Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Prisma x Liquefacere fines

von Tsubaki
GeschichteMystery, Freundschaft / P12 / Gen
01.12.2017
06.12.2018
95
91.211
6
Alle Kapitel
32 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
17.12.2017 1.003
 
Abschnitt 66 - a10


Staunend betrachtete Jane das ungewöhnliche Bauwerk, welches sich vor ihr auftat, während die Rentiere den Schlitten sacht und wie von Geisterhand abgefedert, wieder auf der Erde abstellten.
„Wir sind da. Willkommen in meinem Reich“, sagte die Schneekönigin lächelnd und stieg mit der selben Anmut aus, mit der sie auch eingestiegen war. Grazil, wie ihre Schneeflocken.
Jane versuchte gar nicht erst, ihr in diesem Punkt das Wasser zu reichen, obwohl sie das Gefühl hatte, es handelte sich hier um die Vorschriften des Hauses. Artig die Hand geben, wenn man es verlangte, lächeln, wenn du angelächelt wirst, nichts ablehnen, was dir angeboten wird oder worum du gebeten wirst und möglichst elegant dahin schreiten. Doch Jane beließ es bei der Entscheidung im jeweiligen Moment, ob sie diesen inoffiziellen Regeln nach kam oder lieber nicht. Auch verzichtete sie auf den eleganten Gang und verhielt sich möglichst normal. Trotzdem fühlte sie sich nicht so, sondern wie ein Fremdkörper in einer fantasievollen Welt.
Wie Charakteristisch für die Schneekönigin waren hier alle Wände aus schimmernden Eis. Allerdings sah es manchmal sogar beinahe aus, wie Glas. Ein richtiger Kristallpalast, nur mit einem Jane unbekannten Baustil erbaut.
Langsam schritt Jane hinter der Schneekönigin in das Gewölbe, dass wohl den Eingangsbereich darstellte. Die Decke war aus richtigem Eis gemacht, wie es auch einen See überzog, denn man konnte viele Luftblasen in ihm ausmachen. Die Säulen waren da schon anders, denn in ihnen sah man nur die langgezogenen Spiegelungen des Eises, während man in der Wand zum nächsten Zimmer sogar sich selbst recht genau wahr nehmen konnte, wie in einem Spiegel. Auch wenn auf den ersten Blick alles gleich luxuriös und mystisch aussah, waren es sehr unterschiedliche Formen von Eis und Schnee, aus denen alles gemacht war. Denn sogar gepressten Schnee, wie er auch zum Iglo Bauen verwendet werden hätte können, fand sich in den Stufen in das nächste Zimmer. Tür gab es jedoch keine. Und als Jane den Raum betrat, vermutete sie, dass das Gebäude generell ohne Türen auskam. Wozu auch, wenn Säulen in den Durchgängen viel mehr her machten? Sonderbar war es hier jedenfalls schon.
„Na, wie gefällt es dir?“, fragte die Schneekönigin in einem lockeren Plauderton.
„Es ist mystisch“, sagte Jane ehrlich und die Schneekönigin warf ihr daraufhin einen verwunderten Blick zu. Wusste sie etwa nicht, wo sie dieses Wort einordnen sollte?
„Wundervoll“, fügte Jane schnell noch hinzu und diesmal schien die ebenfalls sehr mystische Frau zufrieden zu sein.
Sie ging weiter, bis zur Mitte des Raumes und setzte sich dort auf ein weißes Polster. Jane fragte sich, ob das Stoff oder Schnee war. Sie war sich nicht sicher. Sie selbst steuerte besser den Strohsack daneben an. Der sah sehr echt aus und wahr hoffentlich nicht all zu kalt. Sie wollte nicht an ihrem Platz fest frieren.
Tatsächlich eignete er sich recht gut als ungewöhnlicher Sitzsack, doch kaum hatte sie sich gesetzt stürzten zwei plattfüßige Vögel auf Jane zu und zerrten an ihren Ärmeln. Zwei Botogel.
