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Prisma x Liquefacere fines

von Tsubaki
GeschichteMystery, Freundschaft / P12 / Gen
01.12.2017
06.12.2018
95
91.211
6
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08.12.2017 1.131
 
Abschnitt 30


Das Schillern bewegte sich in regelmäßigen Rhythmen, wie eine optische Täuschung. Jane kam der Effekt einer Spirale in den Sinn, die sich immerwährend zu drehen schien, wenn man sie nur lange genug ansah. Schnell riss sie sich von dem Anblick los.
„Ihr seht das auch, oder?“, fragte sie aufgeregt Lena und Alexa. Die Frage erübrigte sich aber eigentlich, denn man konnte an Hand ihrer Gesichter schon erkennen, dass sie etwas sahen, was nicht normal war. Furchen des Erstaunens durchzogen die Haut auf der jeweiligen Stirn, dadurch, dass ihre Augen sich weiteren, bei dem Anblick. Es war sehr unwahrscheinlich, dass sie einfach vom Anblick Janes noch beinahe leerem Tischchen, welches ein Stück hinter der Erscheinung in ihre Sichtlinie kam, so überrascht waren.
Jane nickte also.
„Ist das ein Portal?“, fragte Alexa zurück, statt die offensichtliche Antwort zu geben.
Lena hingegen sagte: „Ich glaube schon, dass ich sehe, was du meinst.“ Sie stand dem Ganzen etwas misstrauisch gegenüber. Natürlich, soetwas kam nicht jeden Tag vor.
„Ich glaube schon“, meinte Jane zu Alexa und blickte wieder in das intensive, pulsierende Licht. Obwohl es sich bei dem bunten Munster um eine Ansammlung von Licht zu handeln schien, verbreitete es keine weitere Helligkeit im Zimmer. Und der dunkle Punkt in der Mitte des Kreises gab dem Ganzen eher etwas Düsteres, denn der Rand schien kein Licht und keine Farbe mehr für ihn übrig zu lassen. Wie ein Blumenbeet, dass befüllt war mit Pflanzen, die so viel Wasser zogen, dass neben ihnen keine zartere Pflanze mehr gedeihen konnte. Man musste schon von demselben standfesten Gemüt sein, wenn man sich in der schwarzen Erde behaupten wollte.
Jane musste daran denken, dass Tim in dieser Schwärze verschwunden war. Jetzt ließ es sich ja kaum mehr abstreiten.
Sie musste es Lena sagen.
„Lena... kann es sein, dass Tim heute doch nicht in der Arbeit ist?“, begann sie vorsichtig.
„Wie meinst du das?“, fragte Lena irritiert.
Da erzählte Jane, was sie am Morgen erlebt und später für einen Traum gehalten hatte. Und Lena war fassungslos. Sie verlor gar nicht viel Zeit und trat auf das Portal zu.
„Ich gehe ihn zurück holen“, sagte sie entschlossen und tauchte mit dem Oberkörper in die schwarze und die bunte Fläche gleichzeitig. Die Muster schlangen sich gierig um sie und bildeten Linien, die an feine Ärmchen erinnerten. Auch wenn sie nur fadenscheinig waren, war ihr Griff doch fest, denn Lena musste nicht springen, um ganz in dem Loch zu verschwinden. Die Farben sogen sie ein. Ein leises Zischen klang noch im Raum nach und Lena war verschwunden.
Jane war sprachlos und für ein paar lange Augenblicke war nichts anderes zu hören, als die Stille und das leise Zischen, das von dem brodelnden Spiel aus Licht und Schatten ausging.
Doch lange hielt diese Regungslosigkeit nicht an.
„Ihr nach! Wir müssen meinen Bruder retten“, rief Alexa und tauchte ebenfalls in das merkwürdige Portal, das sie freudig empfing.
„Bruder?“, fragte Jane noch völlig überrascht, blieb aber allein zurück, bevor Alexa etwas antworten hätte können.
Jane lauschte ein paar endlose Sekunden auf die kaum hörbare Geräuschkulisse und hielt es schließlich nicht mehr aus. Wie von einer Tarantel gestochen hetzte sie in den Flur. Dort überrannte sie beinahe Mona und Nelia. Zwei Mädchen aus dem zweiten Stock.
