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Prisma x Liquefacere fines

von Tsubaki
GeschichteMystery, Freundschaft / P12 / Gen
01.12.2017
06.12.2018
95
91.211
6
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Dieses Kapitel
1 Review
 
04.12.2017 780
 
Abschnitt 06


Jane vergaß ihren Plan sich etwas zu essen zu besorgen und auch ihr eigentliches Ziel ihr neues zu Hause zu finden erst einmal und machte einen vorsichtigen Schritt auf die offene Hinterhoftür zu. Neugierig lugte sie hinein. Wo es da wohl hin ging?
Eine unglaubliche Faszination hatte Jane ergriffen und sie gab der Neugier nach und drückte die Tür ganz auf. Ein Windstoß fegte sogleich durch die Tür und wirbelte ein paar zertretene Schneekrümel hinein. Der Wind legte sich für einen kurzen Augenblick und plötzlich spürte Jane ihn in ihrem Rücken, wie er an ihrem Mantel riss und an der Hose zerrte. Es war, als wollte sie etwas dazu bewegen nach vorne zu gehen. Und Jane tat ihm zitternd den gefallen.
Sie hastete durch die Tür, hinein in den windgeschützten Innenhof. Kalt war es hier zwar genauso, aber nicht so zugig, wie vor der Türe. Erleichtert atmete Jane aus und stieß dabei ein weißes Wölkchen in die kühle Luft. Dann blickte sie sich interessiert um.
Der Hof war nicht besonders groß und führte wahrscheinlich unter anderem zu den Mülltonnen, dem Gitter nach zu urteilen, das nicht weit von Jane entfernt war. Bevor sie es jedoch genauer unter die Lupe nahm, kontrollierte sie noch einmal die Tür, durch die sie gekommen war. Sie wollte schließlich keine böse Überraschung erleben, falls sie zufallen sollte. Schlüssel hatte sie keinen und wenn das ein Schloss war, das einrastete, müsste sie hier in der Kälte warten, bis jemand kam, der auch dazu befugt war sich hier aufzuhalten. Bei dem Gedanken wurde ihr gleich ein bisschen kälter zumute.
Sie rüttelte an dem Schloss und betätigte die Türklinke, doch auch wenn es für sie nicht nach einem von selbst einrastenden Schloss aussah, konnte sie es doch nicht mit Sicherheit ausschließen.
Sie fühlte sich irgendwie unwohl, als sie nach einem Gegenstand suchte, den sie einlegen konnte. Wenn sich hier drinnen wirklich etwas aufhielt, dann war sie vermutlich schon längst entdeckt worden, obwohl es umgekehrt noch nicht der Fall war. Sie spürte, wie auf einmal ihr Herz schneller zu schlagen begann, als würde die Stille und Einsamkeit in diesem Freiraum ihr eine Botschaft überbringen. Eine Botschaft von heimlich lauernder Gefahr, für die das hier der perfekte Platz und optimale Bedingungen waren.
Statt den runden Türstopper, den sie ein Stück weiter weg gefunden hatte, aufzulesen und in die Tür einzulegen, hörte Jane also auf ihr Gefühl und riss die Tür wieder auf. Sie wollte schon nach draußen stürmen, da zog eine andere, kräftigere Macht sie jedoch direkt vor ihrer Nase wieder zu. Ein Sausen und Zischen tönte unter dem Türspalt durch und Jane rüttelte an der noch immer klappernden Tür. Offensichtlich war sie nicht eingerastet, wurde aber einfach nicht freigegeben. Und Jane war sich ziemlich sicher, zu wissen, was die Tür von der anderen Seite hielt. Sie wagte aber kaum den Gedanken zu Ende zu denken. Wenn der Wind gegen sie spielte, was mochte dann erst hier drinnen auf sie warten? Doch es war nichts weiter zu bemerken gewesen, als ein plötzlicher, kräftiger Windstoß, der Jane die Tür klappernd, aber entschlossen aus der Hand gerissen hatte und sie nun pfeifend hier gefangen hielt. Sie konnte ihn draußen toben hören, während es hinter ihr nach wie vor erschreckend ruhig war. Beängstigend.
Langsam löste sie die Hand vom Türgriff und drehte sich herum. Wenn sich hier etwas aufhielt, was womöglich sogar gefährlich war, dann war das Dümmste was sie tun konnte, ihm den Rücken zu zu wenden.
Jane lauschte. War das hier die berüchtigte Ruhe vor dem Sturm?
Tatsächlich brauchte es nicht lang, bis sich aus der Stille ein leises Schnaufen ausmachen konnte. Nein, ein Hecheln. Und dann ganz deutlich eine männliche Stimme, die von ganz hinten aus dem Hof kam. Aus einer Ecke, die Jane von hier nicht einsehen konnte, aber mit ihrem Gehör zu identifizieren glaubte.
Sie sagte: „Lauf weg“ und es klang für Jane, wie die einzig sinnvolle Wahl. Der einzige Ausweg.
Hinter Jane erklang allerdings immer noch das Brausen des Windes unter dem Türspalt hindurch und ein Kichern drang wie aus weiter Ferne langsam zu ihr herauf. Ein Kichern einer weiblichen Stimme, die sich prächtig zu amüsieren schien.
Im nächsten Moment kam ein kehliges Knurren aus dem Hof zu ihr herüber.
Jane wich zurück und spürte das Holz der Tür hinter sich. Ganz langsam wanderte sie mit der Hand zum Türgriff hinauf. Sie gab sich Mühe kein Geräusch zu verursachen, aber schon allein ihr unterdrückter Atem ging schnell und ihr Herzschlag schlug ihr bis zum Hals und war sicherlich im ganzen Körper zu hören – wenn nicht sogar noch außerhalb.

Würfeln:

1, 2 und 3 = Abschnitt 16

4, 5 und 6 = Abschnitt g5

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