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Prisma x Liquefacere fines

von Tsubaki
GeschichteMystery, Freundschaft / P12 / Gen
01.12.2017
06.12.2018
95
91.211
6
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Dieses Kapitel
1 Review
 
08.12.2017 1.300
 
Abschnitt 32 - w7


Jane blickte von Lynn zu dem künstlichen Schnee und dann zur Hütte. Ihre Augen suchten die Umgebung nach Anhaltspunkten ab, was sie hier erwarten konnte.
Da sie aber nichts Lohnenswertes fand, entspannte sie sich schließlich wieder ein wenig und sagte: „Ja, schauen wir uns doch lieber erst die Hütte an. Vielleicht wohnt hier ja jemand.“
Lynn nickte und ging zurück auf den Weg.
Brav folgten sie dann seinen Spiralen, bis sie an der Hütte angelangt waren. Die Spuren, die sie in dem Stoffschnee hinterlassen hatte, sahen komisch aus. Es war nicht so, als hätten sie gar keine hinterlassen, aber so richtig knirschend zusammenpressen ließ sich der Kunstschnee anscheinend nicht. Die Flocken in den Fußabdrücke lagen eindeutig tiefer, als der restliche Schnee auf dem Weg, aber gleichzeitig sahen sie sehr verwischt und durcheinander geraten aus, in ihrer Anordnung.
Und diese krausen Fußspuren zeichneten nun den Weg der Mädchen, bis hin zur Tür. Dort blieben Jane und Lynn erst einmal stehen und betrachteten die Hütte genauer.
„Es ist wirklich kein Lebkuchenhäuschen“, sagte Jann grinsend, denn dieser Gedanke war ihr seit kurzem durch den Kopf gespukt. Auch wenn auf dem Weg Zuckerstangen platziert waren, war hier anscheinend nicht alles essbar.
„Lass uns rein gehen“, meinte Lynn und drückte gegen die Tür. Sie war offen.
„Erst klopfen“, tadelte Jane lächelnd und pochte gegen die schon halb offene Tür.
Niemand antwortete. Jetzt trat auch Jane vorsichtig ein und Lynn und sie gingen jeder eine Seite des Raumes ab, der sich ihnen nun darbot. Es war ein kleiner Raum, in dem nicht viel zu finden war und er war wirklich bilderbuchmäßig eingerichtet. Aber gegenüber der Eingangstür lag noch eine weitere Tür, die wohl in einen zweiten Raum führte.
Die beiden Mädchen warfen sich einen Blick zu und dann gingen sie wie abgesprochen auf die zweite Tür zu. Vielleicht war im nächsten Raum mehr zu sehen.
Jane griff nach der Türklinke und fasste ins Leere. Sie sah nichts mehr. Alles war auf einmal dunkel geworden und ihre Augen konnten erst nach ein paar Augenblicken wieder erste Konturen ausmachen.
„Was ist denn jetzt los?“, fragte Lynn und patschte Jane mit der Hand ins Gesicht. Auch sie hatte offensichtlich die Orientierung verloren.
„Lass das!“, rief Jane.
„War das dein Gesicht?“, vermutete Lynn und streifte nun Janes Schulter und Arm, bevor die Hand ganz wegsank.
„Ja, das bin ich. Wer sollte es denn sonst sein?“, erwiderte Jane.
„Keine Ahnung“, meinte Lynn und es wurde wieder ruhig.
Beide warteten ab, bis sich ihre Augen an das Dunkel gewöhnt hatten und suchten dann die Konturen nach Anhaltspunkten für die plötzliche Finsternis ab. Allerdings erwies sich das als gar nicht so einfach, wenn man nicht mal wusste, wonach man Ausschau halten sollte.
„Ist dir aufgefallen, dass wir bei Nacht den Flur verlassen haben und in eine viel hellere Welt gegangen sind?“, fragte Jane irgendwann, die sich erst darüber Gedanken gemacht hatte, ob es vielleicht Nacht geworden war, bis ihr aufgefallen war, dass sie ja bei Nacht den Flur betreten hatte. In dieser Schneelandschaft war ihr das gar nicht mehr so bewusst gewesen. Alles war seltsam gewesen, da fiel der Helligkeitsunterschied nicht mehr so ins Gewicht. Im Flur selbst war es ja auch hell gewesen, was aber natürlich an einer Deckenlampe gelegen hatte und nicht einfach aus unerklärlichen Gründen so gewesen war.
Hier hingegen schien alles nicht mit rechten Dingen zu zu gehen. Weder das schwummrige Licht von vorher war erklärbar, noch die plötzliche Dunkelheit, die sie nun umfing. Und diese herrschte nicht nur im Inneren des Häuschens, sondern auch durch das Fenster konnte man in die Nacht hinaus blicken.
„Ja, aber mich würde eher interessieren, wie man das Licht wieder anschalten kann“, sagte Lynn und begann umher zu wandern.
„Einen Lichtschalter werden wir hier kaum finden“, vermutete Jane und öffnete die Tür in den Nebenraum.
