Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Prisma x Liquefacere fines

von Tsubaki
GeschichteMystery, Freundschaft / P12 / Gen
01.12.2017
06.12.2018
95
91.211
6
Alle Kapitel
32 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
06.12.2017 846
 
Abschnitt 18


„Warten wir erstmal ab und versuchen jemanden auf uns aufmerksam zu machen“, entschied Jane und ging das kleine Fenster begutachten. Es war gerade so breit wie ihr Kopf und auch nicht viel höher. Ein Mensch konnte da unmöglich durchpassen, selbst wenn man es einschlug. Einen Griff hatte es ebenfalls nicht, aber man konnte immerhin ein wenig von der Außenwelt sehen.
Doch auf einmal fiel Jane etwas ein. War das Fenster von außen auch zu sehen gewesen? Sie konnte sich nicht an ein Fenster erinnern, das so nah neben der Tür gewesen wäre. Überhaupt war ihr kein Fenster aufgefallen. Ob es Milchglas war? Jane musterte es noch einmal genauer. Nein, Milchglas schien es nicht zu sein. Man müsste also von außen genauso durchsehen können, wie von innen. Wieso also war ihr nichts aufgefallen?
Das machte Jane etwas stutzig. Es konnte natürlich sein, dass es nur an dem vielen Schnee um sie herum gelegen hatte, aber heute war alles so merkwürdig, dass sie es fast wahrscheinlicher fand, dass dort wirklich kein Fenster gewesen war.
„Hast du was vor?“, fragte Lynn und blickte Jane über die Schulter.
„Ich wollte mir nur unsere Situation mal genauer ansehen“, gab Jane zurück.
Lynn nickte und begann routiniert die Tür zu untersuchen. Doch sie gab schon bald auf und setzte sich im Schneidersitz davor.
„Hast du vielleicht etwas in deinen Taschen, was wir als Werkzeug verwenden können?“, fragte sie dann nach.
Jane musste lachen.
„Also ein Brecheisen habe ich leider nicht mitgenommen. Wenn wir das Fenster mit einem Kugelschreiber einschlagen können oder du mit Haarklammern Schlösser knacken kannst, sind wir gut bedient.“
Aber trotz dieser Worte ging sie ihre Sachen nochmal durchsuchen. Die Idee das Fenster einzuschlagen ging ihr nicht aus dem Kopf. Auf ihrer Suche brachte sie dann nicht nur Unmengen an Stiften, Papier und Kleidung zum Vorschein, sondern auch eine kleine Statue, die massiv genug sein könnte, um das Fenster damit einzuschlagen und sich selbst nicht all zu sehr zu schneiden. Behutsam legte sie dieses mögliche Werkzeug zur Seite.
„Wenn sich draußen etwas tut, können wir notfalls das hier verwenden“, berichtete sie Lynn von ihrem Plan.
„Na dann haben wir bereits Gelegenheit dazu“, gab Lynn fast feierlich, aber doch mit einem kleinen Funken Bitterkeit in der Stimme, bekannt. „Da draußen bewegt sich was. Vielleicht ist da jemand.“
„Warte, ich komm her“, sagte Jane aufgeregt und ging zu ihr herüber.
Und wirklich, draußen war undeutlich ein großer Schatten zu erkennen, der dort umher schlich.
„Hallo. Hier! Helfen Sie uns!“, rief Jane und klopfte gegen die Tür.
„Er geht vorbei“, sagte Lynn entsetzt und folgte dem Schatten draußen wie gebannt mit den Augen.
„Geh zur Seite“, forderte Jane sie hektisch auf. Sie griff die Statue fest mit beiden Händen und holte mit zusammengepressten Augen aus. Ein lautes Klirren verriet, dass sie ihr Ziel nicht verfehlt hatte. Vorsichtig öffnete sie die Augen wieder und begutachtete ihr Werk. Durch einen gezackten Rahmen aus Scherben konnte sie nach draußen sehen und die kalte Luft drängte begierig nach innen. Sonst war allerdings nichts zu sehen. Der Schatten war weg.
„Mist, es war zu spät“, murmelte Jane.
Aber Lynn gab noch nicht auf. Sie rief nochmal laut um Hilfe und versuchte die Gestalt von eben her zu locken. Jane stimmte kurzerhand mit ein und als sie gerade aufgeben wollten, erblickten sie erneut einen Schatten zwischen den Schneeflocken. Sofort wurden ihre Rufe wieder lauter und diesmal zeigte sich auch tatsächlich ein Effekt. Der Schatten kam auf die Tür zu. Etwas Graues war kurz durch den Schnee zu erkennen, dann war er in ihrem toten Winkel direkt vor der Tür.
Ein merkwürdig grollendes Geräusch erklang und die beiden Mädchen verstummten wie auf Kommando. Sie lauschten angestrengt in die Nacht und behielten die Tür stetig im Auge. Als ein Kratzen zu vernehmen war gingen sie ein Stück zurück und warteten, was sich weiter tat. Ging die Tür denn nicht von außen auf?
Ein paar bange Sekunden blieben sie einfach reglos stehen und wagten kaum zu atmen. Dann tat sich etwas. Mit einem ganz leisen Knarzen öffnete sich die Tür ein Stück weit. Den beiden Mädchen fiel ein Stein vom Herzen und sie gingen auf die Tür zu, um sie festzuhalten, wenn die Person eintrat.
Doch im nächsten Moment änderte sich die Lage. Die Panik kehrte zurück und sie wichen wieder von der Tür ab. Durch den Spalt kam eine Schnauze zum Vorschein. Und der Schnauze folgte in Bruchteilen von Sekunden eine Klaue und ein grau, rotbrauner Körper überzogen von Fell.
„Lauf“, rief Lynn und rannte los – zum einzig jetzt noch möglichen Ausgang. Zur Tür am anderen Ende des Raumes. Jane lies sich das nicht zweimal sagen und riss hastig an dem Türklopfer. Auch der Werwolf – oder eher das Wolwerock - war in ihre Richtung unterwegs und er war erstaunlich schnell auf den Beinen, dafür, dass er diese Gestalt wohl nicht gewohnt sein dürfte. Das Schlimmste war allerdings – er sah hungrig aus. Und bis auf drei Schokoriegel gab es nur sie in diesem Raum.

Würfeln:

2, 3 und 4 = Abschnitt 23

1, 5 und 6 = Abschnitt 25
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast