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Prisma x Liquefacere fines

von Tsubaki
GeschichteMystery, Freundschaft / P12 / Gen
01.12.2017
06.12.2018
95
91.211
6
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06.12.2017 786
 
Abschnitt 20


Jane blickte abwägend von der neuzeitlich aussehenden Tür zur weniger Modernen. Eigentlich viel ihr die Entscheidung bei dieser Wahl aber nicht sonderlich schwer.
„Lass uns doch einfach mal nachsehen, was sich hinter der Holztür verbirgt. Hier können wir gerade doch eh nichts ausrichten.“
„Ähm, okay...“, meinte Lynn gedehnt und ging zu der Holztür mit dem eisernen Türklopfer hinüber, während Jane noch in ihren Sachen kramte. „Aber wie gesagt, es ist etwas schockierend.“
„Ich kann mir aber nichts unter deiner Beschreibung vorstellen“, meinte Jane und stand auf. Sie hatte sich entschlossen den Großteil des Gepäcks hier zu lassen und nur ein paar nützliche Kleinigkeiten eingesteckt. Unter anderem die Schokoriegel, aber auch eine Flasche Wasser, die sie gerade so in ihre Jackentasche hatte klemmen können und einen Stift, weil man soetwas ja immer brauchen konnte. Auch das Handy hatte mit dürfen, obwohl es hier keinen Empfang zu haben schien.
Mit dieser Ausrüstung ging sie dann ebenfalls zu der Holztür hinüber und verschwendete keinen Blick mehr an die, aus der sie gekommen war.
„Also los“, meinte Jane jetzt wieder erstaunlich munter und zog am Griff.
Der Anblick der sich ihr nun bot war tatsächlich schockierend. Und Lynns Beschreibung passte erschreckend genau. Alles sah viel zu harmlos aus, um wirklich sein zu können. Weißer Pulverschnee bedeckte den Boden, riesenhafte Zuckerstangen standen am Rand des einzig verfügbaren Weges, der sich unsicher zu einem bilderbuchartigen Häuschen schlängelte. Wobei Häuschen sogar noch zu modern ausgedrückt war. Es handelte sich um eine Holzhütte, die so perfekt und geradezu niedlich gebaut war, dass sie unmöglich von einem modernen Architekten stammen konnte. Dafür war die Bauart gleichzeitig auch viel zu altmodisch.
„Das ist wie in einem Märchen“, brachte Jane schließlich staunend heraus, während sie alles genauer betrachtete. Auch wenn es nicht viel zu sehen gab, war es schwer, sich an dem wenigen, was da war, satt zu sehen.
„Lass uns hinter zu der Hütte gehen und uns ein bisschen umschauen“, sagte sie schließlich und lief los. Die neue Umgebung gefiel ihr tatsächlich besser, als der Vorraum, aus dem sie eben gekommen waren. Unwirklich oder nicht. Sie war neugierig, wohin das alles hier sie führen würde. Immerhin waren sie aus einem Raum gekommen und in eine Landschaft gegangen. Über ihnen befand sich ein weißlicher Himmel mit ungewohnten Schlierenmustern und in der Ferne konnte man nur Schnee weit und breit erkennen. Sogar die Tür, durch die sie das alles hier betreten hatten, war in einen Schneehügel gebaut, in dem der Vorraum niemals Platz gehabt hätte. Dahinter war dann nichts weiter als weiße Schneelandschaft zu sehen.
Jane blieb stehen. Lynn, die bis eben bei einer der riesenhaften Zuckerstangen gestanden hatte, sah zu ihr hinüber.
„Was ist?“, fragte sie.
„Was glaubst du, was es mit der Tür auf sich hat?“, fragte Jane nachdenklich und blickte den Schneehügel an. Sie war bereits etwa ein Drittel des Weges in Richtung Hütte gegangen. Doch jetzt war sie sich nicht mehr sicher, ob sie nicht doch lieber erst einem anderen Geheimnis auf die Spur kommen wollte.
„Wir könnten auch den Weg verlassen und uns die Umgebung da hinten mal etwas genauer ansehen“, schlug sie daher vor und blickte dann fragend zu Lynn.
„Da bin ich dabei!“, rief Lynn. „So einfach bringt man Leute also dazu, vom Weg abzukommen“, sagte sie grinsend und stapfte los.
„Wie meinst du das?“, fragte Jane und hatte im gleichen Augenblick noch einen anderen Gedanken. „Ist dir überhaupt nicht kalt?“, fügte sie ungläubig noch hinzu. Lynn sah mit ihrem Schlafanzug noch immer recht unbekümmert aus, obwohl sie hier durch eine Schneelandschaft ging.
„Nein, es ist eigentlich ganz erträglich hier“, sagte Lynn locker. „Und ich finde es bloß interessant, wie Menschen dazu zu bringen sind, etwas Verwerfliches zu tun – und wir kommen ja gerade vom Weg ab.“ Sie zwinkerte.
Daraufhin blieb Jane stehen, bückte sich und zerrieb etwas Pulverschnee zwischen den Fingern.
„Das ist gar kein echter Schnee“, stellte sie fest. „Das fühlt sich eher an wie Stoff.“
„Wie Stoff?“, fragte Lynn überrascht. Dann nickte sie aber. „Das erklärt die Temperatur.“
Jane musterte die Umgebung jetzt doch etwas kritischer.
„Hmm, wo sind wir hier bloß gelandet?“, grübelte sie laut vor sich hin. Dann sah sie sich suchend in alle Richtungen um. Natürlich war ihr bewusst gewesen, dass sie sich an einem surrealen Ort befanden, aber vorher war sie von Neugier und Tatendrang getrieben, während sie jetzt das ungute Gefühl überkam, dass hier etwas faul war.
„Willst du doch lieber zur Hütte gehen?“, fragte Lynn, die Janes gerunzelte Stirn nicht übersehen hatte. Nur war bei beiden Varianten schwer einzuschätzen, was sie wo erwarten würde. Jane blickte abschätzig von einer Seite zur anderen. Was sollten sie tun?

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Die Schneelandschaft erforschen gehen: Abschnitt d7

Zur Hütte gehen: Abschnitt w7
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