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Prisma x Liquefacere fines

von Tsubaki
GeschichteMystery, Freundschaft / P12 / Gen
01.12.2017
06.12.2018
95
91.211
6
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Dieses Kapitel
1 Review
 
08.12.2017 913
 
Abschnitt 34 - 8j


Das Schillern bewegte sich in regelmäßigen Rhythmen, wie eine optische Täuschung. Jane kam der Effekt einer Spirale in den Sinn, die sich immerwährend zu drehen schien, wenn man sie nur lange genug ansah. Schnell riss sie sich von dem Anblick los.
„Ihr seht das auch, oder?“, fragte sie aufgeregt Lena und Alexa. Die Frage erübrigte sich aber eigentlich, denn man konnte an Hand ihrer Gesichter schon erkennen, dass sie etwas sahen, was nicht normal war. Furchen des Erstaunens durchzogen die Haut auf der jeweiligen Stirn, dadurch, dass ihre Augen sich weiteren, bei dem Anblick. Es war sehr unwahrscheinlich, dass sie einfach vom Anblick Janes noch beinahe leerem Tischchen, welches ein Stück hinter der Erscheinung in ihre Sichtlinie kam, so überrascht waren.
Jane nickte also.
„Ist das ein Portal?“, fragte Alexa zurück, statt die offensichtliche Antwort zu geben.
Lena hingegen sagte: „Ich glaube schon, dass ich sehe, was du meinst.“ Sie stand dem Ganzen etwas misstrauisch gegenüber. Natürlich, soetwas kam nicht jeden Tag vor.
„Ich glaube schon“, meinte Jane zu Alexa und blickte wieder in das intensive, pulsierende Licht. Obwohl es sich bei dem bunten Munster um eine Ansammlung von Licht zu handeln schien, verbreitete es keine weitere Helligkeit im Zimmer. Und der dunkle Punkt in der Mitte des Kreises gab dem Ganzen eher etwas Düsteres, denn der Rand schien kein Licht und keine Farbe mehr für ihn übrig zu lassen. Wie ein Blumenbeet, dass befüllt war mit Pflanzen, die so viel Wasser zogen, dass neben ihnen keine zartere Pflanze mehr gedeihen konnte. Man musste schon von demselben standfesten Gemüt sein, wenn man sich in der schwarzen Erde behaupten wollte.
Jane musste daran denken, dass Tim in dieser Schwärze verschwunden war. Jetzt ließ es sich ja kaum mehr abstreiten.
Sie musste es Lena sagen.
„Lena... kann es sein, dass Tim heute doch nicht in der Arbeit ist?“, begann sie vorsichtig.
„Wie meinst du das?“, fragte Lena irritiert.
Da erzählte Jane, was sie am Morgen erlebt und später für einen Traum gehalten hatte. Und Lena war fassungslos. Sie verlor gar nicht viel Zeit und trat auf das Portal zu.
„Ich gehe ihn zurück holen“, sagte sie entschlossen und tauchte mit dem Oberkörper in die schwarze und die bunte Fläche gleichzeitig. Die Muster schlangen sich gierig um sie und bildeten Linien, die an feine Ärmchen erinnerten. Auch wenn sie nur fadenscheinig waren, war ihr Griff doch fest, denn Lena musste nicht springen, um ganz in dem Loch zu verschwinden. Die Farben sogen sie ein. Ein leises Zischen klang noch im Raum nach und Lena war verschwunden.
Jane blickte ihr hinterher in das verführerische Spiel von Licht und Dunkelheit. Es war nichts mehr von ihr zu sehen. Aber Jane fühlte sich nun selbst stark von dem Portal hingezogen und machte tapfer einen Schritt nach vorne.
Auch Alexa trat jetzt an das Tor heran und rief: „Lasst uns einen Tim-Rettungstrupp gründen! Wir müssen meinen Bruder retten.“
Jane fragte sich, warum Alexa Bruder gesagt hatte, denn davon, dass die beiden Verwandt wären, wusste sie bisher nichts. Doch sie hatte keine Gelegenheit mehr Alexa danach zu fragen. Sie verschwand bereits in der weichen Energie des Portals.
Zu ihrer Überraschung war es nicht nur dunkel im Inneren. Eher war sie jetzt von einem Meer aus Lichtern umgeben. Weiße und bunte Punkte, die beweglich ineinanderflossen, sich trennten und wieder mit einander verschmolzen. Es war ein sonderbares Gefühl hier mehr oder weniger zu schweben. Jane wusste genau, dass sie fiel, seid sie von dem Portal eingesogen war, aber ihre Haare standen dabei beispielsweise nicht zu Berge, sondern alles glitt ganz langsam an ihr vorbei. Irgendwie hatte sie eher das Gefühl von Wasser umgeben zu sein, wie wirklich zu fallen.
Doch kaum wollte sie ihre Arme anheben, um zu probieren, ob sie mit Schwimmbewegungen die Richtung steuern könnte – durch diese immer gleiche Umgebung – da fiel sie tatsächlich.
„Wahhh“, rief sie aus und landete mit einem dumpfen Geräusch auf dem Boden. Das Loch hatte sie genauso vehement ausgespuckt, wie es sie sich einverleibt hatte und sie war im hohen Bogen in ein Feld Blumen geflogen. Ein paar dieser Blumen waren jetzt unter ihr begraben und als sie den Kopf hob, sah sie direkt auf ein gelbes, zerknicktes Exemplar, dass sie plattgedrückt hatte. Viel verwirrender war allerdings, dass der Rest der Blumen auseinander stob und jetzt wild hin und her lief. Irritiert wendete Jane den Blick von den gepressten Blumen unter sich ab und sah zu den hin und her rennenden Arten.
Erst schien es ihr, als würden nur unter ihr richtige Blumen liegen und der Rest des Beets war nur von lebenden Blumen besiedelt gewesen. Doch dann machte sie zwischen den beweglichen Stielen auch ruhige, festgewachsene aus. Und davon gar nicht so wenig, wie sie anfangs angenommen hatte.
„Wahnsinn“, brachte sie ihre Gefühle zum Ausdruck und rappelte sich ganz auf. „Das kann doch gar nicht sein!“
Der Anblick, der sich ihr rund herum bot, war überwältigend. Jane stand in Mitten eines angelegten Beets und wurde von einer Gruppe misstrauisch blickender Blumen beäugt, die sich mittlerweile zusammengerottet hatten und ein neues Beet bildeten – aber das war noch gar nicht das Umwerfendste. Noch viel beeindruckender waren der Himmel, mit seinen Wingulls und Schwalbinis, die Bäume mit dem herabhängen Menki, und den beiden in Kreisen tanzenden Smettbos und wahrscheinlich die gesamte Umgebung an sich. Alles spielte ineinander und ergab ein Bild. Sie war in der Pokemonwelt.

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Das letzte Stück des Berghangs hinauf gehen: Abschnitt v9

Den Berg hinunter gehen: Abschnitt h9
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