Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Prisma x Liquefacere fines

von Tsubaki
GeschichteMystery, Freundschaft / P12 / Gen
01.12.2017
06.12.2018
95
91.211
6
Alle Kapitel
32 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
17.12.2017 608
 
Abschnitt 67 - k9


Jane blickte in die kalten Augen der Schneekönigin. Sie waren wunderschön, aber so leblos. Anfangs stach die Kälte noch, doch dann lässt sie keinen Schmerz mehr spüren. Und das ist gefährlich. Man erfror, ohne es zu merken. Diesen Tod wollte Jane nicht erleiden, also beschloss sie, es zu wagen und abzulehnen. War das mutig? Es kam ihr so vor. Doch gleichzeitig gab sie ja nur ihrer Furcht nach. Oder ihrer Vernunft. Denn ihre Furcht war zwiegespalten. Sie sagte nicht nur, dass sie auf keinen Fall mir ihr mit gehen sollte, sondern auch, dass sie aufpassen sollte, sie nicht zu verärgern. Jane schluckte. Würde es sie nicht verärgern, wenn sie ablehnte?
Ganz langsam schüttelte sie den Kopf. Ihre Finger zitterten von der Kälte, aber auch von ihrem Entschluss und der leisen Ahnung, die er mit sich brachte.
Doch die Schneekönigin holte nicht wie erwartet mit der Hand aus, um ihr mit einer kleinen Bewegung einen Schneesturm an den Hals zu hetzen oder sie in eine Schneekugel zu sperren. Sie saß einfach reglos da und rührte sich nicht.
Dann, ganz langsam, bewegten sich ihre Mundwinkel nach unten.
„Verstehe“, sagte sie schließlich mit einer verbitterten Stimme, die irgendwie bedrohlich klang.
„Entschuldigung“, begann Jane hastig. „Ich möchte lieber nach Hause-“
„Still“, zischte die Schneekönigin dazwischen. Dann schwiegen sie beide. Jane allerdings nur, weil sie ihr Kiefer nicht mehr bewegen konnte. Die Kälte hatte sich in einer rasenden Geschwindigkeit wieder in ihr breit gemacht und ihre Glieder fühlten sich jetzt alle samt ganz steif gefroren und gleichzeitig so zerbrechlich an.
Jane überkam ein ungutes Gefühl. Würde die Schneekönigin sie zerbrechen? Wie ein Stück dünnes Eis? Sie konnte sich gut vorstellen, dass dies in ihrer Macht lag. Ja, bestimmt konnte sie das bewerkstelligen, wenn sie ihre Knochen und ihren Körper schon so mit Kälte ausfüllen konnte. Magie war etwas Grenzenloses, da war sich Jane sicher.
Doch ihr blieb nichts anderes übrig, als schaudernd auf eine Reaktion der Schneekönigin zu warten. Sie konnte nichts gegen ihr Schicksal tun.
Als die Schneekönigin dann endlich einen Finger hob und den Rentieren ein Zeichen gab, konnte auch Jane ihren Mund wieder bewegen. Sie vermutete aber, dass das keine Aufforderung zum Sprechen war, also blieb sie still. Sie schloss ihn jedoch vorsorglich, denn auch wenn sie bei all der Kälte, die sich in ihr angesammelt hatte, nicht wahr genommen hatte, wie die Kalte Luft aus der Realität in sie wanderte, war sie sich doch sicher, dass es nicht gesund war, diese eisige Luft durch den Mund zu atmen und womöglich Frostkristalle an den Lungen zu bilden.
Jane fragte sich, wo der Schlitten sie hin bringen würde und musste zu sehen, wie er erst über die Straßen fuhr und dann lautlos vom Boden abhob und damit den letzten Verbindungspunkt zur Wirklichkeit einfach zurück ließ. Jane seufzte leise.
Sie traute sich kaum sich zu bewegen, denn die Schneekönigin würdigte sie keines Blickes mehr, doch während der Fahrt durch den Nachthimmel, gab es auch so genug zu sehen. Zuerst war der Himmel weiß, doch bald gab es eine schwarze Kluft zwischen den Wolken und Jane war sich sicher, dass man den Schlitten in seiner wundersamen Pracht und die Schneekönigin, ganz in weiß, dort gut abstechen sah, doch diese machte nur eine kleine Geste mit der Hand und die Wolken zogen ihnen nach, verdichteten den Hintergrund, an dem sie vorbei fuhren und es begann zu schneien. Dicke Flocken, die ihren Weg an ihnen vorbei nach unten nahmen. Jane sah ihnen nach und fragte sich, ob ihr Weg genauso ungewiss war, wie der Ihre.

Würfeln:

3, 4 und 6 = Abschnitt at

1, 2 und 5 = Abschnitt ah
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast