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Prisma x Liquefacere fines

von Tsubaki
GeschichteMystery, Freundschaft / P12 / Gen
01.12.2017
06.12.2018
95
91.211
6
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
1 Review
 
15.12.2017 1.476
 
Abschnitt v9


Der Anblick der vielen Pokemon war wirklich faszinierend. Überwältigt blieb Jane erstmal an Ort und Stelle stehen und konnte sich gar nicht satt sehen, an dem Schauspiel, das sich ihr bot.
Aber sie war nicht die Einzige, die beobachtete. Auch die Pokemon beobachteten sie. Zumindest das Menki hatte ganz offensichtlich Interesse an ihr, denn es schwang sich vorsichtig Ast zu Ast und dann schlich es näher. Sie fixierten sich für einen Moment mit den Augen, dann nahm das Pokemon reiß aus und suchte sich eine andere Beschäftigung.
Die Pflanzenpokemon, die sich nicht weit von ihr entfernt zusammengerottet hatten, gaben allerdings nicht so schnell nach. Es schien Jane beinahe so, als würden sie miteinander tuscheln. Beratschlagten sie gerade, ob sie sich bei ihr rächen sollten, für die stand festeren Exemplare, die bei Janes Sturz zu schaden gekommen waren? Jane hoffe, dass das nicht der Fall war.
Sie versuchte ein freundliches Gesicht zu machen, als sie besorgt zu dem wandelnden Beet hinüber blickte.
„War keine Absicht“, versicherte sie und fragte sich, ob die Pokemon sie wohl verstanden. Immerhin war sie ein Mensch und sprach vermutlich eine andere Sprach wie sie. Mit Sicherheit konnte sie das jedoch nicht wissen, denn was wusste man schon von Wesen, die man sein Leben lang für erfunden gehalten hatte?
Demnach ließ sich ihre Laune nicht so leicht trüben und sie vergaß beinahe, dass sie eigentlich her gekommen waren, um Tim zu suchen. Aber da war ja nicht nur Tim, nach dem sie Ausschau halten sollte. Wo waren eigentlich Alexa und Lena abgeblieben?
„Hallo? Seid ihr hier irgendwo?“, rief Jane in die Welt hinaus, bekam aber leider keine Antwort.
Sie beschloss nach ihnen zu suchen. Als sie jedoch den ersten Schritt weg machte, brach wieder heilloses Chaos aus. Die Sonnflora standen zwar noch immer tapfer in ihrem Grüppchen, aber zwei Blubella wuselten hastig hin und her und die Floette waren aufgeflogen.
„Beruhigt euch, ich will euch nichts tun!“, versicherte Jane und machte in langsamen Bewegungen einen großen Bogen um die Pokemon – auch wenn sie sie nur all zu gerne aus der Nähe betrachtet hätte. So konnte sie sich allerdings nur Seitenblicke gönnen. Es war wirklich beeindruckend, wie Pokemon in echt aussahen. So anfassbar. Und außerdem mit echten Ranken, echten Blättern und echtem Fell. Kein bisschen gezeichnet. Und doch sahen sie ziemlich genau so aus, wie Jane es erwarten würde. Sie hatte zwar schon früher mal 3D-Reality-Animationen für Pokemon gesehen, aber die sahen dann immer alle so extrem anders aus, als die Originalzeichnungen, dass sie ihr Herz dafür nicht erwärmen konnte. Hier war das anders. Zwar stimmten nicht exakt alle Details überein, aber im Großen und Ganzen schienen die schlichten Striche und Ausmalflächen zum Leben erwacht zu sein. Jane hätte sie nur zu gerne einmal berührt. Doch sie riss sich zusammen.
Die Floette beruhigten sich langsam, als sie vorbei war und Jane fragte sich, warum Floette sich unter Pflanzenpokemon tummelten. Sie sahen zwar auch aus wie Blumen, aber eigentlich waren sie doch vom Typ Fee. Die Welt steckte doch voller Überraschungen. Und diese mit Sicherheit erst recht!
So wanderte ihr Blick nicht nur wegen der drei vermissten Person suchend hin und her, während sie entschlossen das letzte Stück des Berges hinauf ging. Wobei schwer zu sagen war, ob es sich tatsächlich um einen richtigen Berg handelte. Die Landschaft war sehr hügelig, und immer wieder flächenweise relativ eben. Vielleicht handelte es sich ja auch um mehrere Berge, die in einander über gingen. Jedenfalls steuerte Jane die Spitze des Ganzen an. Sie hoffte dort oben einen besseren Überblick zu bekommen. Und vielleicht war ja nicht nur sie, sondern auch einer der Anderen auf die Idee gekommen.
Und tatsächlich! Als Jane die letzten Schritte zur Plattform an der Spitze des Berges hinauf ging, konnte sie einen Menschen erkennen. Sofort beschleunigte sie ihre Schritte und sie lief freudig auf die Person zu.
Diese hatte anscheinend ihre Schritte gehört, denn das Mädchen drehte sich im selben Moment zu ihr um, wie Jane bei ihr angelangte.
„Alexa!“, rief Jane erfreut.
„Jane!“, kam eine ebenso freudige Reaktion zurück.
„Bin ich froh, dass ich dich gefunden habe“, machte Jane ihrer Freude weiter Luft. „Hast du Lena irgendwo gesehen? Ist sie auch bei dir?“
„Nein, leider nicht“, entgegnete Alexa.
„Oh...“, machte Jane und ihr Gemüt war schon wieder etwas eingedämmt. Doch dann lies sie sich ihre Laune nicht verderben und beschloss einfach weiter zu suchen. Sie blickte sich um und versuchte sich einen Überblick zu verschaffen.
