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Prisma x Liquefacere fines

von Tsubaki
GeschichteMystery, Freundschaft / P12 / Gen
01.12.2017
06.12.2018
95
91.211
6
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09.12.2017 694
 
Abschnitt 38 - c9


„Ach, komm weiter“, meinte Lynn und nahm diesmal Janes Hand, um sie weiter zu ziehen. Aber Jane ließ sich nicht beirren. Von irgendwo her musste das Licht kommen.
Sie hob langsam den Kopf und betrachtete den Himmel so eingehend, wie sie konnte. „Der Himmel ist jetzt nicht so wichtig“, beschwerte sich Lynn über die fehlende Kooperation. Aber sie konnte nichts gegen Janes Sturheit tun.
„Lauf schon mal vor“, murmelte diese wie in einem Bann.
„Bist du sicher?“, fragte Lynn skeptisch. Sie schien Skrupel zu haben Jane einfach hier stehen zu lassen, wollte aber gleichzeitig offensichtlich weiter. Auch ihr war das Wolwerock sicher deutlich in Erinnerung geblieben.
„Jetzt geh schon“, gab Jane ihr nochmal deutlich das Kommando und suchte den Horizont ab. Irgendetwas war merkwürdig an diesem Himmel. Ein Raum war es jedenfalls nicht, in dem sie sich befanden. Es gab keine Decke und keine Lampen, die daran befestigt wären. Aber aus einem Teil des Horizonts schien Licht zu ihnen durchzudringen. Es brach sich aber recht merkwürdig in den weiß-bunten Schlieren, die den Himmel darstellten. Jane konnte nicht sagen, ob sie so ein Muster am Himmel schon jemals gesehen hatte. Es sah auf einer Seite eher grau aus, während die andere weiß getupft wirkte. Außerdem gab es merkwürdige Formen, die Jane nicht recht zu beschreiben wusste. Es sah fast aus, wie Splitter, die den Himmel zierten.
Auf einmal veränderte sich der Himmel jedoch schlagartig. Janes Augen wurden größer als sie etwas Großes, Schwarzes auf ihrer Seite des Horizonts wahrnehmen konnte. War das etwa ein Schuh?
„Ich fasse es nicht“, hauchte Jane in die Landschaft und war unschlüssig, ob sie darauf zu oder davon weg laufen sollte. Das sie nicht untätig sein wollte, war ihr jedenfalls klar. Schließlich entschied sie sich für die Hütte. Diese war nicht mehr all zu weit entfernt und zumindest der Schutz des Dachs war erstmal nicht zu verachten.
Jane kam jedoch nicht so weit, auch wenn nicht mehr viel gefehlt hatte bis zur Tür. Einer ihrer Schritte ging ins Leere und sie verlor das Gleichgewicht, als ein vakuummäßiges Gefühl sie zum Boden hin zog.
Kaum lag sie der Länge nach im weißen Stoffschnee drückte sie die Welt noch fester an sich, als wollte die Schwerkraft sie gefangen nehmen. Es schmerzte schon fast und dieses Gefühl war noch schlimmer, als das Fallen von vorhin. Dafür war es aber auch wesentlich schneller vorbei. Die Anziehungskraft hatte genauso unverhofft nachgelassen, wie sie vorher auf einen Schlag zugenommen hatte.
Kaum ließ der Druck nach, fühlte Jane, wie ihre Lungen wieder an Raum gewannen und sie schnappte gierig nach Luft. Dabei erwischte sie allerdings auch einige der künstlichen Schneeflocken und spuckte sie angeekelt wieder aus, während sie sich mit den Händen auf dem Boden abstützte.
Noch etwas benommen setzte sie sich nun ganz auf und blickte reflexartig auf die Stelle, an der vorher der Schuh gewesen war. Jetzt war dort ein hautfarbener Fleck. Aber noch bevor Jane genauer hinsehen konnte, wurde sie erneut zurück in den Schnee gepresst, nur um gleich mit einem kleinen Satz in die Höhe geworfen zu werden. Das wiederholte sich noch zwei Mal, dann kehrte wieder Ruhe ein. Jane blieb trotzdem liegen. Sie war fix und fertig.
Hier war es ja schlimmer wie auf dem Oktoberfest. Zwar hatte sie keinen Eintritt bezahlt, aber dafür hatte sie nicht mal selbst entscheiden dürfen, ob sie überhaupt ein Fahrgeschäft fahren wollte, geschweige denn welche.
Und nicht nur, dass sie jetzt durchgeschüttelt war, zu allem Überfluss rieselte nun auch noch Schnee auf sie herab. Und dabei handelte es sich vermutlich nicht um den, der eben mit ihr vom Boden aufgewirbelt worden war. Der lag zwar nicht mehr so ordentlich und harmonisch um sie herum, wie zuvor, aber er war nach wie vor aus Stoff und der, den sie nun auf ihrem Gesicht spürte, war eisig und biss auf der Haut.
Jane hob die Hand und schützte die Augen. Dann drehte sie den Handrücken zu sich und betrachtete eine dicke Flocke. Sie waren nicht nur kalt, sondern auch wunderschön. Das war echter Schnee.

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