Lynn tat es ihr gleich und öffnete die Tür nach draußen wieder. Und kaum hatte sie das getan, kam auch schon ein Ruf von draußen.
„Schau dir das an“, drang Lynns Stimme an Janes Ohr.
Sie folgte gehorsam und verließ die Hütte wieder. Draußen stand Lynn direkt vor der Tür und deutete auf den Himmel.
„Die Muster sind verschwunden“, sagte Lynn treffend. Die Schlieren, die sich vorher durch den weiß-grauen Himmel gezogen hatten, waren nun tatsächlich komplett verschwunden. Stattdessen bedeckte eine einheitlich tief dunkelblaue Fläche Himmel und Horizont.
„Erstaunlich“, meinte Jane und blickte in die Ferne. Auf einmal sah alles ganz anders aus. Der weiße Schnee machte die Umgebung zwar trotzdem noch heller, als das Innere der Hütte es war, aber er hatte nichts zum Reflektieren und konnte daher auch nicht viel Helligkeit spenden. Komplett dunkel konnte es daher allerdings nicht sein, denn weder der Schnee war ganz in der Schwärze verblasst, noch waren Lynn und Jane sozusagen erblindet. Denn Menschen konnten nun mal nichts sehen, wenn überhaupt kein Fünkchen Licht da war. Das war also immerhin nicht der Fall.
Doch Jane fiel noch etwas anderes auf. Vorsichtig ging sie an der Hütte entlang. Und tatsächlich, sie hatte sich nicht getäuscht. Am anderen Ende der Hütte hingen zwei kleine Figuren vom Dach. Sie baumelten gar nicht tief darunter, aber sie waren da.
„Hast du was entdeckt?“, fragte Lynn, als Jane nach einem der beiden Holzschnitzereien griff.
Im nächsten Moment wurden beide von gleißend hellem Licht erschlagen und mussten die Augen zukneifen.
„Wie hast du das denn gemacht?“, fragte Lynn und klang genauso gepresst, wie Jane sich fühlte.
„Ich hab an diesem Ding hier gezogen“, sagte Jane ungenau und versuchte langsam ein Auge zu öffnen. Sie sah noch immer bunte Flecken im Schnee und war froh, als sie sich nach kurzer Zeit verflüchtigten. Jetzt erschien ihr das Licht gar nicht mehr so gleißend, also öffnete sie auch das zweite Auge. Alles was geschehen war war, dass der Himmel wieder weiß geworden war. Er verbreitete dadurch auch nicht mehr schummriges Licht als zuvor. Doch der Farbunterschied war einfach zu stechend gewesen.
Auch Lynn rief sich noch über die Augen, als sie zu Jane trat.
„Also, woran hast du gezogen?“, fragte sie und besah sich die Figuren nun genauer. Es waren zwei kleine Holzschnitzereien, die ein Lunastein und ein Sonnfel darstellten. Vielleicht auch einfach schlecht gemachte Sonne und Mond, die daher sehr an die beiden Pokemon erinnerten. Jedenfalls schienen sie als Lichtschalter zu funktionieren.
Lynn schien den gleichen Gedanken gehabt zu haben, denn sie griff nach dem Lunastein.
„Nicht!“, rief Jane, aber es war schon zu spät. Sofort waren sie wieder von Dunkelheit umgeben. Tiefste Nacht kam hier wirklich auf Knopfdruck.
Jane versuchte aber gar nicht erst, ihre Augen an den Mangel an Licht zu gewöhnen, sondern tastete, nach den Figuren. Dabei fand sie Lynns Arm, der wohl zuerst das Sonnfel gefunden hatte, denn die Welt wurde augenblicklich wieder weiß.
„Das ist ja cool“, murmelte Lynn fasziniert.
„Und anstrengend für die Augen“, jammerte Jane gespielt. Auch sie fand das eigentlich interessant. Gleichzeitig aber auch enorm beunruhigend. Es zeigte nur noch mal deutlich, dass sie nicht mehr in der normalen Welt waren, aus der sie beide kamen. Das hieß, zumindest hoffte Jane, dass Lynn auch aus der Realität kam. Mit Sicherheit wissen konnte sie es nicht. Aber sie vertraute einfach mal darauf.
Bei wem sie es aber noch weniger wissen konnte, war die Person, die den Lichtschalter hier vor ihnen betätigt hatte. Denn das musste eindeutig jemand getan haben. Und so betrachtet, konnte man sogar eine Art weitete menschliche Fußspur ausmachen, die weiter um das Haus führte.
Jane deutete darauf und Lynn und sie folgten ihr in respektvollem Abstand, um sie nicht zu zertreten. Doch zu ihrer Enttäuschung oder auch Erleichterung, führte die Spur im Kreis herum.
„Was machen wir jetzt?“, fragte Lynn.
„Suchen“, schlug Jane vor. „Vielleicht ist die Person ja noch irgendwo hier.“

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Draußen umsehen: Abschnitt d8

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