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Prisma x Liquefacere fines

von Tsubaki
GeschichteMystery, Freundschaft / P12 / Gen
01.12.2017
06.12.2018
95
91.211
6
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1 Review
 
17.12.2017 935
 
Abschnitt 65 - et


Schwerelos glitt Jane durch eine unbekannte Umgebung, eine Art unwirkliche Energie. Sie fiel nicht wirklich, merkte aber, dass es irgendwie abwärts ging. Sobald sie versuchte, sich zu bewegen, um die Richtung zu beeinflussen, spürte sie, wie die merkwürdige Substanz Druck um sie herum aufbaute. Wie Wasser, das man erst zur Seite schieben musste. Doch Schwimmbewegungen brachten sie auch nicht weiter und all ihre Handlungen kamen ihr hier vor wie in Zeitlupe vor.
Sie wusste auch gar nicht, wie viel Zeit so verstrich, aber eindeutig genug, um sich der Umgebung sehr bewusst zu werden und sich ein wenig so zu fühlen, wie ein Komet, der durch das Weltall sauste.
Jane dachte an ein Kosmovum und dann an ein Deoxys. Sie hatte einfach zu viel Pokemon im Kopf, aber so war es nun mal, wenn man gerade an einer neuen Fangeschichte schrieb. Ob sie Deoxys einbauen sollte?
Jane malte sich ein paar Bilder aus und merkte gar nicht, wie sie dem Gedankenfaden nach ging, bis sie mit einem Mal aus ihrem sanften Fall gerissen wurde und dem Sog der Schwerkraft unterlag. Es war wie ein Weckruf und sofort strömte das Adrenalin durch ihren Körper und putschte sie auf – ohne, dass sie auch nur einen Finger rühren konnte, um etwas gegen das Fallen zu tun.
Sie drehte sich allerdings leicht im Flug und konnte daher sehen, wo sie gleich einen schmerzhaften Aufprall erleiden würde. In Bruchteilen von Sekunden machte sie unter sich eine Schneelandschaft aus und nahm überraschend viele Details wahr. Ebenso rechnete sie sich auf Anhieb aus, wie weit sie wohl noch vom Boden entfernt war. Eine Zahl spuckte ihr Kopf nicht aus, dafür aber ein Gefühl, das ihr verriet, dass es zu weit war. Ob sie das überleben würde? Jane kniff die Augen zu.
Doch statt des erwarteten Aufpralls, durchzuckte plötzlich ein Ruck ihren Körper und hielt sie für einen Moment in der Luft, wie in einem Fahrstuhl, der einen kurzen Hänger hatte und sich erst wieder einrenkte, bevor es weiter nach unten ging. Tatsächlich war der Vergleich sogar noch passender als zuerst angenommen. Denn ab jetzt ging es in gleichmäßigem, kontrolliertem Tempo nach unten. Und nicht nur das. Irgendetwas hielt sie außerdem an Taille und Oberkörper fest.
Jane schlug die Augen auf. Jetzt bedauerte sie es doch, dass sie mit dem Gesicht nach unten blickte, doch ihre Fantasie gab ihr trotzdem eine mögliche Antwort auf die Frage, wer oder was sie da fest hielt und vor dem möglichen Tod bewahrte. Als sie sanft direkt über dem Boden ankam, sah sie nämlich zwei rote Beine. Keine richtigen Beine, wie sie Menschen hatten. Noch nicht einmal Füße waren an ihnen. Aber doch zwei rote Stecken, die bestimmt zu ihrem Retter gehörten. Und als sie sich noch etwas vor lehnte mit dem Kopf – was ziemlich unangenehm war, weil sie das Gefühl hatte, ihr schoss das ganze Blut mit rasender Geschwindigkeit in den Kopf – konnte sie auch dem sehr ähnliche rote Arme erkennen, die sie hielten.
War das etwa ein Deoxys?
Jane wagte nicht zu hoffen. Es durfte schließlich keine Pokemon geben, wenn es nach dem Verstand ging. Doch Janes Katalog an Möglichkeiten bestand bisher nur aus dieser einen. Ansonsten könnte es sich theoretisch auch noch um ein sehr merkwürdiges, ihr unbekanntes Wesen handeln, aber diese Version nahm sie noch weniger ernst als die, dass es sich tatsächlich um ein Pokemon handeln könnte. Da ihr Verstand allerdings ständig dagegen argumentierte, versuchte sie es noch nicht als gegeben zu akzeptieren.
Stattdessen begann sie neugierig den Kopf zu heben und versuchte sich frei zu strampeln.
„Bitte loslassen“, sagte Jane, als der Griff nicht nach gab. Sie hätte beinahe das Bitte vergessen in ihrer Lage, aber andererseits war sie von überwältigender Dankbarkeit und Erleichterung erfüllt, dass sie jetzt nicht unhöflich sein sollte.
Und tatsächlich halfen ihr diese Worte auch. Der Griff ließ nach und sie fiel zu Boden. Kalter Schnee stach ihr ins Gesicht und Jane dachte, dass sie sich vielleicht vorher passend positionieren oder ‚absetzen‘ sagen hätte sollen. Dafür war es jetzt allerdings zu spät und weh getan hatte ihr der Aufprall auch nicht, nach so einer geringen Fallweite.
„Vielen Dank für die Hilfe“, sagte Jane und rollte sich herum.
Ihr blieb der Mund offen stehen. Vor ihr stand tatsächlich ein Deoxys. Auch wenn ein Teil von ihr innerlich ungläubig den Kopf schüttelte, war der Rest von Jane absolut begeistert.
„Deoxys“, hauchte sie ehrfürchtig. Sollte sie jetzt anfangen an Pokemongötter zu glauben? Vielleicht war es einen Versuch wert. Sie bezweifelte allerdings, dass sie viele Anhänger finden würde.
Aber wieso hatte ihr das Deoxys geholfen? Etwa weil sie vorher an es gedacht hatte? Sie hatte ja nicht um Hilfe gebeten oder zu Gott gebetet. Sie hatte sonst nichts getan, was sein Auftauchen erklären würde. Alle Möglichkeiten, die ihr einfielen waren der Zufall und ihre vorherigen Gedankengänge.
Kaum hatte sie das gedacht kam eine frische Brise auf und blies ihr in den Nacken.
„Ich war es nicht“, flüsterte eine leise Stimme.
Jane fuhr herum, sah aber nichts. Sie fröstelte, als sie sich wieder zu dem Deoxys umdrehte. Sie beschloss die ominöse Stimme einfach links liegen zu lassen und sich den wichtigen Dingen in ihrem Leben zu widmen. Und Deoxys war wichtig.
„Das ist aber nicht sehr nett“, wisperte die Stimme eine unerwartete Antwort auf ihre Gedanken. Oder bildete sie sich das nur ein?
Jane schüttelte sich.
Doch als sie dem Pokemon wieder ihre volle Aufmerksamkeit widmete, sah dieses zum Himmel auf und flog davon.
Ohne zu zögern begann Jane ihm nach zu laufen.

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