„Huch“, quiekte Nelia erschrocken, als sie zur Seite wich und Mona blickte Jane kritisch an, als sie direkt neben ihnen abbremste, statt weiter zu laufen.
„Da drinnen ist etwas, was ihr euch ansehen solltet“, sprudelte es aus ihr heraus.
„Was denn?“, fragte von der anderen Seite des Ganges eine weitere Stimme. Jane drehte sich um und sah Larissa, die WG-Gründerin, auf sich zugehen.
„Alexa und Lena sind in einem Portal verschwunden“, stellte Jane klar, ohne groß etwas zu erklären. Das sorgte allerdings nicht unbedingt für verständige Reaktionen. Nelia lachte, Monas Mundwinkel wurden ebenfalls von einem Lächeln umspielt und sie murmelte etwas davon, dass Jane eindeutig zu ihnen passen würde und Larissa forderte Jane auf, genauer zu erklären. Diese schüttelte allerdings den Kopf und lief einfach voraus in ihr Zimmer.
Dort war nach wie vor das verheißungsvolle Loch. Doch jetzt sah es nicht mehr aus wie ein Kreis, sondern erinnerte Jane an etwas anderes. Sie konnte nur nicht greifen, was es war. Das Farbenspiel schien sich gegen den Uhrzeigersinn zu bewegen und bildete dabei kleine Zacken aus, wie Schaumkronen auf den rollenden Wellen. Was geschah mit dem Portal. Jane trat vorsichtig näher. Doch sie hütete sich zu lange hinein zu sehen, sondern wandte den Blick bald ab zum Boden.
Hinter ihr hörte sie die Schritte der anderen und die Tür schwang leise ein Stück weiter auf, als sie eintraten.
Dann hörte sie ein: „Das darf doch nicht wahr sein.“ Sie sahen es auch. Aber daran hatte Jane schon gar nicht mehr gezweifelt.
„Heute morgen habe ich schon mal eins gesehen“, erzählte Jane, „Tim ist darin verschwunden, aber ich dachte, ich hätte es nur geträumt. Dann tauchte aber dieses hier auf und als ich es Lena erzählt habe, sind sie und Alexa durch dieses Portal gesprungen.“
„Durch dieses?“, fragte Larissa aufmerksam. „War das Andere nicht hier, dass du sie so unterscheiden kannst?“
„Nein, im Flur.“
„Es könnte also auch woanders hin führen, als das Letzte, das wisst ihr schon“, merkte Larissa an.
„Ich weiß“, murmelte Jane und hob den Blick wieder.
„Aber wir können Alexa und Lena doch nicht allein lassen, wo immer sie auch sind“, meinte Nelia kameradschaftlich. Sie schien erst großen Respekt vor dem Tor gehabt zu haben, aber dieser Eindruck war ziemlich schnell verschwunden. War sie etwa von der Dunkelheit fasziniert? Jane könnte es sich gut vorstellen. Schon allein wegen der anziehenden Wirkung des Musters.
„Okay, gehen wir hinterher“, meinte nun auch Larissa. Jane blickte sie überrascht an und sah, dass ihre Augen merkwürdig fixiert auf das Portal waren. Und ihr war, als wäre ihre Iris dunkler geworden. Aber welche Farbe hatte sie denn in echt gehabt? Jane wusste es nicht. Es konnte also auch nur Einbildung sein. Man achtete einfach viel zu wenig auf Details in seiner normalen Umgebung. Selbst wenn man stetig Recherchematerial suchte. Gerade Augenfarben vielen oft unter die Aufmerksamkeitslinie. Diese Augen sahen für Jane jedoch trotzdem nicht normal aus. Sie begannen so merkwürdig zu schimmern.
Schon schob Larissa sie zur Seite und tauchte in das flüssig aussehende Licht. Mona zuckte mit den Schultern und folgte Nelia, die hinter Larissa war.
Jane zögerte kurz, ging dann aber auch auf das Portal zu, als gerade Monas Bein sich im Nichts auflöste. Doch das Bein war nicht das Einzige, was verschwand.
Das Portal schrumpfte.
Jane bekam Panik. Sollte sie versuchen, durch das schrumpfende Portal zu schlüpfen oder sollte sie lieber hier bleiben?

Durchs Portal: Abschnitt tq

In die Küche gehen: Abschnitt ta

Auf den Dachboden zu den anderen sehen: Abschnitt ts

Ins Wohnzimmer schauen: Abschnitt td
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