„Was soll das?“, rief Jane und versuchte die beiden abzuschütteln.
„Ich glaube, sie wollen dich darauf aufmerksam machen, dass dies der Platz für mein Kleoparda ist. Du solltest dich nicht auf eine Stufe mit ihm stellen.“
„Oh, Verzeihung“, sagte Jane enorm höflich und stand hastig wieder auf. Suchend blickte sie sich nach einer anderen Sitzgelegenheit um.
„Na komm schon her“, sagte die Schneekönigin und deutete mit einer sehr sparsamen Handbewegung, bei der aber trotzdem eine Menge der Eiskristalle an ihrem Gewand sanft zu klirren begannen, auf ein anderes weißes Polster neben sich. Jane begutachtete misstrauisch, versuchte sich aber gleichzeitig nichts anmerken zu lassen. Als sie darauf zu trat, brachte sie es dann aber doch nicht über sich, sich einfach hinzusetzten, also stupste sie es vorsichtig mit dem Finger an und tat dann so, als wollte sie mit der Hand etwas wegstreichen. Es war verlockend weich und sie war nicht eingebrochen. Ob es aus Schnee bestand konnte sie nicht sagen. Es erinnerte sie eher an ein Wasserbett, obwohl es das gewiss nicht sein konnte, nach der merkwürdigen Form zu urteilen.
Entschlossen setzte sich Jane und bemerkte erst jetzt den belustigten Blick der Schneekönigin. Jane schämte sich ein wenig, wie sie so in dem dicken Polster versank. Es war tatsächlich sehr bequem und Jane spürte, wie die Müdigkeit sie übermannte.
Wie konnte das sein? Natürlich hatte sie zu wenig geschlafen, denn es war bestimmt schon tief in der Nacht, vielleicht sogar schon wieder Tag, aber eigentlich hätte sie noch so voll gepumpt mit Adrenalin sein sollen, dass der Körper gar nicht an schlafen dachte. Stattdessen wurden jetzt jedoch ihre Lider schwer und die Glieder entspannten sich nach und nach.
„Bist du müde?“, fragte die Schneekönigin wie aus weiter Ferne. „Ich lasse dich auf ein Gästezimmer bringen, wenn du dich erst etwas ausruhen möchtest. Ab jetzt haben wir schließlich viel Zeit. Den ganzen Winter lang und vielleicht noch länger. Ich freue mich schon.“
Jane schreckte zusammen. So lange hatte sie eigentlich nicht bleiben wollen. Aber wie sollte sie hier weg kommen? Die Rentiere würden bestimmt nicht auf sie hören. Die Frage war also eher, was sie jetzt tun sollte. Den Rest musste sie sich später einfallen lassen. Vielleicht war es gar keine so schlechte Idee erst einmal allein zu sein. Sie konnte vorgeben sich auf ihr Zimmer zu begeben, um sich auszuruhen und dann ein wenig das Schloss erkunden. Oder sollte sie sich tatsächlich ausruhen und Kraft tanken? Konnte man der Königin denn trauen? Aber irgendwann musste sie schließlich schlafen. Oder aber, sie forderte die Schneekönigin einfach jetzt heraus, um das Nikolausmädchen zu befreien. Vielleicht war es ja gefährlich in der Schneekugel und es galt keine Zeit zu verlieren. Jane konnte es schließlich nicht wissen.
Nachdenklich blickte zu den beiden Botogel, die den Strohsack glatt strichen, während sie in Gedanken all ihre Möglichkeiten noch einmal durchging.
Schließlich hatte sie sich entschieden und sah entschlossen zur Schneekönigin. Diese erwiderte den Blick mit kalten, erwartungsvollen Augen.

Wähle:

Mit ihr jetzt offiziell um die Schneekugel spielen: l11

Vorgeben, sich ausruhen zu wollen: r11

Wirklich ausruhen: r11
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast