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Prisma x Liquefacere fines

von Tsubaki
GeschichteMystery, Freundschaft / P12 / Gen
01.12.2017
06.12.2018
95
91.211
6
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15.12.2017 1.681
 
Abschnitt 61 - bn


Das fremde Auge musterte die Pokemon unter sich sehr genau. Für einen kurzen Moment schien es ihm sogar die Sprache verschlagen zu haben, aber dann redete das Pokemon in der Säule weiter.
„Das ist ja Wahnsinn! Ihr seid Pokemon! Und ihr könnt sprechen! Ich muss wohl doch träumen.“
Jetzt plusterte sich das Enton ärgerlich auf und rief: „Natürlich sind wir Pokemon, was denkst du, was du bist, heh?! Du begriffsstutziges Didga, komm sofort da runter oder Palimpalim singt dir deine Todessymphonie!“
Diese Worte lösten mehrere Reaktionen gleichzeitig aus. In Janes Kopf beispielsweise begann sofort eine Platte zu spielen. Eine alte Platte, die einen Sprung hatte und in einem Horrorszenario endete. Das Palimpalim, welches sie vorhin so böse angesehen hatte, spielte eine nicht zu verachtende Rolle darin. Was wäre passiert, wenn sie gesagt hätte, dass ihr die Musik nicht gefallen hatte? Hätte das Palimpalim sie umgebracht? Jane musste schlucken und blickte möglichst unauffällig auf das anschmiegsame, niedliche Pokemon hinunter. Die harmlose Ausstrahlung trug bestimmt bloß. Sie hatte ja gesehen, wozu das kleine Wesen im Stande war. Zu sehr intensiven Gefühlsregungen...
Das Palimpalim hingegen kuschelte sich noch ein letztes Mal fest an Janes Wolkenflaum und flog dann langsam zu Enton und dem Eindringling in der Säule. Es blickte allerdings noch nicht sonderlich böse. Was sich jedoch schnell ändern könnte.
Dem Neuankömmling war das jedoch nicht bewusst, weshalb er währenddessen noch ein Zahnrad zur Seite schob, um auch das zweite Auge frei zu bekommen. Das Kliklak protestierte eisern quietschend, was dafür sorgte, dass ein Orchester an verschiedenen Quietschtönen die noch bestehende Säule erfüllte. Die Zahnräder versuchten das Pokemon los zu werden, dass soeben keck den Kopf aus seinem Gefängnis befreit hatte. Ein Igamaro streckte den Kopf heraus.
„Wie meinst du, Dude?“, fragte es und sah nach wie vor sehr fröhlich aus. Ihm war wohl noch nicht bewusst geworden, dass es gerade ein ganz schönes Chaos anrichtete. Erst als es mit den Ohren wackelte und dann langsam zu den immer lauter scheppernden Zahnradpokemon hinabblickte, konnte man an seinem Gesichtsausdruck ablesen, dass es endlich verstand.
„Das sind ja auch alles Pokemon!“, rief es und geriet ins Wanken, als es seine befreite Pfote bewegen wollte. Es fing sich jedoch schnell wieder, in dem es sich am Bauchreifen eines Klikdiklaks festhielt. Und kaum hatte es das geschafft wurde aus seinem eben noch überraschten Gesichtsausdruck ein breites Grinsen. Offensichtlich fühle es sich in der Situation wohl. Was man nicht von allen Anwesenden behaupten konnte.
„Jetzt komm verdammt noch mal dort herunter, du Stachelkopf!“, zeterte das Enton und watschelte dabei auf der Stelle von einer Flosse auf die Andere.
„Yo, warte kurz“, murmelte das Igamaro und setzte an sich durch die Lücke zu zwängen.
„Nicht so!“, rief Enton sofort zu ihm hinauf.
„Nimm meinen Ausgang“, schlug das Palimpalim vor. Seine Stimme klang dabei freundlich und hilfsbereit, aber im Unterton klang etwas Warnendes mit.
„Hier gibt es einen Ausgang?“, fragte das Igamaro überrascht.
„Klar, oder was glaubst du, wo die Musik herkommt?“, kommentierte Enton und seufzte, als wollte es zum Ausdruck bringen, wie begriffsstutzig dieses Igamaro doch war.
„Ich höre keine Musik“, merkte das Igamaro jedoch noch an. Sein Ton war aber auch schon ein Stück weit gereizter. Es empfand anscheinend keine Sympathie für das tyrannische Enton.
Palimpalim nahm das allerdings zum Anlass ein kleines Liedchen zum Besten zu geben. Es begann glücklich zu musizieren.
Jane kam bei diesem Anblick der Gedanke, wie gut es doch war, dass Palimpalim nicht als Pummeluff geschnitzt worden war. Das hätte zu größeren Problemen führen können.
Aber auch so erkannte wohl keiner das Problem, dass Igamaro nicht wusste, von welchem Ausgang die Rede war. Als es jedoch zum zweiten Mal ansetzte durch das Loch zu kommen und die Zahnräder dadurch beunruhigte, schwebte Kirlia tänzelnd zur Rückseite der Säule. Turtok und Jane folgten.
Dort war tatsächlich eine Luke zwischen all den Zahnrädern. Sie war mit einer Klappe verbunden, die herabgelassen worden war.
„Das ist Palimpalims normaler Aufenthaltsort“, erklärte Kirlia sanft.
„Kann sein, dass es deshalb so gerne Horrorfilme mag und immer wieder schlecht gelaunt ist“, fügte Turtok plump hinzu.
„Was hast du gesagt?!“, kam ein unzufriedenes Kreischen von der Vorderseite der Säule und die Musikdarbietung war schlagartig beendet.
Igamaro aber hatte den Wink jetzt endlich verstanden und wühlte sich auf der Innenseite durch die Säule. Anscheinend war auch das nicht ganz einfach, aber das Rascheln und Schürfen deuteten darauf hin, dass es bereit war, einen Weg zu erschaffen, wenn es keinen gab.
„Igamaro, du könntest einfach deinen Kopf einsetzen“, merkte Turtok an, dass sich mit halber Aufmerksamkeit mit dem aufgebrachten Palimpalim herum schlug.
Für einen kurzen Moment verklang das Schürfen. Dann kam ein aufgeregtes Quietschen aus dem Inneren der Säule.
„Ich bin ja auch ein Pokemon, wie cool ist das denn?“
„Oh je, ich glaub´s einfach nicht“, murrte etwas weiter vorne im Raum das Enton. Dem schenkte aber kaum jemand Beachtung, denn im nächsten Moment krachte Igamaros Kopf durch das letzte Stück Wand, welches es noch von der Luke getrennt hatte. Leider hatte es nicht exakt bestimmen können, wo es hin musste und daher die äußersten beiden Klikks ebenfalls noch mit weggeschleudert. Benommen lagen nun beide vor ihm auf dem Boden.
„Oh, das wollte ich nicht“, sagte das Pflanzepokemon entschuldigend. Dann richtete es sich auf und betrachtete eingehend seine Pfoten, tippte sich auf die Nase und bewegte seine Beine mit samt der Klauen hoch und runter.
„Hast du auch einen neuen Körper?“, fragte Jane interessiert. Vielleicht ging es Igamaro ja genau wie ihr.
„Well, zumindest war ich in meinem bisherigen Leben ein Mensch“, gab Igamaro augenzwinkernd zurück.
„Ich auch“, meinte Jane begeistert und erntete einen abschätzigen Blick von Enton, welches mittlerweile zu ihnen gewatschelt war. „Mein Name ist Jane und wie heißt du?“
Das Igamaro zögerte.
„Ich bin...“, begann es und machte dabei eine lockere Bewegung nach vorne mit beiden Pfoten. Es versuchte diese irgendwie zu spreizen. Es gelang ihm aber nicht sonderlich gut.
„Himmel, sind die zusammen gewachsen?“, fragte es, statt seinen Satz zu beenden.
Die Igamaro-Ärmchen endeten eher in solchen Pfoten, wie sie Bären hatten. Es gab sehr wohl eigene Ballen und den Ansatz zu einer geteilten Form, aber keine einzelnen Finger, wie man sie als Mensch gewohnt war.
Unzufrieden nahm Igamaro die Arme wieder herunter.
„Ich bin Lucena“, beendete es dann seinen Satz. Dann musterte es Jane für einen kurzen Moment genauer und zuckte dann mit den Schultern. „Kann es sein, dass du die Jane bist, die in die WG gezogen ist? Sorry, wenn ich dich nicht erkenne, aber du hast dich ganz schön verändert, Dude.“
Jane musste lachen.
„Das kann man wohl sagen“, schmunzelte sie. „Aber ja, ich bin die Jane. Dann weiß ich auch, wer du bist.“
