißt du Konfetti über meinen Kopf?“, fragte Tim. Lena begann aber sofort ihm die bunten Punkte aus den Haaren zu wuscheln.
„War keine Absicht“, meinte Kiki entschuldigend, aber immer noch fröhlich. „Und das vorhin war nicht böse gemeint“, fügte sie etwas kleinlauter hinzu.
Jetzt drängte sich allerdings das andere Mädchen nach vorne und griff nach Janes Arm, die den Moment genutzt hatte, alles abzustellen und jetzt noch etwas irritiert im Eingang stand und nicht wusste, wie sie mit der Situation umgehen sollte.
„Komm mit, wir wollen Werwolf spielen. Und es gibt auch ganz spezielle Kekse“, meinte sie fröhlich und zog Jane hinter sich her.
„Hab´s schon gehört“, murmelte Jane.
„Ich bin übrigens Alexa, falls du dich nicht an mich erinnern solltest“, sagte das Mädchen vor ihr noch, als sie gerade von Kiki eingeholt wurden.
„Ich hab euch noch erkannt“, stellte Jane daher für beide klar.
Aber sollte sie jetzt wirklich mit allen Werwolf spielen? Einerseits klang das alles total lieb, aber andererseits wollte sie doch eigentlich ein heißes Bad nehmen und war schon ziemlich KO.
„Ich wollte mich eigentlich erstmal aufwärmen“, teilte Jane ihre Überlegung mit.
„Oh“, meinte Alexa
Aber Kiki gab sich nicht so schnell geschlagen: „Das kannst du auch beim Spielen. Ich geb dir eine Kuscheldecke. Wirst sehen, das macht total Spaß.“
Zwei vorfreudige Augenpaare blickten sie erwartungsvoll an. Jetzt lag es an Jane eine Entscheidung zu treffen.


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Werwolf spielen: Abschnitt 14

Heute erstmal baden und ausruhen: Abschnitt 11
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