Die Plattform war nicht besonders groß. Zumindest nicht der Teil, auf dem man gehen konnte. In der Mitte befand sich nämlich ein zugefrorener See, der in einer wundersam türkisen Farbe unter der Eisschicht hervorschimmerte. Das Eis wirkte befremdlich, denn die Landschaft am Berghang war größtenteils grün, aber es waren weiter unten doch noch ein paar Schneeflächen zu erkennen. Anscheinend war sich das Wetter hier nicht ganz einig, welche Jahreszeit es momentan vertrat. Und irgendwie roch es hier oben merkwürdig. Nicht besonders gut, wenn Jane es recht bedachte. Doch sonst war alles ganz normal.
Von hier aus konnte man auch tatsächlich ins Tal runter blicken. Ein großer Teil dessen, was sie sah, war allerdings mit Wald bedeckt. In der Ferne konnte sie aber ein kleines Dorf ausmachen, in dem vermutlich Menschen lebten. Und sonst sah sie noch viele verschiedene Pokemon. Jane strahlte.
„Es ist überwältigend, nicht wahr?“, fragte Alexa ausgelassen. Ihre Laune war offensichtlich auch gut, trotz ihrer eigentlichen Mission.
Jetzt fielen Jane Alexas Aufbruchsworte wieder ein und sie fragte: „Warum hast du eigentlich Bruder zu Tim gesagt? Seid ihr verwandt?“
Alexa schüttelte lachend den Kopf.
„Ach nein. Er ist nur mein seelischer Bruder“, erklärte sie.
„Ah, verstehe“, murmelte Jane. Und dann fügte sie hinzu: „Na dann lass uns mal die anderen suchen.“
Alexa nickte und sagte: „Und nebenbei werden wir Pokemonrtrainer, ja?“ Auch wenn sie diesen Satz mit einer Frage beendet, wirkte es so, als könnte sie nichts und niemand aufhalten.
„Was? Aber wie sollen wir das denn anstellen?“, erwiderte Jane etwas überrumpelt. Nicht, dass sie nicht selbst schon mit dem Gedanken gespielt hätte – aber letztlich war ihr dann doch in den Sinn gekommen, dass es bestimmt nicht sonderlich einfach war, ein Pokemon zu fangen, wenn man keine anderen Pokemon hatte.
„Wenn du es träumen kannst, kannst du es leben!“, gab Alexa jedoch nur entschlossen zurück. „Walt Disney“, fügte sie dann leiser hinzu.
„War das etwa ein Zitat?“, fragte Jane lachend. „Ich dachte, du bist Shakespear Fan. Die anderen hatten da mal was erwähnt.“
„Das widerspricht sich doch nicht“, sagte Alexa. „Auch Shakespear Fans dürfen Disneyfilme anschauen.“
Jane musste lachen. Alexa war wirklich eine fröhliche Person. Sie mochte sie.
Gemeinsam gingen sie zur anderen Seite der Plattform, um sich dort die Aussicht noch etwas genauer anzusehen und sich anschließend für einen Weg zu entscheiden. Doch auf einmal gab Alexa einen überraschten Laut von sich.
„Was ist?“, fragte Jane, sah aber sofort, was passiert war.
Sie waren am Rand des Eissees entlang gegangen und Alexa hatte ein Stück am Rand eingetreten.
Jane schauderte.
„Na wenn das Eis schon am Rand so dünn ist, dann ist es bestimmt generell nicht besonders fest“, kommentierte sie.
Alexa zog währenddessen etwas angewidert ihren Fuß aus dem Eismatsch. Dann stutzte sie jedoch.
„Kuck mal“, sagte sie und deutete nach unten.
Ein runder Kreis war hier am Rand auszumachen. Die Eisschicht schien dort wirklich sehr dünn zu sein und vor allem konnte man nicht richtig hindurch sehen. Das Eis sah sehr unbeweglich und künstlich aus, während neben der runden Zeichnung lauter gefrorene Luftblasen im Eis auszumachen waren. So dünn schien die eigentliche Eisschicht doch nicht zu sein, denn man konnte viel und tief in die Schicht sehen.
„Da ist was drunter“, sagte Alexa interessiert und sah sich in der Umgebung nach einem Stock um. Leider fand sie keinen, denn hier oben wuchsen keine Bäume.
„Hast du einen Stift?“, fragte sie Jane und diese gab ihr nickend einen Bleistift in die Hand. Vielleicht hätte sie vorher fragen sollen, was Alexa damit wollte, denn diese begann nun die dünne, künstliche Eisschicht einzureißen. Und kaum fiel ein Stück, folgte auch schon der ganze Rest. Jetzt waren die Ränder mit Eismatsch gezeichnet, aber daneben war ein Durchgang zum Vorschein gekommen. Ein senkrecht hinabführender Tunnel aus Stein.
„Wow“, murmelte Jane und Alexa wirkte zufrieden, als sie den Stift zurück gab.
„Ob es davon noch mehr gibt hier?“, fragte Jane und blickte nachdenklich über den See. Tatsächlich entdeckte sie weiter im Inneren noch einen weiteren Tunnel. Nur, dass dieser aus Eis gemacht war und sich daher besser tarnte. Dafür war er aber bereits freigelegt und Jane glaubte, eine Treppe erkennen zu können. Hier war das nicht der Fall. Das hier war einfach nur ein Schlund, der in undefinierbare Tiefe führte.

Wähle:

In den Tunnel am Rand des Sees springen: Abschnitt f10

Über das Eis zu dem anderen Tunnel: Abschnitt z10

Einfach weiter gehen: Abschnitt o10
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