„Schön, dass sich da zwei gefunden haben“, unterbrach Enton das Gespräch und stellte sich zwischen die beiden, als wollten sie gerade beginnen zu streiten.
„Aber jetzt zu den wichtigen Punkten des Tages. Wo können wir unsere Freiheit am besten genießen, bis die Zeit abgelaufen ist?“
„Abgelaufen?“, fragte Jane und wusste im ersten Moment nicht worauf er hinaus wollte.
„Ich habe dir doch erzählt, dass wir nur im Winter lebendig werden können“, sagte Kirlia. „Wir könnten also etwas unternehmen, bis die Zeit der verschwimmenden Grenzen wieder vorbei ist.“
„Verschwimmenden Grenzen?“, fragte diesmal Lucena. „I don´t know, what you mean.“
Jetzt sah Kirlia auf einmal enorm schockiert aus und wich einen Schritt zurück. Dabei stolperte es über Entons Fußflosse und fiel rücklings zu Boden. Aber selbst dabei sah es irgendwie leichtfüßig aus.
„Aua“, schniefte es und setzte sich wieder auf.
„Warum stellst du dich auch gleich so an, nur weil das wirre Igamaro Unsinn plappert“, schimpfte Enton.
„Hey“, beschwerte sich Igamaro. „Warum soll ich jetzt plötzlich schuld sein?“ Seine Haltung hatte sich etwas schützender zusammen gezogen. Ihm war offensichtlich auch nicht klar, was hier vor sich ging.
„Tu nicht so unschuldig“, murrte Enton. „Du bist das erste Wesen, dass wir treffen, dass so eine merkwürdige Sprache daher brabbelt. Keiner unserer Gäste hat jemals etwas so Unvernünftiges von sich gegeben.“
„Ich habe doch nur gesagt, dass ich nicht weiß, wovon sie spricht“, verteidigte sich Lucena.
„Dann sag das auch so“, kam nur schroff zurück.
Kirlia hingegen war etwas verständnisvoller, auch wenn sie immer noch verunsichert wirkte.
„Was war das für eine Sprache“, fragte sie nach.
„Englisch“, gab Lucena etwas unwillig zurück.
Darauf folgte schweigen.
Lucena wurde es aber schließlich zu viel und sie sagte: „Die halbe Welt kann sich auf Englisch verständigen. Warum kennt ihr das nicht?“
„Wir sind es gewohnt, dass unsere Gäste unsere Sprache sprechen“, erklärte Palimpalim wie selbstverständlich.
„Dann sprecht ihr also nur deutsch?“, fragte Jane und klinkte sich nun auch wieder in das Gespräch mit ein.
Darauf entstand allerdings erneut eine lange Schweigepause.
Schließlich erbarmte sich unerwartet das Efoserp und antwortete langsam: „Nein. Ich glaube nicht. Ich dachte eigentlich, wir sprechen japanisch.“
Jetzt war es an Jane und Lucena verwirrt zu sein. Allerdings äußerte es sich bei beiden unterschiedlich. Lucena wurde nämlich nach einem kurzen Moment der Überraschung wieder lockerer und begann zu grinsen.
„Das tut mir leid, ich spreche kein japanisch“, sagte sie, „Dann werden wir uns wohl nicht verständigen können.“
„Waas?“, fragte Efoserp völlig perplex und begann zu zappeln. Kirlia hielt es allerdings sofort fest.
„Ich glaube, wir sprechen immer die Sprache, die die Person spricht, die uns frei wünscht“, spekulierte Kirlia anschließend. Sie sah zu Lucena und erklärte etwas widerwillig: „Wir sind nämlich eigentlich Holzfiguren in diesem Glockenspiel.“
Jetzt drehte sich Lucena zu Jane und fragte: „Warst du das?“
Jane nickte.
„Du kannst kein englisch?“, folgte sofort die nächste Frage.
„Doch“, meinte Jane. „Aber ich habe auf deutsch gesagt, dass ich gerne mit ihnen sprechen würde.“
Lucena lachte laut und meinte dann belustigt: „Na dann müssen sie wohl deutsch sprechen, wenn du dich auch noch mit ihnen unterhalten wolltest.“
„Genug!“, funkte Enton erneut dazwischen. „Wo soll es denn nun hin gehen?“
„Was steht denn zur Auswahl“, konterte Lucena, die sich ebenfalls angesprochen fühlte.
„Wir könnten hinunter in die Ebene oder wir könnten ganz hinab ins Gewölbe“, schlug Palimpalim nun vorfreudig vor.

Auf die freie Ebene: Abschnitt bc

Ins Gewölbe unter dem Turm: Abschnitt bg
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