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Prisma x Liquefacere fines

von Tsubaki
GeschichteMystery, Freundschaft / P12 / Gen
01.12.2017
06.12.2018
95
91.211
6
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18.12.2017 784
 
Abschnitt 68 - r11


„Ja, ich möchte mich bitte erst ausruhen“, sagte Jane mit fester Stimme. Zumindest hatte sie vor gehabt eine feste Stimme zu haben, aber schon am Ende des Satzes kippte die Tonlage und die Müdigkeit schimmerte durch. Was war nur los? Wo war das Adrenalin hin, das sie eben noch durchflutet hatte? Klar, irgendwann musste es verschwinden, aber es war wirklich unerwartet und schlagartig weg gewesen. Und zurück gelassen hatte es eine erschöpfte Jane. Sie unterdrückte ein Gähnen.
Es war wahrscheinlich sinnvoll sich erstmal auszuruhen und zu Kräften zu kommen. Wer wusste schon, was sie noch alles erwartete und wie spät es tatsächlich mittlerweile war. Jane hätte gerne eine Uhr gehabt, aber sie traute sich nicht zu fragen.
„Du bist sehr müde, stimmt´s?“, fragte die Schneekönigin in säuselndem Tonfall. „Ihr Menschen braucht so viel Schlaf. Es ist erstaunlich. Da verpasst ihr doch das Schönste.“
„Schlafen Sie nie?“, fragte Jane sofort nach.
Die Schneekönigin schüttelte den Kopf.
Natürlich, dachte sich Jane, sie war bestimmt meistens draußen unterwegs, wenn es schneite. Aber würde das nicht heißen, dass es jetzt nicht mehr schneien konnte, wenn sie hier im Schloss war? Irgendwie glaubte Jane das nicht so recht, wenn sie daran dachte, wie viel es in letzter Zeit geschneit hatte. Andererseits, vielleicht war die Schneekönigin gar nicht so viel hier. Immerhin hatte sie ja gesagt, sie bekam selten Besuch und wenn man sich einsam fühlte, musste man nicht zwingend gerne zurück kehren. Vielleicht war die Schneekönigin ja eine von den Personen, die jeden Tag und jede Nacht unterwegs waren. Jane musste grinsen bei dem Gedanken. Aber möglich war es.
Auf ein Zeichen der Schneekönigin huschten nun die Botogel davon und ein Frigometrie kam angeschwebt.
Die Schneekönigin fixierte es kurz, dann sagte sie: „Bring doch bitte unseren Gast auf sein Zimmer.“
Das Pokemon gehorchte und flog davon. Jane stand aus dem schwabbelnden weißen Polster auf und folgte hastig.
Das Pokemon nahm nicht viel Rücksicht auf sie, während sie durch die Gänge huschten. Es war immer ein paar Schritte voraus und sah sich nicht um, wenn es irgendwo abbog. Jane beeilte sich daher möglichst ohne Umschweife hinter ihm her zu gelangen, um es nicht aus den Augen zu verlieren. Das nahm ihr jedoch die Gelegenheit sich ausgiebig umzusehen. Die meiste Zeit waren die Gänge leer, aber wenn dann mal etwas Interessantes zu sehen war, wie eine Halle mit ganz vielen Pokemon, auf die sie von der Brüstung hinunter blicken konnte, erhaschte sie leider nur einen sehr flüchtigen Blick darauf.
Jane beschloss sich das alles bei Gelegenheit noch einmal anzusehen. Doch dann ging ihr auf, dass sie womöglich nie die Gelegenheit haben würde sich alles noch einmal ausgiebig anzusehen und dass das nicht mal das Schlechteste wäre. Denn vielleicht bekam sie ja das Nikolausmädchen bald frei und musste mit ihm fliehen oder wurde sogar freiwillig wieder auf freien Fuß gesetzt. Die zweite Möglichkeit bezweifelte sie allerdings. Und egal, wie sie frei kommen sollte, in dem Fall wäre es ein positiver Grund, warum sie keine Besichtigungstour mehr machen konnte. Trotzdem fand sie diesen Gedanken bedauerlich.
„Können wir vielleicht etwas langsamer gehen?“, versuchte Jane das Frigometrie dazu zu bringen, sie nicht an allem, was irgendwie interessant war, sofort vorbei zu hetzen.
Doch das Pokemon würdigte sie keines Blickes und flog weiter.
Jane fragte sich so langsam, durch wie viele Gänge sie noch hindurch mussten. Das grenzte ja ein Labyrinth aus Räumen und vor allem Wegen. Eingänge gab es hier wesentlich weniger, als Wegstrecken. Schon allein daran sah man, dass es kein gläsernes Bürogebäude war, denn dann hätten sich die Türen oder zumindest die Türrahmen an den Seiten gar nicht zählen lassen. So aber fragte sich Jane, wieso der Gebäudekomplex so merkwürdig aufgebaut war. Hier fand sich doch kein Mensch zurecht und der Platz schien nicht besonders gewinnbringend genutzt zu sein.
Doch dann dämmerte es Jane. Wahrscheinlich war der Sinn des Ganzen genau, dass sich kein Mensch hier zurecht fand. Nur die Schneekönigin und ihre Diener. Sie selbst würde mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zurück in die Halle von vorher finden und schon gar keinen Ausgang. Es war eine verzwickte Lage. Und es war bestimmt so geplant.
Schließlich gelangte sie aber immerhin doch noch zu dem angekündigten Zimmer und hatte das Gefühl einen zweiten, sehr langen Fußmarsch hinter sich zu haben, der dem Gewirr aus den Straßen glich. Noch dazu vermutete sie, dass sie sogar teilweise im Kreis gelaufen waren. Wenn schon nicht direkt, dann doch immerhin indirekt. Vielleicht waren sie Spiralen gelaufen? Jane wusste es nicht.

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